Freitag, 28.April 2017

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Ein Ort der Trauer für Mauertote ohne Grabstelle – Gedenktafel erinnert an heimlich eingeäscherte Grenzopfer des SED-Regimes

Anlässlich des 55. Jahrestages des Mauerbaus erinnert der Bezirk Treptow-Köpenick an ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte der Berliner Mauer: Was geschah mit den Toten, die erschossen wurden, ertrunken waren oder auf andere Weise an der Grenze bei Fluchtversuchen ums Leben kamen? Welche Rolle spielte dabei das alte Krematorium Baumschulenweg?

Die Vorgänge um Tote an der Berliner Mauer wurden jahrelang vom Ministerium für Staatssicherheit vertuscht. Die DDR wollte kein nationales und internationales Aufsehen erregen und Ansehen verlieren.

Zu der Verheimlichungsstrategie des SED-Regimes gehörte es auch, dass im Krematorium Baumschulenweg das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Regie für die Einäscherung und Beisetzung der Mauertoten übernahm. Das MfS hatte konkrete Vorgaben zur „Bearbeitung von Leichenvorgängen, soweit es sich um Vorkommnisse an der Staatsgrenze zu Westberlin“ handelte, wie es im typischen MfS-Deutsch hieß. Der Schießbefehl an der Grenze sollte verheimlicht werden. Mit MfS-Überwachung wurde die Einäscherung vorgenommen. Aus Namen der Mauertoten wurde „unbekannt“. Wo die Urne dann beigesetzt oder die Asche verstreut wurde, lässt sich nicht mehr in allen Fällen nachvollziehen.

„Diese Opfergruppe droht in Vergessenheit zu geraten. Angehörigen dieser Maueropfer fehlt ein Ort der Trauer. Sie haben keine Grabstelle. Mit dieser Gedenktafel wird dieser Trauerort geschaffen“, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel.

Nach Recherchen konnte der Aschenhain auf dem Friedhof Baumschulenweg identifiziert werden, auf dem Mauertote ohne Grabstein oder Namensplakette beigesetzt wurden. An dieser Stelle wird nun eine Gedenktafel errichtet. In Sichtweite befindet sich auch – allerdings ist dies Zufall – das Grab des letzten an der Mauer Erschossenen: Chris Gueffroy, der 1989 an der Grenze getötet wurde.

Die Initiative für die Errichtung der Gedenktafel hatte Bezirksbürgermeister Oliver Igel ergriffen und wurde hierbei vom Berliner Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Herrn Andreas Geisel, unterstützt, der für das Krematorium zuständig ist. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und der Landesbetrieb Krematorium übernahmen die Finanzierung der Tafel.

Der Text der Gedenktafel lautet:
“Das alte Krematorium Baumschulenweg diente dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR als Ort der Vertuschung der Todesumstände für diejenigen Menschen, die zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer starben. Die Umsetzung des Schießbefehls an der Mauer sollte geheim bleiben. Totenscheine und Sterbeurkunden wurden verfälscht, Beweismittel manipuliert, Angehörige im Ungewissen gelassen, getäuscht und eingeschüchtert. Manche der hier in aller Heimlichkeit eingeäscherten Toten wurden an bis heute unbekannter Stelle beigesetzt, die Asche einiger auch an dieser Anlage. Im Gedenken an die bekannten und unbekannten Toten der Berliner Mauer, für die Angehörige keine Grabstelle für die Trauer haben.”

Die Einweihung der Gedenktafel findet am Freitag, dem 12. August 2016, 14 Uhr auf dem Friedhof Baumschulenweg (Neuer Teil), Kiefholzstraße 222-236, 12437 Berlin statt.
Zur Einweihung sprechen der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Herr Roland Jahn, der Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlins, Herr Christian Gaebler sowie der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Herr Oliver Igel.

 

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