Donnerstag, 19.Juli 2018

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Forschungsstand zu den Untersuchungen von Denis Bechmann bezüglich der Verhängung von politischen Strafurteilen gegenüber Thüringer Werwolfverdächtigen durch sowjetische Militärtribunale

Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 wurden in den Folgemonaten und –jahren viele Kriegsverbrecher bestraft, auch durch entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung. Allerdings wurden manche Personen als Begleiterscheinung etwa gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht schlichtweg denunziert und, ohne ein rechtsstaatliches Verfahren erhalten zu haben, verurteilt.
So auch im thüringischen Greußen geschehen: Bis Anfang 1946 kam es zur Verhaftung und Vernehmung von rund 70 meist jugendlichen Einwohnern - durch den sowjetischen Geheimdienst (NKWD), deutsche Polizeikräfte und einige KPD-Mitglieder, die nach dem Austausch der nationalsozialistischen Eliten in Schlüsselpositionen gerückt waren. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in der radikal-fanatischen nationalsozialistischen Freischärlerbewegung „Werwolf“, die noch nach Kriegsende aktiv war.

Entsprechend den Forschungen von Historiker Denis Bechmann hatten einige KPD-Mitglieder der Stadtverwaltung ganz bewusst eine konkrete Bedrohung durch angebliche Werwolf-Mitglieder in Greußen fingiert, um sich bei der vermeintlichen Aufklärungsarbeit profilieren zu können. Flugblätter der Werwolf-Organisation wurden gefälscht, Beweise manipuliert und Personen absichtlich einer Mitgliedschaft oder einer Kooperation bezichtigt.
Auf Basis dieses Forschungsstandes untersucht der Historiker derzeit die genaueren Hintergründe und Abläufe der Ereignisse. „Diese wurden bisher nur marginal behandelt und sind sehr widersprüchlich“, so Bechmann. Kein Zweifel besteht darin, dass es bei 41 dieser Personen zu politisch motivierten Verurteilungen durch sowjetische Militärtribunale kam. Kurt Hüllemann wurde zum Tode verurteilt und in Sondershausen hingerichtet – 50 Jahre später wurde er rehabilitiert.

Ein Fall von vielen: Bei circa 200 Thüringern ist der Sachstand ähnlich. Einer durch sowjetische Militärtribunale in der Nachkriegszeit vollstreckten Todesstrafe folgte in den 90er Jahre die Rehabilitierung.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird die Thematik am Mittwoch, 18. Mai 2016 um 18:00 Uhr im Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena aufgegriffen. Dort werden die Herausgeber der Studie „Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947)“, Dr. Klaus-Dieter Müller, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Mike Schmeitzner und Dr. Andreas Weigelt anhand ähnlicher Fälle die unterschiedlichen Facetten, Rollen und Bedeutungen der Todesurteile für die Besatzungspolitik in der SBZ diskutieren.

Die Veranstaltung im Überblick: 

· Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie: Dr. Klaus-Dieter Müller, PD Dr. Mike Schmeitzner, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Andreas Weigelt
· Wann: Mittwoch, 18. Mai 2016, 18:00 Uhr
· Wo: Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

 

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