Dienstag, 27.Juni 2017

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Über das Informationssystem der Archive in Thüringen - abrufbar unter www.archive-in-thueringen.de - sind Übersichten über die Bestände der Thüringer Staats-, Kreis-, Stadt- und Gemeindearchive aber auch weitere Archive (Kirchen) und des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte zentral einsehbar. Darüber hinaus lassen sich in dem "Archivportal Thüringen" Bestandsbeschreibungen und zum Teil bereits Online-Findmittel, daneben auch Informationen zu den umfangreichen Sammlungen an Zeitungen, Zeitschriften in den einzelnen Archiven zentral abrufen; und nunmehr auch historische Adressbücher aus Erfurt, Jena, Weimar, Mühlhausen und Eisenach.
Das Archivportal richtet sich an die historisch interessierte Öffentlichkeit, an die wissenschaftliche und heimatkundliche Forschung, an Privatpersonen, Firmen, Verwaltungsmitarbeiter und Kolleginnen und Kollegen aus Archiven und verwandten Fachbereichen.

Weitere Informationen finden Sie hier auf www.archive-in-thueringen.de.

Nach der doppelten Staatsgründung 1949 standen sich in der Bundesrepublik und der DDR zwei unterschiedliche politische Systeme gegenüber. Die Teilung war keine innerdeutsche Entwicklung, sie wurde vom Kalten Krieg bestimmt. Viele Bewohner der DDR entschieden sich zur Flucht in die Bundesrepublik. Sie hofften auf bessere Lebensverhältnisse, bessere Berufschancen oder wollten der politisch motivierten Gängelei entkommen - dafür riskierten die lange Haftstrafen und sogar ihr Leben.
In der neuen Publikation "Flucht und Ausreise aus der DDR" beschreibt Anna von Arnim-Rosenthal chronologisch die Flucht- und Ausreiseentwicklung aus der DDR - beginnend mit der Abriegelung der Grenze zur Bundesrepublik im Mai 1952 bis zum Fall der Berliner Mauer 1989. Weitere Informationen zu der von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegebenen Broschüre finden Sie hier. 

Felice Fey beleuchtet in der aktuellen Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat mit dem Schwerpunkt „Staatskunst“ in einem Essay Erfurter Künstler, die sich der Staatskunst verweigerten und vor dem Mauerbau aus der DDR flohen. Im Mittelpunkt steht der Maler und Autodidakt Jean Paul Hogère (geb. 1937 in Erfurt), der 1959 denunziert und inhaftiert wurde. Zu einem Jahr Haft verurteilt, musste er im Steinbruch bei Schellroda/Weimar arbeiten. Nach seiner Haftentlassung wurde ihm jede künstlerische Betätigung verboten. Er floh daraufhin in die Bundesrepublik. Seine Werke sandten ihm die damaligen Direktoren des Angermuseums Erfurt, Herbert Kunze und Karl Römpler, aufgeteilt über Jahre nach.
Mit freundlicher Genehmigung von Felice Fey und der Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat ist der Essay zu Jean Paul Hogère ab sofort über diesen Link zu lesen

Ebenfalls 1960 floh der Erfurter Graphiker Rolf Dieß (Restaurator des Angermuseums) in die Bundesrepublik (Träger des Kunstpreises des Deutschen Evangelischen Kirchentags 1959, siehe auch http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/veranstaltungen/ast/2015/122528.html und http://www.kwth.de/2015/12/18/ein-unzeitgemaesser-rolf-diess-zum-90/). Anfang August 1961 folgte ihnen der Graphiker Heinz Günther, der an der Weimarer Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst studiert hatte und exmatrikuliert wurde. Sie gehörten zu dem Kreis der Künstler, die später in den Jahren 1963 bis 1974 die „Erfurter Ateliergemeinschaft“ (siehe http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/autonome-kunst-in-der-ddr/55824/erfurter-ateliergemeinschaft) bildeten.

