Donnerstag, 19.Juli 2018

ThLA logo

Ingrid R. Donath: Weil unsere Heimat unsere Flügel sind. 1947 – Die Flucht meiner Familie aus Thüringen


Eine eindringliche Beschreibung der gefährlichen Flucht ihrer Familie aus der sowjetischen Besatzungszone gelingt der Kinderbuchautorin Ingrid R. Donath mit der Erzählung „Weil unsere Heimat unsere Flügel sind“, die im Jahr 2015 erschienen ist. Auf knapp 70 Seiten greift die Autorin, 1946 im thüringischen Leutenberg geboren, die präzisen Erinnerungen ihrer Mutter auf und lässt durch ihre einmalige Art zu Schreiben die damaligen Ereignisse lebendig werden. Im Spätsommer 1947 verließ die vierköpfige Familie notgedrungen Thüringen über die grüne Grenze, um in Hessen ein neues Leben aufzubauen.

Bild Donath CoverAuslöser der Flucht waren die Schikanen gegen den Vater, der Mitarbeiter des Arbeitsamtes Leutenberg war. Er weigerte sich der SED beizutreten, um im neuen Staat Karriere zu machen, und lehnte die von der sowjetischen Besatzungsmacht geforderte Zwangsrekrutierung junger Männer für den Uranbergbau ab. Als er einen Fluchtweg in den Westen auskundschaftete, wurde er von den Sowjets aufgegriffen, verhaftet und verhört und kehrte erst nach zwei Wochen zur Familie zurück. Die Flucht schien nun aussichtslos, hätte seine Frau – die Mutter der Autorin – nicht den Mut aufgebracht für das Leben in Freiheit einen beschwerlichen Weg zu gehen. Sie überquerte die grüne Grenze bei Dermbach, um in Fulda beim Landrat Westzonen-Papiere zu erbitten. Ihre abenteuerliche Reise aus dem östlichen Thüringer Wald nach Hessen, die sie in großen Teilen zu Fuß zurücklegte, wird ebenso anschaulich beschrieben, wie die Rückkehr über die Grenze nahe Ifta und die organisierte Flucht am 30. September 1947 bei Nacht und Nebel. Der Leser erfährt hierbei zahlreiche Details: Beispielsweise wie professionelle Fluchthelfer die Zwangslage der vierköpfigen Familie ausnutzten und sich die Flucht teuer bezahlen ließen. Trotz alledem gelang dieses Wagnis nicht immer, wie Donath beschreibt. Die Familie – nunmehr ausgestattet mit Westzonen-Papieren – erlebte aber eine enorme Hilfsbereitschaft der sowjetischen Soldaten und der einheimischen Bevölkerung in Ost wie West, sie erreichten Hessen unbeschadet.

Ingrid R. Donath legt mit ihrem Buch eine liebevolle Beschreibung der thüringischen Heimat Leutenberg vor, die erahnen lässt, wie schwer der Familie die Entscheidung gefallen sein muss, das Land für immer zu verlassen. Das Verdienst der Verfasserin ist es, die Themen Flucht und Heimatverlust literarisch anspruchsvoll und für den Leser empathisch dargestellt zu haben.

Weitere Informationen zu unserem Jahresthema "Flucht und Vertreibung nach, in und aus Thüringen" finden Sie hier

ThLA-Navigator

Wie können wir Ihnen helfen?

Geben Sie einen Suchbegriff ein:

> Alle Dienstleistungen


Interaktive Karte
Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

Der Landesbeauftragte auf Facebook:

FB f Logo blue 100

Beratungsangebote

Persönliche Beratung und telefonische Anfragen sind zu den aufgeführten Sprechzeiten möglich.

Ihr persönlicher Beratungstermin

Bundesstiftung Aufarbeitung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

Cover GG18 H77 mittel

Cover Bericht