Montag, 19.November 2018

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Vortrag von Dr. Christian König zum Thema Flüchtlinge und Vertriebene und deren Rolle in der DDR-Aufbaugeneration am 23. Juni 2016 im Collegium Maius in Erfurt

Web 1662Im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe „Der Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung“ des Landesbeauftragten des Freistaates Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) präsentierte Dr. Christian König am 23. Juni 2016 in Erfurt ausgewählte Ergebnisse seiner Doktorarbeit. Der Historiker erforschte in seiner Qualifikationsschrift, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten innerhalb der DDR-Aufbaugeneration spielten. Genauer untersuchte König, jene Personengruppe mit Vertriebenenhintergrund, die zwischen 1925 und 1935 geboren war. Dabei erörterte er die zentrale Frage, inwiefern es diesen Menschen gelang, sich eine neue private und berufliche Existenz in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und DDR aufzubauen. Resümierend lässt sich festhalten, dass sich Flüchtlinge und Vertriebene in einem ausgeprägtem Spannungsfeld zwischen Ablehnung, Überwachung und Integration befanden. 

Im Jahr 1949 stellten Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten ein Viertel der Bevölkerung der SBZ – 4,3 Millionen Menschen. Der Historiker verdeutlichte in seinen einführenden Bemerkungen, dass hier vor allen Dingen Frauen und Kinder überrepräsentiert waren. Gerade die etwa 1,17 Millionen geflüchteten bzw. vertriebenen Kinder wurden ein bedeutender Teil der DDR-Aufbaugeneration. Zu integrativen Elementen wurden unter anderem Bildung und Arbeit, aber auch das soziale Netz von Familie, Bekannten und Freunden. Dennoch wanderten etwa 900.000 Flüchtlinge und Vertriebene bis zum Mauerbau 1961 in die Bundesrepublik Deutschland ab.

Web 1664Die in der SBZ und DDR verbliebenen Flüchtlinge und Vertriebenen gerieten schnell in den Blick der Polizeibehörden. Seit 1946 wurden deren Zusammenkünfte beobachtet, wie beispielsweise in den 1950er und 1960er Jahren die Treffen ehemaliger Sudetendeutscher im Hallenser und Leipziger Zoo. Nachdem 1950 das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Überwachung übernommen hatte, stellte diese allerdings fest, dass hier keine „organisierte negative Feindtätigkeit“ gegeben war. Vielmehr wurden nun auch verstärkt hauptamtliche Mitarbeiter unter den jungen Erwachsenen mit Vertriebenenhintergrund rekrutiert. Hierbei war der „Klassenstandpunkt“ entscheidend, wie Dr. König anhand zweier hochrangiger MfS-Mitarbeiter belegt, die in Schlesien geboren waren und in der DDR eine typische „Kaderkarriere“ machten. Am Ende seines Einblickes in die Thematik verwies der Referent auf einen bis 1990 bestehenden interessanten Dualismus: Einerseits blieben die Vertriebenen und Flüchtlinge Beobachtete des MfS, andererseits war ein Teil von ihnen Beobachtender. Diese und weitere Ergebnisse lassen sich unter anderem aus den MfS-Akten rekonstruieren. Die Fragen aus dem Publikum verdeutlichten abschließend das große Interesse am Thema „Flucht und Vertreibung nach Thüringen“. 

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Kontakt

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Tel.: 0361 57 3114-951
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Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

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Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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