Franziska Kuschel: Schwarzhörer, Schwarzseher und heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien.
Wallstein-Verlag 2016
Ralf Husemann schreibt dazu "Die sehr gründliche und penibel recherchierte Doktorarbeit mit ihren mehr als 1200 Anmerkungen ist nicht immer leicht zu lesen, bietet aber einen profunden, spannenden und aufschlussreichen Einblick in den Kontrollwahn eines Partei- und Staatsapparates, der seinen eigenen Bürgern bis zum bitteren Ende immer zutiefst misstraute. Daran konnte auch der 'neue Kurs' Erich Honeckers nichts ändern, als er schon zwei Jahre nach der Ablösung Walter Ulbrichts auf einer Sitzung des Zentralkomitees der SED im Mai 1973 sagte, dass 'bei uns jeder nach Belieben' Hörfunk- und Fernsehprogramme der Bundesrepublik 'ein- und ausschalten' könne." (Süddeutsche Zeitung, 30. Mai 2016)

TodesurteileUmfangreiche Recherchen in russischen, aber auch in deutschen (BStU) und amerikanischen Archiven machten es möglich, eine Lücke der Geschichte sowjetischer Besatzung zu schließen. Ein Forschungsverbund zwischen dem Hannah-Arendt-Institut (Dresden), der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und des Zentrums für Zeithistorische Forschung (Potsdam) legten die vorläufigen Forschungsergebnisse vor. Das Autorenteam Andreas Weigelt (Gedenkstätte Lieberose), Klaus-Dieter Müller (ehemals Stiftung Sächsische Gedenkstätten), Thomas Schaarschmidt (Zentrum für Zeithistorische Forschung) und Mike Schmeitzer (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresdenan der Technischen Universität Dresden) hat 3.301 Todesurteile gegen Deutsche recherchiert, von denen wohl 2.542 vollstreckt wurden. Sie werteten dafür mehr als 30.000 Datensätze zu sowjetischen Militärtribunal-Urteilen aus.
Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen hat Dokumente zur Überwachung der Hippies/Kunden beim Wasunger Karneval durch das MfS in den 1970er Jahren und zur Hausbesetzung 1988 und zur Stimmung in Wasungen 1989 veröffentlicht:
Woodstock an der Werra 

Siehe auch MDR-Beitrag: "Hippies" beim Wasunger Karneval

Die Internetzeitschrift "Lernen aus der Geschichte" hat in seiner April-Ausgabe mit der Darstellung von geschichtsdidaktischen Debatten.
Elena Demke schreibt über das Spannungsfeld zwischen den normativen Erwartungen Lehren aus der mittels Vermittlung von Geschichte, Demokratie- und Menschenrechtserziehung zu ziehen und der Ansicht, dass historisches Lernen nicht zur Werteerziehung tauge. Zu diesem Thema gibt es am 25. Mai 2016 ein Webinar (Online-Seminar). Interessierte haben die Möglichkeit mit Elena Demke (LStU Berlin) online zu diskutieren. Außerdem wird in der Internetzeitschrift die Gedenkstätte Andreasstraße als Lernort vorgestellt.

http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/Magazin/12966

ReichsbahnIn der Erforschung zur Haftarbeit in der DDR ist die Reichsbahn in doppelter Weise von Interesse. Einerseits ist sie eine wichitiger Arbeitgeber gewesen, andererseits war sie in die Gefangenentransporte eingebunden. Im Sommer 2014 hat die Deutsche Bahn AG die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit der historischen Untersuchung der Deutschen Reichsbahn im Strafvollzug der DDR beauftragt. Im Mittelpunkt der Archivrecherchen standen die Fragen: „Wann, wo und unter welchen Bedingungen wurde für die Deutsche Reichsbahn in der DDR Häftlingszwangsarbeit geleistet?“ Erarbeitet wurde die Studie erarbeitet von Dr. Susanne Kill (Leiterin Historische Sammlung der 
Deutschen Bahn AG), Prof. Dr. Christopher Kopper, (Universität Bielefeld) und Dr. Jan-Henrik Peters (Gedenkstätte Bautzen). Sie ist ab 20. April im Buchhandel erhältlich. 

