Sonntag, 21.Oktober 2018

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pech zuschnittKürzlich hielt Michael Beleites in der Stadt- und Regionalbibliothek Gera einen Vortrag anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Untergrundzeitschrift „Pechblende“. Dabei beschrieb der ehemalige Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seine risikoreiche Arbeit als Umweltschützer in der DDR und skizzierte die Erarbeitung einer Recherche-Dokumentation zum Uranbergbau in der DDR; die Veröffentlichung jener Enthüllungen von Michael Beleites im Rahmen der Untergrundzeitschrift "Pechblende" 1988 hatte weitreichende Folgen:
"Als im Juni 1988 die im Selbstdruck hergestellte Untergrundschrift „Pechblende“ fertiggestellt war, glich ihr „Erscheinen“ einer Sensation: Eine 40-jährige Geheimhaltung zu den Hintergründen des gigantischen sowjetisch-deutschen Uranbergbauprojekts „Wismut“ wurde gebrochen. Nicht von staatlicher Seite, nicht von den westlichen Medien – sondern von einer kleinen kirchlichen Umweltinitiative in der DDR; recherchiert, geschrieben und gedruckt von einem damals 23-jährigen Autor aus Gera. Die gut 60-seitige Dokumentation über die Folgen des Uranbergbaus in der DDR löste sowohl eine breite Resonanz in der westdeutschen Presse aus als auch heftige Reaktionen des SED-Staates und der Stasi. Wie es dazu kam und welche Wirkungen diese Schrift hatte, sei im Folgenden dargelegt.", erläutert Michael Beleites am 10. Oktober 2018 im Stadt- und Regionalbibliothek Gera.
Der vollständige Vortrag von Michael Beleites steht ab sofort in unserer Rubrik "Reden und Vorträge" als Download zur Verfügung oder kann direkt über diesen Link nachgelesen werden. (Foto: Schlammabsetzanlage der Wismut, Andreas Bley)

Jürgen Unbereit verteilte in Mühlhausen nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und einer Mühlhausener Demonstration Flugblätter auf denen er an den 17. Juni erinnerte. Seine "Rebellion des Jahres 1968" endete am 17. Oktober während des Staatsbürgerkunde-Unterrichts. Die Tür des Klassenzimmers ging auf, jemand trat herein und befahl: "Unbereit, Jürgen, zum Direktor! Ranzen mitnehmen!"
Es ging nicht zum Direktor, sondern raus auf die Straße, dort klemmten ihn zwei Herren recht unsanft in ihre Mitte auf die Rückbank eines Wartburg, fuhren in ein kasernenartiges Gebäude; doch alle Männer waren in Zivil.
"Wissen Sie, weshalb Sie hier sind?"
"Nein."
"Sie haben Hetzschriften verteilt." Der Schüler antwortete nicht.
"Wen haben Sie mit reingezogen?" "Ich war alleine."
"Nein, Sie waren nicht alleine."
Der 17-Jährige wurde abgeführt. Unbereit erinnert sich: "Ich musste diese ganze erniedrigende Prozedur einer Gefängniseinweisung über mich ergehen lassen: nackt ausziehen, untersucht bis in den After, danach abgetragene Gefangenenuniform anziehen, Schnürsenkel abgeben und am Ende in eine gut zwei Meter breite Einzelzelle."
Wochenlange Verhöre folgten. Ein Brief, den er an seine Tante in Hessen geschrieben hatte, wurde ihm vorgehalten. Darin hatte er von der Demonstration in Mühlhausen, der Brutalität und der gezückten Pistole des Polizisten geschrieben. Die Stasi hatte den Brief abgefangen.
Er solle das mit der Pistole widerrufen, forderte ihn die Stasi auf. Nach drei, vier Monaten, die der Inhaftierte stur blieb, wechselten die Vernehmer ihre Taktik, wurden freundlicher, boten das Du und Zigaretten an. Er wolle doch einen Trabi kaufen, da könnten sie ihm helfen. Außerdem stünden doch immer solche Jugendlichen am Bahnhof rum, da kämen sie schlecht ran und brauchten seine Hilfe. Er könne sich dort doch mal umhorchen, dann käme er auch sofort frei.
Der 17-Jährige versprach, Informationen zu beschaffen, wurde zwei Tage vor Weihnachten entlassen. Bei der Mühlhausener Stasi-Stelle meldete er sich jedoch bald nicht mehr.
Ein paar Monate später stand plötzlich ein höherer Stasi-Mann bei ihm zu Hause in der Tür, der ihn wütend zur Rede stellte. "Erst war ich eingeschüchtert und bekam Angst", erzählt Unbereit, "dann sagte er aber, das mit dem Trabi würde nun nie mehr etwas werden - da wurde ich einfach nur noch trotzig." (Stefan Berg und Peter Wensierski in: SPIEGEL vom 10.03.2008)

Weitere Informationen und Hintergründe zum Schülerprojekt, das der Landesbeauftragte gemeinsam mit Jürgen Unbereit durchgeführt hat, finden Sie hier auf zeigefingerblog und auf unserer Webseite

Frei CoverAm 23. Oktober findet um 18:30 Uhr im Erfurter Augustinerkloster (Augustinerstr. 10) eine Buchlesung nebst Autorengespräch zum neuen Roman "Frei" mit Roswitha Quadflieg und Burkhart Veigel statt.
Die erfolgreiche Schriftstellerin und der bekannte ehemalige Fluchthelfer im geteilten Berlin werfen in ihrem Roman „Frei“ einen spannenden Blick auf das Ende der DDR, rückblendend auf zeitgeschichtliche Ereignisse in den frühen Jahren nach dem Mauerbau und auf die Wirkungen des Kalten Krieges und schließlich der Wiedervereinigung - bis in die Gegenwart.
Dabei halten sie sich zum einen konzise an die historischen Fakten und erdenken darüber hinaus eine romanhafte Handlung, die dem Historischen eine neue narrative Qualität gibt. „Frei“ ist ein temporeich und mitreißend erzähltes Buch, das die Frage nach individueller Verantwortung angesichts der politischen Umwälzungen stellt – damals wie heute.

Die beiden Autoren erläutern zur Intention ihres Romans mit dem Titel Frei: "Zwei kontrastierende Lebensläufe sollen die deutsch-deutsche Geschichte lebendig werden lassen, auf den existentiellen Wert von Freiheit aufmerksam machen und ermutigen, eigenverantwortlich zu handeln.“

Das Busch erzählt eine Geschichte von Janus Emmeran. Als Student in den Sechzigerjahren war er einer der erfolgreichsten Fluchthelfer im geteilten Berlin: sehr vielen Menschen verhalf er zur Flucht in die Freiheit. Vierzig Jahre später kehrt Janus in seine Schicksalsstadt zurück. Per Kontaktanzeige lernt er hier die fast 30 Jahre jüngere Colette kennen, Tochter eines linientreuen Hochschulprofessors in der DDR und Inhaberin eines kleinen Verlags. Zwischen den beiden, die verschiedener nicht sein könnten, entwickelt sich eine Amour fou, die bald auch Janus’ bewegte Vergangenheit wieder lebendig werden lässt – vom Tag des Mauerbaus am 13. August 1961 bis zum Aufbau des Fluchthilfenetzwerks.
So verschieden ihre Lebensläufe in Ost und West waren, versuchen Colette und Janus doch zueinanderzufinden. Bald wird ihnen klar, dass es nicht nur die deutsche Vergangenheit ist, die zwischen ihnen steht: Janus wird von einem Freund und ehemaligen Fluchthelfer gebeten, Anisa, eine verfolgte junge Frau syrisch-kurdischer Abstammung, in seinem Haus in der Schweiz zu verstecken. Anisas Schwester wurde von ihrem Vater und ihrem Onkel umgebracht, Anisa droht ein ähnliches Schicksal. In Janus erwacht aufs Neue der Drang, zu helfen.

Frei Autoren webRoswitha Quadflieg, in Zürich geboren, wuchs in Hamburg auf. Nach dem Kunststudium gründete sie 1973 die Raamin-Presse, eine Verlagswerkstatt, in der sie bis 2003 Texte der Weltliteratur mit eigenen Bildern druckte. Seit 1985 ist sie als Schriftstellerin tätig. Sie schreibt Romane, Essays, Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Sie lebt seit 2012 in Berlin.
Burkhart Veigel, geboren in Thüringen, aufgewachsen in Schwaben, studierte Medizin in Westberlin. Facharzt-Ausbildung zum Unfallchirurgen und Orthopäden: 30 Jahre führte er eine eigene Praxis in Stuttgart. Seit 2007 lebt er wieder in Berlin. In den Jahren 1961 bis 1970 war er einer der erfolgreichsten Fluchthelfer in Berlin. 2012 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 2011 erschien sein Sachbuch „Wege durch die Mauer. Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West”. (Fotocredits: Milena Schlösser)

Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Buchlesung am 23. Oktober um 18:30 Uhr in das Erfurter Augustinerkloster (Augustinerstr. 10, 99084 Erfurt) ein, an die sich ein von Christian Dietrich moderiertes Autorengespräch anschließen wird. 

pechVortrag und Gespräch über die Untergrundschrift zu den Folgen des Uranbergbaus in der DDR

Heute findet in der Stadt- und Regionalbibliothek Gera um 19:30 Uhr ein Veranstaltungsabend mit Michael Beleites zum Thema 30 Jahre „Pechblende“ - statt. 
Im Jahr 1988 zieht der junge Friedens- und Umweltaktivist Michael Beleites den Zorn der Stasi auf sich. Der Grund: Unter dem Schutz der evangelischen Kirche gelingt es ihm, seine „illegale“ Dokumentation zu drucken. Die sogenannte „Pechblende“ deckte die verheerenden Folgen des Uranbergbaus im Süden der DDR für Mensch und Umwelt auf. Wegen seiner militärischen Bedeutung als Rohstofflieferant für die sowjetische Atomwaffenherstellung war das sowjetisch deutsche Uranbergbau-Unternehmen Wismut ein absolutes Tabu-Thema. Von Gera aus hatte Beleites mit Unterstützung des Ost-Berliner Physikers Sebastian Pflugbeil ab 1986 heimlich und systematisch Fakten zusammengetragen. Die Stasi erfuhr erst aus westlichen Medien davon und reagierte mit „umfangreichen Offensivmaßnahmen“. Über Vorgeschichte, Hintergründe und Folgen dessen spricht der Autor Michael Beleites. Reinhard Keßler, Leiter des Stasi-Unterlagen-Archivs Gera, untermauert dies anhand der Stasi-Akten. 
Eine gemeinsame Veranstaltung der BStU-Außenstelle Gera und des Landesbeauftragten, wir freuen uns über Ihr Kommen. (Foto: Schlammabsetzanlage der Wismut, Andreas Bley)

Vortrag Bad Sachsa 3 10 2018 Bild 3 002Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Anke Geier sprach im Rahmen des Grenzland-Talks im Grenzlandmuseum Bad Sachsa am 3. Oktober über die Zwangsaussiedlungen 1952 und 1961 in Thüringen. Fokus ihres Vortrages waren die Vertreibungen aus dem Kreis Nordhausen. Am Beispiel der Aussiedlungsmaßnahme im Juni 1952 verdeutlichte sie unter anderen das Vorgehen der beteiligten Institutionen im Kreis Nordhausen. Im Unterschied zur „Aktion Festigung“, die am 3. Oktober 1961 stattfand und vorrangig vom Ministerium für Staatssicherheit akribisch vorbereitet wurde, war 1952 vor allem die Volkspolizei an der Ausführung beteiligt. Die SED war dennoch der maßgebliche Initiator der Aussiedlungsaktion. So instruierten und überwachten Partei-Instrukteure des Zentralkomitees der SED aus Berlin die Vorbereitung und Umsetzung auch im Kreis Nordhausen. 1961 übernahmen dann die sogenannten Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen diese Aufgabe. Mit dem Vortrag wurde deutlich, dass die Aussiedlungen an der innerdeutschen Grenze zu den Zwangsmigrationen im kommunistischen Herrschaftsbereich gezählt werden können: die – im Verständnis des SED-Regimes – „unerwünschten“ Personen wurden aus dem Grenzgebiet vertrieben, um diese zu bestrafen, aber auch, um die verbliebenen Sperrgebietsbewohner zu disziplinieren.
Zuvor sprach die Zeitzeugin Marie-Luise Tröbs, die als Zehnjährige mit ihrer Familie am 3. Oktober 1961 von Geisa nach Ilmenau umgesiedelt wurde, über ihre Erlebnisse und die Tätigkeit des Bundes der Zwangsausgesiedelten. Im Festsaal des Kurhauses Bad Sachsa verfolgten etwa 100 Zuhörer die Veranstaltung. Einen Bericht des HarzKuriers zur Veranstaltung finden Sie hier. Den Vortrag von Dr. Anke Geier finden Sie in unserer Rubrik "Reden und Vorträge" oder direkt über diesen Link. (Foto: Gerhard Oberländer)

Die Sonderausstellung „DURCHGANG – Stimmen/ Spuren/ Schritte aus dem Durchgangsheim Schmiedefeld“, konzipiert von Manfred May, ist ab heute bis zum 21. Januar 2019 in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt zu sehen.
Das Durchgangsheim Schmiedefeld bei Neuhaus war das zentrale Durchgangsheim des Bezirkes Suhl, das von 1974 bis 1987 bestand. Etwa 1.500 Kinder und Jugendliche waren dort zwischen einem Tag oder mehreren Monaten untergebracht. In der DDR waren Durchgangsheime für Kinder und Jugendliche häufig eine leidvolle Tortur. Sie dienten im DDR-Jugendhilfe-System zur kurzzeitigen Unterbringung der Heimkinder, bis diese meist in ein Spezialkinderheim oder einen Jugendwerkhof kamen. Das jüngste Kind war bei seiner Einweisung 7 Jahre alt. Die meisten wurden im Alter zwischen 13 und 17 Jahren im Durchgangsheim untergebracht. Die Einweisung erfolgte über die Referate Jugendhilfe/ Heimerziehung bei den Räten der Kreise des Bezirkes Suhl, über die Volkspolizei, das Ministerium für Staatssicherheit und andere Heime. 
Die meisten der Kinder und Jugendlichen stammten aus dem ehemaligen Bezirk Suhl; andere wurden im Bezirk Suhl bei Fluchten aus dem Elternhaus oder aus anderen Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe aufgegriffen, viele unter dem Verdacht, die DDR illegal verlassen zu wollen.
Viele der Kinder und Jugendlichen erfuhren im Durchgangsheim Schmiedefeld psychische und physische Gewalt. Auch im Ort hinterließ das Heim seine Zeichen: umgeben war es von einem hohen Zaun mit Stacheldraht-Übersteigschutz, die Fenster waren vergittert, nachts wurden die Insassen eingeschlossen. Ein streng reglementierter Tagesablauf mit unablässigen Kontrollen bestimmte das Leben der Kinder: Sie arbeiteten für die volkseigenen Betriebe in Lauscha und Schmiedefeld und stellten Christbaumschmuck und Elektroarmaturen her; hierbei mussten sie strenge Normen erfüllen. 

Gerbergasse18 Cover Heft88 002Mauern und Grenzzäune erleben derzeit eine Wiederkehr, Abschottung hat Konjunktur. Selbst in Europa sind Grenzanlagen – gut 30 Jahre nach Ende des Eisernen Vorhangs – häufig die erste Wahl der Mittel. Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ widmet sich dem Themenfeld Grenzen und Gewalt in der Geschichte und spannt dabei den Bogen in die Gegenwart.
Wo sich entlang des früheren Todesstreifens mittlerweile ein „Grünes Band“ bildet, zielt der Rückblick auf die sichtbaren und auch unsichtbaren Narben des DDR-Grenzregimes bis heute. Dass wir die Grenzopfer namentlich kennen und um ihre Biografien wissen, ist Ergebnis intensiver und jahrelanger Recherchen, etwa in Form eines biografischen Handbuchs des Forschungsverbundes SED-Staat der FU Berlin, das kürzlich erschien. Andere Beiträge des Titelthemas fragen nach den Folgen der Zwangsaussiedlungen 1952 in Thüringen, spektakulären Fluchtwegen von DDR-Bürgern, der Zwangsmigration in der Tschechoslowakei ab 1948 oder dem dichten Netz an Agentenschleusen der Stasi in Richtung Oberfranken. In einem Interview berichtet die amerikanische Autorin Isabel Fargo Cole über die Entstehung ihres Romans „Die grüne Grenze“.
Daneben bietet die neue „Gerbergasse 18“ wieder eine Fülle an weiteren Beiträgen zur Zeitgeschichte, darunter ein biografischer Rückblick auf die Verfolgung der kirchlichen Jugendarbeit in der DDR, die Ausbürgerung des russischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn im Jahr 1974 und neue Forschungen zum berüchtigten Militärgefängnis Schwedt. In der Rubrik Diskussion plädiert der 1953 in Jena geborene Roland Jahn, seit 2011 Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, für einen veränderten Umgang mit den Lebenserfahrungen in der Diktatur. Jahn argumentiert, dass das Aufklären, das Erzählen und das Reflektieren des eigenen Verhaltens in der DDR eine Chance für gegenseitigen Respekt vor der Biografie ist, denn Schweigen und Wegsehen lässt das Geschehen nicht verschwinden.

Die Ausgabe 3/2018 der „Gerbergasse 18“ (Heft 88) ist ab sofort im Buchhandel und direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Die Zwangsaussiedlungen aus dem Thüringer Grenzgebiet in den Jahren 1952 und 1961 sind Thema eines Vortrages von Dr. Anke Geier, den die wissenschaftliche Referentin des Landesbeauftragten morgen im Kurhaus Bad Sachsa halten wird. Anlass ist der 57. Jahrestag der Aussiedlungen vom 3. Oktober 1961, als in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Tausende Bürger aus der Grenzregion ins Landesinnere umgesiedelt wurden. Als Begründung für die Vertreibungsmaßnahme wurde die Sicherung der Staatsgrenze genannt. Der Geheimdienst der DDR, die Staatssicherheit, bereitete die repressive Aktion penibel vor und die Staatspartei SED zog im Hintergrund die Fäden. Die Genossen beteiligten sich aber auch aktiv an der Durchführung. 
Auf Einladung des Grenzlandmuseums Bad Sachsa wird die Wissenschaftlerin über die Methodik, Art und Weise der Vorbereitungen und die Durchführung der Vertreibungen sprechen. Fokus ihrer Ausführungen wird die Region Nordwestthüringen sein.
Vor diesem Vortrag wird Frau Marie-Luise Tröbs, die 1961 als junges Mädchen mit ihrer Familie aus Geisa ausgesiedelt wurde, in einem Zeitzeugengespräch ihre Erlebnisse bezüglich der Zwangsaussiedlung berichten. Ihre Lebensgeschichte ist eng verbunden mit den damaligen Ereignissen.
Nach dem Zeitzeugengespräch mit Frau Tröbs und dem Vortrag von Frau Dr. Geier werden in einer Diskussionsrunde unter anderen die heutigen Nachwirkungen der Zwangsaussiedlungen betrachtet. Hier besteht auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur freut sich über Ihr Kommen und lädt herzlich zu der Veranstaltung am 3. Oktober 2018 um 19:00 Uhr in das Kurhaus Bad Sachsa (Am Kurpark 6, 37441 Bad Sachsa) ein.

IMG 4174Mit einem gemeinsamen Stand, Zeitzeugengesprächen und Aktionen präsentieren sich die Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktaturen am Tag der Deutschen Einheit 2018 in Berlin beim Bürgerfest im Themenbereich „Geschichte & Erinnern“. Der Thüringer Landesbeauftragte freut sich auf Ihren Besuch. 
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Berlin und den fünf östlichen Bundesländern, in denen es Landesbeauftragte gibt, informieren über ihre Arbeit und beantworten Fragen zur Einsicht in die Stasi-Unterlagen, zur Rehabilitierung und zur Opferrente.
Mit Quizspielen zur DDR-Geschichte und einer Postkartenaktion laden die Gastgeber die Besucher zum Mitmachen ein – gemäß dem Motto: Nur mit euch.

Alle Veranstaltungen und Aktionen der Landesbeauftragten auf einen Blick:

Ort: Programmzelt „Geschichte und Erinnern“

01. 10., 15.30 Uhr: Von der Wahlfälschung zur Einheit: Der Umbruch in der DDR 1990
Podiumsgespräch: Stephan Hilsberg, Dr. Klaus Bästlein
02.10., 17.15 Uhr: Friedliche Revolution in der Prignitz
Zeitzeugengespräch: Gisela und Hans-Peter Freimark, Moderation: Dr. Maria Nooke
03.10., 12.45 Uhr: Der Blick zurück auf die DDR aus der Perspektive verschiedener Generationen
Podiumsgespräch: Heike Hoffmann, Michèle Matetschk, Dr. Jens Schöne, Moderation: Dr. Michael Bienert
18.30 Uhr: Welche historischen Feiertage braucht das Land – 23. Mai, 17. Juni, 3. Oktober, 9. November?
Podiumsgespräch: Tom Sello, Moderation: Dagmar Hovestädt
 
Quiz: Wie gut kennen Sie sich in der DDR-Geschichte aus? Testen Sie Ihr Wissen und gewinnen Sie.
Postkartenaktion: Versenden Sie eine Karte mit Motiven aus der Zeit der Friedlichen Revolution an Freunde und Verwandte – wir übernehmen den Versand.
Als Höhepunkt seiner Bundesratspräsidentschaft feiert das Land Berlin vom 1. bis 3. Oktober den Tag der Deutschen Einheit an den Schauplätzen der deutsch-deutschen Geschichte rund um Reichstag, Brandenburger Tor und die Straße des 17. Juni. Unter dem Motto „Nur mit euch“ setzt Berlin ein Zeichen für Zusammenhalt und Freiheit in Deutschland und Europa. Zu dem dreitägigen Bürgerfest werden mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher erwartet.
Wichtiger Hinweis des Veranstalters Kulturprojekte Berlin:
Bitte beachten Sie, dass Gegenstände, Taschen, Rücksäcke, die eine Größe von DIN A4 (29,7 cm x 21 cm) überschreiten, aus Sicherheitsgründen nicht aufs Festgelände mitgenommen werden dürfen.
Weitere Informationen zum Tag der Deutschen Einheit und einen Überblick über das Festgelände finden Sie hier

Bundesarchiv Bild 183 L1108 0028 Suhl Stadthalle 002Am 29. September 1983 startete die Band SAGA ihre Europatournee „Heads or Tales“ in der DDR und zwar in der Suhler Stadthalle. Das Konzert wurde vom Fernsehen der DDR komplett übertragen und im Jugendfernsehen wurden Interviews mit der Band gezeigt (zu sehen auf Youtube über diesen Link). Die Gruppe, die sich dem Progressive Rock der 1970-er Jahre verschrieben hat, gründete sich 1977 in Toronto/ Kanada. Ihr erstes Studioalbum hatte 1978 in Deutschland, Schweden und den Niederlanden durchschlagenden Erfolg. SAGA war auch die erste kanadische Band, die hinter dem Eisernen Vorhang auftrat: Am 14. Februar 1982 spielte die Band in Budapest vor 10.000 Fans.
1983 wählte die Band Suhl als Auftakt für die Tour zum fünften Studioalbum „Heads or Tales“ – damit war sie die erste westliche Rockgruppe, die ein Konzert in der DDR spielte. Der Auftritt war in Licht und Ton für die damaligen Verhältnisse auf dem höchsten Stand der technischen Entwicklung. Das Equipment wurde in drei riesigen Trucks und etlichen Bussen nach Suhl gefahren, so dass sich SAGA-Sänger Michael Sadler später in einem Interview erinnerte, dass die ganze Stadt zugeparkt gewesen sein soll, nachzulesen auf hier auf Freie Presse online. (Bildnachweis: Bundesarchiv_Bild_183-L1108-0028_Suhl_Stadthalle)

CDPW2Der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter der Stiftung Ettersberg, Dr. Peter Wurschi, wurde heute im Thüringer Landtag zum neuen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gewählt. Seine Amtszeit beginnt zum 21. November 2018.

