Freitag, 28.April 2017

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Annonce webDie Hartnäckigkeit seiner Eltern ermöglichte dem Pfarrersohn Alexander Kobylinski doch noch das Abitur. Ein Studienplatz bekam der unangepasste Abiturient jedoch nicht. Sein ständiges Hinterfragen hatte Lehrer und Direktor genervt, seine Abiturrede den Stadt- und den Bezirksschulrat erbost und aufgrund seiner pazifistischen Aktionen rief die SED die Stasi und ihre Partner auf den Plan (s. auch Peter Wensierski: Diese Ratte. „Man kann eine Sache auch 20 Jahre falsch machen“: Mit seiner Abiturrede empörte der langhaarige Querkopf Alexander Kobylinski 1983 die SED-Kader im Publikum. Der Pfarrerssohn wurde drangsaliert - doch bereut hat er es nicht. (Link: http://www.spiegel.de/einestages/ddr-abitur-rede-die-rebellen-von-weimar-a-1052113.html). 

Zwei Wochen vor Ende der 10. Klasse durfte Alexander Kobylinski 1981 an die EOS „Friedrich Schiller“ wechseln. Er notierte in seinem Tagebuch:

Erinnern und Zeichen setzen. Zeugnisse politischer Verfolgung und ihre Botschaft

Die Bedeutung von Zeitzeugen, historischen Dokumenten und Denkmälern für die Erinnerungskultur steht im Mittelpunkt des 21. Bundeskongresses der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen, der vom 28. bis 30. April in Magdeburg stattfindet. 2017 soll der jährliche Kongress den Blick nicht zuletzt auf die Situation in den Ländern Ostmitteleuropas richten und damit europäische Perspektiven eröffnen.
Zu Diskussionen und Redebeiträgen werden unter anderem der Historiker Jörg Baberowski, die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler, der Europaabgeordnete Michael Cramer, die Direktorin der „Platform of European Memory and Conscience“ Neela Winkelmann sowie der Ratsvorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung Markus Meckel erwartet.

Das vollständige Programm des Kongresses finden Sie hier. 
Die Teilnahme ist nur auf Einladung möglich. Medienvertreter akkreditieren sich bei der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tel.: 0391 / 560 15 01, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Buchlesung und Vortrag mit Peter Wensierski in Suhl über einer Gruppe junger Leipziger, die 1989 die Rebellion in der DDR wagte

Plakat ZuschnittDer Schriftsteller, Journalist und Dokumentarfilmer Peter Wensierski präsentiert am Donnerstag, 20. April 2017 um 19:00 Uhr in der Stadtbücherei Suhl sein aktuelles Sachbuch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“. Es erzählt, „wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ und maßgeblich zur Friedlichen Revolution 1989 beitrug.
Wensierski, geboren 1954 im Ruhrgebiet, begann 1979 seine Arbeit als Journalist mit Berichten und Reportagen aus der DDR. Er war damals der jüngste westliche Reisekorrespondent. Als Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor berichtete er dort über die aufkommende Oppositionsbewegung. Seine Erfahrungen und Erlebnisse von damals beschreibt Wensierski in seiner aktuellen Publikation; und zeigt dabei in einer Nahaufnahme, wie sich couragierte junge Menschen in Leipzig zusammenschlossen, um für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.
Christian Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, gehörte zu jenen, die bei der verbotenen Demonstration am 4. September 1989 in Leipzig in der ersten Reihe liefen. Zu sehen ist er jetzt auf dem Titel des Buches, das Peter Wensierski all jenen widmet, die nicht mehr bereit waren, sich anzupassen und der SED-Diktatur unterzuordnen. Christian Dietrich wird die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnen und dabei über seine persönlichen Erfahrungen im damaligen Leipzig sprechen.
Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung am 20. April in die Suhler Stadtbücherei (Bahnhofstraße 10) ein, an die sich eine Diskussionsrunde anschließen wird.
Kooperationspartner ist die Stadtbücherei Suhl.

Ergebnisse der internationalen Tagung zum Thema Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet vom 6. und 7. April 2017 in Geisa

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur richtete in Kooperation mit der Point Alpha Akademie am 6. und 7. April 2017 in Geisa eine internationale Tagung zum Thema Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet aus.

Pano Tagung Point Alpha WebJunge Nachwuchswissenschaftler und renommierte Forscher wie Prof. Dr. Stefan Troebst (Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa an der Universität Leipzig), Dr. Pavel Polian (Moskau und Freiburg) oder Prof. Dr. Michael Schwartz (Institut für Zeitgeschichte München–Berlin) stellten ihre aktuellen Forschungen zum Thema vor und diskutierten Interpretationen und Einordnungen der Deportationen (GULag), Vertreibungen und Umsiedlungen. Markus Meckel (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) machte deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus eine gesamteuropäische Aufgabe ist, und dass gerade die Erinnerung an die Vertreibungen dabei eine Herausforderung darstellt.
Podium Tagung Point Alpha WebIm Zuge der Tagung wurde deutlich, dass es zeitweilig einen Zusammenhang zwischen der politisierten Sozialpolitik und einer nationalistischen Legitimierung der Herrschaft gab. Ob in der Sowjetunion, der CSSR, Rumänien oder Bulgarien, überall dienten Umsiedlungen der Machtsicherung. Zur Legitimation griffen die Kommunisten teilweise auf bestehende Feindbilder und Ressentiments zurück und aktivierten diese neu. Vertreibungen fanden unter anderem mit der Begründung des „Klassenfaktors“ (Kulaken, Kapitalisten) oder ideologischer Feindbilder, wie bei den Zwangsausgesiedelten statt, aber es gab auch Fälle von „ethnischen Säuberungen“.
Die Zwangsaussiedlungen und Kreisverweise, die in DDR bzw. in der sowjetischen Besatzungszone stattfanden, reihen sich in jene kommunistische Vertreibungspraxis ein. Ein Beispiel dafür war der Tagungsort selbst: Um die innerdeutsche Grenze zu sichern, fanden 1952 und 1961 Zwangsumsiedlungen aus Geisa und aus Geisaer Ortsteilen statt.

Eroeffnung Tagung Point Alpha WebDer Landesbeauftragte Christian Dietrich erläuterte auf der Tagung dazu: „Es gibt viele Beispiele für Zwangsaussiedlungen in Thüringen. Mindestens 5.350 Thüringer Bürger aus über 230 Orten nahe der innerdeutschen Grenze wurden ins Landesinnere ausgesiedelt. Eine hohe Zahl, die dennoch nur einen Bruchteil betroffener Menschen spiegelt, die unter kommunistischen Diktaturen zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen wurden.“ (Das vollständige Grußwort des Landesbeauftragten finden Sie hier.)
Letztlich, darin waren sich die Teilnehmer einig, müssen die einzelnen Vertreibungsereignisse in der Forschung differenziert betrachtet und verglichen werden. Vor allem die Terminologie ist kompliziert, wie beispielsweise Kristián Ungváry in seinem Vortrag verdeutlichte: Im deutschen Sprachgebrauch wird von der Vertreibung der Ungarndeutschen, im ungarischen von der Aussiedlung gesprochen. Die Tagung zeigte, dass die Diskussion zu den kommunistischen Vertreibungen, auch im Hinblick auf die Etablierung und Festigung der kommunistischen Herrschaft, noch am Anfang steht. Die Konferenz endete mit einer Führung durch die Point Alpha Gedenkstätte.

Kooperationspartner der Tagung war die Point Alpha Akademie, finanziert wurde die Tagung mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Ein ausführlicher Tagungsbericht folgt in Kürze auf unserer Webseite.

Domaschk ZeitungVor 35 Jahren durchbrach die Jenaer Friedensgemeinschaft das Schweigen zum Tod von Matthias Domaschk - er war am 12. April 1981 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Gera unter bisher ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. In der SED-Zeitung "Volkswacht" erschien schließlich 1982 eine Annonce, die ein Jahr zuvor nicht gedruckt werden durfte. Außerdem klebten an Litfaßsäulen und Laternen die kleinen Erinnerungen an Matz (siehe Foto). Auf dem Johannesfriedhof stellte Michael Blumhagen eine Skulptur zur Erinnerung auf. 

"In diesen Tagen habe ich erstmals erlebt, dass öffentlicher Protest möglich ist. Auf den Johannesfriedhof traute ich mich am 13. April nicht zu den vielleicht 5-10 Jahre älteren zu gehen. Erst nach dem Orgelüben ging ich zu der Gräberreihe und stellte fest, dass dort nichts mehr stand. Später sah ich die Fotos von Roland Jahn, die den staatlich verordneten Diebstahl dokumentierten", erinnert sich der Landesbeauftragte Christian Dietrich. 

Mehr zu dieser und weiteren (Gedenk)-Aktionen nach dem Tod von Matthias Domaschk finden Sie hier auf jugendopposition.de.  

Gerbergasse18 Heft82 CoverWas verrät der Umgang mit der Umwelt über eine Gesellschaft? Mit der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ wird diese Frage auf vielfältige Weise in den Mittelpunkt gerückt. Dabei verbinden sich ganz unterschiedliche Ausgangspunkte und Perspektiven miteinander: Von der Herausbildung kleinerer Umweltgruppen im kirchlichen Raum bis zur Entstehung einer unabhängigen Umweltbewegung in der späten DDR, als Verschmutzung, Vergiftung und Vertuschung von massiver Umweltzerstörung zum Alltag gehörte; von der Gründung einer „Sektion DDR“ innerhalb der damals jungen Partei „Die Grünen“ bis zur Genese einer Umwelt-Bibliothek in Ost-Berlin Mitte der 1980er Jahre. Dass die Diskussion zum Verhältnis zwischen Natur- und Geschichtserbe am Grünen Band – dem renaturierten Geländestreifen und Erinnerungsraum der deutsch-deutschen Teilung – zukunftsweisend ist, wird mit zwei prägnanten Standpunkten dokumentiert.
In den Rubriken Zeitgeschichte und Zeitgeschehen/Diskussion geht es um die Überwachung von ausländischen Militärs bei der NVA, den privaten Brief als historische Quelle und um eine Tagung zu Ehren des Schriftstellers Jürgen Fuchs. Über die Folgen von politisierter Medizin durch Zwangseinweisungen in geschlossene Venerologische Stationen informiert ein Beitrag von Florian Steger und Maximilian Schochow. Bis heute leiden betroffene Frauen an Traumatisierungen, die durch eine transgenerationale Weitergabe und erlittene Spätfolgen geprägt sind.

Mehr zur neuen Ausgabe 1/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 82) finden Sie hier.

IMG 2137 webHeute hat in Geisa die internationale Tagung zum Thema Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet begonnen, die vom Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Point Alpha Akademie veranstaltet wird.

Die wissenschaftliche Tagung beleuchtet die staatlich kontrollierten Vertreibungen und die Binnenzwangsumsiedlungen im kommunistischen Europa, in Russland und der Sowjetunion seit 1917. Doktoranden und Postdoktoranden sowie renommierte Wissenschaftler stellen ihre Forschungen zum Thema vor und diskutieren den Gedanken, dass diese Vertreibungsereignisse ein essentieller Bestandteil der kommunistischen Politik waren: Sie dienten dem Zweck, die kommunistische Herrschaft zu etablieren und zu festigen.

Ein ausführlicher Bericht folgt. 

Bundesarchiv Bild 183 T0306 0025Christina Schultheiß ist vor einem Jahr am 25. März 2016 im Alter von 97 Jahren verstorben. Für viele war sie zu DDR-Zeiten die „Mutter Courage von Thüringen“. Unter anderem nahm sie am 6. März 1978 beim Spitzengespräch zwischen Kirche und Staat teil. (Siehe Foto, Christina Schultheiß 5. von rechts. CC BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-T0306-0025, Berlin, Empfang Kirchenleitung bei Honecker). Bei diesem Gespräch verweis die Leiterin eines Straßenbauamtes auf die verbreitete Christenfeindschaft in der DDR-Gesellschaft. Sie sagte aber auch: „Christen sind keine besseren Menschen, aber sie haben es besser, wenn sie aus der Kraft des Glaubens leben." 
Lesen Sie mehr über Christina Schultheiß hier auf Ostthüringer Zeitung Online

Bericht über der Quellen-Zeitzeugen-Projekt an der Jenaer Schule mit dem Landtagsabgeordneten Frank Kuschel (DIE LINKE) von Hanno Müller in der Thüringer Allgemeinen.

Henry Bernhard im Deutschlandfunk am 06.04.2017.

Der Bericht über das parallele Projekt mit der Landtagsabgeordneten Ina Leukefeld (DIE LINKE) ist im letzten Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten zu finden (S. 25-27).
Dazu ein historischer Text aus dem Jahre 2004: Thomas Purschke: Die PDS hat mit Spitzeln kein Problem (Gerbergasse 18, 33 III/2004).

In der historischen Ausstellung der Festung Königstein ist ein besonderer Abschnitt der Zeit gewidmet, in der die Festung als Jugendwerkhof genutzt wurde. Gerade dieser Teil der Ausstellung findet eine besondere Beachtung unter den Besuchern. Der Raum ist manchmal zu klein für die vielen Neugierigen. Jetzt soll die Dokumentation ausgebaut werden. Dazu werden Zeitzeugen gesucht. Hier
Das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg hat ebenfalls eine spezielle DDR-Geschichte. Hier gab es ein Kinderheim. Einige der ehemaligen Heldburger Kinder haben inzwischen erzählt, was ihnen dort zugefügt wurde: "Ich war von 1956 bis 1959 in Heldburg. Unterricht erhielten wir zuerst in der Burg, die letzten 4 Wochen dann im Ort. Zur Gruppe gehörten 20 Kinder verschiedenen Alters. Die Verbindung zwischen Erziehern und der Gruppe waren die Gruppenratsvorsitzenden als Pioniere. Die Erzieher nahmen kaum direkt Einfluss auf die Gruppe. Sie regelten alles über den Gruppenratsvorsitzenden und seine Vertrauten. Und dann kam nachts der „Klabautermann“. Die Erzieher wussten davon oder haben den Auftrag gegeben. Sie hätten es auch sehen müssen, wenn wir am nächsten Tag mit blauen Flecken rumgelaufen sind. Als weitere Strafe gab es den Turm, da war ein fensterloser Raum nur mit einer Schießscharte; darin waren eine Pritsche und ein Eimer. Dort wurde man an Wochenenden eingesperrt. Wir besaßen keine Privatkleidung. Die Post von meinem Bruder wurde 2 Monate zurückgehalten...."

IMG 2087 Zuschnitt WebHeute hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich den Tätigkeitsbericht der Jahre 2015 und 2016 im Thüringer Landtag an den Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius, übergeben und im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeit der Behörde in den vergangenen zwei Jahren informiert. 

Der Tätigkeitsfokus des Landesbeauftragten lag wie in den Jahren zuvor in der Beratung. Christian Dietrich ging zentral auf folgende Fragen ein: Wie hat sich die Beratungssituation ehemaliger politisch Verfolgter entwickelt? Wie entwickelt sich die Rechtslage der Betroffenen?
Der Landesbeauftragte dazu:  „Die Zeitzeugen der frühen Jahre der DDR werden weniger. Jetzt werden die Leiden der späteren DDR-Generationen in den Beratungen präsenter. Der Gesetzgeber hat die Rehabilitierungen bis Ende 2019 befristet. Ein Schlussstrich ist unserem Land unwürdig. In Thüringen leben statistisch gesehen besonders viele Opfer der SED-Herrschaft. Entsprechend hoch sind die Entschädigungsleistungen und Hilfen, die ausgezahlt werden. Allein für die Opferrente in Thüringen wurde im vergangenen Jahr über 18 Millionen € gezahlt. Der Bedarf nach Beratung, Aufklärung und Hilfe ist groß. In der letzten Zeit wurde die Würdigung derer, die wegen ihrer Religion in der DDR verfolgt wurden, zur Herausforderung für den Freistaat.“

IMG 2098 Zuschnitt WebIm Zuge der Pressekonferenz erläuterte der Landesbeauftragte auch die eigene Bildungsarbeit in Kooperation mit Bildungsträgern und in eigener Verantwortung. Im Berichtszeitraum hat die Behörde über 70 Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Buchlesungen sowie 60 Veranstaltungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt. 
Auch auf die erfolgreiche Nutzung der Neuen Medien im Berichtszeitraum verwies Dietrich. Mit über 700 Posts zu Veranstaltungen, aktuellen Debatten und historisch relevanten Diskursen zeigt die Webseite des ThLA eine hohe Dynamik und einen erheblichen Informationsmehrwert für die Zielgruppe. Der Landesbeauftragte beteiligt sich an der politischen Bildung in Thüringen maßgeblich über die neuen Medien. Eine besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang eine interaktive Karte, die von Zwangsaussiedlungen betroffene Orte anzeigt und Hinweise auf die Gedenkkultur liefert. Die Karte ist in die Webseite des Landesbeauftragten eingebettet. Nahezu 22.000 Personen haben diese bereits aufgerufen. Ebenso verzeichnet die Facebook-Seite des Landesbeauftragten ein stetiges Wachstum, mittlerweile gefällt über 400 Personen die Seite des Landesbeauftragten auf Facebook. Über einen neu eingerichteten YouTube-Kanal sollen noch mehr interessierte Menschen erreicht werden: Zukünftig werden die Veranstaltungen des Landesbeauftragten auch durch Videoaufnahmen begleitet. 