 

Die Dokumentation enthüllt den geheimen Deal zwischen Stasi und RAF. Die Stasi-RAF-Connection galt als größtes Staatsgeheimnis der DDR. Autor Frank Wilhelm, Journalist bei der Tageszeitung Nordkurier, hat unzählige Stasiakten gewälzt und eine Vielzahl von Originaldokumenten aufgespürt.Im Zentrum stehen die 10 RAF-Aussteiger, die von 1980 bis 1990 in der DDR Unterschlupf fanden. Im Besonderen wird das Leben von Silke Maier-Witt beleuchtet, die auch mehrere Jahre unter falschem Namen in Erfurt gelebt hat. 
Ein ausführliches Interview mit dem Autor Frank Wilhelm zum Forschgungsstand und Details zur RAF in der DDR finden Sie hier auf Ostthüringer Zeitung Online

Andreas Frewer und Rainer Erices (Hg.), Medizinethik in der DDR. Moralische und menschenrechtliche Fragen im Gesundheitswesen (Geschichte und Philosophie der Medizin, Band 13), Stuttgart 2015

Der Band enthält 13 Aufsätze und 3 Schlüsseldokumente (siehe Verlagsinformation).

Der Bogen der Beiträge ist weit gespannt: Einerseits werden die gesundheitlichen und sozialen Folgen staatlicher Repression in den Blick genommen und auf der anderen Seite das Menschenbild bzw. die Ethik mit der das medizinische Handeln in der DDR reflektiert wurde.

Die DDR als Chance - so lautet ein neues von Ulrich Mählert herausgegebenes Sammelband, das sich Forschungsthema DDR ausblickend widmet. In einer umfassenden Expertise beschreiben zunächst die Historiker Dierk Hoffmann, Michael Schwartz und Hermann Wentker die Perspektiven des Themas DDR für künftige historische Forschungen. 18 Autoren nehmen dazu kontrovers Stellung und formulieren zugleich eigene neue Fragen an das alte Thema. Der Sammelband lädt zur Diskussion und zu einer Neubewertung des Forschungsfeldes DDR ein.
Weitere Informationen dazu unter Metropol Verlag online. 

Einen ausführlichen Kommentar von Jochen Stöckmann zu der neuen Publikation lesen Sie über diesen Link auf Deutschlandradio Kultur.

 

 

Welchen Sinn und Zweck hat die DDR-Forschung heute? Diese Frage diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Seminar auf der 39. Konferenz der amerikanischen German Studies Association (GSA) im Oktober 2015 in Washington. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Verortung der DDR im 20. Jahrhundert, auf transnationalen Perspektiven sowie auf der Frage der "instabilen Stabilität" des SED-Regimes in den 1970er und 1980er Jahren. 
Die DDR-Forschung ist von einem Kuriosum geprägt: In unregelmäßigen Abständen taucht die Behauptung auf, die Geschichte der DDR sei in Gänze erforscht und die Historikerzunft solle sich auf zu neuen thematischen Ufern machen. Die betroffenen Wissenschaftler wehren sich nur selten mit dem Hinweis auf die Absurdität der Behauptung, sondern versuchen stattdessen akribisch, Desiderata nachzuweisen. Doch warum erscheint die DDR-Geschichte ihren Kritikern so irrelevant, dass sie sich von ihrer weiteren Erforschung kaum Erkenntnisgewinne versprechen? Ein zentraler Grund mag die bereits im Jahr 2003 von Jürgen Kocka befürchtete Verinselung und Provinzialisierung einer DDR-Geschichte sein, die aufgrund einer mangelhaften Rezeption nicht-deutschsprachiger Publikationen und einer rein nationalen Kontextualisierung ihrer Befunde allein um sich selbst kreise und so Gefahr laufe, den Anschluss an die internationale Forschung zu verlieren. Kocka hatte anlässlich des 75. Geburtstags von Hermann Weber eine kritische Bilanz der DDR-Forschung gezogen und mit seinem Befund eine hitzige Debatte ausgelöst.

Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der Tagung hier auf bpb.de.

by-nc-nd/3.0/de/ Autoren: Stefanie Eisenhuth, Hanno Hochmuth, Konrad H. Jarausch für bpb.de

Freie und geheime Wahlen sind Voraussetzung und Grundpfeiler einer jeden Demokratie. Sie stellen jene grundlegende Form politischer Partizipation dar, über die einzelne Bürger die politische Richtlinie ihres Landes mitbestimmen können.
Politische Teilhabe in Form von freien und geheimen Wahlen war auch wesentlicher Bestandteil der Forderungen friedlich protestierender Bürger der DDR im Herbst 1989. Die Ereignisse um die Aufdeckung der gefälschten Kommunalwahlen im Mai 1989 stellen im Bewusstsein vieler ehemaliger Akteure eine Zäsur dar, die sie zum Handeln bewegte.
Mit der Tagung „Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahl!“ Die Kommunalwahlen in der DDR im Jahr 1989 beleuchtete das ThürAZ diesen weitgehend unbeachteten Aspekt der Friedlichen Revolution.

Weitere Informationen zu vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" herausgegebenen Tagungsband finden Sie hier. 

Aribert Rothe betrachtet in seiner neuen Publikation "Die Ökologuiebewegung im kirchlichen Freiraum der DDR" 

Durch den Ausbau der Industrie in der DDR wurde das Thema des Umweltschutzes und der Umweltverschmutzung immer mehr ins Zentrum gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gerückt. Es bildeten sich Gruppen, die gegen Wasserverschmutzung, Smog und Baumsterben angehen und gleichzeitig ein Umdenken in der Industrie- und Gesellschaftsplanung der DDR anregen wollten. Die Regierung betrachtete diese als staatsfeindliche, oppositionelle Gruppierungen und ging gegen Bildung und Aktivitäten vor. Die Kirchen, vor allem die evangelische, entdeckten allmählich ihre geistige Mitverantwortung und boten einen gewissen Schutzraum, in dem sich Umweltgruppen organisieren, sich untereinander vernetzen und publizieren konnten, um eine möglichst große Anzahl an Personen auf das Thema der drohenden Umweltkatastrophe aufmerksam zu machen.

Das Buch wurde durch die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen herausgegeben. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Erfurterin Karola Jordanov kam bei einem Fluchtversuch in Ungarn 1986 ums Leben. Der Politikwissenschaftler und Publizist Stefan Appelius forscht wiederum seit geraumer Zeit zu jenen Opfern an der "verlängerten Mauer". Um das Schicksal der Karola Jordanov besser rekonstruieren und in den historischen Kontext setzen zu können, würde sich der Politikwissenschaftler freuen, mit Angehörigen und Freunden der Erfurterin in Kontakt zu kommen. Er ist erreichbar über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und (030) 81 70 77 13. 

Mehr dazu auch auf Ostthüringer Zeitung Online.

Yvonne Doms, Alumna der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hat zum Thema Zwangsaussiedlungen geforscht und 2014 hierzu Ihre Masterarbeit vorgelegt. In der Arbeit „Aktion Ungeziefer“: „Der Mensch ist nichts – Befehl ist alles“ beleuchtet sie die Zwangsaussiedlungen 1952 in der DDR unter Berücksichtigung der Berichterstattung in der west- und ostdeutschen Presse sowie der lokalgeschichtliche Blick auf die Ereignisse im südthüringischen Raum.

Die vollständige Arbeit ist über diesen Link abrufbar.

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

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