Der Landesbeauftragte Christian Dietrich (Foto rechts) gratuliert Dr. Peter Wurschi (Foto links) zur heutigen Wahl als Nachfolger im Amt des Landesbeauftragten. Christian Dietrich wünscht ihm die Unterstützung im Freistaat, die im Interesse der Opfer der SED-Diktatur und im Sinne der Auseinandersetzung mit den Folgen der SED-Herrschaft nötig ist.
Weitere Informationen zur Vita von Dr. Peter Wurschi finden Sie hier auf der Webseite der Stiftung Ettersberg.

Ballon Teaserplakat A4Am 29. September wird im Jenaer Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena) im Rahmen einer einmaligen Veranstaltung um 15:00 Uhr der „Ballon“ gezeigt, die zweite große Kinoverfilmung einer der spektakulärsten Fluchten per selbstgebauten Heißluftballon aus der DDR. Im Anschluss wird ein Gespräch zwischen dem tatsächlichen Ballonkonstrukteur, Günter Wetzel, und Roland Jahn dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (* Jena) unter der Moderation des Landesbeauftragten Christian Dietrich (* Jena) stattfinden.

Im Sommer 1979 hatten die Thüringer Familien Strelzyk und Wetzel bereits über zwei Jahre hinweg einen waghalsigen Plan geschmiedet: Sie wollen mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR fliehen. Doch der Ballon stürzt kurz vor der westdeutschen Grenze ab. Die Stasi findet Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf, während die beiden Familien sich gezwungen sehen, unter großem Zeitdruck einen neuen Flucht-Ballon zu bauen. Mit jedem Tag ist ihnen die Stasi dichter auf den Fersen – ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Und dennoch: Am 16. September 1979 glückt es den Familien Strelzyk und Wetzel, mit ihrem selbstgebauten Heißluftballon die Grenze zu überwinden und in die Bundesrepublik zu fliehen. Günter Wetzel wird im Zuge des Gesprächs im Anschluss an den Film von seinen damaligen Erlebnissen, Schwierigkeiten und Gefahren im Zuge seiner kühnen Flucht aus der DDR berichten. Weitere Informationen zu Tickets und Reservierungen finden Sie hier auf der Webseite des Kino am Markt in Jena. 

MfS AGM Nr 1838 Bl 001 WebAm 25. September 2018 findet in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße um 19:00 Uhr die exklusive Vorpremiere des Dokumentarfilmes „Honeckers unheimlicher Plan“ statt. Im Film wird das Vorgehen der Staatssicherheit am „Tag X“, also im Falle innerer Krisen oder der Mobilmachung der DDR, aufgezeigt. So wären etwa 10.000 DDR-Bürger in geheime Isolierungslager verschleppt worden. Neben der Vorpremiere in Erfurt ist der Film am 24. September in Leipzig, am 26. September in Weimar und am 27. September in Berlin zu sehen. Der Film von Katharina und Konrad Herrmann wird dann am 1. Oktober 2018 um 23:30 Uhr in der ARD gezeigt.
Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ThLA, hat sich ebenfalls mit der Thematik der Isolierungsobjekte der Staatssicherheit in den drei Thüringer Bezirken Erfurt, Gera und Suhl befasst. Ihren Vortrag zum sogenannten Vorbeugekomplex des MfS in Thüringen und speziell zum Bezirk Erfurt finden Sie hier. Am 30. Oktober 2018 wird Frau Dr. Geier um 17:00 Uhr in der BStU-Außenstelle Suhl über die Internierungs- und Isolierungsobjekte im ehemaligen Bezirk Suhl vortragen. Weitere Infos dazu finden Sie hier auf der Webseite des BStU.
(Bildbeschreibung / Quelle: Titelblatt der Direktive 1/67 zur Mobilmachung des Ministeriums für Staatssicherheit / Signatur: BStU, MfS, AGM, Nr. 1838, Bl. 1).

Flyer FB ZuschnittKatholisch geprägt, schwach industrialisiert und deutsch-deutsches Grenzgebiet - das Eichsfeld war aufgrund dieser Gemengelage von Anfang an ein politisches Ausnahmegebiet in der DDR. „Wenn wir im Eichsfeld nicht vorankommen, nicht hier die Lehren ziehen, Erfahrungen sammeln, nicht hier das Beispiel schaffen, werden wir nicht in der Lage sein, in Bayern oder einem anderen katholischen Gebiet den Sozialismus aufzubauen“, mahnte Politbüromitglied Alfred Neumann auf der Sitzung des ZK Sekretariats am 1. Oktober 1958. Nur ein halbes Jahr später wurde von der SED der sogenannte „Eichsfeldplan“ beschlossen, um das katholische Milieu zu einem sozialistischen Industrieproletariat zu entwickeln. Es folgte die Ansiedlung gigantischer Industriebetriebe, ein massiver Ausbau der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur, der Aufbau einer kirchenfernen, staatlich gelenkten und betriebsnahen Kulturszene sowie der systematische Import von regimeloyalen Kadern. In Leinefelde sollte sogar eine sozialistische Musterstadt errichtet werden. Nach der offiziellen Darstellung in der DDR-Historiographie und Propaganda sei der Eichsfeldplan eine einzigartige Erfolgsgeschichte gewesen. Doch welche Bilanz lässt sich tatsächlich ziehen? Neben der Entstehung, Zielsetzung und Umsetzung werden im Rahmen der Veranstaltung die Auswirkungen und Folgen des SED-Eichsfeldplans diskutiert. Es sprechen Dr. Christian Stöber vom Grenzmuseum Schifflersgrund und Dr. Torsten W. Müller vom Eichsfeldmuseum Heiligenstadt.

Die Veranstaltung findet am 27. September um 19:00 Uhr in der Erfurter Gedenkstätte Andreasstraße statt. 

Buergefest Plakat„Ho, Ho, Ho Chi Minh!“ hallt es im Sommer 1968 durch Westberliner Straßen. „Viva Dubček“ skandieren Demonstrierende zur gleichen Zeit auf dem Prager Wenzelsplatz. Nur in der DDR bleibt es ruhig. Der Sommer vergeht und es passiert – Nichts. Doch stimmt diese Wahrnehmung? Geht ’68 an der DDR vorbei? Oder gibt es doch Aufbruch, Veränderung, gar Revolution?
Wir machen uns auf die Suche und wollen herausbekommen, wie Ostdeutsche die Ereignisse damals jenseits ihrer Grenze wahrnehmen, welche Konsequenzen sie ziehen und was sich davon im kollektiven Gedächtnis verankert.
Der Thüringer Geschichtsverbund möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir wollen zeigen, dass gesellschaftlicher Wandel auch in der DDR stattfindet und es viele Spielarten des Protestes gibt: politisch, künstlerisch, alltäglich. Der Traum von einer demokratischen Veränderung gräbt sich 1968 in viele ostdeutsche Köpfe ein und überlebt bis 1989. Diesem Aufbruchsgeist Ostdeutschlands wollen wir an unserem 5. Bürgerfest nachspüren.

Das Bürgerfest des Thüringer Geschichtsverbundes findet am kommenden Sonntag, 9. September, von 14:00 - 21:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße statt. 

Vortrag und Podiumsdiskussion mit Heike Knechtel, Gesine Tettenborn und Thomas Purschke

Foto WebIm staatlichen Auftrag wurden Hochleistungs- und Nachwuchssportler in der DDR gedopt. Sie erlitten hierdurch erhebliche gesundheitliche Schäden, deren Spätfolgen teilweise erst jetzt zu Tage treten. In seinem Vortrag spricht der Journalist Thomas Purschke über die Verstrickungen von Thüringer Medizinern und Wissenschaftlern im DDR-Staatsdopingsystem.
Darauf folgend liest Gesine Tettenborn (ehemalige Erfurter Spitzensportlerin) aus ihren bisher unveröffentlichten Zeitzeugenerinnerungen. Heike Knechtel von der Doping-Opfer-Hilfe informiert schließlich im Rahmen der Veranstaltung zur Lage der Dopingopfer, der Rehabilitierungspraxis und zum aktuellen Hilfsfonds.
Abschließend diskutieren Heike Knechtel, Gesine Tettenborn und Thomas Purschke unter der Moderation von Christian Dietrich über den Stand der Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen. 
Der Landesbeautragte lädt interesserierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung am 26. September um 18:30 Uhr in das Erfurter Haus Dacheröden (Anger 37, 99084 Erfurt) ein. 

Die militärische Beendigung der Prager Frühlings lag in der Tradition der kommunistischen Herrschaft in Mitteleuropa. Die kritischen Reaktionen innerhalb der Staaten des sowjetischen Imperiums schufen jedoch eine neue Situation. Es entwickelte sich eine neue Generation des Widerstands, Dissidenten. Nach einem halben Jahrhundert wird der Blick darauf differenzierter. Gerade der vielfältige individuelle und sich stärker vernetzende Widerstand, den die Geheimpolizeien brutal unterdrückte, schuf ein neues Europa.
Prof. Dr. Jurko Prochasko (Lviv/Ukraine) wird am 5. September, 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr, in der "Akademie am Vormittag" in Gera (Lutherhaus, Joliot-Curie-Straße 1a) seine Erfahrungen darstellen. Er ist Übersetzer und Psychologe und sagte, wie auf die russische Propaganda zu reagieren sei... "besser singen bedeutet keineswegs zu versuchen, eine Gegenpropaganda zu betreiben, um die Propaganda zu übertönen. Sondern das, was Sigmund Freud empfiehlt: erinnern, wiederholen, durcharbeiten."

Ostk1Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erinnert sich: Anfang 1988 besuchte ich den Philosophen und Mitbegründer der Charta 77 Jiří Dienstbier. Seit seiner Haftentlassung 1982 arbeitete er nachts als Heizer und schrieb wertvolle Beiträge im Samisdat zur Überwindung der kommunistischen Diktatur. Ich bat ihn um einen Beitrag für die in der DDR unter schwierigsten Umständen herausgegebene Samisdat-Zeitschrift OSTKREUZ. Anlass war der 20. Jahrestags der Niederschlagung des Prager Frühlings. „Was hat der Widerstand gegen die Normalisierung seit August 1968 gebracht?“ Zur gleichen Zeit formulierten Bürgerrechtler aus Ungarn, der CSSR und der DDR (dabei u.a. Miklós Haraszti, Petr Uhl und Gerd Poppe) eine gemeinsame Erklärung, wie sie es schon zum 30. Jahrestag der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes im Jahre 1986 getan hatten. Dann kam der 21. August 1988 und erstmals gab es wieder Massenproteste in Prag. Das Motto der Demonstrationen war: DIE WAHRHEIT WIRD SIEGEN. Aus dem Rückblick kann man sagen, mit diesen Demonstrationen begann die Samtenen Revolution.

Noch während der Widerstand gewaltsam gebrochen und Demonstranten inhaftiert wurden, schrieb Jiří Dienstbier im September 1988:
„Kürzlich zeigte sich der Wille nach Herstellung einer wirklichen Normalität in der Gesellschaft bei einer ruhigen und würdevollen Demonstration zum zwanzigsten Jahrestag der sowjetischen Invasion, dem größten politischen öffentlichen Auftritt seit dem Jahre 1969. Es wurde keine einzige destruktive Losung gezeigt. Die Demonstranten forderten den Abzug sowjetischer Armeen, die Wahrheit über das Jahr 1968 und über die „Normalisierung“, die Freilassung politischer Häftlinge, die Aufhebung der Zensur, die Ermöglichung der Publikation unabhängiger Zeitschriften und die Beseitigung der Hindernisse für die Tätigkeit der Bürgerinitiativen. Einige Leute waren überrascht, da junge Demonstranten, von denen viele im Jahre 1968 nicht einmal geboren waren, nicht nur nach Freiheit riefen, sondern außer dem Namen des ersten Präsidenten der Republik, Tomás G. Masaryk, auch den Namen des Repräsentanten des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, also den eines Kommunisten, der bis heute seine kommunistische Überzeugung nicht aufgab, skandierten.

Frei CoverRoswitha Quadflieg und Burkhart Veigel werfen in ihrem aktuellen Roman „Frei“ einen spannenden Blick auf das Ende der DDR, rückblendend auf zeitgeschichtliche Ereignisse in den frühen Jahren nach dem Mauerbau und auf die Wirkungen des Kalten Krieges und schließlich der Wiedervereinigung - bis in die Gegenwart.
Dabei halten sie sich zum einen konzise an die historische Fakten und erdenken darüber hinaus eine romanhafte Handlung, die dem Historischen eine neue narrative Qualität gibt. „Frei“ ist ein temporeich und mitreißend erzähltes Buch, das die Frage nach individueller Verantwortung angesichts der politischen Umwälzungen stellt – damals wie heute.

Das Verlangen nach Freiheit – und eine deutsch-deutsche Amour fou.

Frei Autoren webDas Buch handelt von Janus Emmeran, der als Student in den Sechzigerjahren einer der erfolgreichsten Fluchthelfer im geteilten Berlin war: sehr vielen Menschen verhalf er zur Flucht in die Freiheit. Vierzig Jahre später kehrt Janus in seine Schicksalsstadt zurück. Per Kontaktanzeige lernt er hier die fast 30 Jahre jüngere Colette kennen, Tochter eines linientreuen Hochschulprofessors in der DDR und Inhaberin eines kleinen Verlags. Zwischen den beiden, die verschiedener nicht sein könnten, entwickelt sich eine Amour fou, die bald auch Janus’ bewegte Vergangenheit wieder lebendig werden lässt – vom Tag des Mauerbaus am 13. August 1961 bis zum Aufbau des Fluchthilfenetzwerks.
So verschieden ihre Lebensläufe in Ost und West waren, versuchen Colette und Janus doch zueinanderzufinden. Bald wird ihnen klar, dass es nicht nur die deutsche Vergangenheit ist, die zwischen ihnen steht: Janus wird von einem Freund und ehemaligen Fluchthelfer gebeten, Anisa, eine verfolgte junge Frau syrisch-kurdischer Abstammung, in seinem Haus in der Schweiz zu verstecken. Anisas Schwester wurde von ihrem Vater und ihrem Onkel umgebracht, Anisa droht ein ähnliches Schicksal. In Janus erwacht aufs Neue der Drang, zu helfen.

Am Dienstag, den 23. Oktober 2018 wird um 18:30 Uhr eine Lesung nebst Gespräch mit den Autoren im Erfurter Augustinerkloster stattfinden. Mehr dazu in Kürze auf der Webseite des Landesbeauftragten. 

Reiner Kunze feiert am 16. August seinen 85. Geburstag.
Er war als junger Mann in die SED eingetreten und hatte in Leipzig Philisophie und Journalistik studiert. Als Assistent an der Journalisik-Fakultät kam es zu politischen Auseinandersetzungen, die ihn bewogen, die Universitätslaufbahn zu beenden. 1961 heiratete er die tschechische Kierferorthopädin Elisabeth Littnerová und beide zogen 1962 nach Greiz. Reiner Kunze übersetzte tschechische Lyrik und wurde als Dichter bekannt. Die SED-Kulturpolitik unterstützte ihn jedoch nicht und dach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Prag trat er aus der SED aus. Nun wurde er von der SED als möglicher Feind behandelt. Sein Kurzprosa-Band "Die wunderbaren Jahre" (1976) deckte die Verlogenheit der SED-Diktatur auf, nun wurde er zum Feind erklärt. Es folgten Drangsalierungen, die sowohl ihn aber auch seine Ehefrau Elisabeth und die Tochter Marcela betrafen. Bei einer Vernehmung wurde ihnen ein Autounfall vorhergesagt. 1977 stellte die Familie einen Ausreiseantrag und verlies wenig später die DDR.
In den letzten Tagen wurde mehrfach auf die mangelnde Anerkennung der Lebensleistung von politischen Häftlingen und Opfern der SED-Staats-Zersetzung verwiesen. Viele der Betroffenen, die vor Ende der SED-Herrschaft in die Bundesrepublik kamen, erlebten diese Nichtanerkennung schon „im Westen“ und mussten dann beobachten, dass führende Genossen wie Markus Wolf und Gregor Gysi hofiert wurden. Ilko-Sascha Kowalczuk spricht in diesem Zusammenhang von einer „unglaublichen Wut, die man ernst nehmen sollte (Interview mit Markus Decker zum 57. Jahrestag des Mauerbaus, in Berliner Zeitung am 13.08.2018).
Reiner Kunze beschrieb 2009 unter dem Titel „Wenn wieder eine Wende kommt“ seine Erfahrung der Zersetzung durch die SED in der DDR bis hin zu der nach seiner Ausreise in der bundesdeutschen Gesellschaft, wo die SED offenkundig viele Unterstützer fand. An vielen konkreten Beispielen machte er deutlich, der SED-Terror wirkt weit über die SED-Herrschaft hinaus. 2009 beendete Reiner Kunze seine Rede programmatisch:
„Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es, aber es gibt Ideologien, deren die Menschheit nie Herr werden wird, und der Weg von der Demokratie in die Diktatur kann demokratisch sein. Möge uns die Freiheit erhalten bleiben und in der Freiheit die Humanität.“

Im Auftrag des Landesbeauftragten führt die Beratungsinitiative SED-Unrecht ab dem 29. August einen Selbsterfahrungskurs für Menschen mit den unterschiedlichsten Erfahrungen von SED-Unrecht durch. Die Teilnehmer/-innen können sich in einem geschützten und fachlich begleiteten Rahmen mit ihren biografischen Erfahrungen und Erlebnissen in der SED-Diktatur auseinandersetzen. Dabei werden sie selbst Handelnde und steuern eigenverantwortlich, wie und in welchem Maß ihr Anliegen mit Unterstützung der Gruppe und der Anleiter zum Thema wird. Die Selbsterfahrungsgruppe legt ihren Fokus besonders auf die Förderung von zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. (Selbst-) Vertrauen und die Steigerung der Selbstwirksamkeit gerade in Bezug auf eigene Erfahrungen mit dem SED-Unrecht.

Zeitrahmen: 8 Abende für jeweils 2 ½ Stunden, 16.30 – 19.00 Uhr
Beginn: Mittwoch, den 29. August 2018, 16.30Uhr
Weitere Termine: Do. 13.9.18, Do. 11.10.18, Mo. 22.10.18, Do. 08.11.18, Do. 22.11.18, Do. 29.11.18, Mi. 12.12.18.
Ort: Hugo-Aufderbeck-Seminar im Marienstift, Hopfengasse 8, Erfurt
Kosten: Die Teilnahme an der Selbsterfahrungsgruppe für Menschen mit Diktaturerfahrung ist für Sie kostenlos. Die Kosten trägt die Beratungsinitiative SED-Unrecht. Für auswärtige Teilnehmer/-innen aus Thüringen kann ein Fahrtkostenzuschuss gewährt werden.
Teilnehmerzahl: 8-10 Teilnehmer/-innen
Leitung: Robert Sommer, Diplom-Sozialpädagoge, Mitarbeiter der BI-SED-Unrecht, Psychodrama-Leiter (FEPTO) 
Co-Leitung: Bernd Seifert, Theologe, Systemischer Familientherapeut (SG), Psychodrama-Leiter (FEPTO) 

Eine regelmäßige Teilnahme ist für ein gutes gemeinsames Arbeiten notwendig und wird von uns bei einer Entscheidung für die Gruppe erwartet.
Interessierte melden sich bitte zu einem Vorgespräch bei Robert Sommer: Telefon: 0361/78969752 bzw. 0176/70513462 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

gerbergasse sportDie neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ widmet sich dem populären Themenfeld Sport. Parallel zur momentan stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft blicken die Beiträge des Heftes vor allem auf das „Sportwunderland“ DDR und seine Folgen bis in die Gegenwart.
Vor 30 Jahren stand die DDR auf dem 2. Platz des Medaillenspiegels der Sommerspiele von Seoul. Hinter der Sowjetunion und vor den Vereinigten Staaten sammelte das kleine Land in Südkorea 102 mal Edelmetall im Vergleich zur Bundesrepublik mit „nur“ 40 Medaillen. Die 1990 endende deutsch-deutsche Sportkonkurrenz gehörte als Leitmotiv zur Teilungsgeschichte, weil sportliche Wettkämpfe stets als Duelle im Systemvergleich stilisiert und interpretiert wurden: Wer ist besser, wer ist dem anderen überlegen? Die Gegenfrage stellt sich für viele ehemalige Sportlerinnen und Sportler oft erst nach Jahrzehnten, wenn ihre Körper nicht mehr mitspielen: Wie hoch war der Preis? Zu diesen und weiteren Folgefragen an die Rolle des Sports sprechen Ines Geipel, Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe e.V., und Harald Freyberger, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Klartext in zwei lesenswerten Interviews.
Die weiteren Beiträge im Heft richten sich unter anderem auf den Städtevergleich zwischen Leipzig und Potsdam während der Friedlichen Revolution 1989, die Überwachung des Gesundheitswesens und der Arbeitsmedizin im Bezirk Magdeburg, die Biografie des vor 20 Jahren verstorbenen Musikers Gerulf Pannach sowie originelle Fundstücke aus dem Stasi-Unterlagenarchiv. Eine Filmrezension stellt das 1956 spielende „Das schweigende Klassenzimmer“ und die umstrittene Satire „The Death of Stalin“ als Beispiele für anregende Geschichte(n) im Film gegenüber. Ein kritischer Blick auf den mühsamen Prozess der historischen Aufarbeitung an der Hochschule für Musik in Weimar rundet die neue „Gerbergasse 18“ ab.

Die neue Ausgabe 2/2018 der „Gerbergasse 18“ (Heft 87) im Buchhandel oder direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) führt heute zwischen 12:00 und 18:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße (Andreasstraße 37a) gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) eine Außensprechstunde durch. Die Ansprechpartner für Betroffene und Interessierte sind Thomas Heinemann (ThLA) und Sylvia Lechner (BStU).

