Mittwoch, 27.Mai 2020

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Gerbergasse18 Heftcover94Politische Haft ist kein historisches Phänomen. Das zeigt schon der Blick auf die wachsende Zahl an Gefängnisliteratur, die weltweit entsteht, vor allem in autoritären Staaten. Waren im 20. Jahrhundert „staatsgefährdende“ Schriftsteller und Publizisten betroffen, werden im 21. Jahrhundert zunehmend Autoren, Aktivisten und Künstler angegriffen, die online aktiv sind. So wie der saudische Blogger Raif Badawi, der seit über acht Jahren in Haft ist und vom dem es seit Januar kein Lebenszeichen mehr gibt. Er hatte sein Heimatland für mangelnde Religions- und Meinungsfreiheit kritisiert. Das Urteil gegen ihn gab einem Buch mit Badawis Texten den Titel: 10 Jahre Gefängnis und 1000 Peitschenhiebe. Sein Fall und der Protest von Menschenrechtsgruppen gegen die fortgesetzte Inhaftierung wird im neuen Heft vorgestellt.

Auch in der DDR gab es sie offiziell nicht, die „Politischen“. Sie galten als kriminell, teilten mit allen anderen Häftlingen Zellen und Gefängnisse. Angeklagt und verurteilt wurden sie aber mit politischen Paragrafen, ausgelegt und zurechtgebogen als „Verbrechen gegen die Deutsche Demokratische Republik“. Darunter zählten etwa „Ungesetzliche Sammlung von Nachrichten“, „Staatsfeindliche Verbindungen“ oder „Ungesetzlicher Grenzübertritt“. Wie viele Opfer die politische Justiz in der SBZ und der DDR fabriziert hat, ist bis heute nicht bekannt. Schätzungen reichen bis zu 250000 Personen im Zeitraum zwischen 1949 und 1989. Momentan recherchiert ein Teilprojekt des Forschungsverbundes „Landschaften der Verfolgung“, um die konkrete Zahl in einer Datenbank zu erfassen.

Weitere Beiträge im Heft beschäftigen sich mit unterschiedlichen Themen und Fragestellungen. Etwa mit der Geschichte des Jugendwerkhofs Königstein nahe Dresden, dem Ende der Stasi-Kreisdienststelle in Jena im Dezember 1989 oder einem Rückblick des ehemaligen Erlanger Oberbürgermeisters Dietmar Hahlweg auf die Ereignisse 1989/90. Ein persönlicher Bericht des Fotografen Michael Kerstgens über seine Bildreportage in Mühlhausen im Frühjahr 1990 diskutiert die spannende Frage, wie wir uns anhand von Fotografien erinnern können und wollen. Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 94) ist zeitnah im lokalen Buchhandel oder direkt über die Geschichtswerkstatt Jena (http://www.geschichtswerkstatt-jena.de) erhältlich.

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

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Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

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für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

Cover Gerbergasse18 Heft 93