Den Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten finden Sie hier. 

Zugleich hat der Landesbeauftragte den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-UNRECHT für das Jahr 2016 veröffentlicht. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2016 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Die Beratungsinitiative arbeitet im Auftrag des Landesbeauftragten und unterstützt die Behörde in oben genannten Tätigkeitsfeld. Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinititative können Sie hier einsehen. 

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat heute dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert, den 13. Tätigkeitsbericht der Stasi-Unterlagen-Behörde übergeben. Der Bericht gibt Aufschluss über die Arbeit des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in den Jahren 2015 und 2016.
Tausende von Bürgerinnen und Bürger haben die Option zur persönlichen Akteneinsicht auch im Zeitraum des Tätigkeitsberichtes jeden Monat genutzt. 2015 waren das über 62.000 Anträge und 2016 gut 48.000 Anträge. In 2015 und 2016 sind je ca. 1.300 Anträge aus Forschung und Medien gestellt worden sowie in 2015 gut 3.000 Ersuchen auf Überprüfung im öffentlichen Dienst und bei politischen Funktionsträgern und rund 1.600 in 2016.

Antrag auf Akteneinsicht kann ab sofort online gestellt werden 

Auf der momentan stattfindenden Computermesse CeBIT hat der BStU nunmehr die Möglichkeit vorgestellt, einen Antrag auf Akteneinsicht online zu stellen; Voraussetzung ist der neue Personalausweis und ein entsprechendes Lesegerät zum Auslesen des Ausweises. Einen entsprechender Antrag kann über diesen Link aufgerufen werden, eine Anleitung zur Online-Antragstellung finden Sie hier

Am vergangenen Freitag fand in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt die Jubiläumsfeier zu 10 Jahren Freiheit e.V. statt. Im Zuge der Feierlichkeiten hielt der Landesbeauftragte Christian Dietrich eine Rede, die Sie über diesen Link nachlesen können. Weitere Reden des Landesbeauftragten, seinen Mitarbeitern und Kooperationspartnern finden Sie zudem hier

Gericht hat am 13. März in Bratislava Präzedenzfall geschaffen

Der 18-jährige Magdeburger Hartmut Tautz floh im August 1986 aus der DDR. Er sah für sich keine Perspektive. Ein Musikstudium war ihm untersagt worden, der Militärdienst stand kurz bevor. Hartmut Tautz fuhr nach Bratislava und sondierte mögliche Fluchtwege gen Österreich. Am Abend des 8. August 1986 startete er das gefährliche Unterfangen. Er durchschnitt einen Drahtzaun, überwand weitere Hindernisse, ist am Ende nur 22 Meter von der Grenze zu Österreich entfernt. Doch Grenzsoldaten hetzten zwei speziell auf Menschen trainierte Schäferhunde auf ihn. Sie zerfleischen den jungen Mann. Die beiden Grenzer Ivan Hirner und Oldřich Kovář sammelten den heftig Blutenden auf und warfen ihn auf einen Transporter. Hartmut Tautz hätte überleben können, wäre er rechtzeitig in das nur 20 Minuten entfernte Militärkrankenhaus gebracht worden. Stattdessen wurde er erst in einer Kaserne verhört. Erst nach eineinhalb Stunden wird der Flüchtling ins Hospital gebracht. Ein Feldarzt notierte: „Kaum wahrnehmbarer Blutdruck. Puls kaum zu spüren.“ Im Morgengrauen des 9. August verstarb der Schwerverletzte.

Fritz Richter (19.11.1931 - 17.02.2017) wurde am 10. März im Kreise seiner Lieben auf dem Friedhof in Alsbach beigesetzt. Sein demokratisches Gewissen wurde von Familie und Freunden vor den etwa 200 Trauergästen gewürdigt. So auch von seinem langjährigen Freund Norbert Sommer, der wie Richter in der DDR wegen „Boykotthetze“ zu sieben Jahren Haft verurteilt und ebenfalls davon vier Jahre im Untermaßfelder Zuchthaus abgesessen hatte. Fritz Richter und Norbert Sommer kannten sich bereits aus Ihrer Schulzeit an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen - und teilten die gleiche politische Meinung: Schon Ende der 40er Jahre waren beide unzufrieden bezüglich der Verhältnisse in der SBZ. Daran änderte sich auch nichts nach Gründung der DDR; im Gegenteil, sie fühlten sich unfrei und waren entschlossen, gegen die aufkeimende SED-Diktatur im Sinne der Geschwister Scholl zu protestieren. So führten Richter und Sommer schließlich 1950 gemeinsam mit ca. 20 weiteren Schülern der Geschwister-Scholl-Oberschule sowie anderen Jugendlichen politische Flugblatt-Aktionen in Sondershausen aus, um Ihren Unmut Ausdruck zu verleihen.richter sommer web

Mit diesen beiden Zeitzeugen startete der Landesbeauftragte ab 2009 das Quellen-Zeitzeugen-Projekt (und damit die Besinnung auf Widerstandgeschichten an Thüringer Schulen) in Sondershausen. Das letzte Quellen-Zeitzeugen-Projekt mit beiden fand im Dezember 2016 an der Verwaltungsfachhochschule der Thüringer Polizei in Meiningen statt. (siehe Foto, Fritz Richter (mitte) und Norbert Sommer (rechts).

In seinem Nachruf sagte Norbert Sommer am 10. März:

„Liebe Trauerfamilie, liebe Trauergemeinde,
Wir verabschieden uns heute von meinem Freund, Herrn StD. i.R. Fritz Richter. Er begann seinen lebenslangen Einsatz für eine demokratische Entwicklung in unserer Gesellschaft etwa 1949/50 an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen in Thüringen, als er gemeinsam mit Freunden mit der Herstellung und Verteilung von Flugblättern gegen den beginnenden Stalinismus in der DDR aufbegehrte. Dies führte 1952 zu seiner Verhaftung durch den Staatssicherheitsdienst, zu seiner Verurteilung zu neun Jahren Zuchthaus, zu vierjähriger Haft. Nach seiner Haftentlassung floh er in die Bundesrepublik. Hier setzte er sich weiter für seine demokratischen Ideale ein, als Mitglied des Studentenparlaments an der Uni in Frankfurt, als Kommunalpolitiker, als Mitglied des Kreistages.
Als nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ihn bat, als Zeitzeuge jungen Menschen in Thüringen über seine Erfahrungen in der DDR zu berichten, war er sofort dazu bereit. Mit großer Energie, mit immensem Wissen, ohne Schwarzweißmalerei, mit großer gedanklicher Tiefe und mit Humor bemühte sich Fritz immer wieder, seine vielen jungen Gesprächspartner davon zu überzeugen, wie wichtig die demokratischen Prinzipien für unsere Gesellschaft sind. Wir sollten, um ihn zu ehren, seine Arbeit fortsetzen.“

Wer kennt Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg zu Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert wurden oder interniert wurden?
Bis Ende dieses Jahres können sie eine einmalige Entschädigung beim Bundesverwaltugsamt beantragen.
Bis Ende vergangen Jahres haben von ihrem Recht schon 13.882 Bürger Gebrauch gemacht.
Siehe Seite des Bundesverwaltungsamtes oder Ankündigung im vergangenen Jahr

Einblicke in die Bespitzelung von Tausenden von Erfurter Bürgern von 1953 bis 1969 zeigen neue Unterlagen in der Stasi-Mediathek des BStU. Unter dem Decknamen "Richard" berichtete Richard Fiolka über 16 Jahre lang zu mehr als 5.000 Erfurtern. Der ehemalige hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter wurde zum Spitzel, als sein Sohn in den Westen floh und er daher aus dem Dienst beim MfS ausscheiden musste. Die erstmals in der Stasi-Mediathek veröffentlichten Unterlagen zeigen eine enorm umfassende inoffizielle Mitarbeit und die Reaktion der Stasi darauf. Am 28.05.1969 beendete er seine Mitarbeit nach insgesamt 4.320 handschriftlichen Berichten.

Am 7. März 2017, wird die 10.000 Seiten umfassende Akte IM "Richard" in der BStU-Außenstelle Erfurt vorgestellt. Weitere Details zu der Veranstaltung finden Sie hier.

„Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“ (Flugblatt der Weißen Rose)
Am Tag des Prozesses gegen Mitglieder und der Hinrichtung einiger Mitglieder der Weißen Rosen wird ihrer in Deutschland gedacht. Im Gymnasium "Geschwister Scholl" in Sondershausen wird zugleich an eine Gruppe von Schülern und Widerständlern erinnert, die sich auf den Widerstand gegen die NS-Diktatur beriefen und die SED-Diktatur bekämpften (http://www.thla-thueringen.de/index.php/414-freiheit-der-ostzone-flugblaetter-gegen-die-fruehe-sed-diktatur). Sie wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Vor einem Jahr waren zur Gedenkfeier einige der ehemaligen Schüler in Sondershausen (http://www.thla-thueringen.de/index.php/425-einweihung-wuerdigender-gedenktafeln-zur-widerstands-aktion-ehemaliger-schueler-des-geschwister-scholl-gymnasiums-in-sondershausen). Einer jener couragierten Schüler von damals war Fritz Richter. Heute trauen wir um ihn, er ist am 17. Februar verstorben. Fritz Richter war ein kluger Pädagoge und Zeitzeuge, der sich seit seiner Schulzeit an den Werten der Geschwister Scholl orientierte. Er fehlt uns.

Der offene Brief von Pedro Hertel und Pfarrer i.R. Gerhard Sammet zur Christenverfolgung in der DDR und die geringe Beachtung des Themas durch die Thüringer Landesregierung haben vor einem halben Jahr die Debatte um die fehlende Religionsfreiheit in der DDR und ihre Folgen forciert. Die rot-rot-grüne Koalition hatte sich bei der Regierungsbildung auf den Einsatz für „verfolgte Schüler“ verständigt. Die Lage der Menschen, die in der DDR als Schüler Repressionen ausgesetzt waren, die zu Brüchen in der Bildungslaufbahn führten, sollte verbessert werden. Konkrete Initiativen gab es jedoch nicht und die Autoren des Briefes vermissten ein Wort des Ministerpräsidenten zum Unrecht, „welches seine Vorgängerpartei den Christen und ihren Familien in der DDR-Zeit angetan hat“. Darauf erklärte die zuständige Staatssekretärin in der Staatskanzlei, Dr. Babette Winter (SPD), in einem Interview in Glaube und Heimat am 16. Juni 2016: „Bei allen Vorgängen, die dem Ministerpräsidenten und mir bekannt sind, wissen wir von sieben Fällen, in denen die Aktivität in der Kirche zu einem Eingriff seitens des Staates in die Lebensbiographie geführt hat.“

Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) ist der Dachverband verschiedener Opferverbände von Betroffenen stalinistischer und SED-staatlicher Verfolgung. Er hat seinen Sitz in Berlin und gibt eine eigenen Zeitschrift heraus („Stacheldraht“ - Auflage 10.300). In der Bundesrepublik gab es seit 1950 ein Verband der verschiedenen Opfergruppen des stalinistischen Terrors, die „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“. Der erste ostdeutsche Verband dieser Vereinigung wurde im Mai 1990 in Thüringen gegründet. Nach Zerwürfnissen innerhalb des Verbandes wurde Ende 1991 ein neuer Dachverband gegründet, die „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)“.

Für heute hat die UOKG zu einem Festakt zu 25 Jahren UOKG in den Räumen der Bundesstiftung Aufarbeitung eingeladen. Die Festrede hält Johannes Singhammer (Vizepräsident des Deutschen Bundestages). Vorsitzender der UOKG ist seit Oktober 2015 Dieter Dombrowski (MdL Brandenburg). Als Interessenvertreter der SED-Opfer hat der Verband wichtige Themen in der Bundesrepublik vorangebracht. Meist wird in diesem Zusammenhang die sogenannte Opferrente genannt. Es gibt auch heute noch einige Gerechtigkeitslücken, beschädigte Lebensläufe und ein verbreitetes Unverständnis der Gesellschaft, gesundheitliche Folgeerscheinungen körperlicher und psychischer Gewaltanwendung und fortwährende soziale Benachteiligung. Zuletzt hat der UOKG insbesondere die Frage der Haftarbeit und ihre Bedingungen in der DDR oder die Hilfen für Menschen mit gesundheitlichen Schädigungen aufgrund staatlicher Eingriffe öffentlich thematisiert und sich für ein zentrales bundesdeutsches Denkmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft eingesetzt.

Der Landesbeauftragte Christian Dietrich: „Bei der Bewertung von Gerechtigkeitslücken, der Frage der Beteiligung von Opfern bei politischen Entscheidungsprozessen und der Zukunft der Behörde des Bundesbeauftragten (BStU) war der UOKG in den letzten Jahren ein wichtiger Partner. Ich wünsche der UOKG die angemessene Achtung in unserer Gesellschaft und Erfolg beim Einsatz zur Verbesserung der Lage der Opfer durch Rehabilitierung und sozialer Anerkennung.“

Seit der Mitte der 1950er Jahre wurde im ostdeutschen Protestantismus mit zunehmender Polarisierung und Schärfe über das Verhältnis zum SED-Staat diskutiert. In dieser Diskussion wurden auch die Fragen aufgeworfen, ob und wie man als Christ in der DDR leben könne. Eine wichtige Stimme dieser Diskussion war der Hallesche Studentenpfarrer und Naumburger Theologiedozent Johannes Hamel (1911–2002), an dessen vor 60 Jahren erschienene wegweisende Schrift „Christ in der DDR“ die Tagung erinnert. Von den späten 1950er und frühen 1960er Jahren ausgehend wird die Diskussion über das christliche Leben im ostdeutschen Protestantismus am Beispiel einzelner Themen und Protagonisten bis in die 1980er Jahre verfolgt. Die Tagung "Christliches Leben in der DDR" findet am 11. März in der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier auf H-Soz-Kult online

Ein interessanter Artikel zur Geschichte des Wintersportortes Oberhof in Thüringen findet sich derzeit auf Zeit Online. Der von Thomas Purschke vefasste Text legt besonderes Augenmerk auf die Entwicklung von Oberhof in der Ära Ulbricht, seinerzeit wegen der verschwenderischen Prestigebauten und Luxusherbergen für die SED-Kader "Waltershausen" genannt. Auch gibt der Thüringer Journalist interessante Einblicke in die Doping-Praxis des DDR-Sports. In den Artikel eingebettet findet sich zudem eine sehenswerte Film-Reportage zu dem Thema, "DDR Geheim - Walter Ulbrichts Nobelherberge in Oberhof", abrufbar hier via Zeit Online

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Point Alpha Akademie veranstalten am 6. und 7. April 2017 in Geisa eine internationale Tagung zum Thema Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet.

Die wissenschaftliche Tagung beleuchtet die staatlich kontrollierten Vertreibungen und die Binnenzwangsumsiedlungen im kommunistischen Europa, in Russland und der Sowjetunion seit 1917. Doktoranden und Postdoktoranden sowie renommierte Wissenschaftler stellen ihre Forschungen zum Thema vor und diskutieren den Gedanken, dass diese Vertreibungs-ereignisse ein essentieller Bestandteil der kommunistischen Politik waren: Sie dienten dem Zweck, die kommunistische Herrschaft zu etablieren und zu festigen.

Wir laden am Thema interessierte Wissenschaftler aus Ihrem Institut ein, sich mit den Kollegen auszutauschen und neue Erkenntnisse zu erarbeiten. Um den Wissenstransfer und die internationale Vernetzung zu erleichtern, wird die Konferenz in englischer Sprache abgehalten. Durch die Förderung der Bundesstiftung Aufarbeitung können wir eine Unterkunft und die Verpflegung während der Tagung kostenfrei zur Verfügung stellen.

Hier das Tagungsprogramm

Um rechtzeitige Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wird gebeten, da die Plätze auf 45 Teilnehmer beschränkt sind. Unter dieser E-Mail-Adresse können Sie auch weitere Informationen zur Tagung erfragen.