Thomas Heinemann berät vor Ort zu den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen, die zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht durch den Deutschen Bundestag beschlossen wurden:

DSC02738Vergangenen Freitag hat auf Einladung des Landtagspräsidenten Christian Carius und des Landesbeauftragten Christian Dietrich im Industriedenkmal Gasmaschinenzentrale Maxhütte in Unterwellenborn eine Gedenkveranstaltung anlässlich des Gedenktags für die Opfer des SED-Unrechts stattgefunden. Eröffnet wurde die Veranstaltung im Rahmen einer Begrüßung durch Christian Carius, gefolgt von einer Rede des Landesbeauftragten. Christian Dietrich erläuterte in Unterwellenborn: "Die SED-Diktatur ist fast 30 Jahre überwunden. In einem Gespräch sagte eine Enkelin zu ihrem Großvater „Wenn ihr nicht sprecht, können wir nicht fragen!“ Schön, wenn die alt Gewordenen dann sagen: „Vielleicht können wir zu sprechen beginnen, wenn ihr fragt!“ 
Gibt es ein Gespräch dann gibt es auch ein persönliches Verstehen: Erkennen, was es heißt, in einer Diktatur zu leben und seinen Eigensinn zu bewahren. Mensch zu bleiben, gerade wenn ein Staat Dir die Würde nimmt. Der Landtagspräsident verbindet die Gedenkfeiern für die Opfer des SED-Unrechts mit einer Zeugenbefragung durch Schüler. Menschen, die sich nicht mit dem Unrechtsstaat gemein machten und dafür Diskriminierung, Verfolgung und Verlust ihrer Heimat in Kauf nahmen, sind eine bleibende Inspirationsquelle für uns. Gestatten Sie mir, heute eine eigene Erinnerung dazu zu legen. Mitte der 1980er Jahre hatten wir einen Stalinismusarbeitskreis gegründet, der die verschwiegenen und tabuisierten Verbrechen ans Licht und ins Gespräch bringen wollte. Vor 30 Jahren schrieben wir in einem offenen Brief [Offener Brief des Naumburger Stalinismusarbeits-kreises und weiterer Dissidenten vom November 1988]"... Lesen Sie die vollständige Rede des Landesbeauftragten hier

Gedenkveranstaltungen in Thüringen anlässlich des Gedenktags für die Opfer des SED-Unrechts

Heute veranstaltet der Thüringer Landtag gemeinsam mit dem Landesbeauftragten um 14:00 Uhr im Industriedenkmal Gasmaschinenzentrale Maxhütte in Unterwellenborn (Bergweg 1) eine Gedenkveranstaltung anlässlich des Gedenktags für die Opfer des SED-Unrechts. Eröffnet wird die Veranstaltung durch Landtagspräsident Christian Carius, gefolgt von einem Grußwort vom Landesbeauftragten Christian Dietrich.

"Die Opfer des SED-Unrechts dürfen nicht vergessen werden", sagt Christian Dietrich vorab. "Die Würdigung der Diktaturopfer und die Stärkung des Rechtsstaates sind nicht zu trennen. Das Rechtfundament unseres Landes „Schutz der Menschenwürde als Staatsaufgabe und Staatsverpflichtung“ erwuchs aus der Diktaturerfahrung der Mütter und Väter des Grundgesetzes. Menschen, die sich nicht mit dem Unrechtsstaat gemein machten und dafür Diskriminierung, Verfolgung und Verlust ihrer Heimat in Kauf nahmen, sind eine bleibende Inspirationsquelle unseres Rechtsstaates", so der Landesbeauftragte weiter.

Vor 65 Jahren fand in der DDR die erste Massenerhebung gegen die kommunistische Diktatur in Mitteleuropa statt. Am 17. Juni 1953 beteiligten sich über eine Million Menschen in mehr als 700 Orten an den Protesten gegen Normenerhöhungen und für freie Wahlen, die Freilassung der politischen Häftlinge und die Einheit Deutschlands. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen, doch sein Beben erreichte sogar die Häftlinge im sibirischen GULAG.
Auch an vielen Orten in Thüringen mussten Gefangene unter oft menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. In Unterwellenborn wurde 1949 ein Haftarbeitslager errichtet. Zeitweilig waren hier 600 Männer inhaftiert und wurden zur Arbeit gezwungen. Schüler des Staatliches Gymnasium "Erasmus Reinhold" Saalfeld haben sich mit Akten aus dem Leben von vier Zeitzeugen auseinandergesetzt und im Rahmen der Veranstaltung die Möglichkeit, ihnen Fragen zu stellen.

Die Zeitzeugen sind Günther Rehbein (geb. 1933, aus Gera) 1952 als junger Familienvater verhaftet und wegen Spionage und Hetze zu 25 Jahren „Zwangsarbeitslager“ verurteilt. Erst 1955 kam er aus Workuta (Sowjetunion) frei. Seine politische Verfolgung endete erst 1989.
Ralf Weber (geb. 1955) war vom sechsten bis zum 17. Lebensjahr in Heimeinrichtungen. Vom Jugendwerkhof Hummelshain aus wurde der 15-Jährige zur Arbeit im VEB „Maxhütte“ (Unterwellenborn) eingesetzt.
Ehepaar Bause (geb. 1961 u. 1963) stellte 1985 einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik. Um ihren Freiheitswillen zu verdeutlichen, organisierte Gerhard Bause zusammen mit zwei weiteren Eichsfeldern den ersten lokalen Widerstand.
Neben den drei „Anführern“ der „Protesterklärung“ wurde aber auch Dorit Bause am 29.02.1988 verhaftet. Erst nach dem Mauerfall kam Gerhard Bause frei.

Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung ein.
Ort: Gasmaschinenzentrale, Bergweg 1, 07333 Unterwellenborn
Zeit: 15.06.2018, 14:00 Uhr

Weitere Gedenkveranstaltungen anlässlich des 17. Juni 1953:

Im vergangenen Jahr wurde auf Initiative der Pottigaer Einwohner ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Zwangsaussiedlungen eingeweiht. Am morgigen Samstag um 11 Uhr wird nun ein Pavillon an der Aussichtsplattform am sogenannten Wachhügel eingeweiht, der zum Verweilen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze einlädt. Unsere Mitarbeiterin, Dr. Anke Geier, wird aus diesem Anlass um 13:00 Uhr im Infozentrum in Pottiga einen Vortrag über die Zwangsaussiedlungen aus Pottiga halten. Hierbei geht sie auch auf die Geschichte der Grenze ein. Sie sind herzlich eingeladen nach Pottiga zu kommen. Neben der Pavillon-Einweihung und dem Vortrag findet in der Gemeinde ein Familientag statt.
Zu DDR-Zeiten lag die Gemeinde Pottiga im 500-Meter-Streifen des Sperrgebietes. Die bayrische Grenze war zum Greifen nah. Bevor die Grenze in den 1950er Jahren zunehmend abgeriegelt und immer schärfer bewacht wurde, nutzten viele Menschen die Möglichkeit über die „Grüne Grenze“ zu fliehen. 1952 und 1961 wurden dann auch aus Pottiga zahlreiche Einwohner ins Landesinnere ausgesiedelt. Sie wurden vertrieben und durften nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stärkt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht. Dafür wurden jetzt 14 Forschungsverbünde ausgewählt. Sie werden in den nächsten vier Jahren mit bis zu 40 Millionen Euro gefördert. Zu den Forschungsfragen zählen begangenes Unrecht, etwa in Haftanstalten, Erziehungsheimen, im Gesundheitswesen sowie gegen Ausreisewillige, aber auch Modernisierungsblockaden in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein weiterer Fokus liegt auf den Nachwirkungen der DDR und des Transformationsprozesses nach 1989/90 auf aktuelle Entwicklungen.

Zwei Thüringer Forschungsverbünde werden gefördert 

Zur Förderung wurden auch zwei Thüringer Verbünde ausgewählt: Zum einen der Verbund "DuT. Diktaturerfahrung und Transformation: Biographische Verarbeitungen und gesellschaftliche Repräsentationen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren" (Verbundkoordination: Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller) mit den beteiligten Einrichtungen Friedrich-Schiller-Universität Jena, Stiftung Ettersberg, Weimar, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie der Universität Erfurt. Zum anderen forscht das Universitätsklinikum Jena gemeinsam mit der Fachhochschule Dortmund, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Universitätsmedizin Greifswald unter der Koordination von Prof. Dr. Bernhard Strauß in dem Verbund  "SiSaP. Seelenarbeit im Sozialismus – Die ambivalente Rolle der Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie im Gesundheitssystem der DDR". 

Landesbeauftragter begrüßt Entscheidung 

Der Landesbeaftragte Christian Dietrich begrüßt die Entscheidung des Bundes und sagte gegenüber dem MDR: "Gerade die Forschung zur 'Seelenarbeit' in der DDR hat enge Bezüge zu Fragen der Rehabilitierung und Begleitung von Betroffenen". Weitere Hintergrundinformationen finden Sie hier auf MDR online.  

W1bVertreterinnen und Vertreter von Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiative trafen sich vom 8. bis 10. Juni 2018 in Potsdam zum 22. Bundeskongress der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Betroffene dreier Generationen tauschten sich darüber aus, wie es heute gelingen kann, Erfahrungen mit politischer Verfolgung miteinander zu teilen und in die Gesellschaft einzubringen. „Geschichte braucht Geschichten“, sagte Dr. Maria Nooke, die brandenburgische Aufarbeitungsbeauftragte, „um das damals Geschehene zu verstehen. Daher wollen wir zum Dialog miteinander ermutigen“.
Die 200 Teilnehmenden des Bundeskongresses forderten die Entfristung und Erweiterung der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze und des 2. Doping-Opferhilfegesetzes - noch für dieses Jahr. 
Viele ehemals politisch Verfolgte sind heute noch benachteiligt. Vor diesem Hintergrund erklärte der brandenburgische Ministerpräsident, Dr. Dietmar Woidke, bei der Eröffnung: „Die Landesregierung werde eine Bundesratsinitiative ergreifen mit dem Ziel, die SED-Unrechtsbereinigungsgesetze so zu novellieren, dass die soziale Lage ehemals politisch Verfolgter der SBZ bzw. DDR verbessert wird.“
W2Mit einer Gedenkveranstaltung am „Mahnmal gegen das Vergessen“ auf dem Friedhof Werder (Havel) endete der Kongress am vergangenen Sonntag. Dort wird an acht Werderaner Jugendliche erinnert, die zu Beginn der 1952er Jahre von einem Sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt und in Moskau erschossen wurden.
Auf den Fotos zu sehen: Werner Bork hält vor dem "Mahnmal gegen das Vergessen" eine Erinnerungsrede. Bork war bis zu seiner Flucht nach West-Berlin Schüler in Werder und Teil der Widerstandsgruppe, die Flugblätter schrieb und verteilte. Auf private Initiative hin wurde vor zehn Jahren dieser Gedenkort geschaffen.
Einen ausführlichen Bericht von Peter Gärtner über den diesjährigen Bundeskongress finden Sie hier auf Freie Presse online

Der Landesbeauftragte führt am Dienstag, den 26. Juni zwischen 12:00 und 18:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße (Andreasstraße 37a) gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) eine Außensprechstunde durch. Die Ansprechpartner für Betroffene und Interessierte sind Thomas Heinemann (ThLA) und Sylvia Lechner (BStU).

Thomas Heinemann berät vor Ort zu den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen, die zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht durch den Deutschen Bundestag beschlossen wurden:

1. Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG)
Ermöglicht die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz (u. a. Passvergehen/ versuchte Republikflucht, Boykott- oder staatsfeindliche Hetze, Spionage, Wehrdienstverweigerung). Ebenso politisch motivierte Verurteilungen mit überzogenem Strafmaß oder die außerhalb eines Strafverfahrens erfolgte gerichtliche oder behördliche Entscheidung mit Anordnung zur Freiheitsentziehung, sofern diese der politischen Verfolgung oder sonstigen sachfremden Zwecken gedient hat. (Einweisung Psychiatrie oder Anordnung zur Unterbringung in einem Heim für Kinder oder Jugendliche).
2. Verwaltungsrechtliches Rehabilitierungsgesetz (VwRehaG)
Dient der Aufhebung von elementar rechtsstaatswidrigen Maßnahmen von DDR Organen, wenn die Maßnahmen zu einer gesundheitlichen Schädigung, einem Eingriff in Vermögenswerte oder einer beruflichen Benachteiligung geführt haben und die Folgen noch unmittelbar schwer und unzumutbar für den Betroffenen fortwirken.
3. Berufliches Rehabilitierungsgesetz (BerRehaG)
Knüpft mit dem Ziel eines Nachteilsausgleichs verfolgungsbedingter Eingriffe in Ausbildung oder Beruf an StrRehaG und VwRehaG an. Erfasst auch Maßnahmen des Betriebes oder staatlicher Organe (u. a. Nichtzulassung oder Exmatrikulation zu EOS oder Fach-/Hochschule, Kündigung oder Lohn- bzw. Gehaltsminderung, Entzug Gewerbeerlaubnis). 
Zielstellung dieser Rehabilitierungsgesetze ist es, Verfolgten einen Weg zu eröffnen, sich vom Makel persönlicher Diskriminierung zu befreien, einen Nachteilsausgleich in der Rente zu ermöglichen und soziale Ausgleichsleistungen (z.B. „Opferrente“) in Anspruch zu nehmen.

Sylvia Lechner (BStU) gibt Bürgerinnen und Bürgern am 26. Juni außerdem die Möglichkeit zur Antragstellung auf Akteneinsicht. Auch Fragen rund um die persönliche Akteneinsicht, zu Wiederholungsanträgen, zur Decknamenentschlüsselung und über die Arbeit der Behörde werden gerne beantwortet.

Jahn1 003Genau 35 Jahren nach der Ausbürgerung Roland Jahns aus der DDR wurde dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen die Ehrendoktorwürde Dr. h.c. phil. vom Institut für Politikwissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena verliehen. Es war der Höhepunkt des Tags der Politikwissenschaften im Jahr des 25-jährigen Bestehens des Instituts für Politikwissenschaften. Die Laudatio hielt der Jenenser Bürgermeister Albrecht Schröder.
In seiner Dankesrede sprach Roland Jahn über seine Zwangsausweisung aus der DDR und der Beschädigung der Beziehung zu seinen Eltern, insbesondere zu seinem Vater. Der Thüringer Landeszeitung hatte er zuvor ein Interview gegeben, in dem er ausführlich über den Heimatverlust sprach: „Als ich auf der Akropolis stand und auf Athen schaute, da schob sich vor mein inneres Auge plötzlich die Sicht von den Kernbergen auf Jena. . . Seither ist mir klar: Gerade wenn man zwangsweise weg ist aus der Heimat, gewinnt sie eine ganz besondere Bedeutung.“ (Das vollständige Interview finden Sie auf  Thüringische Landeszeitung online)
Jahn5 003Der Landesbeauftragte gratulierte dem Inspirator der friedlichen Revolution und erinnerte daran, dass die Staatssicherheit einen operativen Vorgang unter dem Codewort „Weinberg“ gegen ihn eingeleitet hatte, nachdem er in West-Berlin lebte. In mehrfacher Hinsicht ließ ihn die Heimat nicht los. Die Universität interpretierte die Ehrenpromotion als eine Wiedergutmachung – insbesondere für seine Relegierung von der Universität im Jahre 1977, nach dem er sich mit Wolf Biermann solidarisiert hatte. Dieser Vorgang ist eine Schlüsselgeschichte in Roland Jahns DDR-Analyse „Wir angepassten“. (Foto oben links: Jürgen Scheere/FSU Jena. Foto rechts: MH/CL)

IMG 3471Auch in diesem Jahr sind wir am Tag der offenen Tür des Thüringer Landtags (9. Juni, 10:00 - 17:00 Uhr) im Funktionsgebäude des Landtages mit einem Stand vertreten. Dort gibt es die Möglichkeit, an einem Quiz zur DDR-Geschichte teilzunehmen. Wer sich auskennt, kann tolle Preise zu gewinnen. Am Stand bieten wir zudem gemeinsam mit der Beratungsinitiative SED-Unrecht die Möglichkeit zu Beratungsgesprächen für politisch Verfolgte der Sowjetischen Besatzungszone/DDR an. Daneben haben wir ein folgendes Programm rund um das Thema DDR, SED-Unrecht und Aufarbeitung: 

Filmvorführungen: 
Funktionsgebäude des Thüringer Landtags, EG, Raum F 002

11.00 Uhr
„Die letzten Zeugen des Gulag“
Ein Film von Dean Caceres und Lars Henze (2014)

13.00 Uhr
„Die letzten Zeugen des Gulag“
Ein Film von Dean Caceres und Lars Henze (2014)

15.00 Uhr
„Die letzten Zeugen des Gulag“
Ein Film von Dean Caceres und Lars Henze (2014)

Ausstellungen: 
Funktionsgebäude des Thüringer Landtags / Politik- und Geschichtsmeile 

10.00 Uhr - 17.00 Uhr 
Ausstellung "Straßen überwinden Grenzen" 

Wir freuen uns, Sie an unserem Stand begrüßen zu dürfen! 

Der Schutz der Menschenwürde ist Staatsaufgabe und Staatsverpflichtung. Es war die Diktaturerfahrung einiger Mütter und Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, die zu dieser fundamentalen Staatsdefinition führte. Nie wieder sollte der „Normenstaat“ durch einen „Maßnahmenstaat“ (so Ernst Fraenkel) ersetzt werden. In der politischen Bildung wird die Sensibilisierung für die Menschenwürde mit der Erinnerung an die Folgen des Allmachtswahns von Diktatoren und der „Überflüssigmachung des Menschen als Menschen“ (Hannah Arendt) verbunden. Menschen, die sich nicht mit dem Unrechtsstaat gemein machten und dafür Diskriminierung, Verfolgung und Verlust ihrer Heimat in Kauf nahmen, sind eine bleibende Inspirationsquelle unseres Rechtsstaates. Umso wichtiger ist es, dass wir sie nicht als Bittsteller behandeln, sondern ihnen nach der nötigen Rehabilitierung auch eine angemessene Entschädigung zuerkennen.
In letzter Zeit wurden immer wieder Härtefallfonds für verschiedenste Opfergruppen ins Gespräch gebracht, um deren heutige wirtschaftliche Situation zu verbessern. Es scheint, dass dabei die im Koalitionsvertrag benannten verfolgten Schüler aus dem Blick geraten. Deren Rentenbiografie wurde von Arbeitsbeginn an beeinflusst, von den laufenden Ausgleichsleistungen nach § 8 BerRehaG sind sie ausgeschlossen. Ein Härtefallfonds kann hier weder Abhilfe für die erlittene Benachteiligung leisten, noch eine angemessene Anerkennung und Würdigung (wie für die Rehabilitierungsgesetzgebung durch den Einigungsvertrag vorgegeben) sein. Deshalb empfiehlt der Landesbeauftragte nicht nur die Entfristung der Gesetze zur Rehabilitierung der SED-Opfer, sondern fordert auch, die Angemessenheit der Entschädigungen für die anerkannten Verfolgungsgruppen aus den Rehabilitierungsgesetzen zu überprüfen.
Da unter politischer Verfolgung auch die Angehörigen zu leiden hatten, sollte auch die „Stiftung für ehemalige politische Häftlinge“, die ausdrücklich mitbetroffene Hinterbliebene unterstützt, gestärkt werden.

Am 18. Mai wird Hartmut Rosinger 70. Es ist seit 1989 in der Aufarbeitung der SED-Diktatur engagiert. Er engagiert sich im „Bürgerkomitee des Landes Thüringen e. V“., veröffentlichte u.a. über die Funktion der K I [Kriminalpolizei Dezernat I], dem verdeckten Ableger der Staatssicherheit innerhalb der Polizei. Ein großes Werk ist sein Grenzlexikon (1. Auflage 2005, 2. Auflage 2018).

1980 kündigte er seine inoffizielle Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit auf. Erst in der Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur in den 1990er Jahren offenbarte er seine IM-Tätigkeit (IM „Hans Kramer“, 1974-1980). Er wandte sich an sein Opfer, Peter Wulkau, der auch aufgrund seines Verrats zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde. Peter Wulkau erklärte sich bereit, mit seinem Verräter im Rahmen von Schülerprojekten sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.
Seit 2006 führt der Landerbeauftragte dieses besondere Schüler(„Opfer-Täter“)-Projekt durch. Der einzigartige Dokumentarfilm „Feindberührung“ von 2011 spiegelt diesen Versöhnungsprozess wider. „Feindberührung“ wurde für das ZDF in Co-Produktion mit Cinétévé in Paris für France 3 hergestellt und am Tag der deutschen Einheit 2011 ausgestrahlt. Er erhielt den PRIX EUROPA für den besten Dokumentarfilm 2011. Im vergangenen Jahr gab Hartmut Rosinger ein Interview zu diesem (Selbst)Versöhungsprozess.
Der Landerbeauftragter und seine Mitarbeiter haben ihm viel zu verdanken und freuen sich auch auf weitere Projekte.

 

Am 13. Mai – dem diesjährigen Muttertag – feiert Annegret Büttner ihren 80. Geburtstag.
Aus diesem Anlass machen wir erneut auf ihr Schicksal und das ihrer Familie aufmerksam. Während der großen Zwangsumsiedlungsaktion in der DDR kurz nach dem Mauerbau wurde Frau Büttner mit ihrem Ehemann Andreas und ihren Eltern aus dem eichsfeldischen Schönau zwangsausgesiedelt. Die Büttners kamen im Oktober 1961 nach Bad Berka. Die Eltern Frau Büttners, Hermann und Anna Jünnemann, wurden nach Töttleben bei Erfurt ausgesiedelt. Ihre Geschichte steht stellvertretend für die vielen Geschichten von Vertreibung aus dem Grenzgebiet der DDR. Neben dem Verlust der Heimat bedeutete die Aussiedlung auch die Enteignung von Haus- und Grundbesitz. Frau Büttner kämpfte nach 1990 viele Jahre um die Rückgabe des elterlichen Anwesens, einem Bauernhof mit Gaststätte, und von 5 Hektar Ackerland.
Annegret Büttner wurde 1938 in Schönau bei Uder geboren. Ihr Vater war Land- und Gastwirt. Mit der Einführung eines verschärften Grenzregimes im Jahr 1952 lag das Heimatdörfchen von Annegret Büttner in der 5-Kilometer-Sperrzone an der innerdeutschen Grenze. Durch die Einführung dieser Sperrzone wurde im Mai 1952 die elterliche Gastwirtschaft „Zum lahmen Frosch“ geschlossen. Annegret Büttner beendete in diesem Jahr ihre Schulzeit und half in der Landwirtschaft der Familie aus. 1955 absolvierte sie ein Haushaltsjahr bei den Nonnen im Missionskonvikt in Borken/Westfalen. Hier blieb sie für ein Jahr ohne DDR-Genehmigung. Auf Bitten ihres Vaters kehrte sie schließlich in die DDR zurück. Aufgrund ihrer fehlenden Ausreisegenehmigung galt sie nun als sogenannter „Republikflüchtling“. Sie musste sich zunächst „bewähren“: Sie arbeitete in einem Konsumladen in Talwenden und später als Bedienung in einer Gaststätte in Uder. 1960 lernte sie ihren Mann kennen. Sie heirateten im April 1961. Im Juli desselben Jahres überschrieb ihr Vater Hermann die Landwirtschaft und das Anwesen auf seine Tochter Annegret. Ihre vier Geschwister lebten mittlerweile nicht mehr in der DDR. Ein Großteil des Ackerlandes hatte die Familie an die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) verpachtet. Frau Büttner und ihr Mann arbeiteten in Heiligenstadt, wo sie ein Milchgeschäft der Handelsorganisation (HO) betreuten.
Am 3. Oktober 1961 wurden sie und ihre Angehörigen früh um 6 Uhr von unbekannten Männern lautstark geweckt und ihnen ihre sofortige Aussiedlung aus dem Grenzgebiet mitgeteilt. Einen Rechtsgrund gab es nicht. Weshalb sie ihre Heimat verlassen mussten, erfuhren sie erst nach der Wiedervereinigung: Büttners wurden aufgrund von „staatsfeindlicher Einstellung“ und „organisiertem Westfernsehen“ – so die Sprache in den Akten – ins Innere der DDR umgesiedelt. Ihre Habseligkeiten wurden auf einen Transporter geladen und die Büttners getrennt wie Schwerverbrecher weggefahren. Keinem wurde gesagt, wohin sie gebracht werden würden. Die pflegebedürftige, bettlägerige Großmutter blieb allein im Haus zurück.

