Montag, 11.Dezember 2017

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Mit der Enthüllung von drei Schautafeln im Traditionskabinett des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen fand das mit der Schule durchgeführte Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten nunmehr seinen würdigen Abschluss. In Anwesenheit der Zeitzeugen Fritz Richter, Norbert Sommer und Helmut Schlotter wurden heute die Tafeln, worauf die Widerstands-Geschichte der damals verfolgten Sondershäuser Schüler erläutert wird, feierlich eingeweiht.
Auf dem Foto zu sehen (v.l.n.r.): Schulleiter Ingo Woythe, die Zeitzeugen Helmut Schlotter, Norbert Sommer und Fritz Richter, Referent Dr. Matthias Wanitschke, der Landesbeauftragte Chrsitian Dietrich sowie Geschichtslehrer Michael Scharschuch.
Im Jahr 1950 protestierten etwa 20 Schüler der Geschwister-Scholl-Oberschule und weitere Jugendliche mit Flugblatt-Aktionen gegen den Stalinismus, die SED-Diktatur und die zunehmende Unfreiheit in der DDR. Ihren Unmut über die bestehenden Verhältnisse artikulierten sie gewaltfrei mit Losungen wie „Freiheit der Ostzone“ oder „Feindschaft dem Stalinismus!“. Sie folgten hierbei dem Vorbild der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Scholl, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ebenfalls Flugblätter verteilt hatten.


Das Ministerium für Staatssicherheit ermittelte schließlich gegen die Mitglieder der Gruppe. Sechs Jugendliche, unter anderen Fritz Richter und Norbert Sommer, wurden am 23. Januar 1953 zu langen Haftstrafen von bis zu 9 Jahren verurteilt und ins Zuchthaus Untermaßfeld bei Meiningen verbracht. Nach der Haftentlassung verließen die jungen Männer die DDR. Die Schautafeln rufen die damaligen Ereignisse ins Gedächtnis, sie enthalten die Zitate der Flugblätter, berichten aber auch über die Zeit im Gefängnis und die Aufarbeitung der Geschichte am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sondershausen.

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Die sehr gut vorbereitete und von den Schülern stilvoll gestaltete Gedenkveranstaltung wurde bewusst auf den 22. Februar 2016 gelegt, so der Schulleiter Ingo Woythe in seiner Ansprache. Vor 73 Jahren wurden Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und durch das Fallbeil hingerichtet. Die Geschwister-Scholl-Schule hält das Andenken an diesen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der den humanistischen Werten verpflichtet war, hoch. Schulleiter Woythe würdigte auch den Mut der Gruppe um Fritz Richter, die in den 1950er Jahren im Sinne der Geschwister Scholl gegen das totalitäre Regime agierten. Gleichzeitig mahnte er die junge Generation Verantwortung zu übernehmen, streitbar und kritisch zu sein. In seinem Grußwort knüpfte der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich an diese Worte an. Er ermutigte die Schüler, sich weiterhin den vergangenen Ereignissen zu nähern, auch wenn jene Zeit heute schwer vorstellbar erscheint. Jede Generation mache unterschiedliche Erfahrungen, so Dietrich. Trotzdem solle sich jeder fragen, ob er genauso gehandelt hätte wie beispielsweise Sophie Scholl oder Fritz Richter.
Schließlich stellte der Zeitzeuge Richter einen maßgeblichen Unterschied zwischen der Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl und ihrer Sondershäuser Gruppe heraus. Sie hätten in jener Zeit relativ schnell über die zu großen Teilen (noch) ungesicherte Grenze in die Bundesrepublik fliehen können. Wohingegen die Weiße Rose und andere Widerstandsgruppen keine Möglichkeit zur Flucht vor der Verfolgung durch den nationalsozialistischen Staat hatten und dies mit dem Leben zahlen mussten. Die Gruppe um Richter hätte letztlich Glück gehabt, dass sie nicht von einem sowjetischen Militärgericht verurteilt worden waren oder den Tod in einem Keller des NKWD fanden. Zum Schluss mahnte er die Schüler, sich nicht zu extremen Meinungen verleiten zu lassen, denn es gehöre nicht viel Mut dazu, Brände zu entfachen, aber ungleich mehr Zivilcourage, diese Brände zu löschen. Die Veranstaltung klang nach einer Stunde mit einem Klavierstück, gespielt von der Schülerin Vivien Schraps, aus.

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