Freitag, 20.April 2018

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RehbeinMorgen feiert Günther Rehbein seinen 85. Geburtstag. Bis heute hat er sich zur Aufgabe gemacht, als Zeitzeuge darüber zu berichten, wie die die kommunistische Diktatur mit Menschen umging, welches Unrecht und welche Verbrechen einstmals passiert sind: 
Der 6. August 1952 veränderte das Leben des jungen Familienvaters Günther Rehbein (geboren am 6. März 1933 in Gera), als er an seiner Arbeitsstelle in Gera verhaftet wurde. Einige Tage vor der Verhaftung hatte er gegenüber einem Bekannten seinen Unmut über die Reparationsleistungen und die schlechte Versorgung der DDR Bevölkerung zum Ausdruck gebracht. Nun wurde ihm vorgeworfen, als Spion in einer antisowjetischen Gruppe tätig zu sein und die sowjetische Kommandantur in die Luft sprengen zu wollen. Unter dieser Anschuldigung begann seine Odyssee durch die Haftanstalten „Gera-Amthorstraße“, des NKWD in Berlin-Karlshorst und Chemnitz. Hier wurde er am 13. November 1952 vor ein sowjetisches Militärtribunal gestellt und unter Folter zu einer Unterschrift auf dem russischen Geständnisprotokoll gezwungen, das er nicht lesen konnte.
Das vorgefertigte Urteil wurde ohne Anhörung des Angeklagten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit erlassen: „Für Spionage 15 Jahre, für antisowjetische Hetze 10 Jahre und für versuchte Diversion 20 Jahre Zwangsarbeitslager.“ 45 Jahre, die dann auf 25 Jahre herabgesetzt wurden. Unmittelbar nach dem Prozess wurde er nach Workuta am Nordende des Uralgebirges in Russland verschleppt. „Die Jugend musste“ [ich] „in dieser Eiswüste verbringen, ohne eine Straftat begangen zu haben.“ Er wurde im Arbeitslager in den Kohleminen eingesetzt, wo im Liegen oder auf Knien die Kohle ohne Hilfsmittel gefördert wurde. Oft war der Tod näher als das Leben. Viele seiner Kameraden verstarben. Die Hoffnung, seine Familie wiederzusehen, stärkten seinen Willen zu überleben, auch wenn er während seiner Haftzeit keinen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen durfte.
Nach Stalins Tod nährte sich die Hoffnung, dass sich die Haftbedingungen besserten. Dies war nicht der Fall. Günther Rehbein erlebte, wie einige seine Kameraden während des Häftlingsaufstand in Workuta im Juli / August 1953 erschossen wurden. Erst Ende 1955, nach den Gesprächen zwischen Bundeskanzler Adenauer und Chruschtschow, änderte sich seine Lage. Er wurde vor die Wahl gestellt in die Bundesrepublik oder zurück in die DDR zu gehen. Er entschied sich für seine Heimatstadt Gera, wo seine Frau mit den Kindern und seine Großeltern lebten.

Die Rückkehr nach Gera brachten erneutes Leid und Elend. Seine Frau nahm an, er würde nicht mehr leben. Sie hatte einen neuen Partner. Die Großeltern, bei denen er aufwuchs, waren für Ihn da. Er galt als Klassenfeind, das bekam er immer wieder zu spüren. Nur als Hilfsarbeiter durfte er tätig werden. Der Kontakt zu seinen Kindern wurde ihm gerichtlich untersagt. Die Staatssicherheit drängte ihn zur Zusammenarbeit. Er verwehrte sich. Im Februar 1968 traf er zufällig auf einen seiner ehemaligen Peiniger aus dem Gefängnis „Gera-Amthorstraße“. In einem Gefühlsausbruch schlug er auf seinen ehemaligen Peiniger ein und riss ihm das Parteiabzeichen vom Revers. Die Folge waren 4 Jahre Haft im berüchtigten Bautzner Gefängnis „Gelbes Elend“.

Günther Rehbein ist unermüdlich dabei, auf sein Schicksal und das seiner Kameraden, die nicht mehr ihr Schicksal bezeugen können, aufmerksam zu machen. Rehbein möchte mahnen und daran erinnern, welches Unrecht und welche Verbrechen einstmals passiert sind. Als Autor des Buches „Gulag und Genossen. Aufzeichnungen eines Überlebenden“ (Jena, Plauen, Quedlinburg 2006) - fährt er als Zeitzeuge und Referent jedes Jahr mehrere tausend Kilometer durch die Republik, um von seinem Schicksal zu erzählen. 

Im Gedächtnis der Nation gibt es zwei Zeitzeugeninterviews mit ihm: https://www.youtube.com/watch?v=cWfb36XEWQ4 (Der Alltag im sibirischen Straflager) und https://www.youtube.com/watch?v=a6zGLq66_FM (Der Transport nach Sibirien).

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Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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