Flyer FB Rehbein

Günther Rehbein hat den Gulag überlebt. Seine Erinnerungen belegen, dass das an ein Wunder grenzt. 1952 wurde er in Gera mit gerade einmal 19 Jahren verhaftet: Ihm wurde vorgeworfen, als Spion in einer antisowjetischen Gruppe tätig zu sein. Eine Odyssee durch die Haftanstalten der DDR begann: Gera-Amthorstraße, die Gefängnisse des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in Berlin-Karlshorst und Chemnitz. Unter Folter unterschrieb er im November 1952 ein russischsprachiges Geständnisprotokoll und das sowjetische Militärtribunal fällte ein vorgefertigtes Urteil: 15 Jahre für Spionage, 10 Jahre für antisowjetische Hetze und 20 Jahre für versuchte Diversion (Feindtätigkeit, Sabotage), das hieß 45 Jahre Haft im Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion.

Unmittelbar nach dem Urteilsspruch wurde er nach Workuta am Nordende des Uralgebirges in Russland verschleppt. Im sogenannten Besserungsarbeitslager Workuta, eines der größten und härtesten Zwangsarbeitslager, arbeitete Günther Rehbein in den Kohleminen. Oft war der Tod näher als das Leben. Viele seiner Kameraden verstarben. Die Hoffnung, seine Familie wiederzusehen, stärkten seinen Willen zu überleben, auch wenn er während seiner Haftzeit keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen durfte. Er erlebte extreme Lebensbedingungen in der Tundra, ebenso den im Sommer 1953 ausgebrochenen Häftlingsaufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Nach Verhandlungen des Bundeskanzlers Konrad Adenauer mit dem sowjetischen Parteichef Nikita Chruschtschow wurden die deutschen Gulag-Häftlinge entlassen. Im Oktober 1955 kehrte auch Günther Rehbein in die DDR zurück. Dort wurde er vom Staatssicherheitsdienst auf eine Weise bespitzelt und schikaniert, die ihn fast in den Wahnsinn trieb. Vier Jahre lang saß er schließlich im „Gelben Elend“ in Bautzen ein.
Der 85jährige Günther Rehbein ist Autor des Buches „Gulag und Genossen. Aufzeichnungen eines Überlebenden“, aus dem er am 12. Juni 2018 in der Stadtbücherei Suhl lesen wird. Zudem erzählt er auf der Veranstaltung von seinen Erlebnissen in Workuta und in der DDR.

Am kommenden Mittwoch wird Heino Falcke mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, seine Vita erklärt die Ehrung: Heino Falcke wurde am 12. Mai 1929 in Westpreußen geboren. Nach dem Krieg studierte er in Berlin, Göttingen und Basel evangelische Theologie. 1952 entschied er sich, Pfarrer in der DDR zu werden. Nach zwei Jahren als Studieninspektor am Predigerseminar in Wittenberg wurde Heino Falcke Assistent am Lehrstuhl für Systematische Theologie in Rostock. Hier wurde er 1958 promoviert. 1961 erfolgte seine Habilitation. Von 1963 bis 1973 war er Direktor der kirchlichen Ausbildungsstätte Predigerseminar in Gnadau bei Magdeburg. Daran anschließend, leitete Falcke von 1973 bis 1994 als Propst den Propstsprengel Erfurt. Die christliche Existenz im sozialistischen Staat, die Sicherung des Friedens und die Erhaltung der Umwelt waren vor allem Gegenstand seiner Arbeit.
Vor 50 Jahren, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, prägte er zusammen mit seinem Bischof die Formel von der „kritischen Solidarität“. Während die SED alle Brücken zwischen den Kirchen in den beiden Teilen Deutschlands zerschlagen wollte, beteiligte sich Heino Falcke an einem gesamtdeutschen Friedenswort der Evangelischen Kirchen in Deutschland. 1972 hielt er den Hauptvortrag der Synode des Bundes evangelischer Kirchen in der DDR: „Christus befreit - darum Kirche für andere“. Es war eine eindrucksvolle Freiheitsrede, in der er die Differenz zur SED-Herrschaft mit der „Hoffnung eines verbesserlichen Sozialismus“ und der Hoffnung auf Christi Befreiung markierte. Nach dem Ende der SED-Diktatur stellte Heino Falcke fest: „Alle Versuche, mehr Toleranz im Bildungssystem zu erreichen, sind eigentlich gescheitert. Wir mussten zum Schluss doch sagen: Im Bildungswesen haben wir eigentlich nichts erreicht.“

Als Erfurter Propst prägte er die Kirchentage in Erfurt mit symbolischen Aktionen (1983) und dem Ruf: „Menschen ohne Rückgrat haben wir schon genug“ (1978). Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erinnert sich an den Kommentar des Propsts zu einem symbolischen Kerzen-Protest im Jahr 1986: „Die Kerze ist der gewaltlose Widerstand gegen die Finsternis.“ Im Mai 1987 gründete sich eine kirchliche Initiative gegen die Abgrenzungspolitik der SED. Den Antrag „Absage an Prinzip und Praxis der Abgrenzung" brachte Heino Falcke in die Bundessynode ein. Er begründete ihn u. a. mit den Bekenntnisworten nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur: „Wir sind in die Irre gegangen, als wir meinten, eine Front der Guten gegen die Bösen, des Lichts gegen die Finsternis, der Gerechten gegen die Ungerechten im politischen Leben und mit politischen Mitteln bilden zu müssen." So ermutige er über Jahre zur Friedlichen Revolution und gestaltete sie mit. Als die Erfurter Staatssicherheitszentrale im Dezember 1989 besetzt wurde, stellte er sein Auto quer in die Zufahrt, um den Abtransport von Dokumenten zu verhindern. Heino Falcke hatte die DDR-Kirchen im Weltrat der Kirchen vertreten und war Mitinitiator des Konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Diese internationale kirchliche Bewegung begleitete das Ende des sowjetischen Imperiums.
Der Landesbeauftragte gratuliert dem Erfurter Theologen zur Verleihung des Bundesverdienstordens und freut sich, dass Heino Falcke die Ehrung durch die Bundesregierung und den Freistaat Thüringen annimmt. Er war und ist ein Inspirator der Befreiung.

Flyer FB StoetzerDie Thüringer Schriftstellerin und Künstlerin Gabriele Stötzer liest am 16. Mai um 18:30 Uhr in der Bücherstube „Hannah Höch“ in Gotha (Hauptmarkt 15) aus ihrer aktuellen Publikation „das brennen der worte im mund“. Die Autorin beschreibt darin, was staatliche Unterdrückung und Bespitzelung für Auswirkungen hatten; nicht nur auf Künstler, sondern jeden Einzelnen in der DDR. Dabei ruft sie eindringlich Gewalterfahrung in Erinnerung.
In Kommunikation mit dem Weimarer Duo „Klang-Zeichen“, bestehend aus Daniel Hoffmann und Michael von Hintzenstern, wird daraus Lebensfreude für heute. „das brennen der worte im mund“ enthält autobiografische Lyrik- und Prosatexte sowie Grafiken der Autorin.

Gabriele Stötzer wurde 1976 aus politischen Gründen von der Pädagogischen Hochschule in Erfurt exmatrikuliert und verbüßte im Frauenzuchthaus Hoheneck ein Jahr Haft wegen Unterschriftensammlungen gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Anschließend arbeitete sie in einer Schuhfabrik und schließlich seit 1980 freischaffend als Künstlerin. 1982 erfolgten erste Veröffentlichungen von Texten und Fotografien in Untergrundzeitschriften, ab 1984 arbeitete die Thüringerin an Performances mit einer Erfurter Künstlerinnengruppe.
Stötzer war 1989 Teil der „Frauen für Veränderung“ und Mitinitiatorin der ersten Besetzung einer Zentrale der Staatssicherheit in der DDR (BV Erfurt).
Seit 1990 hat sie diverse Bücher publiziert, internationale Ausstellungen und Lesungen führten Stötzer u.a. in die USA, Niederlande und China. Derzeit ist sie als Dozentin für Performance-Seminare an der Universität Erfurt tätig.

Das Duo „Klang-Zeichen“ ist 2004 aus dem „Ensemble für Intuitive Musik Weimar“ (EFIM) hervorgegangen und besteht aus Daniel Hoffmann (Trompete/Flügelhorn/Röhrenradio/Grammophon/Stimme) und Michael von Hintzenstern (Harmonium/Röhrenradio/Klangerzeuger/Stimme). Es knüpft an Traditionslinien des Dadaismus an und ist durch die musikalischen Positionen von Erik Satie und John Cage geprägt.

Europa zwischen gewaltsamer Neuordnung und Nationalstaatsbildung

Unter dem Titel "Das lange Ende des Ersten Weltkriegs. Europa zwischen gewaltsamer Neuordnung und Nationalstaatsbildung" veranstaltet die Stiftung Ettersberg gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen am 21. April, von 9:15 bis 17:30 Uhr, in der Gedenk- und Bildungstätte Andreasstraße in Erfurt ihr Wissenschaftliches Tagesseminar.

Mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 wurden die Kampfeshandlungen an der Westfront des Ersten Weltkrieges eingestellt. Doch nicht überall war der Krieg damit zu Ende. Der Zerfall des Russischen Imperiums, der Habsburgermonarchie und des Osmanischen Reiches hatte kriegerische Auseinandersetzungen in den Jahren nach dem proklamierten Ende des Ersten Weltkriegs zur Folge. Bürgerkriege, Revolutionen, Grenzkonflikte, Vertreibungen, Pogrome und die Entfesselung ethnischer Konflikte begleiteten im östlichen Europa die Gründung neuer Nationalstaaten. Das Tagesseminar möchte diese Nachfolgekonflikte des Ersten Weltkrieges und den Zerfall der europäischen Imperien betrachten und das Jahr 1918 als historische Zäsur in Frage stellen. Dabei sollen einerseits die historischen Ursprünge jener Konflikte und andererseits die unterschiedlichen Wege der Nationalstaatsbildung in den Blick genommen werden. Abschließend soll darüber nachgedacht werden, inwieweit der Erste Weltkrieg und seine Nachfolgekonflikte gewohnte Hör- und Sehgewohnheiten verändert haben und als Geburtsstunde neuer Formen von Gewalt anzusehen sind, die konstitutiv für das 20. Jahrhundert als ein ›Zeitalter der Extreme‹ wirkten. Weitere Informationen und Details zu der Veranstaltung finden Sie hier.

IMG 0356Sie wollte Lehrerin werden, aber die SED versuchte, sie zu zerbrechen. Wegen Staatsverleumdung wurde sie 1977 inhaftiert. Als sie aus der politischen Haft entlassen wurde, fand sie sich als Künstlerin wieder. Die staatliche Anerkennung blieb ihr verwehrt. Um so deutlicher wurde ihre Sprache; und als die Friedliche Revolution die SED hinwegfegte, war sie in Erfurt eine der ersten Stasibesetzerinnen. Bis dahin hatte Gabriele Stötzer über zehn Künstlerbücher vorgelegt und hoch sensible Texte zur Selbstrettung bei staatlicher Zersetzung und Gewalt geschrieben, die nun auch außerhalb des Samisdat erscheinen konnten. Sie hatte Menschen ermutig, sich künstlerisch auszudrücken und mit Performancekunst und Ausstellungen dabei mitgewirkt. Zuletzt wurde mit Unterstützung des Landesbeauftragten ein Kunstbuch („das brennen der worte im mund“) und ein Band zum Thema Studieren in der DDR ("Zwischen Humor und Repression - Studieren in der DDR: Zeitzeugen erzählen") herausgegeben. Mit vielen Preisen wurde außerdem ihr Film KAPUTT geehrt. Sie ist inzwischen Pädagogin und international gefragte Künstlerin.

Gabriele Stötzer wurde am 14. April 1953 in Elmleben geboren und wird Morgen 65. Der Landesbeauftragte wünscht alles Gute, Gottes Segen und uns noch viel Anteil an ihrer Poesie und Wirklichkeitsaufklärung!

Gerbergasse18 NeuDie neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ richtet den Blick auf das facettenreiche Epochenjahr 1968. Nicht nur weltweite Jugendproteste fordern die etablierten Gesellschaften (in Ost und West) heraus, mehrere Schlüsselmomente verdichten sich vor fünfzig Jahren: erstmals treten zwei deutsche Mannschaften bei Olympia an, politische Attentate in den USA und der sich radikalisierende Vietnam-Krieg erschüttern die Öffentlichkeit, die Sprengung der Universitätskirche in Leipzig versinnbildlicht die kirchenfeindliche Politik der SED, eine neue DDR-Verfassung wird im April per Schein-Entscheid mit 94,5 % Ja-Stimmen angenommen und im Juli tritt ein reformiertes Strafgesetzbuch in Kraft, dass „staatsfeindliche Hetze“ und „Republikflucht“ als Delikte nennt sowie die Verfolgung politisch Andersdenkender verschärft.
Im Mittelpunkt stand für viele Zeitzeugen der „Prager Frühling“ in der Tschechoslowakei. Doch der gesellschaftliche Aufbruch ohne Zensur und Repression dauerte nur wenige Monate, bevor am 21. August sowjetische Panzer alle Hoffnungen blutig niederschlugen. Mit Interviews, Zeitzeugenberichten und Analysen erinnert der Themenschwerpunkt „1968“ an diese Ereignisse. Beispielsweise durch seltene Farbaufnahmen des damaligen Theologiestudenten Manfred Hermann, der die Invasion in Prag fotografierte.
Ein anderer Jahrestag ist 30 Jahre her: Eine unabhängige Demonstration für Meinungsfreiheit und Menschenrechte in Naumburg, die am 2. Februar 1988 nur wenige Minuten andauerte, bevor sie von „Sicherheitskräften“ aufgelöst wurde. Was die 18 mutigen Demonstranten vorwegnahmen, wurde als Friedliche Revolution im Herbst 1989 zur Massenbewegung. Einer der damaligen Akteure, der heutige Geraer Pfarrer Michael Kleim, rekonstruiert die Geschehnisse. Weitere Heftbeiträge behandeln den geheimen Handel mit Kunst und Antiquitäten aus der DDR in den Westen, die Fahrten der Westalliierten durch DDR-Gebiet unter der Chiffre Militärverbindungsmissionen, Chancen und Grenzen der Einbindung von DDR-Zeitzeugen in den Unterricht sowie die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Albanien.

In letzter Zeit häufen sich Berichte über vermutete politisch motivierte Adoptionen und Kindesentziehungen in der DDR. Die Konferenz der Landesbeauftragten spricht sich für eine Versachlichung in der emotional aufgeladenen Debatte aus. Es gibt bisher wenige belegte Einzelfälle, aber noch keine wissenschaftlich seriösen Belege für systematische, flächendeckende und in hoher Zahl vorgenommene Zwangsadoptionen in der DDR, bei denen Kinder aus politischen Gründen gegen den Willen der Eltern und ohne Gefährdung des Kindeswohls der Familie entzogen und adoptiert wurden. Ungeachtet dessen bleibt jeder einzelne Fall eine Tragödie.

Aufgrund des Leidensdrucks von betroffenen Familien erachten es die Landesbeauftragten als notwendig, dass jeder einzelne Fall vorbehaltlos aufgeklärt wird. Sie bieten diesen Familien entsprechende Beratungsmöglichkeiten an. Die Skandalisierung der äußerst sensiblen Thematik schadet den Betroffenen.

Kürzlich wurde im Auftrag der Ost-Beauftragten die Vorstudie „Dimensionen und wissenschaftliche Nachprüfbarkeit politischer Motivation in DDR-Adoptionsverfahren 1966-1990“ veröffentlicht. Aufgaben der Vorstudie waren eine Bestandsaufnahme bisheriger Erkenntnisse, die Definition von Fallgruppen und die Untersuchung von Fragestellungen und Machbarkeit künftiger Forschungen.
Dem wird die Studie nur bedingt gerecht, insbesondere weil die Schätzung von Zahlen völlig verfrüht ist.
Die Landesbeauftragten sprechen sich für eine umfassende Weiterarbeit an dieser Thematik aus. Elementar wichtig und notwendig ist eine vorurteilsfreie wissenschaftliche Erforschung der Praxis von Kindesentziehungen und Adoptionen in der DDR. Zu berücksichtigen sind auch die Fälle, in denen Eltern vermuten, dass ihnen das Versterben der Kinder vorgetäuscht wurde, um eine Zwangsadoption zu verschleiern.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Thomas Heinemann
Stellvertretender Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Ref. Bürgerberatung und Rehabilitierung
Tel.: +49 361 57 3114-957 | Fax: +49 361 57 3114-952
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beim Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle als Juristische/r Mitarbeiter/in zu besetzen. Das Aufgabengebiet umfasst die Unterstützung der Beratung, die im Auftrag des Landesbeauftragten erfolgt, und die Erarbeitung von Expertisen. Daneben sind Rechtsinformationen im Zusammenhang der Rehabilitierung von SED-Unrecht zu erteilen, Beratungen nach den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen und nach dem StUG durchzuführen, Gutachten zu erstellen, der Haushalt des ThLA zu führen und Firmen zu beauftragten. Weitere Informationen zum Anforderungsprofil und den Bewerbungsmodalitäten finden Sie hier.

Außerdem ist mit Wirkung zum 01.09.2018 die Stelle als Referent/in Bürgerberatung und Beratung öffentlicher Stellen zu besetzen. Das Aufgabengebiet umfasst u.a. die Durchführung von Beratungen nach den SEDUnrechtsbereinigungsgesetzen und nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz sowie die Planung, Vorbereitung und Ausführung von Veranstaltungen (Buchlesungen, Referentenvorträgen und Opfertreffen) und Beratungstagen in den Landkreisen und kreisfreien Städten Thüringens. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Landesbeauftragter am 15. und 16. März mit zwei Publikationen bei „Leipzig liest“ vertreten

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse moderiert der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich am 15. und 16. März zwei Buchvorstellungen, die sich dem staatlichen Mobbing gegen Studenten in der DDR widmen:

DefekteGünter Knoblauch / Roland Mey: Defekte einer Hochschulchronik
Lesung und Gespräch am 15. März um 16:00 Uhr in der Leipziger Gedenkstätte Runde Ecke (Dittrichring 24, 04109 Leipzig); mit dem Autor Roland Mey, Dr. Jochen Staadt (Forschungsverbund SED-Staat, Berlin) und Hildigund Neubert (2003-2013 Thüringer Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen), Moderation Christian Dietrich.
Weitere Informationen und eine Rezension zum Buch finden Sie hier.  

 

 

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Rainer Jork / Günter Knoblauch (Hg.): Zwischen Humor und Repression - Studieren in der DDR: Zeitzeugen erzählen

Lesung und Gespräch am 16. März um 18:00 Uhr in der Leipziger Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (Dittrichring 24, 04109 Leipzig); mit den Zeitzeugen Dr. Martin Böttger, Reinhard Keller, Gabriele Stötzer, Martina Pontius und Prof. Hans-Hendrik Grimmling, Moderation Christian Dietrich.

Weitere Informationen und eine Rezension zum Buch finden Sie hier.

 

Christian Dietrich lädt herzlich zu den Buchvorstellungen am 15. und 16. März ein. Die Bücher können im Anschluss an die Veranstaltungen erworben werden.

Vor 50 Jahren endete in Polen der kulturelle „Frühling“ und es begann eine umfassende Vertreibung vor allem jüdischer Bürger.
Die dramatische Entwicklung setzte mit Protesten gegen die staatliche Zensur nach der Absetzung von Theaterinszenierungen in Warschau ein. Am 8. März 1968 kam es dort zu einer Studentendemonstration, woraufhin einige der Studentenführer inhaftiert wurden, viele Sympathisanten erhielten zudem Berufsverbote. Nach dem Arabisch-Israelischen Sechstagekrieg (5. bis 10. Juni 1967) hatte die Polnische Staatspartei bereits zuvor eine antisemitische Kampagne gestartet. Nun wurden die Studenten und ihre Verbündeten als Zionisten und „Feinde des polnischen Volkes“ verfolgt. Viele Intellektuelle und Künstler, insbesondere Juden (ca. 13.000 Menschen), mussten Polen daraufhin verlassen.
Halina JaworskiHalina Jaworski (* 13.12. 1952 in Danzig, heute Düsseldorf) schreibt: „Wir hatten 10 Tage, vom 25. September bis 5. Oktober um - Mitten in Europa im Jahr 1968 - 1.000 Jahre in einen Koffer zu packen - bloß aber keine Sachen die zu neu sind und keine die älter sind als 1945. Aber auch keine Manuskripte, Doktorarbeiten, Noten, Schulzeugnissen, Tagebücher... Der Zollbeamte zog mein Tagebuch heraus und fing an laut darin zu lesen. Ich sagte, er soll mir das zurückgeben. Er lachte nur. Ich sprang über die Absperrung und riss ihm das Tagebuch aus den Händen. Er war sprachlos vor so viel ungehorsam. Ich zerriss es in tausend Stücke. Ich war mit meinen 15 Jahren zur Persona non grata erklärt worden.“ Ausgereist war sie mit dem blauen Pass der Staatenlosen, mit dem in Israel, Österreich, Großbritannien oder Deutschland Asyl beantragt wurde. (Siehe Foto rechts)

Einige interessante Artikel wurden jüngst zu der Vertreibung jüdischer Polen im Jahr 1968 veröffentlicht, darunter:
Gerhard Gnauck auf Welt online: "Das Ende eines hoffnungsvollen Frühlings in Verzweiflung und Scham: Ein Besuch bei der polnischen Schriftstellerin Hanna Krall"
David Kowalski auf Jüdische Allgemeine online: „Zionistische Agenten“
Florian Kellermann auf Deutschlandfunk online: "Polen - schwierige Geschichte"
Monika Sieradzka auf der Deutsche Welle online: "Polen und die Ausbürgerung der Juden"

Nachtrag 08.03.2018: Der polnische Präsident Andrzej Duda bat zum 50. Jahrestag um Entschuldigung: "Bitte verzeihen Sie, verzeihen Sie der Republik und den Polen, dem Polen von damals." (siehe Welt online)

RehbeinMorgen feiert Günther Rehbein seinen 85. Geburtstag. Bis heute hat er sich zur Aufgabe gemacht, als Zeitzeuge darüber zu berichten, wie die die kommunistische Diktatur mit Menschen umging, welches Unrecht und welche Verbrechen einstmals passiert sind: 
Der 6. August 1952 veränderte das Leben des jungen Familienvaters Günther Rehbein (geboren am 6. März 1933 in Gera), als er an seiner Arbeitsstelle in Gera verhaftet wurde. Einige Tage vor der Verhaftung hatte er gegenüber einem Bekannten seinen Unmut über die Reparationsleistungen und die schlechte Versorgung der DDR Bevölkerung zum Ausdruck gebracht. Nun wurde ihm vorgeworfen, als Spion in einer antisowjetischen Gruppe tätig zu sein und die sowjetische Kommandantur in die Luft sprengen zu wollen. Unter dieser Anschuldigung begann seine Odyssee durch die Haftanstalten „Gera-Amthorstraße“, des NKWD in Berlin-Karlshorst und Chemnitz. Hier wurde er am 13. November 1952 vor ein sowjetisches Militärtribunal gestellt und unter Folter zu einer Unterschrift auf dem russischen Geständnisprotokoll gezwungen, das er nicht lesen konnte.
Das vorgefertigte Urteil wurde ohne Anhörung des Angeklagten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit erlassen: „Für Spionage 15 Jahre, für antisowjetische Hetze 10 Jahre und für versuchte Diversion 20 Jahre Zwangsarbeitslager.“ 45 Jahre, die dann auf 25 Jahre herabgesetzt wurden. Unmittelbar nach dem Prozess wurde er nach Workuta am Nordende des Uralgebirges in Russland verschleppt. „Die Jugend musste“ [ich] „in dieser Eiswüste verbringen, ohne eine Straftat begangen zu haben.“ Er wurde im Arbeitslager in den Kohleminen eingesetzt, wo im Liegen oder auf Knien die Kohle ohne Hilfsmittel gefördert wurde. Oft war der Tod näher als das Leben. Viele seiner Kameraden verstarben. Die Hoffnung, seine Familie wiederzusehen, stärkten seinen Willen zu überleben, auch wenn er während seiner Haftzeit keinen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen durfte.
Nach Stalins Tod nährte sich die Hoffnung, dass sich die Haftbedingungen besserten. Dies war nicht der Fall. Günther Rehbein erlebte, wie einige seine Kameraden während des Häftlingsaufstand in Workuta im Juli / August 1953 erschossen wurden. Erst Ende 1955, nach den Gesprächen zwischen Bundeskanzler Adenauer und Chruschtschow, änderte sich seine Lage. Er wurde vor die Wahl gestellt in die Bundesrepublik oder zurück in die DDR zu gehen. Er entschied sich für seine Heimatstadt Gera, wo seine Frau mit den Kindern und seine Großeltern lebten.