Der Landesbeauftragte widmet sich 2017 dem Thema „Flucht als Befreiung“. Wolf Biermann hatte kurz vor seiner Ausbürgerung 1976 verschiedene Formen der Flucht in bzw. aus der SED-Diktatur analysiert. Die markanteste Flucht war die gen Westen. Die erste Abstimmung mit den Füßen gab es schon kurz nach dem Krieg. Ein Teil der Thüringer Elite floh vor 70 Jahren vor politischer Verfolgung. Darunter auch der erste Ministerpräsident Rudolf Paul und die Alterspräsidentin der Beratenden Landesversammlung, Ricarda Huch, die schon 1945 Opfer der kommunistischen Zensur geworden war. Vor 40 Jahren gab es einen weiteren markanten Aderlass für Thüringen: Herausgetrieben wurden bedeutende Schriftsteller bzw. Künstler wie Reiner Kunze, Jürgen Fuchs, Hans Joachim Schädlich, Bernd Markowsky oder Doris Liebermann.

Auch viele Jugendliche versuchten dem Land der Perspektivlosigkeit zu entkommen. Dabei verlor u.a. Henry Weise aus Ranis das Leben. Andere wurden deshalb inhaftiert, und schließlich gegen Bezahlung durch die Bundesrepublik aus den Gefängnissen der DDR freigekauft. Der Kaufpreis für die Häftlinge wurde dabei seitens der DDR stetig erhöht.
Noch im letzten Jahr der DDR, 1989, flohen 76.000 Bürger teilweise Gesundheit und Leben riskierend, reisten aus oder wurden aus der Haft freigekauft. Trotz der nahezu unüberwindlichen Grenze und der Verfolgung jeden Versuches, das Land zu verlassen, entstand vor 40 Jahren eine Ausreisebewegung, die letztlich in die Friedliche Revolution mündete. Heute leben jene Thüringer dieser Ausreisebewegung weit verstreut in der Welt. Sie sind Softwareentwickler in den USA oder Kunsthistoriker in den Niederladen, Bauern in Portugal oder Italien, Studienräte im Saarland oder Physikprofessoren in Bayern. Ihre Befreiung wurde oft zum Lebensthema und ihre Erfahrungen gehören zu Thüringen. Über verschiedene Medien und Veranstaltungen werden sie 2017 thematisch und persönlich in die Thüringer Heimat zurückkehren.

In der Zeit von 1949 bis 1975 (Bundesrepublik Deutschland) bzw. 1949 bis 1990 (DDR) haben Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren. Die von Bund, Ländern und Kirchen getragene Stiftung "Anerkennung und Hilfe" hat die Aufgabe, dieses Leid und Unrecht anzuerkennen und die Betroffenen zu unterstützen. Zum 1. Januar 2017 hat die Stiftung ihre Arbeit aufgenommen. In Thüringen wird die regionale Anlauf- und Beratungsstelle bis zum 31. März 2017 eingerichtet.

Kontakt ab dem 01. April 2017:
Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
Referat 23
Postfach 900354
99106 Erfurt

Mehr zur Stiftung "Anerkennung und Hilfe" finden Sie hier auf der Webseite des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales.

Seit 2011 arbeitet der Landesbeauftragte im Rahmen des Quellen-Zeitzeugen-Projekts mit dem Fachbereich Polizei der Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Meiningen zusammen. Lesen Sie hier auf dem Landesportal der Thüringer Polizei, wie der dort verantwortliche Dozent für Kriminologie und Soziologie, Andreas Müller-Tucholski, das Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten und die Kooperation bewertet und welche Lernziele dabei im Speziellen für angehende Polizisten verfolgt werden.
Außerdem finden sich auf der Webseite des Landesportals wichtige Literaturhinweise zum Thema SED-Diktatur und Stasi, darunter auch ein als pdf-Dokument abrufbarer wissenschaftlicher Aufsatz zum Thema "Die widersprüchliche Einheit von affirmativem und kritischem Diskurs als Grundlage sozialwissenschaftlicher Lehre im Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst" von Andreas Müller-Tucholski (Erschienen 2015 in: Stark, Carsten (Hg.): Soziologie und Polizei. Zur soziologischen Beschäftigung mit und für die Polizei, Reihe Verwaltungssoziologie, Norderstedt). Hierin wird das Quellen-Zeitzeugen-Projekt auf soziologisch-wissenschaftlicher Ebene eingehend untersucht. 

Winston Churchill, Salvador de Madariaga, Simone Veil, Henry Kissinger, Frère Roger Schutz, Gyula Horn, Václav Havel oder Papst Franziskus; sie alle haben den Karlspreis für Ihre Verdienste um Europa und die europäische Einigung erhalten - nunmehr wird Timothy Garton Ash der 59. Träger des renommierten Preises. Er denkt die europäischen Erinnerungskulturen zusammen wie kaum ein anderer und dechiffrierte den europäischen Gedanken in Deutschland in seiner Analyse "Im Namen Europas". Ihm verdanken wir die erste Gesamtdarstellung vom Ende des sowjetischen Imperiums in Europa: „Ein Jahrhundert wird abgewählt“. Der Landesbeauftragte gratuliert Timothy Garton Ash herzlich zu der hohen Auszeichnung!

Als Doktorand war Timothy Garton Ash häufig in der DDR, wohl sein wichtigster dortiger Gesprächspartner, Dr. Eberhard Haufe, wohnte in Weimar: Weil er Haufe ab 1977 immer wieder aufsuchte, um den Widerstand Einzelner in Mittel- und Osteuropa kennenzulernen, spitzelte ihm die Erfurter Stasi-Spionage-Abwehr bis 1988 im Operativen Ausgangs-Material (OAM „Harfe“ ) hinterher.

Hans Michael Kloth zu Garton Ash „Man solle auch in der Diktatur zu leben versuchen, als ob es keine Geheimpolizei gebe - das nahmen sich die ostmitteleuropäischen Dissidenten einst vor. Garton Ash dreht dieses "Als ob"-Prinzip um: Wir sollten in einem freien Land leben, als ob über uns irgendwo Buch geführt würde, auf dass wir nicht eines Tages angesichts einer Akte in Verlegenheit kämen.
Dass diese Maxime nicht als donnernder moralischer Imperativ daherkommt, sondern als leise, pragmatische Mahnung, ist bezeichnend für die Güte der Einsichten, die "Romeo" Garton Ash von seinem Besuch im Wunderland der Akten und Erinnerungen mitgebracht hat.“ (DER SPIEGEL 36/1997)

Mehr zur Verleihung des Karlspreis an Timothy Garton Ash lesen Sie hier auf Spiegel Online

 

Am 6. und 7. April 2017 findet in der Point Alpha Akademie in Geisa eine wissenschaftliche Tagung zum Thema "Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet - Unterschiede und Gemeinsamkeiten" statt, auf der die Vertreibungen und die hieraus resultierenden Fluchtbewegungen im kommunistischen Europa und in Russland und der Sowjetunion seit 1917 beleuchtet werden. Der Fokus der Tagung richtet sich auf die staatlich organisierten Vertreibungen zum Zwecke der kommunistischen Herrschaftsetablierung und Herrschaftssicherung, wobei durch einen vergleichenden Ansatz die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ehemaligen europäischen Ostblockstaaten herausgearbeitet werden sollen.
Auf der Tagung sollen in erster Linie Nachwuchswissenschaftler (Doktoranden und Post-Docs) zusammenkommen, um ihre Forschungsergebnisse vorzustellen und sich untereinander zu vernetzen. Die Tagung ist international und interdisziplinär (Geschichts-, Politik- und Sozialwissenschaften, Psychologie, Philosophie) ausgerichtet. Aufgrund der Themenstellung auf das kommunistische Herrschaftsgebiet werden vor allem Wissenschaftler aus Polen, Tschechien, Slowakei, Ukraine, Ungarn, Russland, ehemalige Balkanstaaten und Deutschland angesprochen.

Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet - Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Konferenzsprache ist Englisch. Die Tagung findet vom sechsten bis siebten April in der Point Alpha Akademie in Geisa statt. Wenn Sie an der Tagung teilnehmen möchten oder weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich per E-Mail an Dr. Anke Geier, Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Kooperationspartner ist die Point Alpha Akademie; die Tagung ist gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. 

Bei seinem Besuch im Stasi-Unterlagen-Archiv am vergangenen Freitag sprach sich Bundespräsident Joachim Gauck für die Notwendigkeit der zukünftigen Nutzung der Stasi-Akten aus. „Es geht jetzt darum, den nachfolgenden Generationen die Möglichkeit zu geben, mit Hilfe dieses Monumentes, des Stasi-Unterlagen-Archivs, zu lernen und es wie andere Monumente auch zu Lernorten über die Vergangenheit zu machen."
Gauck war auf Einladung des jetzigen Bundesbeauftragten Roland Jahn an seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt. Joachim Gauck war vom 3. Oktober 1990 bis zum September 2000 Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Der Bundespräsident betonte während seines Besuchs die Bedeutung von 25 Jahren Einsicht in die Stasi-Akten, vor allem auch für die Opfer der SED-Diktatur. "Wir drei, meine Nachfolger Marianne Birthler, Roland Jahn und ich, haben uns dieser Aufgabe gewidmet, die Opfer ernst zu nehmen", sagte Gauck. "Denn was geschehen ist war nicht irgendwas, sondern das Eindringen des Staates in die intimsten Bereiche des Privaten. Es war eine Diktatur.“
Zu seinem Rundgang durch das Archiv hatte er den Botschafter von Guatemala, José Francisco Calí Tzay, eingeladen. Auch das lateinamerikanische Land nutzt Polizei-Akten zur Aufarbeitung der Militärdiktatur. Die Öffnung der Stasi-Akten als Mechanismus zum Umgang mit Unrecht der Vergangenheit ist mittlerweile zu einem internationalen Modell geworden.
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn würdigte die Leistungen Joachim Gaucks bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur mit Hilfe der Akten. „25 Jahre Einsicht in die Stasi-Akten. Dass das möglich wurde, daran hat der heutige Bundespräsident Joachim Gauck einen entscheidenden Anteil. Wir freuen uns deshalb, dass er uns durch seinen Besuch in unserer Arbeit unterstützt, zu einem Zeitpunkt, an dem es darum geht, die Weichen für die Zukunft zu stellen und die Nutzung der Stasi-Akten dauerhaft zu verankern.

Ab heute ist der Landesbeauftragte mit einem eigenen Channel auf YouTube vertreten. In Zukunft sind hier Videos von unseren Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen oder Buchvorstellungen zu sehen. 
Auch Zeitzeugen und regionale Historiker werden über unseren Channel in Zukunft eine multimediale Plattform finden. 

Das Premierenvideo: Die Kartenlegerin von Suhl im Visier der Stasi. Ein Video von und mit Baldur Haase (2016)

Baldur Haase spricht über seine dokumentarische Erzählung „Die Kartenlegerin von Suhl“, worin er das Schicksal der Wahrsagerin Charlotte Marquardt beschreibt. Seinerzeit geriet Marquardt ins Visier der Stasi, weil sie ihren Nachbarn günstige Fluchttermine wahrsagte.
Haase hatte seit den 1990er Jahren Publikationen über regionale Einzelschicksale, wie beispielsweise seine erste dokumentarische Erzählung "Die Kartenlegerin von Suhl: Ich bin bei der Stasi gefangen … (1955/56)" veröffentlicht.

 

10. Geschichtsmesse: Aktuelle Herausforderungen für die Demokratie und das Erbe des Kommunismus / 300 Multiplikatoren aus Bildungsarbeit und Aufarbeitung diskutieren im thüringischen Suhl

Leben wir wieder in Weimar? Die 10. Geschichtsmesse der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur bringt vom 19. bis 21. Januar im thüringischen Suhl rund 300 Multiplikatoren aus Bildungseinrichtungen und Aufarbeitungsinstitutionen zusammen.

In einem Streitgespräch diskutieren der Journalist Patrick Bahners (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und der Historiker Sebastian Ullrich (Beck-Verlag) über den Vergleich zwischen aktuellen Problemen und der Weimarer Demokratie sowie darüber, ob und wie es möglich ist, aus der Geschichte zu lernen. Mit einem Vortrag über das Verhältnis von historischer Aufarbeitung und Populismus in Deutschland und den ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas bezieht der Soziologe Helmut Fehr (Universität Budapest) das Problem demokratischer Entwicklungen nach 1990 unmittelbar auf die Prägungen und Hinterlassenschaften der kommunistischen Herrschaftsverhältnisse. Die Podiumsdiskussion „Das Erbe des Kommunismus im Europa der Gegenwart“ bringt Fachleute aus Albanien, Rumänien, Serbien, Montenegro und Estland zusammen, um aus ihrer jeweiligen Perspektive das Verhältnis von Demokratie und Diktaturaufarbeitung zu beleuchten.

Den aktuellen Herausforderungen der Demokratie zwischen Einwanderungsgesellschaft, Flüchtlingspolitik und Extremismus ist das Abschlusspodium gewidmet, bei dem die thüringische Staatssekretärin für Kultur und Europa Babette Winter, die Leiterin der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung Sabine Bamberger-Stemmann, der Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt sowie der Ratsvorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung Markus Meckel diskutieren werden.

Während der Geschichtsmesse werden mehr als 50 Projekte der historisch-politischen Bildungsarbeit präsentiert. Weitere Diskussionen, Filmvorführungen und Lesungen runden das dreitägige Programm ab. Die Bundesstiftung Aufarbeitung wird ihre umfangreichen Aktivitäten aus ihrem Schwerpunkt „Der Kommunismus: Utopie und Wirklichkeit“ anlässlich der „Oktoberrevolution“ vor 100 Jahren präsentieren.

10. Geschichtsmesse der Bundesstiftung Aufarbeitung 19. – 21. Januar 2017, Ringberg Hotel in Suhl Wenn Sie teilnehmen möchten und eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen, wenden Sie sich bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Weitere Informationen zum Programm finden Sie unter www.geschichtsmesse.de.

Der Geschichts- und Politikwissenschaftler Stefan Walter (34) ist als neuer Chef der Außenstelle Suhl der Stasiunterlagenbehörde eingesetzt worden. Damit endet die bisherige kommissarische Leitung durch Monika Aschenbach (63), die auf eigenen Wunsch wieder in der Antragsbearbeitung arbeitet; sie hatte die Position für zehn Jahre inne. Stefan Walter stammt aus Jena und arbeitete zuletzt als Projektmanager und Redakteur der Zeitschrift Gerbergasse 18. Die Thüringer Vierteljahreszeitschrift für Zeitgeschichte und Politik beschäftigt sich speziell und differenziert mit der regionalen und überregionalen Aufarbeitung der DDR-Geschichte und der SED-Diktatur. Wir gratulieren Stefan Walter zu der Position und wünschen ihm viel Erfolg bei den neuen beruflichen Herausforderungen. 

Die Journalistin Gerlinde Sommer hat mit dem Landesbeauftragten Christian Dietrich über Fragen zu 25 Jahren Akteneinsicht, über Täter und Opfer sowie jene Forderungen, die sich daraus an Staat und Gesellschaft ergeben, gesprochen. Lesen Sie das vollständige Interview hier auf Thüringische Landeszeitung Online

Im Jahr 2016 wurden 48.634 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) gestellt. (In 2015: 62.544). Insgesamt sind damit seit Beginn der Möglichkeit, Einsicht in die eigenen Stasi-Akten zu nehmen, mehr als 3,1 Millionen An-träge von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen. Das Stasi-Unterlagen-Gesetz trat am 29. Dezember 1991 in Kraft. Am 2. Januar 1992, vor 25 Jahren, konnten die ersten persönlichen Akteneinsichten beginnen. Seitdem sind insgesamt 7.107.919 Anträge beim BStU eingegangen.

Von den knapp 61 Kilometern Akten, die in den Dienstzimmern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Winter 1990 gesichert wurden, sind mittlerweile 56 Kilometer erschlossen. Die vom MfS archivierten Unterlagen im Umfang von 51 Kilometern werden mit Hilfe der MfS-Findmittel recherchiert. Von den vom BStU erstellten Recherchehilfen sind nun 230 Findmittel im Online-Portal ARGUS beim Bundesarchiv (www.argus.bstu.bundesarchiv.de) nutzbar. Sie enthalten 70.643 Titelangaben und 18.000 Digitalisate von Schriftgut sowie 8.750 Minuten Tonaufzeichnungen. Auch die seit Januar 2015 online gestellte Stasi-Mediathek (www.stasi-mediathek.de) ermöglicht einen Einblick in Stasi-Unterlagen, mit 480 Dokumenten auf 3.360 Einzelseiten , 535 Fotos, 31 Videos und 16 Audio-Sequenzen.

