Montag, 11.Dezember 2017

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Franziska Kuschel: Schwarzhörer, Schwarzseher und heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien.
Wallstein-Verlag 2016
Ralf Husemann schreibt dazu "Die sehr gründliche und penibel recherchierte Doktorarbeit mit ihren mehr als 1200 Anmerkungen ist nicht immer leicht zu lesen, bietet aber einen profunden, spannenden und aufschlussreichen Einblick in den Kontrollwahn eines Partei- und Staatsapparates, der seinen eigenen Bürgern bis zum bitteren Ende immer zutiefst misstraute. Daran konnte auch der 'neue Kurs' Erich Honeckers nichts ändern, als er schon zwei Jahre nach der Ablösung Walter Ulbrichts auf einer Sitzung des Zentralkomitees der SED im Mai 1973 sagte, dass 'bei uns jeder nach Belieben' Hörfunk- und Fernsehprogramme der Bundesrepublik 'ein- und ausschalten' könne." (Süddeutsche Zeitung, 30. Mai 2016)

Die Autorin schreibt: "Lehrlingswohnheime, Kleingartenkolonien und Kneipen – das sind nur drei Orte, an denen die Staats- und Parteiführung der DDR die „Verführung“ der eigenen Bevölkerung befürchtete. Hier trafen sich Menschen, die gemeinsam Radio hörten, sich über Fernsehsendungen unterhielten oder Zeitschriften austauschten. Die Gefahr für die eigene Bevölkerung kam aus Sicht der Oberen über westliche Printmedien, Rundfunk- und Fernsehwellen wie Bravo, RIAS oder ZDF. Der Glaube an die Macht der Medien barg Hoffnung und Furcht zugleich. Auf der einen Seite wollte man die Bevölkerung von der Richtigkeit der eigenen Ziele und Maßnahmen überzeugen, fürchtete sich auf der anderen Seite aber vor den Wirkungen der als feindlich angesehenen westlichen Medien.
Die beiden deutschen Staaten trugen den Wettkampf der Systeme im Kalten Krieg nicht zuletzt über die Massenmedien aus. Die Bundesrepublik Deutschland verfügte mit dem inmitten der DDR gelegenen West-Berlin über einen strategisch guten Ausgangspunkt, ihre Medienangebote zu verbreiten. Bis zum Bau der Berliner Mauer im August 1961 war es Einwohnern der DDR zudem leicht möglich, bei einem Besuch im Westteil Berlins Druckerzeugnisse zu bekommen oder in Grenzkinos Westfilme zu sehen. Die Staats- und Parteiführung der DDR konnte in diesem Wettstreit nicht mithalten." Der alltägliche Gebrauch westlicher Rundfunk- und Fernsehprogramme sowie westlicher Printmedien in der DDR hatte selbst unter den Bedingungen einer Diktatur emanzipatorische Wirkungen. Er war somit Teil eines langfristigen gesellschaftlichen Wandels in der DDR.

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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