FBAm 6. März findet um 19:30 Uhr in der Jenaer Ernst-Abbe-Bücherei (Carl-Zeiss-Platz 15) ein Veranstaltungsabend mit der Vorsitzenden des Doping-Opfer-Hilfe Vereins (DOH), Prof. Ines Geipel, und dem Sportjournalisten Thomas Purschke zum Thema Doping in der DDR statt.

Ines Geipel, einst eine Weltklassesprinterin beim DDR-Sportclub Motor Jena, spricht über das systematische Doping in der DDR. Im staatlichen Auftrag wurden Hochleistungs- und Nachwuchssportler gedopt. Sie erlitten hierdurch erhebliche gesundheitliche Schäden, deren Spätfolgen teilweise erst jetzt zu Tage treten. Prof. Ines Geipel informiert zur Geschichte des DDR-Staatsdopings, zur Lage der Dopingopfer und zum aktuellen Hilfsfonds: Im August 2002 wurde ein Dopingopfer-Hilfegesetz verabschiedet und ein Hilfsfonds eingerichtet, der jedoch nicht alle Betroffenen erfasst hatte und bereits Ende 2007 ausgeschöpft war. Nach langem Einsatz der Doping-Opfer-Hilfe beschloss die Bundesregierung im Jahr 2016 ein zweites Entschädigungsgesetz, nach dem Betroffene des DDR-Staatsdopings noch bis zum 31.12.2018 Antrag auf eine einmalige Hilfe in Höhe von 10.500 Euro stellen können.

Auf den Vortrag von Prof. Ines Geipel folgend spricht Thomas Purschke über die Verstrickungen von Thüringer Medizinern und Wissenschaftlern im DDR-Staatsdopingsystem und die besondere Rolle des VEB Jenapharm. Anschließend diskutieren beide unter der Moderation des Landesbeauftragten Christian Dietrich über den Stand der Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen.

Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt gemeinsam mit dem Doping-Opfer-Hilfe-Verein e.V. interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung am 6. März um 19:30 Uhr in das Foyer der Ernst-Abbe-Bücherei in Jena ein, an die sich eine Diskussionsrunde anschließen wird.

Beratungstag des Doping-Opfer-Hilfe e.V.
Am darauffolgenden Mittwoch veranstaltet der Doping-Opfer-Hilfe e.V. einen Beratungstag für Doping-Opfer mit den Beratern des DOH, genauer am Mittwoch, 7. März 2018, 10.00 bis 16.00 Uhr, ebenfalls in der Ernst-Abbe Bücherei, Carl-Zeiss-Platz 15, 07743 Jena. Hierzu wird gebeten um vorherige Anmeldungen in der Bundesgeschäftsstelle des DOH e.V. in Berlin unter: 030-80 49 33 12.

Ludwig Große wurde am 27. Februar 1933 in Zeutsch bei Rudolstadt geboren. Er studierte in den Jahren der Verfolgung der Jungen Gemeinden und der Jenaer Studentengemeinde in Jena Theologie. In Tannroda war er Gemeindepfarrer und geriet hier in den Fokus der Staatssicherheit. 1970 wurde er zum Superintendent von Saalfeld gewählt. Zuletzt war er Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen für Ausbildung und Erziehung. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings forderte er einen Einspruch seiner Kirche bzw. eine Versöhnungsgeste gegenüber dem Nachbarn, der 1938 vom nationalsozialistischen Deutschland besetzt worden war. Seit 1964 war er in der Synode seiner Landeskirche und ab 1974 auch in der Synode des Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR und in der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen. Sein Mandat nutze er immer wieder zur Erweiterung der Freiräume in der DDR. In seinen Ämtern unterstützte er kirchliche Gruppen, die vom SED-Staat bedrängt wurden und leitete viele Jahre die Lutherische Bekenntnisgemeinschaft, die die Tradition des Widerstands gegen die Deutschen Christen bewahrte und aktualisierte.

Das Bürgerkomitee des Landes Thüringen e.V. sucht zum 01.05.2018 für die Beratungsinitiative im Freistaat Thüringen eine/n Sozialarbeiter/in in der Beratungstätigkeit mit einem Beschäftigungsumfang von 24 Wochenstunden. Der Dienstort ist das Behördenhaus Gera, ThLA, Ast Gera, Puschkinplatz 7.

Die Tätigkeit als Sozialarbeiter/in umfasst folgende Aufgaben:

- Organisation von Beratungstagen in den Landkreisen Weimarer Land, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Greiz und Altenburger Land
- Aufsuchende Beratung von Betroffenen des SED-Regimes
- Information zu den Reha-Gesetzen
- Hilfen bei der Antragstellung und Geltendmachung von Leistungen nach den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen
- Unterstützung im Kontakt mit mit beratungsrelevanten Behörden, Einrichtungen und Diensten

Dieses Profil sollten Sie erfüllen:

- FH-Abschluss in sozialer Arbeit (oder vergleichbarer Abschluss)
- Bereitschaft zum Erwerb von Kenntnissen in der Arbeit mit Betroffenen des SED-Unrechts
- Bereitschaft zum Erwerb von Kenntnissen in Bezug auf die Reha-Gesetze und anwendbare Sozialgesetzgebungen
- Bereitschaft zum Erwerb von Kenntnissen zur Krisenintervention und Konfliktlösung
- Hohe fachliche und menschliche Kompetenz, Sensibilität und Empathie, Konfliktfähigkeit und Belastbarkeit im Umgang mit Betroffenen

Am Freitag, den 16. Februar 2018 findet um 18:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße (Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt) ein Veranstaltungsabend im Gedenken an Alexander Kobylinski statt.

WebDer gebürtige Erfurter und Pfarrerssohn erhielt 1983 wegen seiner systemkritischen Abiturrede keinen Studienplatz. Nach einer Flugblattaktion wurde er 1984 zu zwei Jahren Haft verurteilt und ein Jahr später von der Bundesregierung freigekauft. Nun konnte Kobylinski studieren, wurde Journalist und war unter anderem für das Fernsehmagazin Kontraste tätig. Zuletzt veröffentlichte er die Biografie „Der verratene Verräter: Wolfgang Schnur: Bürgerrechtsanwalt und Spitzenspitzel“ und produzierte den Film „IM Dienst der Stasi - Der Fall Wolfgang Schnur“. Kobylinski lebte in Berlin und verstarb im vergangenen Jahr.
In den Veröffentlichungen porträtierte Kobylinski seinen Anwalt Wolfgang Schnur, der zu den wenigen politischen Anwälten in der DDR gehörte, die Mandate für Bürgerrechtler und Wehrdienstverweigerer übernahmen. Nach der friedlichen Revolution wurde Schnur schon als künftiger DDR-Ministerpräsident gehandelt – bis kurz vor den Volkskammerwahlen im März 1990 bekannt wurde, dass Schnur seit den 1960er Jahren für die Stasi tätig war.

Nach einem Grußwort von Dr. Jochen Voit (Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße) liest Holm Kirsten (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald) aus der Publikation „Macht aus dem Staat Gurkensalat“. Kirsten war ein Jugendfreund von Kobylinski, der seinerzeit im Vorfeld des Nationalfeiertags der DDR im Oktober 1983 mit Graffitis wie „Wehr Dich“, „Schlag zurück“ und „Macht aus dem Staat Gurkensalat“ gegen das SED-Regime protestierte und schließlich zu fünf Monaten Haft verurteilt wurde.
Dr. Matthias Wanitschke (Referent beim Thüringer Landesbeauftragten) skizziert anschließend die Entwicklung des Weimarer Jugendwiderstandes der 1980er Jahre am Beispiel von Alexander Kobylinski. Darauf wird der Film „IM Dienst der Stasi - Der Fall Wolfgang Schnur“ gezeigt. Beendet wird dieser Teil des Abends mit einer Gedenkminute, die Dr. Ehrhart Neubert (Theologe und Politologe, Seelsorger der Weimarer Opposition um 1985) einleitet.

Gemeinsam mit der Stiftung Ettersberg laden wir herzlich zu der Gedenkveranstaltung mit anschließendem Empfang am 16. Februar 2018 um 18:00 Uhr in die Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße ein.

Im September 2016 erklärte Minister Benjamin-Immanuel Hoff, dass die Diskriminierung von Christen unter der SED-Diktatur ein Thema der Aufarbeitung sei. Er sagte in der Aula der Friedrich-Schiler-Universität: "Auch wir als Partei DIE LINKE haben zur Diskriminierung von Christen unter der SED-Diktatur noch nicht laut genug gesprochen. Es ist Zeit, dies zu tun. Ich bin froh, dass meine römisch-katholisch getauften Kinder heute im weltanschaulich besten Sinne des Wortes nach ihrer Fasson ihr Leben eigenständig gestalten können. Dies konnten Christinnen und Christen unter der SED-Diktatur nicht. Daran müssen wir erinnern. Dies darf sich nicht wiederholen – für keinen Angehörigen einer Religion oder Weltanschauungsgemeinschaft."

Im Juni 2017 wurde im Thüringer Landtag mündlich angefragt, warum die Rede nicht von der Staatskanzlei veröffentlicht wurde (TLT-Drs. 6/4079 und TLT-Protokoll vom 23.06.2017). Nun ist diese auf der Webseite der Thüringer Staatskanzlei zu finden: http://thueringen.de/mam/th1/tsk/Aufarbeitung_SED_Diktatur/2016_09_17_gw_min_landesgeschichtstag_christen_sed.pdf

Im Rahmen der Besuchertage in der ehemaligen Erfurter SED-Zentrale hielt Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ThLA, einen spannenden Vortrag zum Thema „Der Vorbeugekomplex des MfS in Thüringen“. Darin stellte die Historikerin jene Maßnahme der Staatssicherheit vor, die im Falle der Mobilmachung und der Herstellung des Verteidigungszustandes der DDR ergriffen worden wäre. Genauer ging Dr. Geier dabei auf die Isolierung von DDR-Bürgern durch das Ministerium für Staatssicherheit in sogenannten Isolierungsobjekten ein. Die Isolierung des vermeintlichen Gegners war ein Teilbereich im sogenannten Vorbeugekomplex des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Der Vorbeugekomplex wiederum war in die gesamtstaatliche Mobilmachungsarbeit des Nationalen Verteidigungsrates eingebettet. Mit Vorbeugemaßnahmen bereitete sich das SED-Regime auf einen Krieg, aber auch auf eine innere Krisensituation vor.
Seit dem Volksaufstand des 17. Juni 1953 befürchteten die Staatspartei SED und die Staatssicherheit der DDR neuerliche Volksaufstände. Den Aufruhr der eigenen Bevölkerung in inneren Spannungsperioden, aber auch während des Verteidigungszustandes der DDR, sollten detailliert ausgearbeitete Vorbeugemaßnahmen verhindern, die durch die Staatssicherheit ergriffen worden wären. Eine Vorbeugemaßnahme des MfS hätte daher am sogenannten „Tag X“ darin bestanden, missliebige Bürger rasch in bestimmten Objekten bzw. Lagern vom Rest der Bevölkerung zu isolieren. Hierzu arbeitete die Staatssicherheit seit den 1960er Jahren detaillierte Pläne aus.

Wie diese Pläne konkret aussahen, lesen Sie hier im vollständigen Vortrag von Dr. Anke Geier.

„Wende: Wandel, Wundetüte?“ so heißt die aktuelle Veranstaltungsreihe der Gedenkstätte Amthordurchgang e.V. Von Januar bis Mai 2018 sind Interessierte herzlich eingeladen, sich an die Umbruchjahre Ende der 80er – Anfang der 90er Jahre zu erinnern und deren Folgen zu erörtern.
Auftakt der Veranstaltungsreihe ist die Buchvorstellung „Die Unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ von Peter Wensiersky am 25. Januar 2018, um 18 Uhr in der Gedenkstätte Amthordurchgang. Der Autor liest und spricht über sein Buch, dessen Protagonisten einer Gruppe junger Leipziger angehörten, die 1989 ihre Angst überwanden und gegen den Willkürstaat DDR aufbegehrten.

Am 8. März 2018 folgt um 18 Uhr die Podiumsdiskussion "Todesstreifen und Naturrefugium - Von der innerdeutschen Grenze zum Naturmonument (?)". Dann stehen die Veränderungen und Entwicklungen des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens im Fokus. Aktuell wird darüber diskutiert, ob dieser zum Nationalen Naturmonument erklärt werden soll. Ein ehrbares Ziel, doch welche Folgen hat das für die Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur vor Ort, beispielsweise für die Grenzlandmuseen? Mira Keune (Geschäftsführerin des Grenzlandmuseum Eichsfeld), Beate Schrader (Leiterin der Geschäftsstelle der Stiftung Naturschutz Thüringen) und Lothar Wandt (Zeitzeuge aus dem Eichsfeld) sind an diesem Abend unsere Podiumsgäste.

Gemeinsam mit Bianca Ely wollen wir am 19. April 2018, um 18 Uhr einen Blick zurückwerfen. Sie stellt als eine Mitherausgeberin das Buch "Wie war das für euch? Die dritte Generation Ost im Gespräch mit Ihren Eltern" vor. Die Generation, die im Kindes- oder Jugendalter war als die Mauer fiel, fragt darin ihre Eltern, welche Erfahrungen sie in der DDR gemacht haben und wie es für sie nach der Wende weiterging.
Am 31. Mai 2018 liest Jana Hensel in der Stadtbibliothek Gera aus ihrem Buch „Keinland“. Ein Buch „über Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen“ (Wallstein Verlag). Und ein Liebesroman über ein Paar, deren Beziehung geprägt ist von ihrer individuellen Vergangenheit, die sich immer wieder zwischen die Beiden schiebt.

Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Sie wird unterstützt von der Stadt- und Regionalbibliothek Gera und der Stiftung Naturschutz Thüringen.

26906999 2084958271791105 7560092832090635949 nDr. Peter Schicketanz, Förderer der Wehrdienstverweigerer in der DDR, ist am 17. Januar verstorben.

Der kluge Theologe, weitsichtige Kirchenbeamte, Pädagoge und Kirchenhistoriker hat in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR die Ausbildung und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeitern verantwortet. Die Begleitung der Wehrdienstverweigerer in der DDR war eines seiner herausragenden Themen. 1965 formulierte er die Handreichung der evangelischen Kirchen zur Seelsorge an Wehrpflichtigen mit; er baute das Netzwerk der Begleitung von Wehrdienstverweigern mit Unterstützung seines Bischof Johannes Jänicke DDR-weit auf. In der Handreichung hieß es: "Es wird nicht gesagt werden können, dass das Friedenszeugnis der Kirche in allen drei der heute in der DDR gefällten Entscheidungen junger Christen in gleicher Deutlichkeit Gestalt angenommen hat. Vielmehr geben die Verweigerer, die im Straflager für ihren Gehorsam mit persönlichem Freiheitsverlust leidend bezahlen und auch die Bausoldaten, welche die Last nicht abreißender Gewissensfragen und Situationsentscheidungen übernehmen, ein deutlicheres Zeugnis des gegenwärtigen Friedensgebots unseres Herrn. Aus ihrem Tun redet die Freiheit der Christen von politischen Zwängen."

Wenig später veröffentlichte er eine Reflexion zur Bedeutung des Pietismus für Gemeinden in der DDR. Als immer mehr Gemeindeglieder die DDR verlassen wollten und Oskar Brüsewitz die Verfolgung der jungen Christen anklagte, forderte Peter Schicketanz auf Gemeindeseminaren die "Durchbrechung der gegenwärtigen Machtverhältnisse mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes, mit Kaltschnäuzigkeit, guten Nerven und Gewaltlosigkeit". Auf dem Bausoldatenkongress 2014 würdigte er noch einmal die Totalverweigerer, ohne die es wohl nie zur Bausoldatenreglung gekommen wäre. Gemeinsam mit Bernd Eisenfeld verfasste er die "Monografie Bausoldaten in der DDR: Die »Zusammenführung feindlich-negativer Kräfte« in der NVA" (2012). Er hat die Ausbildung für Gemeindepädagogen in Potsdam mitkonzipiert und 1979 bis 1996 geleitet. Seine Schüler und Freunde vermissen ihn, seiner Kirche wird er fehlen. Der Leiter des gemeinnützigen Vereins „Escola popular“ Hans-Jürgen Neumann schreibt: „Peter Schicketanz habe ich mit zu verdanken, dass ich als Wehrdiensttotalverweigerer studieren konnte und vor allem eine Motivation dafür bekam. Sein pädagogisches Lehr- und Unterrichtsverständnis begleitet mich bis heute.“

Buchvorstellung und Vortrag mit Peter Wensierski am 25. Januar in Gera über eine Gruppe junger Leipziger, die 1989 die Rebellion in der DDR wagte

Fotocredits Archiv Buergerbewegung Leipzig e.V. Armin Wiech WebDer Schriftsteller, Journalist und Dokumentarfilmer Peter Wensierski präsentiert am Donnerstag, den 25. Januar um 18:00 Uhr in der Gedenkstätte Amthordurchgang (Amthordurchgang 9, 07545 Gera) sein aktuelles Sachbuch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“. Darin beschreibt Wensierski, „wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ und mit den ersten Montagsdemonstrationen maßgeblich zur Friedlichen Revolution 1989 beitrug.
Wensierski, geboren 1954 im Ruhrgebiet, begann 1979 seine Arbeit als Journalist mit Berichten und Reportagen aus der DDR. Er war damals der jüngste westliche Reisekorrespondent. Als Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor berichtete er dort über die aufkommende Oppositionsbewegung. Seine Erfahrungen und Erlebnisse von damals beschreibt der Autor nunmehr in seiner aktuellen Publikation; und zeigt dabei in einer Nahaufnahme, wie sich couragierte junge Menschen in Leipzig zusammenschlossen, um für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.

Christian Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, gehörte zu jenen, die bei der verbotenen Montagsdemonstration am 4. September 1989 in Leipzig in der ersten Reihe liefen (Siehe Foto, Mitte).

Am 4. Januar 2018 verstarb Herbert Sander. Der Thüringer Maler und Grafiker schuf das Symbol der kirchlichen Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen" nach einer Plastik, die die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt hatte und deren Foto in den DDR-Jugendweihe-Büchern verwendet wurde. Als Aufnäher war die Grafik in den 1980er Jahren das Symbol der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. 

Schwerter

Herbert Sander wurde am 28.10.1938 in Nordhausen geboren. Nach einem Studium der Grafik und Malerei an der Fachhochschule Berlin-Potsdam war er bis 1965 im Filmstudio der DEFA tätig. Seit 1967 war er freischaffender Maler, Fotograf und Grafiker und lebte in Kleinmachnow. Auch in Thüringen war er mit Einzelausstellungen präsent. In den letzten Jahren dokumentierte er mehr als 60 jüdische Friedhöfe in Brandenburg.
Sein antimilitaristisches Symbol ließ die evangelische Kirche in der DDR auf Stoff-Flies drucken. Eine staatliche Druckgenehmigung wurde dafür nicht benötigt. Als Jugendliche begannen das Symbol als Aufnäher zu tragen, wurde das schließlich polizeilich verfolgt. Aus der Bildidee erwuchs eine politische Kraft, sie wurde Symbol der Kritik an der Militarisierung in der DDR und der Autonomie- und Friedenssehnsucht vieler DDR-Bürger. Das Symbol wirkt über seinen Tod hinaus.

Nachtrag 13.01.2018:
Nachtrag bzgl. der Meldungen des mdr, den Dresdner Neuesten Nachrichten und anderen Medien am 10./11.1.2018 unter der Überschrift: "Der Schöpfer der Grafik "Schwerter zu Pflugscharen" ist tot."

Die Konferenz der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur haben sich in ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr nachdrücklich dafür ausgesprochen, die Erschließung der Stasi-Akten mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiter voranzubringen. Dazu gehört besonders auch die Rekonstruktion der Akten, die das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) 1989 und 1990 versuchte zu vernichten, um seine Machenschaften zu vertuschen.
Das zur Rekonstruktion dieser Akten eigens vom Fraunhofer-Institut entwickelte Verfahren sollte weiter genutzt und der noch zu langsame Scanner sollte technologisch optimiert werden. Die vom Bundestag 2015 dafür beschlossenen Mittel von zwei Millionen Euro sind schnellstmöglich freizugeben.
Zur Aufarbeitung der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit ist die technologisch gestützte Rekonstruktion der Akten wichtig. In den letzten Jahren sind damit wichtige Erkenntnisse über die Tätigkeit der Staatssicherheit u.a. in der Bundesrepublik, das Staatsdoping und über Personen des öffentlichen Lebens gewonnen worden. Dieser Weg sollte weiter beschritten werden.

Tom Sello, Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Landes Berlin
Dr. Maria Nooke, Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur
Anne Drescher, Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Mecklenburg-Vorpommern
Lutz Rathenow, Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Birgit Neumann-Becker, Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Christian Dietrich, Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Zum Hintergrund: Anfang dieses Jahres meldete die dpa, dass die Rekonstruktion der vorvernichteten Stasi-Akten (15.000 Säcke) vorerst gestoppt sei. Mehr dazu finden Sie hier auf faz.net
Weitere Informationen zur Rekonstruktion der Stasi-Akten gibt es hier auf der Webseite des Bundesbeauftragten.

 

Der Student Hartmut Rosinger glaubt in der DDR an den sozialistischen Weg und versucht, Gleichaltrige der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) vom Marxismus zu überzeugen. Nicht nur das - er lässt er sich zudem von der Stasi als IM "Hans Kramer" anwerben und berichtet über ESG-Veranstaltungen. Dabei trifft er auf Peter Wulkau, der als Philosophie-Student exmatrikuliert wurde, weil er zu viele Fragen gestellt hat, aber weiter öffentlich seine Meinung äußert. Hartmut Rosinger wird von der Stasi auf den aufmüpfigen Marxisten angesetzt. Er soll sich näher mit dem "Feind" anfreunden und berichtet fortan auftragsgemäß über seinen Freund, der an den Sozialismus des „Prager Frühlings“ glaubt und einen Roman über den tristen „Realsozialismus“ verfasst - mit fatalen Folgen. Die SED-Justiz verurteilt ihn aufgrund seines Manuskripts wegen „Staatsfeindlicher Hetze“ zu 4 Jahren und 6 Monaten Haft. 