Der Landesbeauftragte ist ab sofort unter neuen Telefonnummern zu erreichen. Post- und Besucheradresse bleiben bestehen. Sie erreichen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nunmehr unter: 

Christian Dietrich
Landesbeauftragter
Tel.: 0361 57 3114-950
Fax: 0361 57 3114-952

Anja Siebeneicher
Sekretariat
Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952

Thomas Heinemann
Stellvertreter, Referent für Bürgerberatung / Rehabilitierung
Tel.: 0361 57 3114-957
Fax: 0361 57 3114-952

Hendrik von Quillfeldt
Referent für Öffentlichkeitsarbeit / politische Bildung
Tel.: 0361 57 3114-956
Fax: 0361 57 3114-952

Dr. Matthias Wanitschke
Referent für politische Bildung / Schülerarbeit
Tel.: 0361 57 3114-958
Fax: 0361 57 3114-952

Dr. Anke Geier
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: 0361 57 3121-691
Fax: 0361 57 3121-692

Kristina Casper
Außenstelle Suhl
Tel.: 0361 57 3121-690
Fax: 0361 57 3121-692

Sabine Böhme
Außenstelle Gera
Tel.: 0361 57 3122-205
Fax: 0361 57 3122-713

Der Landesbeauftragte und sein Team wünschen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in 2017. Wir bedanken uns an dieser Stelle für Ihr Interesse an unserer Arbeit und freuen uns, wenn Sie uns weiterhin auf unserer Webseite besuchen. 

Cover GG18 H81Geschichtliche Zusammenhänge ereignen sich laut Karl Marx zweimal: zuerst als Tragödie, dann als Farce. Dennoch suchen viele Menschen in der Vergangenheit nach „Vergleichsobjekten“, um daraus Lehren für die Gestaltung der Gegenwart oder der vermeintlichen Zukunft zu ziehen. Kann also aus der Geschichte gelernt werden? Die neue Ausgabe 4/2016 der „Gerbergasse 18“ beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt „Korea“. Dabei erweist sich die Problematik des Lernens aus der Geschichte als akut, ist die koreanische Halbinsel doch seit 1948 in Nord- und Südkorea geteilt. Bis heute stehen sich diese beiden Länder unversöhnlich gegenüber. Ein Vergleich mit der deutschen Teilungsgeschichte im 20. Jahrhundert bietet sich an, genauso wie die Frage, welche Lehren aus der Deutschen Einheit für die aktuelle Situation in Korea gezogen werden können. Aber nicht nur Gemeinsamkeiten, auch Unterschiede werden in der neuen „Gerbergasse 18“ diskutiert: Beispielsweise der Umstand, dass es in Korea nicht bei einem „kalten“ Krieg geblieben ist, was sich bis heute auf die Wiedervereinigungsbestrebungen auswirkt.

Weitere Themen in der neuen „Gerbergasse 18“ sind unter anderem der staatlich organisierte DDR-Waffenhandel, die Beobachtung von Motorsport-Wettkämpfen im tschechoslowakischen Brünn durch die Stasi sowie die Frage „Wie subversiv waren die Digedags?“.

Die neue Ausgabe 4/2016 der „Gerbergasse 18“ ist ab sofort im Jenaer Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Radka Denemarková erhält am 18. Dezember 2016 in Prag den Wald Press Award 2016 für ihr Engagement zugunsten der Schwachen in der Gesellschaft.
Die Gedenkplakette wird der Autorin, Literaturhistorikerin, Drehbuchautorin, Übersetzerin und Dramaturgin verliehen, da sie, so die Juroren, ‚mit ihren Romanen die Humanität wieder in unser Leben zurückbringt, indem sie unangenehme soziale und soziohistorische Themen auf außerordentlich hohem literarischem Niveau kompromisslos anspricht‘.
Die Autorin untersucht nicht nur neue Möglichkeiten für die literarische Form des Romans selbst, sondern provoziert durch kühne Thematisierung besonders schwacher und verletzlicher Menschen.

In Deutschland ist sie bekannt geworden, durch ihren Roman "Ein herrlicher Flecken Erde" (der Landesbeauftragte hatte hierzu zuletzt eine Lesung mit Denemarková in Greiz veranstaltet).
Mehr Informationen zu der tschechischen Autorin finden SIe hier auf ihrer Webseite.

Seit 2010 gibt es die Möglichkeit in Deutschland Regionen zu Nationalen Naturmonumenten zu erklären. Erstmals geschah dies in diesem Jahr mit den Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern.
Auf den jüngsten Sitzungen des Thüringer Geschichtsverbundes war das Projekt Grünes Band mehrfach Thema, da die Akteure der Grenzerinnerung und –aufarbeitungan den Konzeptionen nur sporadisch beteiligt wurden. Nach Bundesrecht müssen die Gebiete zwei Bedingungen erfüllen. Sie müssen wegen ihrer „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Bedeutung“ und wegen ihrer „Seltenheit, Eigenart oder Schönheit“ von herausragender Bedeutung sein.

In Thüringen soll der gesamte ehemalige Grenzraum als „Grünes Band“ zum Nationalen Naturmonument werden. In einer Erklärung der Umweltministerin zum Projekt heißt es: „…erst mit der friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer wurde die Einzigartigkeit dieses Gebietes deutlich, welches sich heute als ‚Grünes Band‘ auf mehr als 12 000 Kilometern von der Ostsee bis an das Schwarze Meer durch ganz Europa zieht. Mit 763 Kilometern hat Thüringen mehr als die Hälfte des Grünen Bandes in Deutschland und trägt eine besondere Verantwortung, diese Perlenkette der Natur zu erhalten.“ (Tagesspiegel 01.10.2016)

Faktisch werden so die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Einzigartigkeit dieses Gebietes wurde nicht erst 1989/90 sichtbar, sondern gründet in seiner Geschichte als „Todesstreifen“. Die Metapher „Perlenkette der Natur“ ökologisiert den Eisernen Vorhang. Das Monstrum an der Außengrenze des sowjetischen Imperiums mit dem DDR-Grenzregime und den Minen, Selbstschutzanlagen, Sperrzäunen und dem Streifen, der von Vegetation freigehalten wurde, war und ist „einzigartig“. Die alten und neuen Biotope sind es nur vermittelt. Priorität haben die „landeskundliche“ Bedeutung und die „Eigenart“ des ehemaligen Todesstreifen. Das sollte auch das Gesetz für das Nationale Naturmonument abbilden. Die Erfolge der Renaturierung sind wertvoll aber sekundär. Wie das Verhältnis zwischen Erinnerungsarbeit, Gedenkkultur und Umweltbildung zukunftsträchtig zu gestalten ist, zeigt z.B. die Kooperation des Grenzlandmuseums Teistungen mit der Heinz-Sielmann-Stiftung.

Forschung zum verfehlten Umgang mit NS-Verbrechen in der DDR

„Die Nazis waren doch alle im Westen“ – dies ist und war häufig die landläufige Meinung über den Verbleib nationalsozialistischer Täter, Führungspersönlichkeiten und Mitläufer nach dem Zweiten Weltkrieg. Waren aber wirklich alle belasteten Personen, die sich in der SBZ und der DDR aufhielten, von der Sowjet- und der DDR-Justiz ihrer gerechten Strafen zugeführt worden oder frühzeitig in den Westen gegangen? Gab es in den Biografien manches Ostdeutschen doch braune Flecken?
„Der verordnete Antifaschismus bzw. der DDR-Gründungsmythos, dass Alt-Nazis nur im Westen sitzen, hat der (juristischen) Aufarbeitung geschadet. Vertuschungsmaßnahmen und inkonsequente Strafverfolgung waren keine Seltenheit“, erklärt Dr. Matthias Wanitschke, Referent für politische Bildung beim Thüringer Landesbeauftragten.

Gemeinsam mit Medizinhistorikerin PD Dr. Susanne Zimmermann hatte Wanitschke in diesem Zusammenhang zum Thema Kindereuthanasie im Dritten Reich und der Rolle verantwortlicher Ärzte in der DDR geforscht.
Anhand konkreter Fälle aus der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt im thüringischen Stadtroda zeigt sich, wie funktional die Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der DDR geschah. In den 1960er Jahren hatte die Staatssicherheit Indizien gefunden, die dort tätige Ärzte für die NS-Kindereuthanasie verantwortlich machte. Eine juristische Verfolgung wurde jedoch verhindert. Bis 1945 betrieb das heutige Klinikum Stadtroda im „Dritten Reich“ eine sogenannte „Kinderfachabteilung“.

„Der SED-Staat wusste, dass die DDR-Ärzte Dr. med. Johannes Schenk, Dr. med. Margarete Hielscher, Prof. Dr. med. Rosemarie Albrecht und der Oberpfleger Hermann Geithe in die Verbrechen der Kindereuthanasie verstrickt waren. Weil eine prozessuale Klärung der Indizien letztlich auch SED-Genossen belastete und den SED-Gründungs-Mythos in Frage stellte, wurde das Belastungsmaterial archiviert und seinerzeit nicht zur juristischen Aufarbeitung genutzt“, erklärt Wanitschke weiter.

Im Zuge des Films „Nazikarrieren in der DDR?“ von Christian Schulz und Claudia Gründer wird anhand dieses und weiterer Beispiele die Vergangenheit des „einzigen antifaschistischen deutschen Staates“ beleuchtet und auf seinen tatsächlichen Umgang mit Alt-Nazis, NSDAP-Mitgliedern, Mitläufern bis hin zu Kriegsverbrechern untersucht. Der Film ist hier auf MDR online abrufbar.

"Protest aus dem Eichsfeld" 

mw 3Anlässlich der jährlichen Kampfdemonstration zu Ehren von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg forderten am 17. Januar 1988 Vera Lengsfeld, Freya Klier, Bärbel Bohley und der Liedermacher Stephan Krawczykeinen politischen Wandel in der DDR. Das rief die Stasi auf den Plan und führte zu einem "Enthauptungsschlag" gegen die Bürgerrechtsbewegung. Sie wurden des Hochverrats bezichtigt.

Aufgrund dieser unrechtmäßigen Verhaftungen kam es zu einem Protest von 38 Leinefeldern. Mit ihren Unterschriften forderten sie den Ministerrat der DDR entschieden dazu auf, die Verfassung der DDR und deren garantierten Grundrechte einzuhalten.

Dr. Matthias Wanitschke, Referent für politische Bildung beim Landesbeauftragten, moderierte eine Gesprächsrunde mit den Verfassern dieser Protesterklärung; Gerhard Bause, Jürgen Weber und Rolf Herkelmann und Gerhard Beulke aus Leinefelde sprachen über Ihre Motivation und die Folgen der couragierten Aktion. Im Anschluss daran fand das Konzert "Rettung kommt von Ohnmacht nicht!" mit Stephan Krawczyk statt. Lesen Sie mehr zu der Veranstaltung hier auf Thüringer Allgemeine Online. 

Ausstellungseröffnung am 5. Dezember in Jenaer Stadtteilzentrum LISA

Ab heute wird erstmalig die Ausstellung „Hilferufe aus Riesa“ in Jena zu sehen sein. Sie erzählt ausführlich die Geschichte der „Petition zur vollen Erlangung der Menschenrechte“ und würdigt jene Menschen, die sich gemeinschaftlich öffentlich zu ihrem Ausreisewunsch und ihrer Kritik an der SED-Diktatur bekannten. Die Eröffnung durch den Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, findet um 17:00 Uhr im Jenaer Stadtteilzentrum LISA statt.

An die Ausstellungseröffnung schließt sich eine Gesprächsrunde mit Dr. Sabine Kuder, Bundesstiftung Aufarbeitung; Monika und Dr. Dietrich Lembke, Unternehmer, Mitbegründer des „Weißen Kreises“ (Ausreisekreis) in Jena 1983; Jens Ostrowski, Journalist, Ralf-Dahrendorf-Preis 2015, Kurator der Ausstellung sowie Sylvia Wähling, Vorstand IGFM und Leiterin des Menschenrechtszentrums Cottbus an.

79 DDR-Bürger aus Riesa und dem damaligen Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) unterzeichneten die Petition im Juli 1976 und lösten damit ein europaweites Medienecho über die Menschenrechtsver¬let¬zun¬gen in der DDR aus. Sie beriefen sich unter anderem auf die KSZE-Schlussakte von Helsinki, in der sich die Staatsführung 1975 zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet hatte. Die SED verhaftete daraufhin viele der Petitionäre.

Herausgeber der Ausstellung ist die in Frankfurt am Main ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die in den 70er Jahren die Petitionäre aus der DDR unterstützte und die Petition im Westen bekannt machte.

Der Thüringer Landesbeauftragte lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Ausstellungseröffnung in das Stadtteilzentrum LISA (Werner-Seelenbinder-Straße 28A, Jena) ein. „Hilferufe aus Riesa“ kann im Anschluss bis zum 20. Januar 2017 montags bis freitags von 08:00 bis 18:00 Uhr besichtigt werden.

Ein Beispiel für die literarische Bearbeitung der Geschichte verfolgter Juden im 20. Jahrhundert bietet die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková mit ihrem Roman „Ein herrlicher Flecken Erde“.
Radka Denemarková wird das Werk im Rahmen einer Buchvorstellung am 2. Dezember 2016 um 13:30 Uhr in der Aula des Ulf-Merbold-Gymnasiums in Greiz vorstellen. 

Eine Buchbesprechung von DDR-Bürgerrechtler Wolfram Tschiche: 

Die Heldin des Romans, Gita Lauschmann, gehört der sudentendeutschen Bevölkerungsgruppe an. Zugleich ist sie Jüdin, die im NS-Vernichtungslager alle Familienangehörige verloren hat und nur knapp mit dem Leben davonkam. Jetzt kehrt die Sechzehnjährige heim, erschöpft und voller Hoffnung. Jedoch ist ihr Elternhaus von einem tschechischen Elternpaar besetzt und Gita muss die Erfahrung machen, dass sie kein Platz mehr hat, der ihr gehört, dass man ihr all ihren Besitz streitig macht und sich ihr gegenüber aggressiv zeigt.

Eine solche Erfahrung mussten auch andere machen, die sich in einer vergleichbaren Situation befanden wie die Romanheldin. Eine besonders perfide Umkehrung der Tatsachen konnte Behauptung sein, dieser Besitz sei sowieso unrechtmäßig erworben worden und die Vorbesitzer seien Nazis, zumindest Nazi-Kollaborateure gewesen und somit zu Recht enteignet worden.

Die neuen Herren im Dorf nebst ihren Ehefrauen haben sofort, drei Monate nach dem Zweiten Krieg neue Verhältnisse geschaffen und allen Besitz unter sich aufgeteilt. Als verschworene Gemeinschaft halten sie gegen „den Feind“ von außen zusammen; in diesem Fall sind es die Deutschen, auch deutschsprachige Juden. Man ist nicht gewillt, irgendetwas freiwillig wieder herzugeben. Das Unrechtmäßige und Amoralische ihrer Haltung kann offenbar nur mit Kaltblütigkeit durchgesetzt werden. Das Mädchen Gita, gerade einem Vernichtungslager entkommen, wird als Nazi beschimpft, als „dreckige Deutsche“ gebrandmarkt, grausam misshandelt entkommt ihrem Tod – sozusagen ein zweites Mal – nur knapp mithilfe ausgerechnet der Frau, die nun ihr Elternhaus bewohnt und es zeitlebens beanspruchen wird.

Am 2. Dezember spricht DDR-Bürgerrechtler Wolfram Tschiche in der katholischen Kirche Ichtershausen um 18:30 Uhr über Václav Havels Haltung zur Vertreibung der Sudetendeutschen und die Notwendigkeit einer Versöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen.

Von der Vertreibung aus der Tschechoslowakei waren zwischen 1945 und 1946 bis zu drei Millionen Deutsche betroffen. Unter Androhung und Anwendung von Gewalt wurden die Sudetendeutschen zum Verlassen Ihrer Heimat gezwungen; das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der betroffenen Einwohner wurde konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Der frühere tschechoslowakische bzw. tschechische Staatspräsident Václav Havel war später einer der ersten Tschechen, der die Vertreibung öffentlich kritisiert hatte.

Der Landesbeauftragte lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu dem Vortrag nach Ichtershausen ein, an dem sich eine Diskussionsrunde anschließen wird. Die dortige katholische Kirche war die erste, die in der DDR für Flüchtlinge gebaut und geweiht wurde. Ichtershausen hatte seinerzeit einen signifikanten Anteil an Flüchtlingen aus dem Sudetenland.

Vortrag und Gespräch mit Baldur Haase über die Wahrsagerin Charlotte Marquardt

Heute spricht der Wissenschaftler Baldur Haase um 19:30 Uhr im Gemeinderaum der Katholischen Kirche “Sankt Kilian” in Suhl über seine dokumentarische Erzählung „Die Kartenlegerin von Suhl“, worin er das Schicksal der Wahrsagerin Charlotte Marquardt beschreibt. Seinerzeit geriet Marquardt ins Visier der Stasi, weil sie ihren Nachbarn günstige Fluchttermine wahrsagte.

