Sonntag, 18.November 2018

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Pano Tagung Point Alpha WebZwangsaussiedlungen und weitere Vertreibungsereignisse unter der kommunistischen Herrschaft waren Thema einer wissenschaftlichen Tagung, die am 6. und 7. April 2017 in Geisa stattfand und vom Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gemeinsam mit der Point Alpha Stiftung ausgerichtet wurde. Nachwuchswissenschaftler und renommierte Fachleute diskutierten das breite Spektrum der Vertreibungen („forced migrations“), die der kommunistischen Herrschaftsfestigung und Herrschaftssicherung dienten. Zwei Beiträge sind schon vor der geplanten Tagungspublikation seit heute auf unserer Webseite unter „Reden und Vorträge“ abrufbar.

Der Leipziger Historiker Dr. Dietmar Müller zeigt in seinem Beitrag den Zusammenhang von Kollektivierungen in der Landwirtschaft und Enteignungen, die oft auch im Kontext von Vertreibungen erfolgten. Er vergleicht die Ereignisse in Rumänien, Jugoslawien und Polen und zeigt, dass das Land der Deutschen in den drei Ländern vollständig und kompensationslos durch die Kommunisten enteignet wurde. Aber nur in Polen kam es im Zusammenhang mit den Enteignungen auch zu umfassenden Vertreibungen der Deutschen. Die Alliierten hatten auf der Potsdamer Konferenz dieser organisierten Vertreibung bzw. Umsiedlung bereits zugestimmt. Viele Deutschstämmige in Jugoslawien emigrierten nach ihren Erfahrungen mit Enteignungen, Zwangsarbeit und Lagerinternierung nach Österreich und Deutschland. Dagegen wanderten aus Rumänien in diesem Zeitraum nur wenige Deutsche aus. Vielmehr integrierten sie sich ab den 1950er Jahren in die Industriearbeiterschaft und in die (zwangs-)kollektivierte Landwirtschaft. Es können also länderspezifische Unterschiede in der Intensität der kommunistischen Vertreibungen im Zusammenhang mit der Kollektivierung der Landwirtschaft ausgemacht werden. Zum dem pointierten Vortrag Dr. Dietmar Müller von geht es über diesen Link

Die polnische Historikerin Dr. Lidia Zessin-Jurek referierte über die in der EU differierenden Erinnerungen an die Zwangsdeportationen nach Sibirien. Stalin ordnete im Rahmen seiner kommunistischen Politik die Zwangsmigration bestimmter Gruppen und Nationalitäten nach Sibirien als präventive Bestrafung an. Von den Deportationen in den Osten waren Juden, Balten, Polen und viele weitere Nationalitäten im östlichen Europa betroffen. Frau Zessin-Jurek zeigt auf, dass die Erinnerungen an die Deportationen und an die sowjetischen Arbeitslager innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten deutliche Unterschiede aufweisen. Bemerkenswert ist, dass die osteuropäischen Staaten vor ihrem EU-Beitritt nur selten die gemeinsame sowjetische Vergangenheit über die Narrative Zwangsdeportationen und Gulag thematisierten. Dennoch nahmen seit Mitte der 2000er Jahre die Ehrungen für die Gulag-Opfer in den osteuropäischen Staaten zu, wobei eine Rückkehr zu einer nationalen Erinnerung an die damaligen Ereignisse zu beobachten ist. Angesichts der aktuellen Politik scheint die Debatte einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur in den Hintergrund gedrängt, dabei könnte sich auf transnationaler Ebene der Rückgriff auf die Deportationserfahrungen als sehr hilfreich erweisen. Der umfassende Vortrag Dr. Lidia Zessin-Jurek ist über diesen Link abrufbar.

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

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Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

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Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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