Der Film „Feindberührung“ zeigt, wie die Leben von Peter Wulkau und Hartmut Rosinger durch den Stasi-Apparat aus den Fugen geraten. Die Akten der Staatssicherheit von damals und die emotionale Begegnung der beiden Männer heute fügen sich in diesem Dokumentarfilm von der Regisseurin Heike Bachelier zu einer Geschichte über Freundschaft und Verrat, Hoffnung und Enttäuschung, Schuld und Vergebung.
Im Zuge der Abendveranstaltung wird die 90-minütige Dokumentation gezeigt. Im Anschluss daran hat das Publikum die Möglichkeit mit Hartmut Rosinger ins Gespräch zu kommen. Die Moderation übernimmt Dr. Matthias Wanitschke, Referent beim Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Point Alpha Stiftung zeigt den Dokumentarfilm in Kooperation mit dem Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED Diktatur am 17. Januar um 18.00 Uhr im Haus auf der Grenze der Gedenkstätte Point Alpha (Platz der Deutschen Einheit 1, 36419 Geisa).

WeihachtsbaumDer Landesbeauftragte und sein Team in Suhl, Gera und Erfurt wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr; wir beschließen 2017 mit dieser "Weihnachtsgeschichte":

Seit wenigen Wochen ist das Paulinum in Leipzig öffentlich zugänglich. Es wurde an Stelle der mittelalterlichen Universitätskirche errichtet, die 1968 abgerissen wurde. Dr. Dietrich Koch protestierte im Mai 1968 vor der Kirche gegen die Sprengung der Leipziger Paulinerkirche. Er wurde festgenommen und von seinem Arbeitgeber, der Akademie der Wissenschaften, fristlos entlassen. Wenige Wochen später konstruierte er gemeinsam mit seinem Bruder Eckhard einen Mechanismus, mit dessen Hilfe während der Abschlussveranstaltung des Internationalen Bachwettbewerbes in der Leipziger Kongresshalle ein Plakat mit der Forderung nach dem Wiederaufbau der Paulinerkirche entrollt wurde. Erst zwei Jahre später gelang es dem Staatssicherheitsdienst der DDR, die Täter festzustellen. Dietrich Koch wurde inhaftiert und erzählt folgende "Weihnachtsgeschichte" über seine Untersuchungshaft:
„Wenn Sie endlich einmal bereit sind, von sich aus wahrheitsgemäß auszusagen, melden Sie sich morgens beim Posten zum Vernehmer“, hatte mir der Leutnant gesagt. Am 24. Dezember 1970 war es soweit.
Nach dem Wecken meldete ich mich beim Wachhabenden: „Zum Vernehmer.“ Als ich ins Vernehmungszimmer gebracht wurde, saß der Leutnant in freudiger Erwartung da:
„Herr Koch, Sie haben sich zum Vernehmer gemeldet? Sie haben mir etwas zu sagen?“
„Ja, ich habe Ihnen etwas sehr Wichtiges zu sagen: Es begab sich aber zu derselbigen Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, dass alle Welt...“ - Der Leutnant wurde unruhig, und ich kürzte: „Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa ...“
„Koch, was soll das“, unterbrach er mich. „Warten Sie, Herr Leutnant, ich bin noch nicht fertig; das Wichtigste kommt noch“, setzte ich fort: „... mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger“ - erregt erhob sich der Leutnant etwas von seinem Stuhl, so dass ich noch einmal kürzte: „... und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln ...“
Der Leutnant brüllte: „Koch, Sie wollen mich wohl verarschen? Heute ist Heiligabend. Und gerade da lassen Sie mich wegen so was von zu Hause holen. Ich dachte, Sie wollten mir etwas Wichtiges sagen.“
„Aber das ist doch wichtig, auch für Sie“, erwiderte ich. „Das ist die frohe Weihnachtsbotschaft. Herr Leutnant, auch für Sie ist heute der Heiland geboren.“
Der Vernehmer guckte mich wie einen Irren an. Ich fuhr fort: „Jetzt weiß ich endlich, warum ich hier in Haft bin.“
„Wegen Ihrer Straftaten, das ist doch klar“, schrie der Leutnant.
„Mir war es nicht klar“, sagte ich, „weil ich keine Straftaten begangen habe. Jetzt weiß ich, dass ich allein deshalb hier bin, weil Gott mich Ihnen geschickt hat, um Ihnen heute die frohe Weihnachtsbotschaft zu verkünden.“
Ein Protokoll wurde nicht aufgenommen. Der Leutnant ließ mich in meine Zelle zurückbringen.
(Aus: Dietrich Koch: Das Verhör: Zerstörung und Widerstand, Hille-Verlag 2001, S. 291  /  Bildcredits: Malene Thyssen, http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Malene, CC BY-SA 3.0)

Gerbergasse 18 Cover Heft 85Wie betrachten wir Filme, die selbst schon Teil der Geschichte geworden sind, etwa die Film- und Fernseh-Produktionen der DDR bis 1990? Was erwarten wir uns von verfilmter Geschichte und wie beeinflusst sie unsere Sichtweise auf historische Ereignisse? Das sind nur einige der Fragen, die das letzte Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ in diesem Jahr thematisiert. In den Titelbeiträgen wird die Geschichte im Film auf verschiedene Weise hinterfragt: Als Generationenporträt zwischen dem brandenburgischen Dorf Golzow und dem Berliner Kanzleramt („Die Kinder von Golzow“), anhand der DDR-Kriminalserie „Polizeiruf 110“, am Beispiel eines „Heimatfilms“ zwischen Thüringen und Japan („Sushi in Suhl“) sowie als verstörende Realität durch Archivfilme der bulgarischen Geheimpolizei DS.

Auch das übrige Heft ist gefüllt mit vielen spannenden Texten zur Zeitgeschichte. Unter anderem mit einer biografischen Spurensuche zur „Villa Hase“ in Jena, der gewaltsamen Umformung der sorbischen Gesellschaft zwischen 1948 und 1964 oder der vergessenen Geschichte der „Buchenwaldbahn“ zwischen Weimar und dem Ettersberg. Verlauf, Ausmaß und Folgen eines kaum bekannten Medizinskandals Ende der 1970er Jahre untersucht ein Beitrag von Medizinhistorikern der Universität Ulm. Wie auch in der Bundesrepublik Lebensläufe durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) negativ beeinflusst wurden, wird an einem Beispiel aus Gütersloh dargestellt. In den Rezensionen werden aktuelle Publikationen über die Rechtsanwälte in der DDR, die hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter sowie Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt besprochen.

Die neue Ausgabe ist ab sofort im Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.
Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ wird auch im Jahr 2018 wieder mit vier Ausgaben erscheinen. Schwerpunkte werden dann das Epochenjahr 1968, Machtinszenierungen, Sportsysteme und das aktuelle Thema Grenzen und Gewalt sein.

Pottiga Geier Web

Jüngst wurde in Pottiga zur Erinnerung an die Zwangsausgesiedelten des Ortes feierlich ein Gedenkstein eingeweiht, womit Thüringen um einen Gedenkort für die Opfer der SED-Diktatur reicher ist. In Pottiga und vielen anderen Thüringer Orten kam es im Juni 1952 und am 3. Oktober 1961 in Nacht-und-Nebel-Aktionen zu Zwangsaussiedlungen ins Landesinnere, wovon über 5.000 Personen aus dem Grenzgebiet betroffen waren.

Im Zuge der Veranstaltung hielt Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten, einen interessanten Vortrag zu den Verantwortungsstrukturen und Vorgängen der Zwangsaussiedlungen in Pottiga in den Jahren 1952 und 1961. In ihrem Vortrag setze Dr. Geier dabei den Schwerpunkt auf die Aussiedlungsaktion am 3. Oktober 1961. Deutlich wurde etwa die entscheidende Rolle der Staatspartei SED, die der maßgebliche Initiator der Aussiedlungsaktionen war. Außerdem wurde das Leben im Grenzgebiet und die Errichtung des sogenannten „Grenzregimes“ lebendig von der Historikerin beschrieben.

Ab sofort kann der vollständige Vortrag von Dr. Anke Geier über diesen Link abgerufen werden. 

Logo SED BI Web 20132002 wurde die Beratungsinitiative SED-Unrecht gegründet, um Menschen, die unter den Folgen der SED-Herrschaft leiden, zu unterstützen. Im Dezember feiert die Beratungsinitiative ihr 15-jähriges Bestehen. Träger sind das Bürgerkomitee Thüringen e.V. und der Caritasverband für das Bistum Erfurt. Die Fachaufsicht hat der Landesbeauftragte.
Aufgabe ist nicht nur die Unterstützung bei der Antragstellung und Geltendmachung von Ansprüchen auf Leistungen nach den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen. Die Beratungsinitiative unterstützt Hilfesuchende seit über einem Jahrzehnt dabei, im beratenden Gespräch nach Wegen des Umgangs mit der belastenden Vergangenheit zu suchen.
Dieses Jahr wurde mit einige Betroffene erstmals das Tagesseminar „Überlebt und dann? Vom Umgang mit Traumafolgestörungen“ veranstaltet.
Die Ausrichtung dieses Tagessseminars für Betroffene von SED-Unrecht und ihren Partnern bzw. Familienangehörigen war ein wichtiger Meilenstein für die Mitarbeiter in diesem Beratungsdienst.
Matthias Morawski, Leiter der Beratungsinitiative, sagte: „Wir haben uns über die Jahre immer als Lernende begriffen, die mit den Betroffenen unterwegs sind und damit sind wir noch nicht am Ende. Der hohe persönliche Einsatz der Teilnehmer/innen während der Veranstaltung, die Offenheit, die klaren Worte und der gegenseitige Respekt ließ diesen Tag gelingen. Das Ausmaß an innerer Stärke und Kraft, sich diesem Thema einen ganzen Tag lang zu stellen, war beeindruckend. Mit Thore Volquardsen vom IPSE-Projekt hatten wir einen Referenten und Menschen gewonnen, der diesen Prozess der Selbstwahrnehmung und -annahme bei uns allen mit Engagement, Klarheit, hoher fachlicher Kompetenz und einer ordentlichen Portion Humor gestaltet und begleitet hat.“
Anfang 2018 startet die dritte Selbsthilfegruppe für Menschen, deren Selbstwirksamkeit aufgrund traumatischer Erfahrungen mit staatlicher Gewalt in der DDR nachhaltig behindert ist. In der Selbsthilfegruppe wird ein beziehungsorientierter Weg der Beratung beschritten, was sich in vorherigen Tagesseminaren bereits als sinnvoll und gewinnbringend erwiesen hat. Weitere Informationen zu den Seminar und zu den Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier
Gefördert wird die Beratungsinitiative von ihren Trägern, dem Freistaat Thüringen und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Im Auftrag des Landesbeauftragten lädt die Beratungsinitiative SED-Unrecht zur dritten Selbsterfahrungsgruppe für Menschen mit den unterschiedlichsten Erfahrungen von SED-Unrecht ein.
Die Teilnehmer/-innen können sich in einem geschützten und fachlich begleiteten Rahmen mit ihren biografischen Erfahrungen und Erlebnissen in der SED-Diktatur auseinandersetzen. Dabei werden sie selbst Handelnde und steuern eigenverantwortlich, wie und in welchem Maß ihr Anliegen mit Unterstützung der Gruppe und der Anleiter zum Thema wird.
Die Selbsterfahrungsgruppe legt ihren Fokus besonders auf die Förderung von zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. (Selbst-) Vertrauen und die Steigerung der Selbstwirksamkeit gerade in Bezug auf eigene Erfahrungen mit dem SED-Unrecht.

 

Anmeldung für Vorgespräch bis zum 15. Januar 2018

Eine regelmäßige Teilnahme ist für ein gutes gemeinsames Arbeiten notwendig und wird von uns bei einer Entscheidung für die Gruppe erwartet. Interessierte melden Sie sich bitte zu einem Vorgespräch bei Robert Sommer unter folgender Telefonnummer bzw. E-Mailadresse an (Sprechzeiten: Dienstag 9.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00 Uhr, Freitag 9.00 – 12.00 Uhr und nach Vereinbarung):
Telefon: 0361 78969752 oder 0176 70 51 34 62 / E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Eckdaten zur Selbsterfahrungsgruppe:

Zeit: 8 Termine, 16.30 – 19.00 Uhr
Beginn: 18. Januar 2018
Termine: angestrebt ist ein 14-tägiger Rhythmus
Leitung: Robert Sommer, Diplom-Sozialpädagoge, Psychodrama-Leiter
Co-Leitung: Bernd Seifert, Theologe, Systemischer Familientherapeut (SG), Psychodrama-Leiter
Ort: Marienstift, Hugo Aufderbeck Seminar, Raum Ehrenamtskolleg, Hopfengasse 8, 99084 Erfurt
Kosten: Die Teilnahme ist kostenfrei (für auswärtige Teilnehmer/-innen aus Thüringen kann ein Fahrtkostenzuschuss gewährt werden).
Teilnehmerzahl: 8-10 Teilnehmer/-innen

Bürgerberatung am 7. Dezember in der Erfurter Gedenkstätte Andreasstraße

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) führt am Donnerstag, dem 7. Dezember, zwischen 12:00 und 18:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße (Andreasstraße 37a) gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) eine Außensprechstunde durch. Die Ansprechpartner für Interessierte und Betroffene sind Thomas Heinemann (ThLA) und Sylvia Lechner (BStU).

Thomas Heinemann berät vor Ort zu den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen, die zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht durch den Deutschen Bundestag beschlossen wurden:

1. Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG)
Ermöglicht die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz (u. a. Passvergehen/ versuchte Republikflucht, Boykott- oder staatsfeindliche Hetze, Spionage, Wehrdienstverweigerung). Ebenso politisch motivierte Verurteilungen mit überzogenem Strafmaß oder die außerhalb eines Strafverfahrens erfolgte gerichtliche oder behördliche Entscheidung mit Anordnung zur Freiheitsentziehung, sofern diese der politischen Verfolgung oder sonstigen sachfremden Zwecken gedient hat. (Einweisung Psychiatrie oder Anordnung zur Unterbringung in einem Heim für Kinder oder Jugendliche).

2. Verwaltungsrechtliches Rehabilitierungsgesetz (VwRehaG)
Dient der Aufhebung von elementar rechtsstaatswidrigen Maßnahmen von DDR Organen, wenn die Maßnahmen zu einer gesundheitlichen Schädigung, einem Eingriff in Vermögenswerte oder einer beruflichen Benachteiligung geführt haben und die Folgen noch unmittelbar schwer und unzumutbar für den Betroffenen fortwirken.

3. Berufliches Rehabilitierungsgesetz (BerRehaG)
Knüpft mit dem Ziel eines Nachteilsausgleichs verfolgungsbedingter Eingriffe in Ausbildung oder Beruf an StrRehaG und VwRehaG an. Erfasst auch Maßnahmen des Betriebes oder staatlicher Organe (u. a. Nichtzulassung oder Exmatrikulation zu EOS oder Fach-/Hochschule, Kündigung oder Lohn- bzw. Gehaltsminderung, Entzug Gewerbeerlaubnis). Zielstellung dieser Rehabilitierungsgesetze ist es, Verfolgten einen Weg zu eröffnen, sich vom Makel persönlicher Diskriminierung zu befreien, einen Nachteilsausgleich in der Rente zu ermöglichen und soziale Ausgleichsleistungen (z. B. „Opferrente“) in Anspruch zu nehmen.

Sylvia Lechner (BStU) gibt Bürgerinnen und Bürgern außerdem die Möglichkeit zur Antragstellung auf Akteneinsicht. Auch Fragen rund um die persönliche Akteneinsicht, zu Wiederholungsanträgen, zur Decknamenentschlüsselung und über die Arbeit der Behörde werden gerne beantwortet.

pottigaThüringen hat einen neuen Gedenkort für die Zwangsausgesiedelten. Möglich wurde das durch die Kommune Pottiga und diverse Spender. Am vergangenen Samstag, just vor dem Volkstrauertag 2017, wurde der Gedenkstein im Pottigaer Ortszentrum (Schulstraße 4) eingeweiht. An der Einweihung durch Bürgermeister Wolfgang Sell und in Gegenwart der Präsidentin des Bundes der Zwangsausgesiedelten Marie-Luise Tröbs und des Landrats Thomas Fügmann nahmen Vertreter fast aller Thüringer Grenzgedenkstätten, viele Gäste und einige Einwohner Pottigas teil.

Der Landesbeauftragte Christian Dietrich sagte in seiner Rede u.a.: "Liebe Pottigaer, Sie markieren mit diesem Stein einen Verlust: Mitbürger, die deportiert wurden und nicht mehr hier leben durften. Schulfreunde, Nachbarn, Kollegen, vielleicht auch Verwandtschaft. Liebe Pottigaer, mit diesem Stein markieren Sie aber auch eine Scham. Die Deportationen wurden nicht verhindert, konnten nicht verhindert werden und dann wurden sie verschwiegen oder so lange gutgeredet, bis der Verlust gar als Gewinn interpretiert wurde. Ich glaube, nur dort, wo der Schmerz über die Verluste und über die Folgen der SED-Politik zuglassen wird, kann es auch Heilung geben. Ohne diese Trauer werden wir nicht zueinander kommen können. In der Trauer öffnet sich das Herz. Da sind wir verwundet und verwundbar. Ja, Trauer ist eine Ohnmachtserfahrung. Aber die Unfähigkeit zu trauern ist gepaart mit der Unfähigkeit zur Freiheit. Dem zu entgehen, haben sie diesen Stein gesetzt. Ich gratuliere Pottiga! Lassen sich Zeit! Geben Sie sich Raum für Beides: Trauer und Freiheit." (Die vollständige Rede finden Sie hier)

Frau Dr. Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten, hielt im Anschluss einen Vortrag zu den Verantwortungsstrukturen und Vorgängen der Zwangsaussiedlungen in Pottiga 1952 und 1961. (Der Vortrag kann über diesen Link abgerufen werden.) Zudem wurde im vollbesetzten Saal der Film "Vertreibung 1961" (Hier abrufbar auf dem Youtube-Kanal der Point Alpha Stiftung) gezeigt.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können im Online-Diskussionsforum des Thüringer Landtags zum Gesetzentwurf der Landesregierung über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ mitdiskutieren und alle relevanten Parlaments-Dokumente einsehen. 

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ermöglicht die Ausweisung von Gebieten als „Nationales Naturmonument“, die aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“ und daher den gleichen Schutzbestimmungen wie ein Naturschutzgebiet unterliegen sollen.

Das Thüringer Gesetz für Natur und Landschaft (ThürNatG) enthält bisher keine Regelung zur Ausweisung eines Nationalen Naturmonuments. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung soll das Gebiet zwischen der Thüringer Landesgrenze und dem Kolonnenweg wegen seiner historischen und landeskundlichen Bedeutung als „Grünes Band Thüringen“ auf der Grundlage des BNatSchG unter besonderen Schutz gestellt werden. Die ehemalige innerdeutsche Grenze soll nicht nur als Teil der deutschen Geschichte, sondern auch als Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleiben.

Weitere Informationen finden Sie hier.  

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können im Online-Diskussionsforum des Thüringer Landtags (https://forum-landtag.thueringen.de/) zum Gesetzentwurf der Landesregierung über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ mitdiskutieren und alle relevanten Parlaments-Dokumente einsehen. 
 
Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ermöglicht die Ausweisung von Gebieten als „Nationales Naturmonument“, die aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“ und daher den gleichen Schutzbestimmungen wie ein Naturschutzgebiet unterliegen sollen.
 
Das Thüringer Gesetz für Natur und Landschaft (ThürNatG) enthält bisher keine Regelung zur Ausweisung eines Nationalen Naturmonuments. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung soll das Gebiet zwischen der Thüringer Landesgrenze und dem Kolonnenweg wegen seiner historischen und landeskundlichen Bedeutung als „Grünes Band Thüringen“ auf der Grundlage des BNatSchG unter besonderen Schutz gestellt werden. Die ehemalige innerdeutsche Grenze soll nicht nur als Teil der deutschen Geschichte, sondern auch als Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleiben.
 
Weitere Informationen gibt es unter: 
https://forum-landtag.thueringen.de/dokument/nationales-naturmonument-und-gruenes-band-thueringen

DDR-weit fanden 1952 und 1961 zwei große Aussiedlungsaktionen statt. Auch Pottigaer Einwohner waren hiervon betroffen. Das Dorf lag in der 500-Meter-Sperrzone an der innerdeutschen Grenze. Im Zusammenhang mit Grenzsicherungsmaßnahmen wurden am 6. Juni 1952 und am 3. Oktober 1961 vermeintlich politisch "unzuverlässige" Personen und ihre Familien ins Landesinnere umgesiedelt:
In Nacht-und-Nebel-Aktionen zwang man die Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen. Das Hab und Gut wurde innerhalb von Stunden auf LKW und Züge verladen und die Betroffenen für immer aus ihrer Heimat weggebracht. In den neuen Wohnorten fühlten sie sich fremd und waren mitunter sozialen Anfeindungen ausgesetzt.

Gedenkstein-Einweihung am 18. November 

Ein Gedenkstein in Pottiga erinnert nun an die Betroffenen und an die Ereignisse vor 65 und vor 56 Jahren. Am 18. November 2017 wird der Gedenkstein durch den Bürgermeister Pottigas, den Leiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth und den Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeweiht. Gäste sind die Point Alpha Stiftung, das Grenzlandmuseum Eichsfeld und das Zweiländermuseum Rodachtal. Mit der Veranstaltung soll zugleich auf die über 5000 Thüringer aufmerksam gemacht werden, die aus über 235 Grenzorten ausgesiedelt wurden.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier. Wir freuen uns auf Sie. 

Titel

Eine der größeren DDR-Samisdat-Zeitschriften, "Ostkreuz" (herausgegeben von György Dalos, Christian Dietrich, Peter Grimm, Siegfried Neher, Gerd Poppe, Wolfram Tschiche und Reinhard Weißhuhn) machte die Diktatur in Rumänien zum zentralen Thema von Heft 1 (Januar 1989).

Am kommenden Samstag, dem 11. November,  wird in der Erfurter Kleinen Synagoge (An der Stadtmünze 5) ab 10:00 Uhr eine Tagung zum Thema "Rumänien und Deutschland im Kommunismus" stattfinden. Bezugnehmend auf die erste Ausgabe von "Ostkreuz" werden im Besonderen Aktionen der DDR-Opposition gegen die Diktatur in Rumänien ein zentrales Thema der Tagung sein.
Am Vormittag spricht Dr. Georg Herbstritt (BStU) zunächst zu den Beziehungen zwischen den ostdeutschen und rumänischen Geheimdiensten Stasi und Securitate; der Landesbeauftragte Christian Dietrich referiert dann folgend über die DDR-Opposition und Aktionen gegen die Diktatur in Rumänien.

Im Anschluss an die Mittagspause rückt Helmuth Frauendorfer (Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen) die deutsche Minderheit und ihre Bedrohung durch den Geheimdienst unter Nicolae Ceaușescu in den Fokus. Schließlich wird Dr. Martin Jung (Jena/Trier) den Blick auf die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs richten: Welchen Weg ging Rumänien in der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur nach 1990?

