Montag, 19.November 2018

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Fritz Richter (19.11.1931 - 17.02.2017) wurde am 10. März im Kreise seiner Lieben auf dem Friedhof in Alsbach beigesetzt. Sein demokratisches Gewissen wurde von Familie und Freunden vor den etwa 200 Trauergästen gewürdigt. So auch von seinem langjährigen Freund Norbert Sommer, der wie Richter in der DDR wegen „Boykotthetze“ zu sieben Jahren Haft verurteilt und ebenfalls davon vier Jahre im Untermaßfelder Zuchthaus abgesessen hatte. Fritz Richter und Norbert Sommer kannten sich bereits aus Ihrer Schulzeit an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen - und teilten die gleiche politische Meinung: Schon Ende der 40er Jahre waren beide unzufrieden bezüglich der Verhältnisse in der SBZ. Daran änderte sich auch nichts nach Gründung der DDR; im Gegenteil, sie fühlten sich unfrei und waren entschlossen, gegen die aufkeimende SED-Diktatur im Sinne der Geschwister Scholl zu protestieren. So führten Richter und Sommer schließlich 1950 gemeinsam mit ca. 20 weiteren Schülern der Geschwister-Scholl-Oberschule sowie anderen Jugendlichen politische Flugblatt-Aktionen in Sondershausen aus, um Ihren Unmut Ausdruck zu verleihen.richter sommer web

Mit diesen beiden Zeitzeugen startete der Landesbeauftragte ab 2009 das Quellen-Zeitzeugen-Projekt (und damit die Besinnung auf Widerstandgeschichten an Thüringer Schulen) in Sondershausen. Das letzte Quellen-Zeitzeugen-Projekt mit beiden fand im Dezember 2016 an der Verwaltungsfachhochschule der Thüringer Polizei in Meiningen statt. (siehe Foto, Fritz Richter (mitte) und Norbert Sommer (rechts).

In seinem Nachruf sagte Norbert Sommer am 10. März:

„Liebe Trauerfamilie, liebe Trauergemeinde,
Wir verabschieden uns heute von meinem Freund, Herrn StD. i.R. Fritz Richter. Er begann seinen lebenslangen Einsatz für eine demokratische Entwicklung in unserer Gesellschaft etwa 1949/50 an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen in Thüringen, als er gemeinsam mit Freunden mit der Herstellung und Verteilung von Flugblättern gegen den beginnenden Stalinismus in der DDR aufbegehrte. Dies führte 1952 zu seiner Verhaftung durch den Staatssicherheitsdienst, zu seiner Verurteilung zu neun Jahren Zuchthaus, zu vierjähriger Haft. Nach seiner Haftentlassung floh er in die Bundesrepublik. Hier setzte er sich weiter für seine demokratischen Ideale ein, als Mitglied des Studentenparlaments an der Uni in Frankfurt, als Kommunalpolitiker, als Mitglied des Kreistages.
Als nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ihn bat, als Zeitzeuge jungen Menschen in Thüringen über seine Erfahrungen in der DDR zu berichten, war er sofort dazu bereit. Mit großer Energie, mit immensem Wissen, ohne Schwarzweißmalerei, mit großer gedanklicher Tiefe und mit Humor bemühte sich Fritz immer wieder, seine vielen jungen Gesprächspartner davon zu überzeugen, wie wichtig die demokratischen Prinzipien für unsere Gesellschaft sind. Wir sollten, um ihn zu ehren, seine Arbeit fortsetzen.“

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

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Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
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Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

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Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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