Montag, 11.Dezember 2017

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Akten zu den Zwangsaussiedlungen im Bezirk Suhl benutzerfreundlich auffindbar

Das Findbuch zu den Akten der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Suhl (BdVP Suhl) kann seit Kurzem über das Archivportal Thüringen (www.archive-in-thueringen.de) online eingesehen werden. Im Bestand der BdVP Suhl finden sich unter anderen Akten zu den Zwangsaussiedlungen, die 1952 und 1961 in den Grenzkreisen stattfanden. Betroffen von den Aussiedlungsmaßnahmen waren im Bezirk Suhl die Kreise Hildburghausen, Meiningen, Bad Salzungen, Sonneberg und Neuhaus am Rennweg: Aus etwa 100 Ortschaften wurde ins Landesinnere zwangsausgesiedelt. Einige Orte sind dann im Zuge der weiteren Grenzsicherung geschleift worden, zum Beispiel Billmuthausen im heutigen Landkreis Hildburghausen. Der Bestand der BdVP Suhl eröffnet, nach seiner teilweisen Neuerschließung und technischen Neubearbeitung durch das Staatsarchiv Meinungen und das Hauptstaatsarchiv Weimar, den Forschern interessante Einblicke. In den Abteilungen Chef der BdVP Suhl, Operativstab und Pass- und Meldewesen sind aussagekräftige Dokumente zu erwarten. Entsprechend dem Online-Findbuch sind zahlreiche Unterlagen zur „Aktion Blümchen“ – der Deckname der Aussiedlungsaktion 1961 im Bezirk Suhl – in der Abteilung Operativstab enthalten.

Hier sind beispielsweise Quellen auffindbar, die die detaillierte Planung im Vorfeld dokumentieren, aber auch Informationen der Begleitoffiziere, Lagemeldungen während der Durchführung und Einzelberichte über die Aussiedlungen enthalten. In den Akten der Abteilung Pass- und Meldewesen finden sich zudem Namensverzeichnisse der Zwangsausgesiedelten aus den Kreisen Meiningen, Sonneberg und Hildburghausen, die zwischen dem 5. und 7. Juni 1952 in der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ umgesiedelt wurden. Des Weiteren umfasst der Bereich Pass- und Meldewesen auch drei Unterlagenbände, die die Namen und die Gründe der Aussiedlung im Jahr 1961 enthalten. (Siehe Bild. Das abgebildete Dokument veranschaulicht die perfide Begründung zur Aussiedlung der Familie Bernoth und die 1961 an der Zwangsaussiedlung beteiligten Institutionen Staatssicherheit, Volkspolizeikreisamt, Grenzpolizei und als Vorsitzender der Kreiseinsatzleitung (KEL), der 1. Sekretär der SED im Kreis. Die in der Quelle erwähnte Familie Bernoth hat dieses Dokument dem Staatsarchiv Meiningen zur Nutzung freigegeben. An dieser Stelle möchten wir der Familie Bernoth und dem Staatsarchiv Meiningen danken, das vertrauliche Dokument abbilden zu dürfen.) 

Da Akten personenbezogene Angaben aufweisen, können diese erst nach Erlöschen der Schutzfrist von 90 Jahren nach der Geburt bzw. 10 Jahren nach dem Tod der Person eingesehen werden. Eine Aufhebung dieser Schutzfrist kann im Rahmen eines Schutzfristenverkürzungsverfahrens im Archiv beantragt werden. Für die weitere Erforschung der Zwangsaussiedlungen in Thüringen stellt die benutzerfreundliche Aufarbeitung des Bestandes BdVP Suhl einen wichtigen Schritt dar. Für ein ausgewogenes Bild der damaligen Ereignisse empfiehlt es sich zudem mit Zeitzeugen zu sprechen und weitere schriftliche Überlieferungen in den Staats- und Kreisarchiven zu sichten.

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

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Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
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