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier

Zur Einstimmung auf die Veranstaltung veröffentlichen wir den Beitrag "Vierzig rumänische Jahre im Report" von Christian Dietrich aus der besagten Samisdat-Zeitschrift "Ostkreuz", Heft 1:  

Foto FB

Buchvorstellung und Podiumsdiskussion zur internationalen Tagung „Jürgen Fuchs: Sagen was ist! Diktatur als grenzüberschreitende Erinnerungslandschaft“ am 8. November um 18:00 Uhr im Thüringer Landtag

Ende 2016 fand an der Universität Wrocław eine internationale Tagung zu Jürgen Fuchs statt, u.a. mit Unterstützung der Präsidenten des Sächsischen und Thüringischen Landtags, sowie der Landesbeauftragten von Sachsen und Thüringen. Im Zentrum stand die Rezeption der literarischen Werke von Jürgen Fuchs und seines Ansatzes der opferorientierten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostmitteleuropa. Ein besonderes Augenmerk der Tagung lag in der Rezeption von Leben und Werk des Jürgen Fuchs in Polen und Tschechien. Kürzlich ist der Tagungsband „Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik“ erschienen.

Am 8. November wird der Herausgeber der Publikation, Politologe und Germanist Dr. Ernest Kuczyński, im Thüringer Landtag die Forschungsergebnisse präsentieren. Zudem referiert Doris Liebermann, Autorin und Journalistin, über die Geschichte jenes Tonbandes, das die SED zum Anlass nahm, Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerulf Pannach zu inhaftieren und später aus der DDR abzuschieben. Die Tonband-Aufnahmen werden im Zuge der Veranstaltung zu hören sein.

Um Anmeldung wird gebeten, per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Am 4. November 1992 trat das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG) in Kraft. Es ist die Grundlage für die Rehabilitierung rechtsstaatswidriger Urteile der SED-Justiz. In Thüringen wurde dafür im Dezember 1992 in Hildburghausen das Landesamt für Rehabilitierung und Wiedergutmachung unter der Leitung von Michaela Ecker geschaffen. Inzwischen haben mehr als 215.000 Menschen eine Rehabilitierung auf Grundlage dieses Gesetzes gestellt. In Thüringen wurden bis Ende Oktober 2017 mit Bezug zum StrRehaG 29.850 Rehabilitierungen ausgesprochen. 2016 wurde an 4.900 Personen die besondere Zuwendung für Haftopfer (§ 17a StrRehaG), insgesamt 18.069.260,52 € gezahlt. Deutschlandweit wurden bis Ende vergangenen Jahres über 2 Milliarden € Anerkennungsleistungen nach § 17a StrRehaG ausgezahlt.

Es gehört zum gesetzlichen Auftrag der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen bzw. Aufarbeitung, die Betroffenen zu unterstützen. In dem letzten Vierteljahrhundert haben sie mit vielen der Betroffenen individuelle Wege der Rehabilitierung und öffentlichen Anerkennung gefunden. Dieser Weg ist gefährdet, da in den Unrechtsbereinigungsgesetzen als Antragsfrist der 31.12.2019 genannt wird. Noch immer haben viele Betroffene keine Anträge gestellt. Allein im Oktober 2017 wurden zwei ehemalige Haftopfer von uns beraten, die den Antrag auf Rehabilitierung erste jetzt stellten.
Die Landesbeauftragten, die Bundesstiftung Aufarbeitung und viele der Opferverbände plädieren für eine Entfristung der Unrechtsbereinigungsgesetze. Der Bundesrat hat am 3.11.2017 dazu beschlossen, die Frist um 10 Jahre zu verlängern und die Rehabilitierung von ehemaligen Kinderheimkindern, deren Eltern rehabilitiert wurden, zu erleichtern. Die Landesbeauftragten weisen außerdem darauf hin, dass der Wille des Gesetzgebers nur umzusetzen ist, wenn die Opferrente regelmäßig an die Inflationsrate angepasst und entsprechend erhöht wird. Das Gesetz wurde inzwischen achtzehnmal novelliert
(siehe dazu auch Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten der Jahre 2015 - 2016):

StraRehaGHaftopfer, die weniger als 180 Tage Haft erlitten, haben Anspruch auf eine Anerkennungsleistung durch die Häftlingshilfestiftung. Hier ist darauf zu achten, dass die Stiftung nicht unterfinanziert ist.

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen Roland Jahn brachte Erfurt als zukünftigen Standort des Thüringer Zentralarchivs der Stasiunterlagen (ca. 12 km Akten) ins Gespräch: „Zu beachten sind sowohl die symbolische Bedeutung als auch Erreichbarkeit und Anbindung an eine Wissenschaftslandschaft, das spricht eher für Erfurt.“ Die Landesregierung plädiert für eine "dezentralen, zivilgesellschaftlichen Aufarbeitungslandschaft" und möchte, dass das zukünftige Archiv sich darin einfügt. (Thüringer Allgemeine am 2. November 2017)

Am 26. Oktober findet um 18:00 Uhr in der Thüringer Landesvertretung beim Bund in Berlin ein Veranstaltungsabend zum Thema Fluchthelfer im geteilten Berlin statt; auf einen Impulsvortrag über die Fluchthelferszene im Berlin der 60er Jahre folgt ein Gespräch mit zwei Zeitzeugen, die seinerzeit als Tunnelbauer und Fluchthelfer aktiv waren.

Plakat Fluchthelfer Web

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 gruben couragierte Fluchtwillige und Fluchthelfer bis 1982 mindestens 39 Tunnel unter der Sektorengrenze hindurch – die meisten von West- nach Ost-Berlin. Damit ermöglichten sie mehr als 254 Menschen auf spektakuläre Weise die Flucht nach West-Berlin. Sie verhalfen den Flüchtlingen zu einem Leben in Freiheit, ermöglichten Familienzusammenführungen und bewahrten jene Menschen vor Verfolgung und politischer Haft.

Einer jener mutigen Tunnelbauer ist Klaus-Michael v. Keussler, der unter anderem am Bau des berühmten „Tunnel 57“ beteiligt war. Er wird im Rahmen der Veranstaltung über seine Intention, seine Erlebnisse und die Herausforderungen sprechen, die mit dem Bau von Fluchttunneln in Zusammenhang standen. „Für uns werden diese eindringlichen Augenblicke, in denen ein Mensch sich den letzten Ruck gibt und innerhalb von Minuten sein gesamtes Hab und Gut, aber auch die .... Freunde zurücklässt, um in die Freiheit zu gelangen, für immer unvergessen bleiben!", sagt v. Keussler rückblickend.

Daneben berichtet Dr. Günther Heinzel als Zeitzeuge über die langwierige und hürdenreiche Vorbereitung der riskanten Flucht seiner jetzigen Frau über den Checkpoint Charlie im Kofferraum eines alliierten Militärfahrzeugs. Eingeleitet wird der Abend durch den renommierten Historiker und Journalisten Sven Felix Kellerhoff, der einen allgemeinen Einführungsvortrag zur Entwicklung der Fluchthelferszene im geteilten Berlin geben wird.

Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung am 26. Oktober in die Thüringer Landesvertretung beim Bund in Berlin (Mohrenstraße 64) ein. An Vortrag und Podiumsdiskussion schließt sich ein Empfang an. Wir freuen uns auf Sie!

Hartumut Rosinger spricht über seine Vergangenheit bei der Stasi, über Verrat, Reue und Vergebung 

Unter dem Decknamen »Hans Kramer« lieferte Hartmut Rosinger der DDR-Staatssicherheit in den siebziger Jahren Spitzelberichte über seinen Freund aus der Evangelischen Studentengemeinde. Die Berichte trugen dazu bei, dass Peter Wulkau 1978 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.
Heute engagieren sich beide gemeinsam für die Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Für den Dokumentarfilm »Feindberührung« haben sie von ihren Erlebnissen erzählt. Regelmäßig tun sie dies auch vor Schüler- und Lehrergruppen. Dr. Matthias Wanitschke, Referent beim Landesbeauftragten, hat den einstigen »Täter« interviewt. Das Interview ist in der Herbst-Ausgabe des Vivat!-Magazins ab Seite 18 zu lesen und kann über diesen Link online aufgerufen werden. 

In stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. Psychiatrie kam es in der Vergangenheit zu Leid und Unrecht. Viele Menschen, die als Kinder oder Jugendliche dort lebten, leiden noch heute an den Folgen ungerechtfertigter Zwangsmaßnahmen, Strafen, Demütigungen oder unter finanziellen Einbußen, weil sie in den Einrichtungen gearbeitet haben, ohne dass dafür in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Um diese Menschen zu unterstützen, rufen der Bund, die Länder und die Kirchen die Stiftung Anerkennung und Hilfe ins Leben.
Qualifizierte Beraterinnen und Berater in den Anlauf- und Beratungsstellen unterstützen die Betroffenen persönlich bei der Schilderung und Bearbeitung der Erlebnisse und der Anmeldung zur Stiftung. Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten die Betroffenen eine Geldpauschale. Diese soll die Folgewirkungen des Erlebten abmildern und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation leisten. Betroffene, die während ihres Aufenthaltes in der Einrichtung in erheblichem Umfang gearbeitet haben, ohne dass die Einrichtung dafür Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat, können unter bestimmten Voraussetzungen eine einmalige Rentenersatzleistung erhalten. Eine Meldung für ein Beratungsgespräch in der Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung Anerkennung und Hilfe ist bis zum 31. Dezember 2019 möglich.
Ab 1. September 2017 haben Betroffene der Stiftung Anerkennung und Hilfe in Thüringen die Möglichkeit, sich für ein Beratungsgespräch sowie Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen in einer Anlauf- und Beratungsstelle anzumelden. Die Anlauf- und Beratungsstelle in Thüringen ist im Sozialministerium angesiedelt:

Ansprechpartner:
Manuel Schmidt (Leiter), Nadine Böttger (Beraterin), Thomas Bähr (Berater)

Tel.: 0361 / 573811-260
Fax: 0361 / 573811-820
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Telefonsprechzeiten: 
Dienstag: 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr
Donnerstag: 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Adresse: Werner-Seelenbinder-Straße  6, 99096 Erfurt

 

Tagung mit Vorträgen von Dr. Martin Jung, Dr. Georg Herbstritt, Helmuth Frauendorfer und Christian Dietrich

Am 11. November findet ab 10:00 Uhr in der Kleinen Synagoge in Erfurt (An der Stadtmünze 5) eine Tagung zum Thema "Rumänien und Deutschland im Kommunismus" statt. Wie eng waren die Beziehungen zwischen Stasi und Securitate? In welchem Fokus stand die deutsche Minderheit Rumäniens für den Geheimdienst unter Nicolae Ceaușescu? In welcher Form war die DDR-Opposition gegenüber der kommunistischen Diktatur in Rumänien aktiv? Und wie wurde der rumänische Widerstand in der DDR wahrgenommen? Diese und weitere Fragen werden im Rahmen der Rumänientagung von renommierten Rumänien-Experten diskutiert.

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Das Programm im Detail: 

Begrüßung
Foto WebseiteChristian Dietrich, Landesbeauftragter

„Beziehungen zwischen Staatssicherheit und Securitate“
Dr. Georg Herbstritt, BStU

„DDR-Opposition und Diktatur in Rumänien“
Christian Dietrich, Landesbeauftragter

Mittagspause

„Rumäniendeutsche und die Ceaușescu-Diktatur“
Helmuth Frauendorfer, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

„Die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Rumänien nach 1990“
Dr. Martin Jung, Trier

Schlusspodium
Christian Dietrich, Helmuth Frauendorfer, Dr. Georg Herbstritt, Dr. Martin Jung

Gerbergasse 84Im neuen Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ stehen diesmal Fragen zur Wirtschaftsgeschichte Ostdeutschlands im Mittelpunkt.

Wie vielfältig und kontrovers die Perspektiven bis heute ausfallen, zeigt die Bandbreite der Titelthemen. Zu Beginn verfolgt eine Spurensuche die statistische Karriere der DDR als „eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt“. Ausgangspunkt dafür ist die SED-Propagandaformel „Unter den ersten zehn“, die Mitte der 1960er Jahre verstärkt auftauchte und sogar von westlichen Korrespondenten übernommen wurde. In einem anderen Beitrag analysiert der Historiker Dietmar Remy, der bald eine umfangreiche Biografie über Wolfgang Biermann (1927–2001) veröffentlicht, das Wirken des umstrittenen Zeiss-Generaldirektors, der von 1975 bis Ende 1989 an der Spitze des Kombinats Carl Zeiss Jena stand. Weitere Beiträge untersuchen die ökonomische Bedeutung der Bausoldaten für das SED-Regime, die Wirtschaftsspionage in West-Berlin oder die Struktur des ostdeutschen Treuhandpersonals.

Doch auch die zusätzlichen Texte im Heft zur Zeitgeschichte bieten neue Einsichten. Etwa eine Darstellung über die wenig bekannte Gruppe der Auskunftspersonen (AKP), die abseits der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) ein dichtes Informanten-Netz in den Wohngebieten bildeten. Der „Weiße Kreis“ war im Sommer 1983 eine lose Gruppe von Ausreisewilligen, die friedlich und zumeist weiß gekleidet auf dem Platz der Kosmonauten (heute Eichplatz) demonstrierten. Heidelore Rutz war mit ihrer Familie dabei und wurde inhaftiert. Sie schildert in einem persönlichen Bericht ihren langen Weg in die Freiheit. Ein Artikel zu den Erinnerungen von Opfern politischer Gewalt, ein Nachruf auf die verstorbene DDR-Fußballlegende Manfred Kaiser sowie eine Betrachtung zum Phänomen „DDR-Alltags-Museen“ runden das Heft ab.

Die neue Ausgabe 3/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 84) ist ab sofort im Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Am 2. Oktober ist Wolfgang Mayer nach längerer Krankheit verstorben.

Wolfgang Mayer besetzte am 9. September 1988 die Dänische Botschaft in Ostberlin zusammen mit weiteren Ausreisewilligen. Der dänische Botschafter verständigte die DDR-Regierung, die in der darauffolgenden Nacht in das Botschaftsgelände eindrangen und die Botschaftsbesetzer inhaftierten. Die dreizehn Erwachsenen wurden einen halben Tag lang verhört, die fünf Kinder in ein Heim verbracht. Später wurden die Flüchtlinge zu mehrjährigen Gefängnisstrafen „auf Bewährung“ verurteilt und durften am 22. März 1989 ausreisen.

Wolfgang Mayer nahm seinen Wohnsitz in Cochem an der Mosel und verarbeitete seine Erfahrungen mit der Ausreise in den beiden Büchern „Dänen von Sinnen“ (1990) und „Die mit dem Storch zogen“ (1992). Er studierte Politikwissenschaft und promovierte zur Rechtslage und DDR-Praxis gegenüber Ausreisewilligen („Flucht und Ausreise“, publiziert 2002).

Zuvor hatte er von 1970 bis 1975 Pädagogik an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg studiert. Anschließend war er bis 1986 in Ilmenau und Hildburghausen als Lehrer für Mathematik und Polytechnik angestellt. Am 10. März 1987 stellte Wolfgang Mayer zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern einen Ausreiseantrag. Er wurde daraufhin fristlos entlassen. Nach längerem Kampf wurde er 2002 in Thüringen wieder in den Thüringer Schuldienst eingestellt. 2007 begründete er das Internetforum „Flucht und Ausreise“.

"Ich habe ihn als einen aufmerksamen Zeitgenossen und streitbaren Demokraten und Erwachsenenbildner kennengelernt", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. Er wird uns fehlen. 
Die Trauerfeier findet am Samstag, den 14.10.2017 um 13:30 Uhr in der Trauerhalle des Großen Friedhofs in der Leonhardtstraße in Greiz / Thüringen statt.

fuchs einband 300dpiEnde 2016 fand an der Universität Wrocław/Breslau eine internationale Tagung zu Jürgen Fuchs mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung und der Landtage bzw. Landesbeauftragten von Sachsen und Thüringen statt. Im Zentrum stand die Rezeption der literarischen Werke von Jürgen Fuchs und seines Ansatzes der opferorientierten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostmitteleuropa.
Inzwischen ist der von Ernest Kuzcynski (Łódź/Lodz) herausgegebene Tagungsband „Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik“ erschienen. Ein besonderes Augenmerk der Tagung lag in der Rezeption von Leben und Werk des Jürgen Fuchs in Polen und Tschechien. Im polnischen Samisdat waren seine Texte schon während des Kriegsrechts 1985 erschienen. Sein Einsatz für die Öffnung der Akten der Geheimpolizei fand jedoch unter den Demokraten Polens nicht die nötige Unterstützung.
In einer Münchner Rezension (Volker Strebel) der Publikation heißt es: „Dass ausgerechnet die Nachfolgepartei der SED das Monopol auf ostdeutsche Befindlichkeiten für sich in Anspruch nimmt, … ist in weiterer Fingerzeig“ für die Dringlichkeit der Lektüre von Jürgen Fuchs.
Am 8. November wird der Politologe und Germanist Dr. Ernest Kuzcynski im Thüringer Landtag mit einigen Autoren des Bandes die Forschungsergebnisse präsentieren. Dabei wird es auch um die Geschichte des Tonbandes gehen, das die SED zum Anlass nahm, um Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerulf Pannach zu inhaftieren und später aus der DDR abzuschieben.

Ausschnitt Fluchthelfer Web

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 gruben couragierte Fluchthelfer mindestens 39 Tunnel unter der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin hindurch. Damit ermöglichten sie mehr als 254 Menschen auf spektakuläre Weise die Flucht nach West-Berlin. Sie verhalfen den Flüchtlingen zu einem Leben in Freiheit, ermöglichten Familienzusammenführungen und bewahrten jene Menschen vor Verfolgung und politischer Haft.

Einer jener mutigen Tunnelbauer war Klaus-Michael v. Keussler. Er wird im Rahmen der Veranstaltung "Fluchthelfer im geteilten Berlin" über seine Intention, seine Erlebnisse und die Herausforderungen sprechen, die mit dem Bau von Fluchttunneln in Zusammenhang standen.
Daneben berichtet Dr. Günther Heinzel als Zeitzeuge über die Vorbereitung der riskanten Flucht seiner jetzigen Frau über den Checkpoint Charlie im Kofferraum eines alliierten Militärfahrzeugs.

Eingeleitet wird der Abend durch den renommierten Historiker und Journalisten Sven Felix Kellerhoff, der einen allgemeinen Einführungsvortrag zur Entwicklung der Fluchthelferszene im geteilten Berlin geben wird.

Die Veranstaltung findet am 26. Oktober 2017 um 18:00 Uhr in der Thüringer Landesvertretung in Berlin statt. Wir freuen uns auf Sie! 

Erinnerung an das Schaffen des gebürtigen Jenensers

Lutz Rathenow feiert heute seinen 65. Geburtstag. Er ist ein Revolutionär, der das Florett des Humors beherrscht und Raum schafft für die nötigen Verunsicherungen in der deutschen Erinnerungslandschaft. Thüringen hat ihm viel zu verdanken.
Er wurde 1952 in Jena geboren und kehrte nach dem Grundwehrdienst als Grenzsoldat in seine Heimatstadt zurück, um Geschichte und Deutsch auf Lehramt zu studieren. Zugleich gründete er im Herbst 1973 den Jenenser Arbeitskreis Literatur und Lyrik, zu dem auch Udo Scheer und Siegfried Reiprich gehörten. Lutz Rathenows Freude an Sprache und Hintersinn brachte ihn schnell mit SED-kritischen Autoren und Liedermachern zusammen. Nach fast zwei Jahren wurde der Arbeitskreis verboten. Jürgen Fuchs, ein wichtiger Freund, wurde zur gleichen Zeit exmatrikuliert und floh aus Jena. Rathenow schloss sich dem Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann an. Daraufhin wurde er inhaftiert und exmatrikuliert. Mit Hilfe seiner Frau fand er 1977 in Ostberlin eine neue Wirkungsmöglichkeit und wurde freischaffender Autor und Förderer vieler Autoren, die in der DDR nicht veröffentlichen konnten.
1980 wurde er von der Staatssicherheit inhaftiert, doch nach internationalen Protesten wieder freigelassen. Er veröffentlichte Essays, Gedichte und Dramen in der Bundesrepublik und war einer der klugen Kommentatoren zum Ende der SED-Diktatur. In der Initiative für Frieden und Menschenrechte arbeitete er auch mit dem Landesbeauftragten Christian Dietrich zusammen. Sein Oeuvre ist kaum zu überblicken, reich an gezielten Irritationen. Zuletzt vor allem Gedichte, Kinderbücher und Kolumnen, auch in Thüringer Tageszeitungen.

Lutz Rathenow ist seit 2011 Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen. In seinem jüngsten Band „Gedichte zum Größerwerden. Der Elefant auf dem Trampolin“ hat er Erfahrungen und Sprachlogik gemischt. Auf dem Weg „zum Größerwerden“ gehört es auch, sich der eigenen Bedürftigkeit anzunehmen. Der Text dazu bekam die Überschrift „Empörung“ und der Illustrator Egbert Herfurth setzte ihn in Beziehung zum Amt des Autors: Empörung Ein Mensch schleicht rennt läuft um ein Haus, er will nur eins – möglichst rasch hinein hinein. Und ist er drin, will er nur noch: heraus heraus. Ich bin wirklich ein Opfer, sagt der Mann, schrecklich, dass ich ohne Luft nicht atmen kann. Verflixte Erde, die mich sonst nicht leben lässt. Und die Schwerkraft hält mich zudem fest. Was brauch ich zum Leben? Wird es mir gegeben? Kann ich es mir nehmen?

Vielen hat Lutz Rathenow bei diesen Fragen geholfen. Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag Lutz Rathenow!

Akten zu den Zwangsaussiedlungen im Bezirk Suhl benutzerfreundlich auffindbar

Das Findbuch zu den Akten der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Suhl (BdVP Suhl) kann seit Kurzem über das Archivportal Thüringen (www.archive-in-thueringen.de) online eingesehen werden. Im Bestand der BdVP Suhl finden sich unter anderen Akten zu den Zwangsaussiedlungen, die 1952 und 1961 in den Grenzkreisen stattfanden. Betroffen von den Aussiedlungsmaßnahmen waren im Bezirk Suhl die Kreise Hildburghausen, Meiningen, Bad Salzungen, Sonneberg und Neuhaus am Rennweg: Aus etwa 100 Ortschaften wurde ins Landesinnere zwangsausgesiedelt. Einige Orte sind dann im Zuge der weiteren Grenzsicherung geschleift worden, zum Beispiel Billmuthausen im heutigen Landkreis Hildburghausen. Der Bestand der BdVP Suhl eröffnet, nach seiner teilweisen Neuerschließung und technischen Neubearbeitung durch das Staatsarchiv Meinungen und das Hauptstaatsarchiv Weimar, den Forschern interessante Einblicke. In den Abteilungen Chef der BdVP Suhl, Operativstab und Pass- und Meldewesen sind aussagekräftige Dokumente zu erwarten. Entsprechend dem Online-Findbuch sind zahlreiche Unterlagen zur „Aktion Blümchen“ – der Deckname der Aussiedlungsaktion 1961 im Bezirk Suhl – in der Abteilung Operativstab enthalten.

Hier sind beispielsweise Quellen auffindbar, die die detaillierte Planung im Vorfeld dokumentieren, aber auch Informationen der Begleitoffiziere, Lagemeldungen während der Durchführung und Einzelberichte über die Aussiedlungen enthalten. In den Akten der Abteilung Pass- und Meldewesen finden sich zudem Namensverzeichnisse der Zwangsausgesiedelten aus den Kreisen Meiningen, Sonneberg und Hildburghausen, die zwischen dem 5. und 7. Juni 1952 in der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ umgesiedelt wurden. Des Weiteren umfasst der Bereich Pass- und Meldewesen auch drei Unterlagenbände, die die Namen und die Gründe der Aussiedlung im Jahr 1961 enthalten. (Siehe Bild. Das abgebildete Dokument veranschaulicht die perfide Begründung zur Aussiedlung der Familie Bernoth und die 1961 an der Zwangsaussiedlung beteiligten Institutionen Staatssicherheit, Volkspolizeikreisamt, Grenzpolizei und als Vorsitzender der Kreiseinsatzleitung (KEL), der 1. Sekretär der SED im Kreis. Die in der Quelle erwähnte Familie Bernoth hat dieses Dokument dem Staatsarchiv Meiningen zur Nutzung freigegeben. An dieser Stelle möchten wir der Familie Bernoth und dem Staatsarchiv Meiningen danken, das vertrauliche Dokument abbilden zu dürfen.) 

