Dienstag, 22.August 2017

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Weit mehr als eine halbe Million Deutsche Zivilisten wurde in den von der Roten Armee besetzten Gebieten zu Zwangsarbeiten interniert und deportiert. In der Tschechoslowakei gab es eine Fülle an Arbeitslagern. Aus anderen Teilen Europas wurden die Betroffenen in die Sowjetunion gebracht. Allein aus Südosteuropa waren es ca. 160.000 Deutsche. Am 16. Dezember 1944 hatte Stalin den Befehl zur Mobilisierung und Internierung von arbeitsfähigen Deutschen für den Einsatz in der UdSSR erlassen (Beschluss des staatlichen Verteidigungskomitees, Nr. 7161ss).
Betroffen waren Männer zwischen 17 und 45 Jahre und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren. Im Februar 1945 wurde das Alter der zu internierenden Männer auf 50 heraufgesetzt (Beschluss des staatlichen Verteidigungskomitees, Nr. 7467ss).
Auf das Schicksal der Verschleppten wurde nach Ende der Sowjetunion vielfach hingewiesen (siehe etwa Freya Klier: „Verschleppt bis ans Ende der Welt“, 1993; Helga Hirsch: „Die Rache der Opfer“, 1998; oder Nelly Däs: „Das Mädchen vom Fährhaus“ 2003 sowie die Recherchen des „Arbeitskreises deutsche Zwangsarbeiter“). Doch der Weg zu einer pauschalen Würdigung der Opfer war lang. 

Mehrheitlich leben die Betroffenen nicht mehr. Einer, der schon früh Zeugnis ablegte, ist Hans Fröhlich (1906-1991). Er war Siebenbürger Pfarrer (Kronstadt/Brasov) und wurde im Januar 1945 als Zwangsarbeiter in der Nähe von Schäßburg/Sighișoara rekrutiert. Er kam zusammen mit 1032 weiteren Zivilinternierten aus dem Raum Schäßburg nach Stalino/Donezk. Aus Siebenbürgen wurden über 30.000 Menschen deportiert. Jeder achte Deportierte verstarb in der Verbannung. Ein Hauptgrund war der Hunger (vgl. Herta Müller: Atemschaukel, 2009). Ein Sechstel der Deportierten Siebenbürger Sachsen wurde in Krankentransporten aus den Lagern nach Frankfurt/Oder entlassen. So auch Hans Fröhlich, der Ende 1946 mit Hungerödem in Frankfurt/Oder ankam und einem Thüringer Auffanglager zugeteilt wurde. Hier ermutigte er die Flüchtlinge mit seinen Erfahrungen als sowjetischer Zwangsarbeiter. Superintendent Siegfried Stössner (Neustadt/Orla) wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn als Pfarrer nach Triebes. Erst fast fünf Jahre später (1951) konnten seine Frau und seine Kinder aus Rumänien nach Thüringen kommen. In seinen Predigten berichtete er von seinen Gotteserfahrungen während der Deportation („Christus in der Strafkompanie“) und veröffentlichte sie schon in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik. 1972 zog das Ehepaar Fröhlich nach Westdeutschland. Die eindrücklichen Predigten und Erinnerungen wurden 1977 und 2012 (nun in Hermannstadt/Rumänien) erneut verlegt („In der vierten Nachtwache. Erlebnisberichte aus der Deportation“).

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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