Freitag, 28.April 2017

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Die Haftkameraden des Speziallagers Buchenwald und der Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950 e.V. treffen sich am 20. Juni am Gräberfeld des Lagers Buchenwald II.
Am Tag zuvor findet ein Empfang des Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen und der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora für ehemalige Häftlinge des Speziallagers Buchenwald im Dorotheenhof Weimar statt. Die Schließung des Lagers selbst jährte sich im April diesen Jahres zum 65. Mal.

Zum Hintergrund: Rund ein Dutzend Speziallager entstanden in der sowjetischen Besatzungszone. 120.000 Deutsche wurden nach sowjetischen Angaben dort inhaftiert. Ein Drittel von ihnen starb allein im Winter 1946/47 an den Folgen von Unterernährung. Die ersten Häftlinge kamen am 21. August 1945 in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Dort waren es 7.100 Menschen, die durch Vernachlässigung, Krankheit und Unterernährung zu Grunde gingen. Sie wurden anonym verscharrt, die Angehörigen nicht benachrichtigt.

 

Eine anderes dieser Lager war das Speziallager Mühlberg/Elbe. Am 8. Februar 1947 wurden mehr als 1000 Häftlinge von diesem sowjetischen Speziallager in Güterwagons nach Sibirien gebracht. Die damals jungen Häftlinge erhielten Wehrmachtspelzmützen und fuhren 33 Tage in Güterwagons bis in den Kusbass. Hier mussten sie in Kohlegruben arbeiten oder kamen in andere Lager des Archipel Gulag in denen sie Schwerstarbeit verrichteten, bevor sie bis 1953 entlassen wurden. Die in die DDR zurückgekehrten mussten ihre Erfahrungen verschweigen. 1989 machte der damalige Mühlberger Pfarrer Matthias Taatz auf die verschwiegene Geschichte aufmerksam und gründete mit einigen überlebenden „Pelzmützen“ und anderen Häftlingen des Speziallagers die Initiativgruppe Lager Mühlberg/Elbe.
Beim Preisausschreiben der Bundeszentrale für politische Bildung und der SuperIllu „Geschichte erinnern“ im vergangen Jahr bekam Pfarrer Matthias Taatz die meisten Stimmen als „Stiller Held der Aufarbeitung“. Lesen Sie hierzu mehr auf superillu.de.
Seit vielen Jahren treffen sich die „Pelzmützen“ im Frühjahr zunächst in Brotterode, woran der Landesbeauftragte und seine Vorgängerin regelmäßig teilnahmen. Dabei entsteht jedes Jahre ein Gruppenfoto mit einer Holzskulptur, die an 116 Mithäftlinge erinnert, die in Sibirien verstarben. In diesem Jahr rezitierte Herbert Hecht (Quedlinburg) dort die freie Bearbeitung eines Gedichtes von Heinrich George. Heinrich George war im Speziallager Sachsenhausen inhaftiert und verstarb dort. Sein Gedicht entstand kurz vor seinem Tod.

Wenn ich einmal frei sein werde frag' ich mich, wie wird das sein?
Ich grab tief in Deine Erde, mein Heimatland, die Hände ein.

Ich geh einsam durch die Straßen, ganz still als wie im Traum;
ich kann die Freiheit gar nicht fassen, mein Kopf lehnt still an einem Baum.

Und wenn mich jemand fragen sollte, wo ich solang gewesen bin -
so werde ich verhalten sagen: "Ich war in Gottes Mühlen drin."

Ich sah den Müller Spuren malen den Menschen tief in's Angesicht
und mußte mit dem Herzblut fragen, wie sonst in meinem Leben nicht.

Wenn ich einmal frei sein werde, frag ich mich: Wie wird das sein?
Habe ich noch Frieden oder bin ich ganz allein?

Wenn ich einmal frei sein werde, frag ich mich, wie wird das sein?
Kann die Jahre, ich vergessen? Ich sage: Nein!

Es war die Jugend, die man mir genommen,
darum werde ich auch in Freiheit in Gedanken

oftmals ganz allein sein.

 

Das Treffen am 20. Juni ist öffentlich. Weitere Informationen finden Sie hier.

Das Totenbuch des Sowjetischen Speziallagers Nr.2 ist hier abrufbar. 

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