Mittwoch, 23.August 2017

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Mein ostdeutscher Zwilling – eine deutsch-deutsche Familienfeier

25 Jahre Wiedervereinigung – doch wie weit sind wir wirklich vereint? Das Doku-Theaterprojekt „Mein ostdeutscher Zwilling“ untersucht diese Frage mit der Zwillingsmethode: Menschen aus dem Osten und dem Westen der Republik nehmen miteinander Verbindung auf, weil sie ein gemeinsames Geburtsdatum haben. Ergebnis dieses Austausches ist ein vielstimmiges Bühnenstück über die geteilte deutsche Geschichte und den gemeinsamen Umgang damit.

OstdeutscherZwilling 1Beim dem Doku-Theaterprojekt von Hilde Schneider und Heinke Hartmann begegnen sich ost- und westdeutsche Zeitzeugen und tauschen ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus der Zeit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung aus. Menschen zwischen 35 und 70 aus Konstanz und Umgebung haben sich zum Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung auf die Suche nach einem „Zwilling“ in den Neuen Bundesländern gemacht, sprich: einem Menschen, der am gleichen Tag geboren wurde
„Sechs Zwillingspaare haben sich gefunden und seit Herbst 2014 miteinander kommuniziert: bei moderierten Treffen und Proben in Konstanz, telefonisch, per E-Mail, Facebook, in Briefen und Interviews“, beschreibt Heinke Hartmann die Vorarbeiten. Aus dem Material hat Hilde Schneider ein Stück geschrieben. „Auch nach 25 Jahren Wiedervereinigung steht noch viel Trennendes und Unausgesprochenes zwischen den Menschen. Eigentlich besteht großer Redebedarf, aber das Redebedürfnis ist eher gering“, findet Schneider. „ Die Zwillingsmetapher steht für Gleichwertigkeit, sie soll zu einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe anregen. Dafür ist die Bühne ein guter Ort“, sagt Schneider. Weitere Informationen zu dem Theaterprojekt finden Sie hier. 

 
Hintergrundgespräch mit den Regisseurinnen

Mit zehn Laiendarstellern erarbeiten Hilde Schneider und Heinke Hartmann ein Stück zum 25-jährigen Jubiläum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Ein Gespräch über eine einfache Idee, ein kompliziertes Casting und überraschende Erkenntnisse.

 

Wie kam es zu der Idee für das Stück?
Hilde Schneider: An meinem 60. Geburtstag habe ich von einer Frau erfahren, die am anderen Ende der Republik ebenfalls ihren 60. feierte. Ich kannte diese Frau nicht, aber der Gedanke, dass da jemand am gleichen Tag geboren und in einer völlig anderen Welt aufgewachsen ist, hat mich fasziniert. Der gemeinsame biografische Startpunkt hat eine Tür für mich geöffnet.

Menschen, die am gleichen Tag im anderen Teil der Republik geboren wurden, stehen im Mittelpunkt. Wie findet man diese „Zwillingspaare“?
Heinke Hartmann: Das war ein komplizierter Prozess. Wir sind ja nicht das Einwohnermeldeamt. Über Kontakte, Presseaufrufe und in den sozialen Medien haben wir Interessenten gesucht. Zunächst haben sich viele Ostdeutsche gemeldet. Die West-Zwillinge zu finden war schwieriger, hier gibt es scheinbar weniger Interesse am Thema. Außerdem mussten die Zwillingspaare bereit sein, sich zu öffnen, miteinander zu kommunizieren und schließlich auch auf die Bühne zu gehen. Das war wirklich ein ganz besonderes Casting.

Berlin, Leipzig, die Mauer sind Orte der Teilung und Wiedervereinigung. Warum dieses Stück in Konstanz?
Hilde Schneider: Der Westen war schon zu Zeiten der Teilung weit weniger am Osten interessiert, als umgekehrt. Dieses Desinteresse ist keine südwestdeutsche Besonderheit, aber es scheint mir ausgeprägter. Ein Grund, das Thema gerade hier auf den Tisch zu bringen. Zumal wir in Konstanz und Umgebung mit sehr vielen ehemaligen DDR-Bürgerinnen und Bürgern zusammen leben, wie wir im Verlauf unserer Arbeit mit Erstaunen festgestellt haben. Viele Wessis haben zwar keine Mauer im Kopf, aber sie verstehen die Geschichte ihrer Landsleute aus dem Osten als „Regionalgeschichte Ost“ und nicht als Teil der gemeinsamen deutschen Nachkriegsgeschichte.

Am 2. Oktober ist Premiere in der Werkstatt des Theater Konstanz. Was erwartet die Zuschauer?
Heinke Hartmann: Zehn Laiendarstellerinnen und -darsteller zwischen 35 und 70 Jahren verkörpern ganz verschiedene Positionen und sorgen für vielstimmige Konstellationen. Das Stück zeigt den Versuch einer Annäherung, keine Verbrüderung. Der Text basiert auf biografischem Material; ein dramaturgisches Kernstück sind „Zwillingsakten“, durch die die westdeutschen Zwillinge auf ganz persönliche Art und Weise Einblick in die Herausforderungen und Brüche eines ostdeutschen Lebenslaufs erhalten. Kontrastiert wird diese Auseinandersetzung durch Videoaufnahmen von einer Schülerreise, die wir im Frühjahr mit einer neunten Klasse gemacht haben. Die Schüler, darunter viele mit Migrationshintergrund, hatten zunächst wenig Interesse an der deutsch-deutschen Thematik. In unserer Arbeit mit ihnen haben wir aber gemerkt, dass sie die gleichen Themen beschäftigen: Respekt, Anerkennung, Angst vor dem Fremden.

Nach einem Jahr Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte: Ist zusammengewachsen, was jetzt zusammen gehört?
Hilde Schneider: Da gibt es noch immer viele Verwerfungen, aber nicht nur zwischen Ost und West. Durch die Arbeit am Projekt neu hinzugekommen ist die Erkenntnis, dass auch der Austausch zwischen Ostdeutschen und Ostdeutschen zu wünschen übrig lässt. Möglicherweise hat die Wiedervereinigung die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit insofern erschwert, als gegenüber einem als dominant empfundenen westdeutschen Lager häufig ostdeutsche Geschlossenheit demonstriert wird. Dass aber eine westdeutsche Auseinandersetzung mit bis dahin häufig unbekannten ostdeutschen Lebenswelten auch die Auseinandersetzung der Ostdeutschen untereinander befördern kann, auch das war für uns ein Ergebnis dieser Arbeit.

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