Da Akten personenbezogene Angaben aufweisen, können diese erst nach Erlöschen der Schutzfrist von 90 Jahren nach der Geburt bzw. 10 Jahren nach dem Tod der Person eingesehen werden. Eine Aufhebung dieser Schutzfrist kann im Rahmen eines Schutzfristenverkürzungsverfahrens im Archiv beantragt werden. Für die weitere Erforschung der Zwangsaussiedlungen in Thüringen stellt die benutzerfreundliche Aufarbeitung des Bestandes BdVP Suhl einen wichtigen Schritt dar. Für ein ausgewogenes Bild der damaligen Ereignisse empfiehlt es sich zudem mit Zeitzeugen zu sprechen und weitere schriftliche Überlieferungen in den Staats- und Kreisarchiven zu sichten.

"Auf dem Weg zur Zivilgesellschaft“

Plakat WebEnde der 1980er Jahre ächzt die DDR. Die Führungsriege ist alt, die sozialistische Utopie verbraucht und die Hoffnung vieler auf eine glückliche Zukunft dahin. Zugleich engagieren sich einige Menschen in kleinen Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen, um ihre Zukunft mitzugestalten. Vor dreißig Jahren, im November 1987, stürmt die Staatssicherheit die Umweltbibliothek in der Zionskirche und die Arbeit dieser Gruppen wird auf einmal für die Öffentlichkeit wahrnehmbar.
Vor vierzig Jahren wurde mit der Charta 77 in der ČSSR bereits ein Grundstein für die ost(mittel)-europäische Demokratieentwicklung gelegt. An die Menschen, die sich im letzten Jahrzehnt der DDR für eine ostdeutsche Zivilgesellschaft einsetzten, will der Thüringer Geschichtsverbund erinnern. Zusammen mit den Referenten und Besuchern wollen wir uns über den Sinn oder Unsinn, die Freude und auch Last von gesellschaftlichem Engagement, damals wie heute, austauschen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch - das Bürgerfest findet am 10. September 2017 zwischen 15:00 Uhr - 21:00 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt statt. 

Nach jüngster Studie des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an innerdeutscher Landgrenze ums Leben

Mit dem Bau der Berliner am 13. August 1961 wurde das letzte Schlupfloch in den Westen geschlossen. Nach jüngsten Forschungen des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an der innerdeutschen Landgrenze (ohne die Todesopfer an der Berliner Mauer) bis 1989 ums Leben. Die Leiterin des Berliner Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, geht aktuell von insgesamt 1899 Todesopfern des Grenzregimes aus.
Nicht zuletzt wegen des stetigen Ausbaus der Sicherungsanlagen an der deutsch-deutschen Grenze versuchten Menschen auch außerhalb der DDR, den „Eisernen Vorhang“ zu überqueren. Allein an der Grenze der CSSR verloren mehr als 770 Menschen auf der Flucht ihr Leben, unter ihnen mindestens 17 Personen aus der DDR.

„Der 13. August 1961 ist ein Schlüsseldatum der europäischen Geschichte und Anlass jenen zu danken, die Menschen aus der DDR gerettet haben, die die Grenze durchlässiger machten und letztlich einrissen“, sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. „Es ist aber auch ein Tag der Trauer. Nicht nur die Toten sind unvergessen, auch die erzwungenen Beziehungsabbrüche. Schuld und Verrat gerade innerhalb der Familien wirken ist bis heute“, fügt Dietrich hinzu.

Faktisch war der SED-Staat nach dem Bau der Berliner Mauer ein Gefängnis. Der Versuch einer Flucht aus der DDR, sowie dessen Vorbereitung oder Nichtanzeige konnten bestraft werden. Mit dem verschärften Passgesetz von 1957 wurde jede nichtgenehmigte Ausreise aus der DDR strafrechtlich verfolgt. Das Strafmaß konnte seit 1979 bis zu acht Jahren Haft betragen. Verurteilt wurde auch, wer Fluchtvorbereitungen - selbst innerhalb der eigenen Familie - nicht angezeigt hatte. Über 60.000 Menschen erhielten als DDR-Flüchtlinge und Fluchthelfer Haftstrafen. Zudem wurden Kinder und Jugendliche in diesem Zusammenhang in geschlossene Jugendeinrichtungen eingewiesen.

Jenen Opfern des DDR-Grenzregimes wird am 13. August in Thüringen im Rahmen von mehreren Veranstaltungen gedacht, etwa in Form eines Gottesdienstes und der Kranzniederlegung in Eisenach oder einer Gedenkstunde im Grenzmuseum Schifflersgrund. Im Menschenrechtszentrum Cottbus wurde zum 50. Jahrestag des Mauerbaus vor sechs Jahren die Gedenkaktion "1 Ziegel für 1 Maueropfer" begonnen. Am Sonntag wird diese Gedenkmauer nunmehr eingeweiht.

Der Landesbeauftragte gratuliert dem wichtigen Aufarbeiter der SED-Diktatur herzlich zum Geburtstag.

Auerbachs Vita steht ganz im Zeichen des Widerstands gegen Diktatur und Unrecht. 1965 verweigerte er den Militärdienst und widerstand den Anwerbeversuchen der Staatssicherheit. 1971 wurde Auerbach Stadtjugendwart der evangelischen Kirche in Jena und prägte die Junge Gemeinde Stadtmitte und deren Offene Arbeit nachhaltig (Mehr dazu hier auf jugendoppostion.de. Diesbezüglich auch lesenswert ist die Publikation "Jugend zwischen Kirche und Staat: Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970-1989" von Henning Pitzsch, Köln / Weimar 2005).

Nachdem er Ende 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert und Unterschriftensammlungen organisiert hatte, wurde er inhaftiert (sein Haftbefehl ist hier in der BStU-Mediathek einsehbar) und Anfang September 1977 nach zehn monatiger Untersuchungshaft gegen seinen Willen mit einigen Freunden nach West-Berlin abgeschoben und ausgebürgert. Von West-Berlin aus unterstütze er gemeinsam mit Jürgen Fuchs, Roland Jahn und anderen die Oppositionsbewegung in der DDR. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen beteiligte sich Auerbach schließlich an der Besetzung der MfS-Bezirksverwaltung in Gera. Maßgeblich engagierte er sich dann im Fortgang an der Aufarbeitung der SED-Diktatur; so war der gebürtige Leipziger bis zu seinem Ruhestand 2009 leitender Mitarbeiter des BStU. Er publizierte u.a. zu den Planungen der SED gegen die Opposition im Ausnahmezustand ("Vorbereitungen auf den Tag X. Die geplanten Isolierungslager des MfS"), zum Terroreinsatz in der Bundesrepublik ("Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front“) und zur Geschichte des Widerstands gegen die SED in Thüringen.

Wir danken Thomas Auerbach für seinen Mut in den Zeiten der Diktatur und für die Klarheit in den Jahren der Demokratisierung und wünschen ihm Kraft für den Alltag, Nähe der Freunde und Gottes Segen für die Zukunft.

Todesstrafe ZuschnittVor 30 Jahren, am 17. Juli 1987, wurde in der DDR die Todesstrafe aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Es war ein notwendiger Schritt, damit Staats- und Parteichef Erich Honecker in die Bundesrepublik reisen konnte. Wie so oft, entschied der Staatsrat auf Empfehlung des SED-Politbüros, die Volkskammer wurde erst danach gefragt.

Der Friedensarbeitskreis Naumburg (u.a. mit Michael Kleim und Christian Dietrich) forderte bereits seit Ende 1986 die Abschaffung der Todesstrafe. Der Landesbeauftragte wurde dafür als Sympathisant der NS-Kriegsverbrecher denunziert; dabei war er ein Sympathisant der DDR-Flüchtlinge, auf die geschossen wurde.

Die Forderung wurden seinerzeit über ein Flugblatt publik gemacht; in einem aktuellen Artikel von Michael Kleim hier auf meinanzeiger.de lesen Sie mehr zu den Hintergründen der Protestaktion. 

Vor 25 Jahren wurde eine akribisch erarbeitete Liste der fast 5.000 Hallenser inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit veröffentlicht. Die Dekonspirierten wehrten sich, doch nach acht Jahren Rechtstreit bekamen die Aufklärer recht: Veröffentlichungen zur Stasimitarbeit können nicht mit dem Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz verhindert werden. Außerdem stellten die Bundesverfassungsrichter fest: "Die Feststellung des Bundesgerichtshofs, die Liste habe zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit praktisch nichts beitragen können, hält verfassungsrechtlicher Prüfung ebenfalls nicht stand. Der Bundesgerichtshof hat insoweit die Suggestivkraft, die mit der Veröffentlichung der Liste verbunden war, nicht hinreichend berücksichtigt: Die Liste vermittelt aufgrund ihrer Länge einen nachhaltigen Eindruck von der massiven Durchdringung der Gesellschaft der DDR durch das MfS, verliert sich wegen der konkreten Angaben, insbesondere der Namensnennungen, aber nicht in der Abstraktheit bloßer Zahlen. Die fehlende Spezifizierung der Tätigkeit der in der Liste Aufgeführten, die für den Bundesgerichtshof gerade Anlass war, die Auslegung der Liste im Hinblick auf die Klägerin als rechtswidrig anzusehen, verdeutlichte, dass der potentielle Zugriff des MfS auf Informationen weit reichte und vielfältig war. Die Liste war damit aus Sicht des Beschwerdeführers ein geeignetes Mittel, die Realität des breit gefächerten Informantensystems - so, wie er es sah - vor Augen zu führen." (Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 23. Februar 2000)

Mehr zu jenem in dieser Form einmaligen Fall in einem kurzen Video hier auf Spiegel Online und einem aktuellen Artikel auf Mitteldeutsche Zeitung Online.
Ausführlich beschäftigt sich auch eine Publikation der Landesbeauftragten von Sachsen-Anhalt dazu: Der Titel "Darf man das? Die Veröffentlichung von Stasi-Listen in Halle an der Saale im Sommer 1992 und die Folgen." ist zugleich Dokumentation und Auseinandersetzung mit der Thematik und beinhaltet Beiträge von Steffen Reichert und Peter Raue sowie den ungekürzten Text des Bundesverfassungsgerichts.

Gerbergasse18 Heftcover 83Wie wichtig sind Gedenktage und historische Jubiläen für unsere Erinnerungskultur? Mit der sogenannten Oktoberrevolution vor hundert Jahren haben wir es besonders schwer. Weder die zeitliche Begrenzung auf die Ereignisse im Oktober 1917 noch die Einordnung als Revolution oder die verkürzte Deutung als Ursprung des Weltkommunismus sind hinreichend. Obwohl die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ zum ideologischen Kern des DDR-Geschichtsunterrichts gehörte, blieben oft nur Schlagworte hängen. Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ fragt deshalb nach Folgen und Wirkungen des „Roten Oktober“.

Das Heft 83 bietet aber noch viele weitere spannende Beiträge, etwa zum Tabuthema Prostitution in der DDR, den Vertreibungen in Thüringen durch Kreisverweise zwischen 1945 und 1951, der Jazzszene in Jena der 1980er Jahre oder den Herausforderungen der Geschichtsvermittlung durch innovative Spieleformate (digital und analog). Eine Charakterskizze des Autors Dietmar Ebert stellt den Juristen und Vater der Thüringer Landesverfassung Eduard Rosenthal (1853–1826) prägnant und facettenreich vor. Das biografische Porträt des Ehrenbürgers Rosenthal schildert dessen vielfältiges und weitsichtiges Wirken in der Stadt Jena und darüber hinaus, wobei seine Bedeutung und Ausstrahlungskraft bis heute kaum bekannt sind. Seit 2007 besteht mit der Villa Rosenthal, unterhalb des Westbahnhofs gelegen, ein eindrucksvoller Veranstaltungs- und Erinnerungsort, zugleich eine Würdigung des engagierten Ehepaars Clara und Eduard Rosenthal. Weitere Informationen zur "Gerbergasse 18" finden Sie hier

TdTAuch in diesem Jahr sind wir am Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag (17. Juni, 10:00 - 17:00 Uhr) mit einem Stand vertreten. Dort gibt es die Möglichkeit, an einem Quiz zur DDR-Geschichte teilzunehmen. Wer sich auskennt, kann tolle Preise zu gewinnen. Daneben haben wir ein breites Programm rund um das Thema DDR, SED-Unrecht und Aufarbeitung: 

FIlmvorstellungen in Raum F 002: 

11.00 Uhr:
„Der 17. Juni in Jena. Skizzen eines Aufstandes.“ (2014)
Eine filmische Zeitzeugendokumentation von Torsten Eckold und Daniel Börner. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Daniel Börner.

12.30 Uhr:
„Vertreibung 1961“ (2017)
Ein Film von Peter Grimm und Eckardt Reichl über die Zwangsaussiedlungsaktionen in der DDR. Eine Spurensuche.

13.30 Uhr:
„Kaputt“ (2016)
Kurzfilm von Alexander Lahl und Volker Schlecht über das zentrale Frauengefängnis der DDR. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Zeitzeugin und Künstlerin Gabriele Stötzer.

14.00 Uhr:
„Die letzten Zeugen des Gulag“ (2014)
Ein Film von Dean Cáceres und Lars Henze, der sich auf Spurensuche nach den letzten Überlebenden der stalinistischen Arbeitslager begibt. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Dr. Dean Cáceres. 

Podiumsdiskussion im Plenarsaal

15.30 - 17.00 Uhr:
"Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017"

Am Gedenktag der Opfer des SED-Unrechts werden Vertreter aller Landtagsfraktionen über Erwartungen und Ziele eins solchen Gedenktages debattieren. Außerdem soll es um die fehlende Würdigung bestimmter Opfer der SED-Diktatur und Perspektiven der Aufarbeitung in Thüringen gehen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung, ob die Frage "Was bzw. wer beschädigt die Würde des Parlaments?" ein Mittel der Diktaturaufarbeitung ist.Grundsätzlich soll dabei der Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017 beleuchtet werden.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich übernimmt die Moderation der Podiumsteilnehmer, bestehend aus Herbert Wirkner (CDU), Mike Huster (DIE LINKE), Birgit Pelke (SPD), Corinna Herold (AfD) und Dirk Adams (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).

Ausstellungen: 

10.00 - 17.00 Uhr, Funktionsgebäude EG: 
"Flucht und Ausreise" 

10.00 - 17.00 Uhr,  Außengelände vor dem Verwaltungshochaus:
"Aufbruch nach Europa"

Der Journalist und Publizist Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke wird am 15. Juni für sein Lebenswerk mit dem Aufarbeitungspreis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgezeichnet, der 2017 erstmals verliehen wird. „Wie kaum ein anderer hat sich Karl Wilhelm Fricke vor und nach 1989 mit der Repression in der DDR auseinandergesetzt, seine sachlichen und faktenreichen Analysen als Autor und jahrelanger Redakteur des Deutschlandfunks sind bis heute von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky.

Karl Wilhelm Fricke zählt außerdem zu den bekanntesten Entführungsopfern des Kalten Kriegs. Weil seine Veröffentlichungen über Verfolgung und Repression in der DDR den kommunistischen Machthabern gefährlich wurden, stellte ihm die Staatssicherheit am 1. April 1955 in West-Berlin eine Falle und verschleppte ihn in die DDR. In einem Geheimprozess wurde Fricke zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Einzelhaft verbüßen musste.

Ermöglicht wurde der Aufarbeitungspreis durch eine Spende des Publizisten und ehemaligen Fluchthelfers Dr. Burkhart Veigel an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Preis würdigt das herausragende Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage im vereinten Deutschland und in Europa. Verliehen wird die Auszeichnung durch Bundespräsident a. D. Horst Köhler, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann hält die Laudatio.

Mit der Wahl des Datums der Preisverleihung erinnert die Bundesstiftung Aufarbeitung zugleich an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, als über eine Million Menschen ihren Protest gegen die kommunistische Herrschaft in der gesamten DDR auf die Straße trugen und das Ende der SED-Herrschaft, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderten.

Schon früh machte die Thüringer Regierungskoalition klar, dass sie die Bewertung von Abgeordneten als "parlamentsunwürdig" kritisiert. Die Debatte nimmt derzeit neue Fahrt auf, laut dieses aktuellen Artikels auf MDR online soll etwa der ehemalige IM "Kaiser", Frank Kuschel, nicht mehr als "parlamentsunwürdig" erklärt werden. Erneut besprochen wird auch der Fall Herbert Wirkner hier auf Thüringische Landeszeitung online. Wirkner wurde seinerzeit von der Stasi zur Gewinnung als Spitzel umworben.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärte gegenüber dem Thüringer Landtag bezüglich der Debatte u.a.: "Die Streichung des Begriffs 'parlamentsunwürdig' ist nur zu erklären als eine Resignation aufgrund der Differenz zwischen der Bewertung und dem faktischen Vollzug der Bewertung. Es wäre jedoch eine Selbstbeschränkung des Parlamentes, deshalb zugleich die Bewertung zu streichen. In der FORSA-Umfrage der Brandenburgischen Enquetekommission zur Aufarbeitung war eine deutliche Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Stasibelastung und Mandat sich ausschließen. Unter denen, die angaben, DIE LINKEN zu wählen, waren es jedoch lediglich 50%. Während das Werturteil 'parlamentsunwürdig' von der Regierungskoalition abgelehnt wird, hat die Koalition zugleich die 'Regierungsunwürdigkeit' von Menschen, die offiziell oder inoffiziell für die Staatssicherheit gearbeitet haben bestätigt. Die Koalition hat dies sogar verschärft, in dem auch 'Menschen, die leugnen, dass die DDR kein Rechtsstaat war' keine Regierungsverantwortung übernehmen dürfen. Es bleibt dabei, wenn eine Belastung eines Mandatsträger festgestellt wird, sind die bzw. der Abgeordnete und ihre bzw. seine Partei in der moralischen Verpflichtung zu handeln." (Siehe dazu diesen Artikel aus Januar 2016)
Nachtrag 02.06.2017: Interview im Deutschlandfunk (Henry Bernhard) mit Frank Kuschel, Uwe Höhn, Astrid Rothe-Beinlich, Herbert Wirkner unter Wendehälse: Wie Thüringens Parlament mit Stasi-Spitzeln umgeht

Anlässlich der befreienden Ausreise von Reiner Kunze aus der DDR vor 40 Jahren wurde am 26. April im Thüringer Landtag Oppositioneller im SED-Regime gedacht, Fluchtgeschichten erzählt und die zurückgewonnene Heimat gefeiert. Reiner Kunze liest aus seinem Werk. Wir haben die Veranstaltung in Bild und Ton begleitet:

Geboren 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge lebte der Schriftsteller von 1962 bis 1977 in Greiz/Thüringen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings trat Kunze aus der SED aus. Mit dem Prosawerk "Die wunderbaren Jahren" (erschienen 1976 in Frankfurt/Main) beschrieb er die Bedrohung der Individualität junger Menschen in der DDR. Kunze wird zum Staatsfeind erklärt und aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Das kam einem Berufsverbot gleich. Familie Kunze stellte aufgrund dieser Entwicklung einen Ausreiseantrag und konnte vor 40 Jahren die DDR verlassen.
Unter dem Titel "Deckname Lyrik" veröffentlichte Kunze 1990 unmittelbar nach den Stasibesetzungen Auszüge aus den Akten der Staatssicherheit, die dokumentieren, wie perfide das SED-Regime den Schriftsteller und seine Freunde verfolgt hatten.

IMG 2087 Zuschnitt WebHeute hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich den Tätigkeitsbericht der Jahre 2015 und 2016 im Thüringer Landtag an den Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius, übergeben und im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeit der Behörde in den vergangenen zwei Jahren informiert. 

Der Tätigkeitsfokus des Landesbeauftragten lag wie in den Jahren zuvor in der Beratung. Christian Dietrich ging zentral auf folgende Fragen ein: Wie hat sich die Beratungssituation ehemaliger politisch Verfolgter entwickelt? Wie entwickelt sich die Rechtslage der Betroffenen?
Der Landesbeauftragte dazu:  „Die Zeitzeugen der frühen Jahre der DDR werden weniger. Jetzt werden die Leiden der späteren DDR-Generationen in den Beratungen präsenter. Der Gesetzgeber hat die Rehabilitierungen bis Ende 2019 befristet. Ein Schlussstrich ist unserem Land unwürdig. In Thüringen leben statistisch gesehen besonders viele Opfer der SED-Herrschaft. Entsprechend hoch sind die Entschädigungsleistungen und Hilfen, die ausgezahlt werden. Allein für die Opferrente in Thüringen wurde im vergangenen Jahr über 18 Millionen € gezahlt. Der Bedarf nach Beratung, Aufklärung und Hilfe ist groß. In der letzten Zeit wurde die Würdigung derer, die wegen ihrer Religion in der DDR verfolgt wurden, zur Herausforderung für den Freistaat.“

IMG 2098 Zuschnitt WebIm Zuge der Pressekonferenz erläuterte der Landesbeauftragte auch die eigene Bildungsarbeit in Kooperation mit Bildungsträgern und in eigener Verantwortung. Im Berichtszeitraum hat die Behörde über 70 Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Buchlesungen sowie 60 Veranstaltungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt. 
Auch auf die erfolgreiche Nutzung der Neuen Medien im Berichtszeitraum verwies Dietrich. Mit über 700 Posts zu Veranstaltungen, aktuellen Debatten und historisch relevanten Diskursen zeigt die Webseite des ThLA eine hohe Dynamik und einen erheblichen Informationsmehrwert für die Zielgruppe. Der Landesbeauftragte beteiligt sich an der politischen Bildung in Thüringen maßgeblich über die neuen Medien. Eine besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang eine interaktive Karte, die von Zwangsaussiedlungen betroffene Orte anzeigt und Hinweise auf die Gedenkkultur liefert. Die Karte ist in die Webseite des Landesbeauftragten eingebettet. Nahezu 22.000 Personen haben diese bereits aufgerufen. Ebenso verzeichnet die Facebook-Seite des Landesbeauftragten ein stetiges Wachstum, mittlerweile gefällt über 400 Personen die Seite des Landesbeauftragten auf Facebook. Über einen neu eingerichteten YouTube-Kanal sollen noch mehr interessierte Menschen erreicht werden: Zukünftig werden die Veranstaltungen des Landesbeauftragten auch durch Videoaufnahmen begleitet. 

Den Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten finden Sie hier. 

Zugleich hat der Landesbeauftragte den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-UNRECHT für das Jahr 2016 veröffentlicht. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2016 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Die Beratungsinitiative arbeitet im Auftrag des Landesbeauftragten und unterstützt die Behörde in oben genannten Tätigkeitsfeld. Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinititative können Sie hier einsehen. 

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Interaktive Karte
Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

Der Landesbeauftragte auf Facebook:

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Beratungsangebote

Persönliche Beratung und telefonische Anfragen sind zu den aufgeführten Sprechzeiten möglich.

Ihr persönlicher Beratungstermin

Bundesstiftung Aufarbeitung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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