Freitag, 20.Oktober 2017

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Mit einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung erinnerten der Thüringer Landtag und die Stadt Mühlhausen am Freitag, den 17.6.2016 an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Dazu luden Landtagspräsident Christian Carius und Mühlhausens Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns die interessierte Öffentlichkeit ab 10:30 Uhr in die Kornmarktkirche ein.

Zu dieser Veranstaltung waren auch Achtzig Schüler der neunten Klassenstufe des Evangelischen Schulzentrums Mühlhausen eingeladen. Zum besseren Verständnis der Wirkungsweisen der SED-Diktatur und in Vorbereitung auf die Veranstaltung analysierte Dr. Matthias Wanitschke, Referent beim Landesbeauftragten, gemeinsam mit den Schülern im Rahmen des Quellen-Zeitzeugen-Projekts MfS-Akten und führte Gespräche mit einem Zeitzeugen. Menschen, die aktenkundlich am Aufstand des 17. Juni in Mühlhausen beteiligt waren, leben nicht mehr. Als Brücke zwischen dem historischen Datum und dem Ziel des Tages, Menschen, die sich der SED-Diktatur widersetzen und Opfer wurden zu würdigen, wurde ein jüngerer Zeitzeuge ausgewählt. Er gehört zum Widerstand gegen den Terror im Jahre 1968 in Mühlhausen.

Das Quellen-Zeitzeugen-Projekt

Wie kann man den „garstigen Graben der Geschichte“ überspringen oder die übliche (berechtigte) Schüler-Frage positiv zu beantworten: Warum soll ich das wissen? Im Quellen-Zeitzeugenprojekt geschieht dies in drei Schritten.

Zur Vorbereitung des Projektes, vermittelt durch den Fachlehrer Herrn Hegewald, erhielten 35 Schüler zweier Klassen die folgende „Hausaufgabe“:

1. Befrage deine (Groß-)Eltern: Was war die DDR für sie?
2. Informiere dich über ein Datum der Zeitgeschichte:
    • Wofür steht das Jahr 1968 im "Westen"?
    • Was war 1968 in Osteuropa, in der ČSSR (Tschechoslowakei) und an deinem Heimatort Mühlhausen los? Informiere dich über den "Prager Frühling"!
3. Bringe eine Familiengeschichte aus der DDR-Zeit mit (Sekundärquelle), belegt mit einem Zeitdokument (Primärquelle: Kleidung, Urkunde, Orden, Geld, Brief o. ä.).

Im zweiten Arbeitsschritt erfolgte am Montag, 13.06.16, für 20 Schüler der 9 a und am Dienstag für 15 Schüler der 9 b in einer Doppelstunde zunächst die Abfrage der Hausaufgabe. Wie üblich, die Mehrzahl der (Groß-)Eltern bewerten ihre DDR-Geschichte als behütete Kindheit, als „Heimat“, nur wenige als unmenschliche Diktatur. Durch die Arbeit mit Quellen von und über Jürgen Unbereit lernten die Jugendlichen einen damals gerade 17-jährigen Mühlhäuser kennen, der ein Flugblatt gegen die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ vor fast 50 Jahren in ihrer Heimatstadt verfasste, verteilte und dafür wegen „Staatsfeindlicher Hetze“ inhaftiert wurde.

Als dritten Arbeitsschritt saßen beide Klassen dann am 15. Juni dem Zeitzeugen gegenüber, um ihm Fragen zu stellen. Was das Quellen-Zeitzeugen-Projekt den Schülern beider 9. Klassen brachte, belegt deren abschließende Bewertung nach drei Fragen:
Negativ: Was lasse ich hier? Die Schüler kritisierten die Gedenkveranstaltung am 17. Juni als zu lang und wünschten, dass dem Zeitzeugen mehr Raum gegeben wird.
Bei beiden positiven Fragen: Was nehme ich mit? Was hat mich überrascht? nannten die Schüler einerseits den fachlich-sachlichen Wissensgewinn über die Zeitgeschichte mit „Stasi“, SED-Unrecht und „Folter“. Die meisten Schüler reflektierten das Projekt aber auf der Beziehungsebene („Ich mochte den Zeitzeugen und fand es cool, ihn Sachen fragen zu können.“)
In der Auswertungsrunde, die in der Woche nach dem Festakt im Thüringer Landtag erfolgte, hoben die Schüler den Erkenntnisgewinn in der Vorbereitung auf die Begegnung mit dem Zeitzeugen anhand der Quellen und die verschiedenen Familienerfahrungen, die sich die Schüler gegenseitig darlegten, hervor. Dr. Matthias Wanitschke konstatierte, dass die Schüler der 9. Klasse zu reflektierten Antworten zu Herrschaftsformen in der DDR fähig sind. Er war überrascht, wie offen die Schüler über die eigene Familiengeschichte sprachen und wie engagiert sie die Zeitzeugenbefragung Jürgen Unbereits angingen.

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