Haase hatte seit den 1990er Jahren Publikationen über regionale Einzelschicksale, wie beispielsweise seine erste dokumentarische Erzählung "Die Kartenlegerin von Suhl: Ich bin bei der Stasi gefangen … (1955/56)" veröffentlicht. Der Autor erläutert im Gespräch mit dem Journalisten Markus Ermert (Freies Wort), wie er auf den Fall der Kartenlegerin Charlotte Marquardt aufmerksam wurde, wie er Zeitzeugen ausfindig machte, die sie persönlich kannten und welche Rolle schließlich die Akten der Staatssicherheit spielten. Und zuletzt, ob die Fluchttermine – zumindest in Teilen – tatsächlich günstig gewesen waren.

Der Weimarer Republik e.V. hat am Wochenende in Kassel den mit 7500 Euro dotierten Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ erhalten. In seiner Laudatio würdigte der Vorsitzende des Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V., Prof. Dr. Bernd Faulenbach das Bemühen des Preisträgers, die erste deutsche Demokratie nicht nur unter dem Aspekt ihres Scheiterns, sondern auch als Vorgeschichte unserer heutigen Demokratie zu betrachten. Besondere Anerkennung fand die moderne Art der Geschichtsvermittlung, wie sie der Weimarer Republik e.V. beispielsweise mit seiner multimedialen Wanderausstellung praktiziert. Dadurch gelinge es, neue Zielgruppen für das Thema zu erreichen.
Prof. Faulenbach lobte zudem die Schaffung eines zentralen Erinnerungsortes in Weimar. Das am Theaterplatz vorgesehene „Haus der Weimarer Republik“ würdige endlich in angemessener Weise die großartigen Leistungen der Nationalversammlung im Jahr 1919 und werde somit eine national bedeutsame Aufgabe erfüllen. Durch den konzipierten Gegenwartsbezug könne das Haus einen wichtigen Beitrag in der Demokratieförderung leisten.

Kurz nach seinem 70. Geburtstag ist der Vorsitzende des Trägervereins Politische Bildungsstätte Helmstedt e.V. nach einer plötzlich aufgetretenen schweren Krankheit am 1. November verstorben.
Mit dem Tod von Dr. Hans-Jürgen Grasemann verliert die Aufarbeitungslandschaft einen bedeutenden Wissenschaftler, Zeitzeugen und Mitstreiter.

Dr. Hans-Jürgen Grasemann veröffentlichte zahlreiche Aufsätze in Sammelwerken und Fachzeitschriften, insbesondere zu juristischen Fragen der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Seit 1967 ist er in der politischen Bildungsarbeit für unterschiedliche Bildungsträger tätig. Der ehemalige Vorsitzende des Zentralverbandes Demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgtenorganisationen - ZDWV e.V. studierte Jura in Göttingen und promovierte 1973 mit einer Arbeit über das Verfassungsrecht der DDR. Nach zwei Jahren als Richter war er ab 1978 als Staatsanwalt am Landgericht Braunschweig tätig.

Von 1988 bis 1994 arbeitete er schließlich als stellvertretender Leiter und Sprecher der Zentralen Beweismittel- und Dokumentationsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter. Diese Einrichtung bestand seit 1961 und diente der Dokumentation der Verbrechen des SED-Regimes. Grasemann und seine Mitarbeiter gingen dort Hinweisen auf vollendete oder versuchte Tötungshandlungen (zum Beispiel an der innerdeutschen Grenze), Unrechtsurteile aus politischen Gründen, Misshandlungen im Strafvollzug und Verschleppung oder politische Verfolgung in der DDR nach.

Er war in Thüringen in vielfacher Hinsicht präsent, ob als Referent oder bei der Gestaltung der Städtepartnerschaft Salzgitter – Gotha. In einem Interview sagte er kürzlich: "Unrecht bleibt Unrecht, das hilft den Opfern.“ Dr. Hans-Jürgen Grasemann machte in Vorträgen den Wert des Rechtsstaates für die Demokratie plausibel und stärkte Menschen, die sich der Aufklärung von Verbrechen des SED-Staates widmeten.
"Er war ein wunderbarer Mensch und klarer Jurist. Er wird uns fehlen", sagt der Landesbeauftagte, Christian Dietrich. 

Unbenannt Zuschnitt 2Prof. Dr. Daniela Münkel, Forschungsprojektleiterin bei der Stasi-Unterlagenbehörde, hat gestern im Erfurter Collegium Maius spannende Einblicke in die geheimen Berichte der „Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe“ (ZAIG) des Ministeriums für Staatssicherheit gegeben. Jene Berichte wurden speziell zur Information der Partei- und Staatsführung der DDR seit dem Juniaufstand 1953 verfasst. Entsprechend klein war der Empfängerkreis. Neben Ulbricht bzw. Honecker erhielten lediglich die in der Empfängerliste als „Freunde“ genannte, sprich der KGB, regelmäßig jene geheimen Berichte, die die Stimmungslage in der DDR widerspiegelten. 

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36 Jahre lang wurden die geheimen Berichte in unterschiedlicher Form, Umfang und Frequenz angefertigt. Sie zeigen den besonderen Blick der Stasi auf die DDR: Hinweise auf oppositionelles Verhalten sind dort ebenso zu finden, wie Statistiken zum Devisenumtausch oder Informationen zu Ausreise- und Fluchtfällen. 

Ein Thema, dessen sich das MfS über die Jahrzehnte hinweg in der Stimmungsberichterstattung immer wieder annahm, war beispielsweise die Stimmung und Meinung der „Jugend“  als zukünftige Träger der „sozialistischen Gesellschaftsordnung“. Hier stand vor allem die Angst vor „negativen“ westlichen Einflüssen im Mittelpunkt: Mode, Musik, Medien oder politische Ideen. Eine weitere Konstante in den Berichten war außerdem der Unmut in der Bevölkerung hinsichtlich der Versorgungslage in der DDR. 

Generell hatten die Stimmungsberichte stets einen sehr ambivalenten Inhalt. Zum einen wurde seitens des MfS entsprechend der politisch-ideologischen Überformung die Stimmung in der DDR tendenziell beschönigt, um dann doch an vielen Stellen ein „ungeschminktes“ und realistisches Meinungsbild der Ostdeutschen wiederzugeben. 

Besonders spannend: Auf www.ddr-im-blick.de lassen sich die Faksimiles einiger dieser Berichte abrufen.    

Vortrag über die Ausbürgerung von Wolf Biermann am 14. November 2016 in Jena

Am 14. November 2016 veranstaltet der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Jena im Hörsaal 235 des Jenaer Universitätshauptgebäudes um 18:30 Uhr einen Vortrag über die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Der Historiker Dr. Robert Grünbaum (Berlin) beleuchtet die Ereignisse rund um die Ausbürgerung und blickt dabei insbesondere auch auf die Folgen für die DDR.

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Vor 40 Jahren wurde Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert. Nach einem Konzert in Köln verweigerte die Staatsmacht dem Liedermacher am 16. November 1976 die Rückkehr nach Ost-Berlin – „wegen grober Vernachlässigung staatsbürgerlicher Pflichten“. Es folgte ein Sturm der Entrüstung in Ost und West, der kaum mehr zu kontrollieren war. Prominente Künstler sowie zahlreiche DDR-Bürger im ganzen Land protestierten gegen die Entscheidung der Parteiführung. Die Mächtigen reagierten mit Drangsalierung und Repression.

Die Biermann-Ausbürgerung markiert eine wichtige Zäsur in der Geschichte der DDR – für die SED-Führung ebenso wie für die Opposition.
Der Thüringer Landesbeauftragte lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu dieser Veranstaltung ein, an die sich eine Diskussionsrunde anschließen wird.

Bundesweit 22 Prozent halten die Friedliche Revolution 1989 nicht für einen Glücksfall

Sieben von zehn Deutschen kennen den 9. November 1989 als das markanteste Datum der Friedlichen Revolution. Bei einer repräsentativen Umfrage der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gemeinsam mit dem Umfrageinstitut Kantar Emnid konnten 71 Prozent der Befragten den 9. November dem Fall der Berliner Mauer 1989 zuordnen. Die Quote richtiger Zuordnungen war in Westdeutschland mit 72 Prozent geringfügig höher als im Osten Deutschlands (67 Prozent).

War die Friedliche Revolution ein Glücksfall?
"Die Friedliche Revolution war ein Glücksfall" – dieser Aussage stimmten 35 Prozent der Befragten stark zu, 35 Prozent befürworteten sie eingeschränkt („stimme eher zu“). Gegenüber den 70 Prozent Zustimmung lehnten 22 Prozent der Befragten die Aussage ab. 11 Prozent stimmten der Aussage eher nicht zu, weitere 11 Prozent der Befragten stimmten gar nicht zu. Die Verteilung derjenigen, die der Friedlichen Revolution in der DDR 1989 nichts Positives abgewinnen können, ist in Ost und West nahezu gleich.

Umfrage lässt weitere Potenziale für die Bildungsarbeit erkennen
Zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky: „Der 9. November ist wie kein anderes Datum der deutschen Geschichte mit historischen Ereignissen aufgeladen. Erfreulich ist, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten weiß, dass 1989 an diesem Tag die Berliner Mauer gefallen ist. Wir freuen uns auch, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung die Friedliche Revolution und ihre Folgen als ein positives Ereignis einordnet. Das zeigt nicht zuletzt, dass die Bildungsarbeit zur jüngsten deutschen Geschichte in den vergangenen 27 Jahren Früchte getragen hat. Zugleich gibt es hier noch Potenziale, wenn immerhin ein Viertel der Befragten die Bedeutung dieses für die deutsche und europäische Geschichte zentralen Datums nicht kennt.“

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage von Bundesstiftung Aufarbeitung und Kantar Emnid finden Sie hier

Neue Publikation von Uta Bretschneider zum Thema Flüchtlinge und Vertriebene um 1945

Etwa 14 Millionen Deutsche aus dem östlichen Europa waren am Ende des Zweiten Weltkriegs von Flucht oder Vertreibung betroffen. In der Sowjetischen Besatzungszone stellten sie ein viertel der Bevölkerung. Für etwa 700.000 Flüchtlinge und Vertriebene sollte Thüringen eine "neue Heimat" werden. Doch auf die Verlusterlebnisse folgte nicht selten die Erfahrung des unerwünscht Seins sowie des sozialen und beruflichen Abstiegs. Von staatlicher Seite wurde die Integration der sogenannten Umsiedler rasch als abgeschlossen betrachtet, doch tatsächlich vollzog sie sich als ein langwieriger und verwerfungsreicher Prozess. Die weitgehende Verdrängung von Flucht und Vertreibung aus der Öffentlichkeit der DDR erschwerte eine Be- und Verarbeitung erheblich, heißt es im Klappentext der neuen Publikation der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. DIe Publikation ist ab sofort hier über die Webseite der Landeszentrale bestellbar

Autorin Uta Bretschneider ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs Volkskunde am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. in Dresden. 

Vortrag mit Prof. Dr. Daniela Münkel über Stasi, DDR-Gesellschaft und Überwachung

Prof. Dr. Daniela Münkel, Forschungsprojektleiterin bei der Stasi-Unterlagenbehörde, gibt in ihrem Vortrag am 10. November um 18:00 Uhr im Erfurter Collegium Maius spannende Einblicke in die geheimen Berichte der „Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe“ (ZAIG) des Ministeriums für Staatssicherheit. Jene geheimen Berichte wurden speziell zur Information der Partei- und Staatsführung der DDR seit dem Juniaufstand 1953 verfasst und sind eine zeitgeschichtliche Quelle von hohem historischem Wert.

36 Jahre lang wurden sie in unterschiedlichen Formen und Frequenzen angefertigt. Sie zeigen den besonderen Blick der Stasi auf die DDR: Hinweise auf oppositionelles Verhalten sind dort ebenso zu finden, wie die Beschreibung von Problemen in Wirtschaft und Versorgung, Statistiken zum Devisenumtausch oder Informationen zu Ausreise- und Fluchtfällen. Prof. Dr. Daniela Münkel zeigt anhand jener geheimen Berichte, wie das MfS eine Tiefenbohrung in die DDR-Gesellschaft vornahm; eine Tiefenbohrung, geprägt von einer geheimdienstlichen Sicht, die vor allem darauf bedacht war, Kritik, „politisch-ideologische Diversion“ und „Untergrundtätigkeit“ aufzudecken, zu bekämpfen und möglichst im Keim zu ersticken.

Ein Thema, dessen sich das MfS über die Jahrzehnte hinweg in der Stimmungsberichterstattung immer wieder annahm, war beispielsweise die Stimmung und Meinung der „Jugend“ als zukünftige Träger der „sozialistischen Gesellschaftsordnung“. Hier stand vor allem die Angst vor „negativen“ westlichen Einflüssen im Mittelpunkt: Mode, Musik, Medien oder politische Ideen. Über diese und weitere Aspekte spricht die Wissenschaftlerin am 10. November im Erfurter Collegium Maius.

Vortrag mit Thomas Purschke

Der Thüringer Journalist Thomas Purschke hält morgen in Gera einen Vortrag Über die Verstrickungen von Wissenschaftlern, Sportfunktionären und Medizinern in das geheime Staatsplanprojekt 14.25 in Thüringen. Dabei thematisiert Purschke auch die gesundheitlichen Folgen für zahlreiche Athleten.

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DDR-Sportler gewannen allein über 200 olympische Goldmedaillen und 768 Weltmeistertitel. Durch ein staatlich organisiertes Zwangsdopingsystem bezahlten viele Athleten allerdings einen hohen Preis dafür – mit ihrer Gesundheit und einige sogar mit ihrem Leben. Auch zahlreiche minderjährige Sportlerinnen und Sportler wurden in der DDR für diese kriminellen Menschenversuche missbraucht. Der Hauptproduzent von Dopingsubstanzen in der DDR war der VEB Jenapharm aus Jena. Auch Thüringer Wissenschaftler, Mediziner und Funktionäre waren an diesen perfiden Projekten beteiligt.
Anhand von mehreren konkreten Beispielen und Filmsequenzen stellt Thomas Purschke dieses dunkle Kapitel der Sportgeschichte dar.

Wann: 27. Oktober 2016, 18:00 Uhr
Wo: Gedenkstätte Amthordurchgang, Amthordurchgang 9, 07545 Gera

40 Jahre nach der Biermann-Ausbürgerung erscheint neue Dokumentation von MDR und NDR

Nach seinem Kölner Konzert am 13. November 1976 wurde der Liedermacher Wolf Biermann wegen „grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ aus der DDR ausgebürgert und durfte nicht zurückkehren. Die Ausbürgerung löste in beiden deutschen Staaten Entrüstung aus, Künstler und Intellektuelle protestierten gegen die Ausbürgerung. Die DDR-Regierung reagierte darauf mit Repressionen und einer beispiellosen Verhaftungswelle.

40 Jahre später beleuchtet der Dokumentarfilm „Der Fall Biermann – Mit der Gitarre gegen die Staatsmacht“ von MDR und NDR die Ereignisse und deren Wirkung auf die junge Opposition in der DDR. In Rückblenden erzählt der Film von den wichtigsten Stationen des Liedermachers Biermann und zeigt seltene Aufnahmen seiner Auftritte in Ost und West. Zu Wort kommen DDR-Bürgerrechtler wie Marianne Birthler und Roland Jahn, aber auch Freunde und Weggefährten wie Günther Wallraff, Sibylle Havemann und Ekkehard Maaß.

Im Anschluss an die erste öffentliche Aufführung des Dokumentarfilms am 3. November 2016 in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur diskutieren der Regisseur und Autor des Films Heinrich Billstein, der Historiker Bernd Florath und der Publizist Ekkehard Maaß über den „Fall Biermann“ und dessen politische Konsequenzen. Das Gespräch wird moderiert von Katja Wildermuth, Leiterin der Redaktion Geschichte und Gesellschaft beim MDR.

Der Dokumentarfilm wird am Montag, 7. November 2016 um 23:30 Uhr erstmals in der ARD ausgestrahlt.

Betroffene von Zwangsaussiedlungen in der DDR können sich nach dem Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetz (VwRehaG) rehabilitieren lassen. Der Deutsche Bundestag hat im Gesetzestext die Zwangsaussiedlung als besonders eklatanten Fall der politischen Verfolgung benannt: § 1 Abs. 3 VwRehaG „Mit tragenden Grundsätzen eines Rechtsstaates schlechthin unvereinbar sind die Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet der früheren Deutschen Demokratischen Republik auf der Grundlage der Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands vom 26. Mai 1952 (GBl. Nr. 65 S. 405) oder der Verordnung über Aufenthaltsbeschränkung vom 24. August 1961 (GBl. II Nr. 55 S. 343). Das gleiche gilt für die mit den Zwangsaussiedlungen in Zusammenhang stehenden Eingriffe in Vermögenswerte.“

Die verwaltungsrechtliche Rehabilitierung ermöglicht je nach verletztem Rechtsgut (Vermögen, Beruf, Gesundheit) die Inanspruchnahme von Entschädigungsleistungen nach Vermögensgesetz, Beruflichem Rehabilitierungsgesetz und Bundesversorgungsgesetz. Einen vollen Schadensersatz hat der Gesetzgeber allerdings nicht vorgesehen.

