Dienstag, 17.Oktober 2017

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Seit 17. März 2016 erinnert eine Tafel am Eingang zum Hörsaal 1 der Physikalisch-Astronomische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Max-Wien-Platz 1) an das „Fanal für die Freiheit weit über Jena hinaus“ von 1956. Es war der Physikerball 1956 in der Mensa, der zu einem zentralen Ereignis des studentischen Widerstands gegen die Sowjetisierung Mitteleuropas und der SED-Herrschaft wurde. In kabarettistischen Szenen wurde auf die brutale Niederschlagung des ungarischen Aufstands und die erste Kritik am Stalin-Kult in der Sowjetunion reagiert.

Foto Jan Bernert 1

Zwei Jahre später mußten viele Akteure des Physikerballs und Mitglieder der Widerstandsgruppe „Eisenberger Kreis" dafür einen hohen Preis zahlen: Sie wurden exmatrikuliert, wurden inhaftiert oder mußten fliehen. Gestiftet wurde die Tafel durch das Thüringer Innenministerium als Teil der Straße der Menschenrechte und Demokratie.

Herr Herrmann, Herr Dr. Steudel, Herr Professor Hofmann, Herr Dr. Träger und Frau Rohmann (v.l.n.r.) vor der Stele am Eingang zum Hörsaal 1 (Foto: Jan Bernert).


Beim Festakt im Saal der Mensa – also am historischen Ort – sagte Dekan Prof. Dr. Gerhard Paulus, der Physikerball sei eines der „erhabensten Ereignisse“ in den 450 Jahren der Alma Mater Jenensis gewesen. Anknüpfend an die aktuellen Zeitläufe stellte Prof. Paulus einen Zusammenhang zwischen Anstand und Wohlstand her: Nur durch das Eintreten für Demokratie und Liberalität sei eine international vernetzte wissenschaftliche Forschung möglich, die wiederum Voraussetzung für den Wohlstand im heutigen Deutschland sei.
Peter Herrmann, einer der Initiatoren des Physikerballs und Autor mehrerer Texte berichtete ergreifend über die Beweggründe für die Umfunktionierung des Physikerballs in eine politische Protestveranstaltung. Er und auch Dr. Heinz Steudel erinnerten aber auch an die fürchterlichen Folgen für viele Beteiligte und auch für die, die sich mit ihnen solidarisierten. Der Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur berichtete, wie die Erinnerung an den Physikerball auch die nächste Generation des Widerstands beeinflusste und wie vernetzt die Jenaer Akademikerschaft war. Davon zeugten auch die ca. 200 Teilnehmer des Festaktes. Unter ihnen der Mathematiker Karl-Heinz Jagusch, der sich zeitgleich zum Physikerball für Gewissensfreiheit einsetzte, oder der Ingenieur Dr. Wolfgang Nebe, bei dem sich nach dem Mauerbau Akademiker trafen, die um ihre geistige Freiheit rungen. An diesem Abend war auch Prof. (Claus Dieter) Claudio Hofmann (nach fast 60 Jahren erstmals wieder) im Saal der Mensa, der seiner Inhaftierung durch Flucht entkommen konnte.
Der Landesbeauftragte stellte fest, dass es in Jena in den Vereinen, die die Widerstandsgeschichte erforschen und publizieren (Thüringer Archiv für Zeitgeschichte und Geschichtswerkstatt) inzwischen eine neue Generation etabliert hat.
Die Geschichtswerkstatt Jena ist mit der Thematik des Physikerballs 1956 seit ihrer Gründung verbunden. Einer der Vereinsbegründer, Manfred Wagner († 2011), war Zeitzeuge und Betroffener. An der Wiederaufführung des Physikerballs im Jahr 2006 hat der Verein maßgeblich mitgewirkt.
Die Aufnahme des Physikerballs in die „Thüringer Straße der Menschenrechte und Demokratie“ ging auf eine Initiative des Vereinsmitglieds Detlef Himmelreich zurück.

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Physikalisch-Astronomische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf Facebook mit Fotos

Die Dokumentation "Der Physikerball 1956. Vorgeschichte - Ablauf - Folgen, herausgegeben von Peter Herrmann, Heinz Steudel und Manfred Wagner, Jena 1997 wurde vom der Physikalisch-Astronomische Fakultät nachgedruckt und ist dort erhältlich.

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