Hier finden Sie weitere Informationen und konkrete Beispiele zu Rehabilitierungsmöglichkeiten bezüglich der Anordnung von Kreisverweisen, etwa im Zuge der sogenannten Bodenreform, der Aktion „Oberhof“ 1950/1951, der Zwangsaussiedlungen 1952 und 1961 und nach dem Verteidigungsgesetz der DDR.

Eine der nachhaltigen Initiativen zur Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur feiert: Ein Vierteljahrhundert Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“.

Die Vorgeschichte des Thüringer Archiv für Zeitgeschichte beginnt - ähnlich wie bei seinen Partnerinstitutionen, dem Archiv der Havemann-Gesellschaft in Berlin und dem Archiv Bürgerbewegung in Leipzig - schon in die Zeit des revolutionären Aufbruchs. „Künstler für andere“ wurde 1986 in Jena gegründet und entwickelte ähnlich wie in Berlin und vielen anderen Städten eine Bibliothek, in der Informationen zu erhalten waren, deren Verbreitung die SED zu verhindern versuchte. Die Jenaer Bibliothek bzw. der „Leseladen“ hatte viele Freunde.

Nach der Entmachtung der SED und der Staatssicherheit rückte die Aufklärung der Herrschaftsstrukturen in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei spielten die geretteten Akten der Staatssicherheit eine herausragende Bedeutung. Bei der Auswertung standen oft SED-Dokumente den Erinnerungen von Zeitzeugen gegenüber. Nun wurden die Dokumente der SED-Gegner zu einer unersetzlichen Quelle. Das erkannten die Vereinsmitglieder und bauten ein Archiv auf, das erst nach vielen Jahren ehrenamtlichen Engagements auch öffentlich gewürdigt wurde. Inzwischen ist das Archiv ein fester Bestandteil der Thüringer Archivlandschaft und erster Träger des Thüringer Archivpreises. 

Eine Kernaufgabe ist, die Materialien (Briefe, Flugblätter, Plakate, Tonkassetten, Fotos, nicht staatlich lizensierte Publikationen und die Unterlagen der politischen Vereinigungen 1989/90) zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen. Dazu gehören die Beteiligung am Thüringer Archivverbund, verschiedene Publikationen, Vortragsreihen, Ausstellungen und Bildungsarbeit. So spannen die hautamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Archivs heute einen weiten Bogen zwischen den historischen Quellen und den mit ihnen verbundenen Zeitzeugen, den wissenschaftlichen Interpretation und der Popularisierung des „anderen Lebens“ in der DDR. Damit tragen sie zur Stärkung der historischen Substanz von Bildungsprozessen in unserem Land bei. Allen die daran mitwirkten und mitwirken danke ich. (Grußwort des Landesbeauftragten Christian Dietrich)

Gespräch mit dem Thüringer Landesbeauftragten Christian Dietrich in der aktuellen Jubiläumsausgabe der "Gerbergasse 18"

Mit freundlicher Genehmigung der Geschichstwerksatt Jena veröffentlichen wir einen Auszug aus dem Interview, das Stefan Walter und Daniel Börner mit Christian Dietrich geführt haben: 

Im Jahr 1996 – vor 20 Jahren – erschien das erste Heft der „Gerbergasse 18“, seitdem besteht die Kooperation mit dem/der Landesbeauftragten. Welche Rolle für die Anliegen der Aufarbeitung und politischen Bildung in Thüringen konnte unsere Zeitschrift in diesen zwei Jahrzehnten wahrnehmen?
Die Zeitschrift hat sich von der ersten Nummer an der regionalen Erinnerungskultur, der historischen Aufklärung und der Demokratiebildung verschrieben. Im ersten Heft hatten Udo Scheer und Jürgen Fuchs sich zu geschichtspolitischen Fragen geäußert, die auch heute relevant sind. Einige Entdeckungen aus der Forschung, die in der „Gerbergasse“ veröffentlicht wurden, haben zu Debatten geführt und letztlich auch Entscheidungen in den Parlamenten, beim MDR oder im Landessportbund angestoßen. 

Inzwischen liegt das 80.Heft vor. Wie kann und soll Ihrer Ansicht nach eine historisch-politische Zeitschrift weiterhin relevant bleiben für langjährige Abonnenten, aber auch lesbar und interessant für neue bzw. jüngere Lesergruppen?
Das Gründungsanliegen der Zeitschrift, die DDR verstehbar zu machen, hat nichts an Aktualität verloren. Vor 20 Jahren war die Erlebnisgeneration noch mehr oder weniger unter sich. Inzwischen gab es in jeder Hinsicht einen Generationswechsel. Die Zeitschrift blieb jung. Neue Fragestellungen und Perspektiven, das Layout und ein Autorenkreis weit über Thüringen und Deutschland hinaus sind zukunftsweisend. Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre unter Schülern, aber auch der jährliche Thüringen-Monitor zeigen, dass sich der fundamentale Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur für viele nicht erschließt. Historisches Wissen und Demokratiebildung korrelieren miteinander. Populärwissenschaftliche Beiträge sowohl aus historischer als auch politologischer Perspektive sollten sich ergänzen und auch als ein Angebot für Pädagogen verstanden werden. Ich kann mir vorstellen, dass – vielleicht über eine eigene Internetseite – auch die Debattenkultur gestärkt wird. Verschiedene Thüringer Institutionen publizieren seit Jahren Forschungsergebnisse (Quellen, Tagungsdokumentationen und Erinnerungsbände). Vielleicht ist es möglich, eine Thüringer Zeitgeschichtsreihe zu entwickeln, die die gewachsenen Kooperationen auch durch eine Publikationskooperation dokumentiert? 

Am 6. und 7. April 2017 findet eine wissenschaftliche Tagung zum Thema "Vertreibungen im kommunistischen Herrschaftsgebiet - Unterschiede und Gemeinsamkeiten" statt, auf der die Vertreibungen und die hieraus resultierenden Fluchtbewegungen im kommunistischen Europa und in Russland und der Sowjetunion seit 1917 beleuchtet werden. Der Fokus der Tagung richtet sich auf die staatlich organisierten Vertreibungen zum Zwecke der kommunistischen Herrschaftsetablierung und Herrschaftssicherung, wobei durch einen vergleichenden Ansatz die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ehemaligen europäischen Ostblockstaaten herausgearbeitet werden sollen.
Auf der Tagung sollen in erster Linie Nachwuchswissenschaftler (Doktoranden und Post-Docs) zusammenkommen, um ihre Forschungsergebnisse vorzustellen und sich untereinander zu vernetzen. Die Tagung ist international und interdisziplinär (Geschichts-, Politik- und Sozialwissenschaften, Psychologie, Philosophie) ausgerichtet. Aufgrund der Themenstellung auf das kommunistische Herrschaftsgebiet werden vor allem Wissenschaftler aus Polen, Tschechien, Slowakei, Ukraine, Ungarn, Russland, ehemalige Balkanstaaten und Deutschland angesprochen.

Durch ein Call for Papers in englischer Sprache sollen junge, internationale Nachwuchswissenschaftler als Referenten gewonnen werden. Ausgewählte Experten des Forschungsgebietes übernehmen die Einführungsvorträge und die Moderationen einiger Sektionen. Gleichzeitig besteht in einer „offenen Sektion“ die Möglichkeit für Institutionen, ihre Forschungsarbeiten und aktuellen Projekte zum Thema vorzustellen und zu diskutieren.
Alle interessierten Wissenschaftler können das Call for Papers über diesen Link abrufen. >> Hier finden sich alle weiteren Informationen zum Inhalt des einzureichenden Beitrages, sowie Rahmenbedingungen und Kontaktdaten. 

Die Tagung wird gemeinsam veranstaltet vom Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Point Alpha Stiftung. Ort der zweitägigen Tagung ist Geisa/ Thüringen. Die Konferenzsprache ist Englisch.

Cover GG18 H80Im Jahr 1996 ist das erste Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ erschienen, 20 Jahre später liegt mit der Jubiläumsausgabe 3/2016 das 80. Heft vor. Die zentralen Themen der Zeitschrift waren von Anfang an die Herausforderungen von Diktaturaufarbeitung und Demokratievermittlung, welche zunächst mit deutlichem Schwerpunkt auf Thüringen und der DDR-Geschichte behandelt wurden. Aktuell begreift sich die „Gerbergasse 18“ als Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik mit dem Anspruch, die Einsichten aus den Diktaturerfahrungen des 20. Jahrhunderts in die Gegenwart zu übertragen und für die demokratische Gesellschaft nutzbar zu machen.

In der Jubiläumsausgabe, die dem Anlass entsprechend einen erhöhten Umfang von 80 Seiten hat, wird auf 20 Jahre „Gerbergasse 18“ zurückgeschaut. Zu Wort kommen Kooperationspartner, prominente Akteure auf dem Feld der Diktaturaufarbeitung, Redaktionsverantwortliche und Stimmen aus der Leserschaft. Darüber hinaus äußert sich der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, zu Perspektiven für die „Gerbergasse 18“ und zum Stand der Aufarbeitung in Thüringen insgesamt. Die „Gerbergasse 18“ hat sich seit dem Jahr 1996 auch visuell weiterentwickelt, eine Collage aller 80 Titelseiten vermittelt einen Eindruck dieser Veränderungen.

Im Rahmen des inhaltlichen Schwerpunktes „Geschichte & Demokratie“ geht die Jubiläumsausgabe auf Bemühungen, Initiativen und Projekte in der gegenwärtigen Bildungsarbeit ein. Durch solche praxisnahen Beispiele wird deutlich, dass historisches Lernen auch heutzutage einen relevanten Beitrag für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten kann. Weitere Themen in der neuen „Gerbergasse 18“ sind unter anderem der Zerfall historischer Altstädte in der DDR, die kritische Edition von Adolf Hitlers Schrift „Mein Kampf“, das Jenaer Stadtjubiläum 1936 und der Musiker Udo Lindenberg als Lebensretter eines NVA-Soldaten.

Die Jubiläumsausgabe 3/2016 der „Gerbergasse 18“ ist ab sofort im Jenaer Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Experten diskutieren am 2. Oktober mit Zeitzeugen die Benachteiligung von Gläubigen in der SED-Diktatur

Auf dem Forum „Keine Religionsfreiheit in der DDR und die Lage der verfolgten Schüler heute“ wird im Zuge des Bürgerfestes zum Tag der Deutschen Einheit am 2. Oktober in Dresden das Thema Christenverfolgung und Glaubensfreiheit in der DDR diskutiert.
Die Veranstaltung beginnt 16:30 Uhr auf der Bühne des Pavillons „FREI_RAUM – Brücken bauen für Demokratie und Dialog”. Den einführenden Impulsvortrag hält Professor Dr. Ulrich Wiegmann. Er ist Dozent an der Humboldt-Universität Berlin mit Schwerpunkt Pädagogik und Staatssicherheit in der DDR. Professor Wiegmann wird das Einwirken der Staatssicherheit in Schulen und Bildungseinrichtungen skizzieren und im Besonderen auf die Verfolgung und Benachteiligung von christlichen Schülern in der DDR eingehen.

In der folgenden Podiumsdiskussion diskutieren Zeitzeugen ihre persönlichen Erfahrungen, darunter der Wissenschaftshistoriker und Publizist, Dr. Gerhard Barkleit. Schüler sind oft aufgrund von Gewissensentscheidung, die religiös motiviert waren, verfolgt worden. Zum Kernbestand der sozialistischen Bildung gehörte ein sogenannter 'Wissenschaftlicher Atheismus', der Raum für Blasphemie und Mobbing von Christen aller Konfessionen eröffnete.

Beispielsweise erlebte Dr. Barkleit als bekennender Christ während seiner Schulzeit zahlreiche Benachteiligungen. Auch später, als Vater von drei Kindern, konnte er die staatliche Diskriminierung gegenüber Christen im Unterricht beobachten. Seine zwei Söhne, die ihren Schulabschluss noch zu DDR-Zeiten machten, wurden vom Abitur ausgeschlossen. Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte er in der Nähe von Lommatzsch und Nossen.

„Als Veranstalter möchten wir mit dem Forum eine Sensibilisierung des Themas erreichen und auf aktuelle Probleme hinweisen. Die Lage der verfolgten Schüler ‎ist besonders schwierig, da nur wenige Betroffene die Möglichkeit haben, Rehabilitierungsverfahren erfolgreich abzuschließen. Eine Entschädigung gibt es seit langem nicht mehr“, erläutert der Thüringer Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich.

Ab 18:00 Uhr ist in einem zweiten thematischen Block die „Unterdrückung der Glaubensfreiheit in der DDR“ Thema. Einleitend hält Dr. Sebastian Holzbrecher, Lehrbeauftragter an der Universität Erfurt für katholische Kirchengeschichte, einen Impulsvortrag. Dem folgt eine Podiumsdiskussion, an der unter anderem der Schriftsteller und sächsische Berater für Betroffene vom SED-Unrecht, Utz Rachowski, sowie Stephan Hilsberg, Politiker und Publizist, teilnehmen.

Ab sofort ist die neue Ausstellung „geflohen, vertrieben – angekommen!?“ im Thüringer Landtag zu sehen.
Sie beschäftigt sich mit Aspekten der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert und kann bis zum 23. Oktober besucht werden.

Die Ausstellung lässt sich auch von den Fragenstellungen der gegenwärtigen Problemlagen leiten, wobei die historisch-politischen Hintergründe des Themas den Bezugsrahmen abbilden sollen. Ziel des historisch geprägten Teils ist es, die Erinnerung an die Ereignisse der Flucht und Vertreibung der Deutschen von 1933 (politische Emigranten, deutsche Juden) bis 1945/46 (z.B. Schlesier, Ostpreußen) in einer europäischen Perspektive zu beleben.
Dabei soll die Analyse aufzeigen, wie Mechanismen der Gewaltmigration funktionieren, aber auch, wie die Opfer dort, wo sie ankommen, mit ihrer neuen Situation zurechtgekommen sind.Diese Ausstellung ist wissenschaftlich begleitet worden durch Prof. Dr. Jochen Oltmer, IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück.

Einen regionalen Fokus zu dieser Thematik setzt der Landesbauftragte im Rahmen seines Jahresthemas "Flucht und Vertreibung nach, in und aus Thüringen". Mehr dazu finden Sie hier.

Ingrid R. Donath: Weil unsere Heimat unsere Flügel sind. 1947 – Die Flucht meiner Familie aus Thüringen


Eine eindringliche Beschreibung der gefährlichen Flucht ihrer Familie aus der sowjetischen Besatzungszone gelingt der Kinderbuchautorin Ingrid R. Donath mit der Erzählung „Weil unsere Heimat unsere Flügel sind“, die im Jahr 2015 erschienen ist. Auf knapp 70 Seiten greift die Autorin, 1946 im thüringischen Leutenberg geboren, die präzisen Erinnerungen ihrer Mutter auf und lässt durch ihre einmalige Art zu Schreiben die damaligen Ereignisse lebendig werden. Im Spätsommer 1947 verließ die vierköpfige Familie notgedrungen Thüringen über die grüne Grenze, um in Hessen ein neues Leben aufzubauen.

Bild Donath CoverAuslöser der Flucht waren die Schikanen gegen den Vater, der Mitarbeiter des Arbeitsamtes Leutenberg war. Er weigerte sich der SED beizutreten, um im neuen Staat Karriere zu machen, und lehnte die von der sowjetischen Besatzungsmacht geforderte Zwangsrekrutierung junger Männer für den Uranbergbau ab. Als er einen Fluchtweg in den Westen auskundschaftete, wurde er von den Sowjets aufgegriffen, verhaftet und verhört und kehrte erst nach zwei Wochen zur Familie zurück. Die Flucht schien nun aussichtslos, hätte seine Frau – die Mutter der Autorin – nicht den Mut aufgebracht für das Leben in Freiheit einen beschwerlichen Weg zu gehen. Sie überquerte die grüne Grenze bei Dermbach, um in Fulda beim Landrat Westzonen-Papiere zu erbitten. Ihre abenteuerliche Reise aus dem östlichen Thüringer Wald nach Hessen, die sie in großen Teilen zu Fuß zurücklegte, wird ebenso anschaulich beschrieben, wie die Rückkehr über die Grenze nahe Ifta und die organisierte Flucht am 30. September 1947 bei Nacht und Nebel. Der Leser erfährt hierbei zahlreiche Details: Beispielsweise wie professionelle Fluchthelfer die Zwangslage der vierköpfigen Familie ausnutzten und sich die Flucht teuer bezahlen ließen. Trotz alledem gelang dieses Wagnis nicht immer, wie Donath beschreibt. Die Familie – nunmehr ausgestattet mit Westzonen-Papieren – erlebte aber eine enorme Hilfsbereitschaft der sowjetischen Soldaten und der einheimischen Bevölkerung in Ost wie West, sie erreichten Hessen unbeschadet.

Ingrid R. Donath legt mit ihrem Buch eine liebevolle Beschreibung der thüringischen Heimat Leutenberg vor, die erahnen lässt, wie schwer der Familie die Entscheidung gefallen sein muss, das Land für immer zu verlassen. Das Verdienst der Verfasserin ist es, die Themen Flucht und Heimatverlust literarisch anspruchsvoll und für den Leser empathisch dargestellt zu haben.

Weitere Informationen zu unserem Jahresthema "Flucht und Vertreibung nach, in und aus Thüringen" finden Sie hier

Karte zeigt über 200 betroffene Orte und macht das Ausmaß der Zwangsaussiedlungen in Thüringen nachvollziehbar

Zwischen dem 5. und 8. Juni 1952 wurden in Nacht-und-Nebel-Aktionen in Thüringen insgesamt 3.754 Personen aus dem Grenzgebiet zur Bundesrepublik ins Landesinnere zwangsausgesiedelt, insgesamt mussten in jenem Jahr DDR-weit 8.331 ihre Heimat aufgeben. Der Mauerbau und die folgenden Absperrmaßnahmen seit dem 13. August 1961 leiteten eine zweite erzwungene Aussiedlungswelle ein, von der in Thüringen 1.597 Menschen betroffen waren. Neben diesen zwei großen Zwangsaussiedlungsaktionen gab es bis Mitte der 1980er Jahre auch Einzelaussiedlungen, wobei die genaue Anzahl der Betroffenen bis heute nicht bekannt ist.

Besondere räumliche und zeitliche Schwerpunkte werden erstmals visualisiert 

Das Ausmaß dieser Zwangsaussiedlungen in Thüringen lässt sich nun anhand einer interaktiven Karte begreifen. Die vom Landesbeauftragten erarbeitete Karte weist über 200 in Thüringen betroffenen Orte aus, gibt Informationen, in welchen Jahren es zu Aussiedlungsaktionen kam und in welcher Form vor Ort an das Unrecht erinnert wird.
Mit der Karte lässt sich anhand unterschiedlicher Farbmarkierungen nachvollziehen, welche Orte von den beiden großen Aktionen aus den Jahren 1952 und 1961 betroffen waren. Besonders interessant: Ein Schwerpunkt der Zwangsaussiedlungen 1952 –vom SED-Regime menschenverachtend als „Aktion Ungeziefer“ bezeichnet – liegt im südthüringischen Heldburger Unterland um die Stadt Bad Colberg-Heldburg. Hier wurden Menschen aus insgesamt 19 Ortschaften ihrer Heimat beraubt. Klicken Sie auf die farbigen Markierungen, um mehr zu erfahren:

Legende: Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952 Orange: Zwangsaussiedlungen 1961 Rot: Zwangsaussiedlungen in verschiedenen Jahren

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei den zahlreichen Kommunen in Thüringen, die uns bei der Recherche, beispielsweise hinsichtlich der Gedenkformen in den betroffenen Orten, mit wichtigen Informationen unterstützt haben. Die Karte erfüllt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr handelt es sich um ein fortlaufendes Projekt, wir aktualisieren die Karte regelmäßig mit Informationen zu betroffenen Orten bzw. Gedenkformen.

„Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“

Der Landesbeauftragte begrüßt das aktuelle Thema des Geschichtswettbewerbs des Bundepräsidenten, der durch die Hamburger Körber-Stiftung derzeit ausgerichtet wird. Vom 1. September 2016 bis zum 28. Februar 2017 sind Schüler dazu aufgerufen, auf Spurensuche in ihrem Umfeld zu gehen, inwiefern Religion bzw. Glaube die Gesellschaft verändert hat. Gerade im Bezug auf die DDR-Geschichte gibt es zu dieser Theamtik viel zu untersuchen:

Entsprechend der marxistischen Ideologie behauptete die SED, die Nichtexistenz Gottes beweisen zu können, und erklärte ihre „Wissenschaftliche Weltanschauung“ in vielen Bereichen der Gesellschaft als verbindlich. Entsprechend dieser prinzipiellen Verneinung bzw. Verachtung alles Religiösen kann jeder Christ, der in der DDR lebte, seine Verfolgungsgeschichte erzählen. Das betraf die Abwertung von Kirche und Religion im Bildungswesen. Besonders markant war die Beschneidung der Religionsfreiheit bei der Diskriminierung derer, die sich der Jugendweihe widersetzten. Am Ende der SED-Diktatur waren Friedensgebete in den Kirchen eine der Ausgangspunkte für die Friedliche Revolution.
Was heißt der Lutherspruch: „Hier stehe ich und kann nicht anders“ für Christen in der DDR? Beispielsweise verweigerte der 23-jährige Christ Rainer Eppelmann den Waffendienst. Wegen „Befehlsverweigerung“ saß der Maurer acht Monate in Haft. Dann als evangelischer Pfarrer störte er (auch) seine Kirchenleitung. Besonders seine Jugendarbeit - seit 1979 mit „Bluesmessen“ -rief die Stasi auf den Plan. Um etwas gegen das gegenseitige Hochrüsten im Kalten Krieg zu unternehmen, verfasste er 1982 blockübergreifend den „Berliner Appell“, weshalb er von der Stasi vernommen, aber wegen seines Bekanntheitsgrades nicht mehr abgeurteilt wurde. 1989 war er Verteidigungsminister der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Bis heute ist der CDU-Politiker aktiv.
Aber auch viele nicht so prominente „Andersdenkende“, wie sie der SED-Staat klassifizierte, sind für ihren Glauben an die individuelle Freiheit gegen den SED-Staat aufgestanden.

Unterstützung für Thüringer Lehrer bzw. Schüler zum Geschichtswettbewerb

Wir unterstützen mit Fachgesprächen, Literatur bzw. Quellen-Herausgabe sowie Vermittlung von Zeitzeugen, die aufgrund ihres Glaubens („dass es Dinge gibt, für die es zu leiden lohnt“ Charta 77) für die Verbesserung ihres Alltags die staatliche Verfolgung in Kauf nahmen.

Weitere Informationen zum Geschichtswettbewerb hier auf www.koerber-stiftung.de.

IMG 1887 Zuschnitt WebIn seinem spannenden gestrigen Vortrag im Erfurter Collegium Maius erläuterte Dr. Christian Booß (Projektkoordinator beim BStU), in welcher Form das MfS Tod und Todesursache von Flüchtlingen an der Deutsch-Deutschen Grenze vertuschte.

Diesbezüglich wurde der DDR-Geheimdienst besonders ab den 1970er Jahren aktiv. Denn mit zunehmender internationaler Anerkennung konnte das SED-Regime die erschossenen Flüchtlinge an der Berliner Mauer und der Deutsch-Deutschen Grenze kaum noch rechtfertigen. Folglich verschleierte die Stasi Todesfälle an der innerdeutschen Grenze so weit wie möglich, um die Schädigung des Ansehens der DDR zu minimieren.
In einigen Fällen wurde der Tod von Menschen gänzlich verschwiegen, in anderen die tatsächliche Todesursache verleugnet. Angehörige wurden seitens des MfS in dem Glauben gelassen, die Opfer seien etwa selbstverschuldet tödlich verunglückt und beispielsweise im Grenzgewässer ertunken.

Mehr noch: Der DDR-Geheimdienst konstruierte auch ganze Verbrechensszenarien, wie etwa im Fall von Horst Einsiedel. 

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Bei seinem Fluchtversuch an der Berliner Mauer wird der Ost-Berliner am 15. März 1973 von DDR-Grenzposten erschossen; er stirbt noch im Todesstreifen. Das SED-Regime will Schlagzeilen und Proteste aus dem Westen vermeiden, Grundlagenvertrag und UNO-Beitritt sind im März 1973 schließlich in greifbarer Nähe.

Mit großem Aufwand täuscht das MfS die Angehörigen: Horst Einsiedel sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden, seinen leeren PKW habe man in einem Wald gefunden. Zur Untermauerung fälschte die Stasi ein Beweismittelfoto, das Einsiedels Trabant in einem Waldstück umgeben von Bäumen zeigt. Die wahre Todesursache erfährt die Familie erst nach der Wiedervereinigung im Zuge strafrechtlicher Ermittlungen.
Weitere Informationen zu den perfiden Vertuschungsmethoden des MfS finden Sie hier.

Es begann alles mit dem Beitritt des ersten Ostblockstaates zur Genfer Flüchtlingskonvention. Sie trat in Ungarn am 12. Juni 1989 in Kraft. Ungarn wählte diesen Schritt, da mehrere Tausend Rumänen in das Land geflohen waren - bis November 1989 waren es 24.000. Mit dem vollzogenen Beitritt mussten sie nicht mehr nach Rumänien zurückkehren und Ungarn war zugleich sicheres Herkunftsland geworden.

Filmvorstellung "Die letzten Zeugen des Gulag" mit den Regisseuren Dr. Dean Cáceres und Lars Henze

Der Film von Dr. Dean Cáceres und Lars Henze begibt sich auf Spurensuche nach den letzten Überlebenden der stalinistischen Lager. Dabei führt die Reise von den Erschießungsplätzen Butowo und Sandarmoch bis an die äußersten Grenzen der Zivilisation: Auf den Solowki-Inseln wurde das Gründungskloster der orthodoxen Kirche zum „arktischen Auschwitz“ (Alexander Issajewitsch Solschenizyn).
An die Filmvorstellung schließt sich eine Diskussions- und Gesprächsrunde mit den Regisseuren an.

Wann: Freitag, 16. September 2016, 16:00 Uhr
Wo: Kommunales Kino im „mon ami", Goetheplatz 11, 99423 Weimar

Konzert "Kompositionen aus den Lagern" mit Pianist Jascha Nemtsov

12Der Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov spielt Kompositionen von NS-Häftlingen aus Theresienstadt sowie von Vsevolod Zaderadsky. Zaderadsky war seinerzeit Klavierlehrer des Zaren und wurde 1937 zu zehn Jahre Straflager in Nordsibirien verurteilt. Trotz der fatalen Bedingungen im Gulag hatte Zaderadsky 1937/38 damit begonnen, „24 Präludien und Fugen“ in Auseinandersetzung mit Bach zu schreiben. Das Papier, das er dafür nutzte, bestand aus einem Stapel von Telegramm-Formularen. (Siehe Bild) 

Wann: Freitag, 16. September 2016, 19:30 Uhr
Wo: Musikschule "Johann Nepomuk Hummel", Karl-Liebknecht-Str. 1, 99423 Weimar

Am 28. August 2016 jährt sich zum 75. Mal der Stalin-Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen. 1941 endete sowohl die Wolgadeutsche Republik als auch in der Folge der Deportationen nahezu alle deutschen Siedlungen im europäischen Teil der Sowjetunion. Das Deportationsdekret war - wie über hundert weitere - ein folgenschwerer Urteilsspruch über eine ganze Volksgruppe. Alle Sowjetdeutschen wurden beschuldigt, mit Hitlerdeutschland zu kollaborieren. Durch die ethnische Säuberung wurden rund 85% der in der Sowjetunion ansässigen Deutschen entrechtet, deportiert und enteignet. Die Mehrzahl der Deportierten kam in die Trud-Armee, d.h. wurde zu Zwangsarbeiten insbesondere in Sibirien verurteilt. Familien wurden auseinandergerissen und ihre Kommunikation wurde unterbunden. Die Repressionen gegenüber Russlanddeutschen hielten auch nach Kriegsende an. In der Sowjetunion durften sie nie in ihre Heimatgebiete zurückkehren. Zwanzig Jahre nach Kriegsende erlangten sie aber eingeschränkte Bürgerrechte und seit Mitte der 1980er Jahre öffneten sich die Grenzen, so dass über 2,4 Millionen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion inzwischen nach Deutschland ausgewandert sind.

Sein erster Fluchtversuch aus der DDR in die Bundesrepublik über die tschechisch-österreichische Grenze scheitert im Januar 1966. Der damals 18-Jährige Hartmut Richter wird festgenommen und vom Kreisgericht Potsdam zu 10 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
Davon lässt sich der junge Mann nicht einschüchtern - heute vor 50 Jahren, am 26. August 1966, unternimmt Richter seinen zweiten Fluchtversuch. Erfolgreich schwimmt er bei Dreilinden durch den Teltowkanal nach West-Berlin.

Im Zuge der Amnestie von 1973 darf er wieder in die DDR einreisen. Das macht sich der couragierte Mann zu Nutze: Per PKW verhilft er 33 Menschen zur Flucht in den Westen. Nach diesen Erfolgen will er im März 1975 schließlich seine Schwester und deren Verlobten im Kofferraum nach West-Berlin bringen - und fliegt bei einer Verdachtskontrolle am Grenzübergang Drewitz auf. Das Bezirksgericht Potsdam verurteilt ihn wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" zur Höchststrafe von 15 Jahren Freiheitsstrafe. Fünf Jahre später wird er schließlich 1980 von der Bundesrepublik freigekauft.

Der Verein „Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation" hat einige Videointerviews mit Hartmut Richter geführt. Hier gelangen Sie zu seinen eindrücklichen Schilderungen der Fluchtaktion. 

Wann: 24.08.16, 14.00 Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Die Ausstellung ist dem 25. Jahrestag der Aktion "Baltischer Weg" gewidmet und wird morgen feierlich im Thüringer Landtag eröffnet. Sie beleuchtet in einer historischen Rundschau die Geschichte von Befreiung und Besetzung der Baltischen Republiken im 20. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Dritten Atmoda (Wiedergeburt / Erwachen), die mit der Perestroika Ende der 1980er Jahre möglich wurde. Es ist eine Ausstellung des Museums für Nationalgeschichte Lettlands, die durch die Bundesstiftung Aufarbeitung, die Deutsche Gesellschaft und das Archiv Bürgerbewegung Leipzig erstellt wurde.
Die Ausstellung wird zeitgleich mit der Ausstellung "Verordnete Freundschaft" im Thüringer Landtag gezeigt.


Zuschnitt Der Baltische WegZur Ausstellungseröffnung sprechen:

Begrüßung:
Christian Carius
Präsident des Thüringer Landtags
Christian Dietrich
Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Einführung in die Ausstellung:
Sebastian Rösner
Europaabteilung der Deutschen Gesellschaft e.V.

Wir freuen uns über Ihr Kommen! 

Am 31. August 2016 endet die Antragsfrist für Hilfen aus dem Fonds Sexueller Missbrauch für Betroffene, die in ihrer Kindheit oder Jugend von 1949 bis 2013 in der Bundesrepublik oder der DDR in Institutionen sexuell missbraucht wurden. Für den Fonds sexueller Missbrauch im familiären Bereich sind Anträge auch über die ursprüngliche Frist vom 30. April 2016 hinaus weiterhin möglich.

Für den Missbrauch in Heimen für Kinder oder Jugendliche konnten sich ehemalige Heimkinder bis 30. September 2014 an den Fonds Heimerziehung in der DDR wenden. Das Ergänzende Hilfesystem institutioneller Bereich des Fonds Sexueller Missbrauch kann daher von ehemaligen Heimkindern nicht in Anspruch genommen werden.

Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz setzte sich am 18. August 1976 auf dem Marktplatz von Zeitz selbst in Brand. Es war der Protest gegen ein staatliches Erziehungsmonopol, dass Religion und christlichen Glauben diskriminierte. Während die DDR um internationale Anerkennung warb, machte diese „Flucht in den Tod“ (Wolf Biermann) die Verlogenheit der SED-Führung offensichtlich.
Neben dem „Hilferuf aus Riesa“ und der Ausreisebewegung, der Ausbürgerung von Wolf Biermann und der Solidaritätsbewegung mit dem Dissidenten, war es gerade das Signal von Zeitz, dass das Ende der SED-Herrschaft anzeigte. 

In der Osterländer Volkszeitung vom 18. August 2016 heißt es zur Aufarbeitung in diesem Kontext:
„Die Thüringer rot-rot-grüne Landesregierung wird ihrem Versprechen nach Aufarbeitung des DDR-Unrechts bei der Verfolgung von Christen nicht gerecht. Das zeige sich auch am ersten Bericht zum Stand der entsprechenden Aktivitäten des Landes, in dem dieses Thema faktisch nicht vorkomme, kritisierten Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche bei einem Ökumenischen Gesprächsforum am Dienstagabend im Erfurter Augustinerkloster.“

Diesbezüglich sei auf einen interessanten Aufsatz vom Landesbeauftragten Christian Dietrich hingewiesen: Es brannte in unserem Gewissen – Oskar Brüsewitz und die Gewissensbildung in der DDR. In: Mariano Delgado, Volker Leppin, David Neuhold (Hg.): Ringen um die Wahrheit: Gewissenskonflikte in der Christentumsgeschichte, 2011, S. 369–398.

Im Gedenken an Brüsewitz wurde ein großes Kreuz aus Neonröhren an der Berliner Zionskirche angebracht und beleuchtet. Dieses soll bis zum 22. August, dem Todestag von Brüsewitz, eingeschaltet bleiben. Weitere Informationen zu der Gedenkaktion finden Sie hier. 

Ein halbes Jahrhundert lang lebten sowjetische Besatzer und DDR-Bewohner neben- und miteinander. Bis 1989 die Mauer fiel und die Letzten der 546.000 Soldaten 1994 friedlich abzogen.

Klier Verordnete FreundschaftWie haben DDR- und Sowjetbürger einander wahrgenommen zwischen hermetisch abgeriegelten KGB-Vierteln, Kasernengeländen und frei zugänglichen „Russen-Magazinen“, zwischen der Furcht vor gewaltsamen Übergriffen und Mitleid mit dem harten Leben der einfachen Soldaten? Auf diese und weitere Fragen gibt die Ausstellung "Verordnete Freundschaft. Die sowjetische Besatzung 1945 bis 1994" Antwort. Die Eröffnung fand heute im feierlichem Rahmen - nebst musikalischer Umrahmung durch Schüler des Musikgymnasiums Belvedere Weimar - im Thüringer Landtag in Erfurt statt. 

In der Einführungsrede machte die DDR-Bürgerrechtlerin und Autorin Freya Klier deutlich, dass die von ihr entwickelte Ausstellung die unterschiedlichen Facetten des Lebens der Deutschen mit den Sowjetischen Besatzern besonders herausstellt - und stalinistische Gewalt in den 40er und 50er Jahren ebenso thematisiert wie Fratinisierungsverbot und dennoch bestehende persönliche Freundschaftsgeschichten. Die Ausstellung spannt einen historischen Bogen über fast fünf Jahrzehnte sowjetischer Besatzungsherrschaft im Osten Deutschlands. Zahlreiche Fotos und Dokumente beleuchten dieses besondere Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und immer wieder fließen dabei auch persönliche Erinnerungen an die „verordnete Freundschaft“ ein.

Dietrich Verordnete FreundschaftAuch in Thüringen, wo der längste Teil der innerdeutschen Grenze verlief, war die Rote Armee mit starken Einsatzkräften vertreten. An insgesamt sieben Thüringer Garnisionsstandorten waren Truppen der Westgruppe der Roten Armee stationiert, darunter auch die als besonders schlagkräftig geltende 8. Armee. Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erinnerte in diesem Zusammenhang an das "Russendorf" Nohra. Am 3. Juli 1945 war die 8. Gardearmee unter Gardegeneraloberst W. I. Tschuikow in das Thüringer Dorf verlegt worden. Sie hatte in Stalingrad gekämpft und Berlin miterobert. Damit wurde Nohra einer der wichtigsten Standorte der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Der Stützpunkt war vollkommen von Mauern umgeben, zur deutschen Bevölkerung bestand weitgehend Kontaktverbot. Hier war die größte sowjetische Hubschrauberstaffel in der DDR stationiert, deren Flüge eine erhebliche psychologische, besonders akustische Beeinträchtigung der Bevölkerung der umliegenden Orte darstellten. Als die sowjetischen Truppen 1992 aus Nohra abzogen, umfassten die militärischen Liegenschaften eine Fläche von ca. 240 ha. Zu einem ausführlichen Artikel des Landesbeauftragten zum Verhältnis von Bevölkerung und Sowjetarmee in Nohra (erschienen in der Gerbergasse 18, Ausgabe 2/2012) gelangen Sie über diesen Link. 

Publikum Verordnete FreundschaftEinen Bogen zur aktuellen Tagespolitik spannte zuletzt der Journalist und Publizist Boris Reitschuster, der die heutigen Deutsch-Russischen Beziehungen thematisierte und einen kritischen Blick auf die Politik Russlands forderte. Gleichwohl erläuterte Reitschuster, dass es wichtig sei, zwischen einzelnen Menschen und politischer Agenda zu unterscheiden. So habe er Russland und seine Menschen stets als freundlich und offen erlebt - trotz aller scharfer politischer Rhetorik und antiwestlicher Propaganda.

Die Ausstellung „Verordnete Freundschaft” ist ein Projekt von Freya Klier für die Robert Havemann-Gesellschaft e.V. Sie ist gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin und wird von der Robert Havemann-Gesellschaft mit Unterstützung des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen betreut und ausgeliehen.

Der Landesbeauftragte am 11.08.2016 in der Kirchenzeitung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Ev. Kirche Anhalt, "Glaube und Heimat":
Der erste Mann im DDR-Staat, Walter Ulbricht, verkündete 1957: »Wer sich heute daran hindern lässt, überlebte, alte Glaubenssätze über Bord zu werfen, der schadet sich selbst« Zu spüren bekamen es vor allem Pädagogen, die sich der Weltanschauungsdiktatur widersetzten. So verlor Oswald Schieck 1957 seinen Lehrauftrag an der Jenaer Ingenieurschule.
In der Tageszeitung hieß es dazu: »Die Erziehungs- und Bildungsarbeit kann in unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat nur in die Hände von solchen Lehrkräften gelegt werden, die vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus an ihre Arbeit gehen« Vorn Kindergarten bis zur Hochschule war in der DDR der sogenannte historische Materialismus unumgängliches Bildungsprogramm. In ihren Reihen duldete die SED keine bekennenden Christen. Ihr Ziel war die religionslose Gesellschaft. Ein Mittel war die Jugendweihe. Anpassungsverweigerung war karriereschädigend, und viele Kinder aus christlichen Familien litten unter Schulangst. Der Protest von Oskar Brüsewitz richtete sich auch gegen diesen Terror. Über 700 Betroffene wurden in Thüringen inzwischen als »verfolgte Schüler« anerkannt.
Eine soziale Ausgleichsleistung gibt es für sie jedoch nicht. 1999 brachten Angela Merkel und weitere Abgeordnete eine entsprechende Forderung in den Bundestag ein. Bis heute gab es dazu keine Mehrheit.
Es wäre gut, wenn die Kirchen den Mut derer, die sich den Jugendweihen widersetzten und als Christen ihren eigenen Weg gingen, würdigten und sich für eine soziale Anerkennung einsetzten.
Der frühe Eingriff in den Berufsweg und damit in die (Renten-)Biografie wirken oft bis heute fort.


„Ich freue mich sehr, dass die Autorin, Regisseurin und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis 2016 für ihr Lebenswerk verliehen bekommt. Freya Klier hat stets Menschenrechtsverletzungen kritisiert und ans Licht gebracht. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt eine Bürgerin, die mit ihren Veröffentlichungen und Dokumentarfilmen (u. a.) das Schicksal von verschleppten Frauen und Mädchen am Ende des Zweiten Weltkriegs in den Mittelpunkt rückte.“ Mit diesen Worten gratulierte Landtagspräsident Christian Carius der diesjährigen Preisträgerin Freya Klier.
In ihrem Buch "Wir letzten Kinder Ostpreußens: Zeugen einer vergessenen Generation" hat Freya Klier das konkrete Schicksal einiger weniger Menschen erzählt, die als Kind das Kriegsende in Königsberg und Ostpreußen erlebten. Es steht für das Schicksal von ca. 1.400 Menschen, die als unbegleitete Kinder aus der Region 1946/7 nach Thüringen kamen und zum Teil später adoptiert wurden.
Der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur freut sich, dass die Stiftung Zentrum gegen Vertreibung das Lebenswerk der Menschenrechtlerin mit dem Franz-Werfel-Preis würdigt und gratuliert der Preisträgerin.
Am 17. August wird Freya Klier im Thüringer Landtag sein, dann wird ihre Ausstellung "Verordnete Freundschaft" eröffnet. 

Die Zahl der deutschen Todesopfer des Eisernen Vorhangs ist noch nicht gesichert. Das Mauermuseum - Museum Haus am Checkpoint Charlie spricht dagegen von 1841 Toten. Der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin geht davon aus, dass diese Zahl zu hoch ist. Er untersucht insgesamt 1492 Verdachtsfälle an der innerdeutschen Grenze (Link zur Forschungsverbund mit einer Reihe von Biogrammen) (S.a. Süddeutsche Zeitung 11.08.2016, S. Kellerhoff in DIE WELT am 10.08.2016 und DER TAGESSPIEGEL, vom 11.08.2016, S. 14). 

Der erste Freiheitspreis des Domstift Brandenburg geht an das Menschenrechtszentrum Cottbus

menschenrechtszentrum cottbus footerDas Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. wurde 2007. Dem Verein gehören mehrheitlich ehemalige politische Gefangene des einstigen Zuchthauses Cottbus an. Seit 2011 ist der Verein Eigentümer des gesamten Gefängnisareals und Betreiber der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. Dies ist einmalig in der Gedenkstättenlandschaft in Deutschland.Es ist das besondere Anliegen der ehemaligen politischen Häftlinge, zu erinnern und zu mahnen. Besonders junge Menschen sollen durch die Auseinandersetzung mit dem früheren Unrecht für die Werte einer freiheitlich-demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft sensibilisiert werden.

Die 2015 berufene "Unabhängige historische Kommission zur Geschichte der CDU in Thüringen von 1945 bis 1990" hat den Eisenacher Historiker Dr. Bertram Triebel damit beauftragt, die Geschichte der einstigen Blockpartei zu erforschen. Für die Erarbeitung einer Studie sind 2 Jahre anberaumt. Finanziert wird das Projekt durch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung. Für das Projekt stehen insgesamt 45.000 Euro zur Verfügung. Der Kommissionsvorsitzende PD Dr. Jörg Ganzenmüller (Stiftung Ettersberg) teilte dem MDR mit, dass sich rund 20 Wissenschaftler auf die Stelle beworben hatten. Bertram Triebel hat in Leipzig und Nancy studiert und an und zur der Bergakademie Freiberg promoviert.
(s.auch Mitteilung des MDR am 4. August 2016)

DDR-
Bürger
Wenn die  im  westen sich anmaßen sollten
für ganz europa
zu sprechen
Werden wir uns
entscheiden müssen
keine europäer
zu sein

Am 4. August 2016 wäre Günter Ullmann 70 Jahre alt geworden. Er war Künstler und feinsinniger Kritiker der SED-Diktatur.

Am 9. August 2016 wurde in Bratislava-Petržalka ein Gedenkort an der Stelle eröffnet, an dem der Magdeburger DDR-Flüchtling Hartmut Tautz am 9. August 1986 verblutete. Er wurde von Hunden schwer verletzt und erlag Stunden später seinen Verletzungen, da ihm keine Erste-Hilfe geleistet wurde. Die Initiative für den Gedenkort ging von der Platform of European Memory and Conscience aus. Das Denkmal wird in Kooperation mit dem Ústav Pamäti Národa (Institut für nationales Gedenken der Slovakei) und der Stadt Bratislava errichtet. Die Geschäftsführerin der Platform Neela Winkelmann sagte am 29. Juli zu diesem Projekt: Europa braucht eine gesamteuropäische Kultur der Erinnerung an die Opfer Kommunismus. Der tragische Tod von Hartmut Tautz steht dafür symbolisch für die europäische Dimension der Erinnerung. Vier europäische Ländern sind von dem Tod Hartmut Tautz betroffen: Deutschland, die Tschechische Republik, die Slowakei und Österreich. Der Gedenkort ist Teil des europäischen Projektes “JUSTICE 2.0“, das auch vom Thüringer Landesbeauftragten unterstützt wird. (Ergänzung: s. auch Mitteilung bei Lidovky/Prag am 08.08.2016) Erste Liste der Todesopfer an der Grenze der ehemaligen CSSRHartmut Tautz

4. August 1961: Landwirt Hermann Fink und sein Sohn Willi werden aus der DDR zwangsausgewiesen; genauer wurden Vater und Sohn mit Fußtritten über den Zehnmeterstreifen der Grenze bei Geisa in die Bundesrepublik getrieben - ein zu jener Zeit einmaliger Fall, der atypisch zur seinerzeitigen Entwicklung und dem bevorstehenden Mauerbau war. Ein Fall, der nicht geheimgehalten, sondern von der SED propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Was war geschehen?
Die Kollektivierung der Landwirtschaft war 1961 weitgehend abgeschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Landwirte der DDR in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) gezwungen worden. Viele hatten sich dieser Entwicklung entgegengestellt, rund 8.000 Schauprozesse wurden gegen Landwirte geführt und über 15.000 Bauern flüchteten nach Westdeutschland. 
Hermann Fink blieb in seinem Heimatort Kranlucken (Rhön) und protestierte offen gegen die Zwangskollektivierung. Er erklärte schriftlich seinen Austritt aus der LPG. Seinem Beispiel folgten schließlich zahlreiche Bauern in der Umgebung. Trotz verstärktem Drucks zogen nur wenige ihre legalen Austrittsgesuche zurück. Die SED wollte nun ein Exempel statuieren.

ND2 Zuschnitt

Auf Beschluss des Büros der Bezirksleitung der SED des Bezirks Suhl wurden Hermann Fink und sein Sohn am 3. August 1961 verhaftet und am 4. August in die Bundesrepublik abgeschoben.
Es folgte eine DDR-weite Diffamierungs- und Verleumdungskampagne gegen die Familie Fink. "Schmutzfinken dorthin befördert, wo sie hingehören" hieß es etwa auf Flugblättern. Die Medien sprachen von "Handlangern der Bonner Imperialisten" die über die Staatsgrenze verjagt worden waren (siehe Artikel aus "Neues Deutschland" vom 5. August 1961 rechts). Die Botschaft bzw. Drohung, die hinter der Aktion steckte: Wer sich nicht der Kollektivierung in LPGs anschließt, verliert Haus und Hof, wird seiner Heimat beraubt. Ein Weg, den die Besatzungsmacht und die SED mit den sogenannten Kreisverweisen und den Zwangsaussiedlungen seit 1945 gegangen war (mehr zu dem Thema finden Sie hier).  
Die Ehefrau von Hermann Fink und zwei weitere Kinder wurden schließlich im Zuge der Aktion "Blümchen" zwei Monate später (am 3. Oktober 1961) zwangsumgesiedelt. Erst drei Jahre später konnte die Ehefrau - nach zahlreichen Hindernissen - im Rahmen der Familienzusammenführung nach Westdeutschland ausreisen. 
Einen zeitgenösschen Artikel zu dem Fall Fink aus "Der Spiegel" vom 16.08.1961 finden Sie hier. 

Nachtrag: Artikel zum 55 Jahrestag der Vertreibung in der Fuldaer Zeitung am 12.08.2016

Die Geschichtswerkstatt Jena lädt herzlich zu einer Lesung Grunow Buchcovermit dem Kabarettisten und Autor Dr. Rüdiger Grunow aus seinem neuen Roman "Der lange Schatten" ein: Donnerstag, 28. Juli 2016 um 19:00 Uhr im Plenarsaal des Historischen Rathauses Jena (Adresse: Markt 1, 07743 Jena). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Rüdiger Grunows Roman "Der lange Schatten" erzählt das Schicksal von fünf Freunden. Nach dem Abitur wollen sie gemeinsam etwas gegen die Unfreiheit in der DDR tun. Das Ergebnis sind hohe Haftstrafen. Nach ihrer Entlassung schaffen alle einen akademischen Abschluss, bekommen es regelmäßig mit der Staatssicherheit zu tun und machen unterschiedliche Erfahrungen. Dabei zeigt sich, dass man Anwerbungsversuche des MfS auch ausschlagen konnte. Es wird dargestellt, wie man mit einer gewissen Anpassung, selbst als ehemaliger politischer Häftling, in der DDR erfolgreich sein konnte. Ort der Handlung ist Freiberg in Sachsen. Mit vielen authentischen Bezügen wird das Alltagsleben der Familien und das Berufsleben in der DDR beschrieben. Im Anschluss an die Lesung besteht die Möglichkeit zur Diskussion.
Weitere Informationen finden Sie hier. 

5 Regionalkonferenzen in den neuen Bundesländern

Die aktuellen Debatten um das Selbstverständnis Deutschlands in Europa und der Welt erfordern zeitgemäße Antworten auf die Fragen: „Wer ist das Volk? – Sind wir ein Volk? – Welches Volk wollen wir sein?“ Ressentiments gegenüber Fremden sind in den neuen Bundesländern verbreiteter als in den alten Bundesländern – gerade in ländlichen und strukturschwachen Gebieten, wo ausländerfeindliches wie „völkisch-nationalistisches“ Gedankengut und rechtsextremistische wie -populistische Parteien bzw. Gruppierungen Nährboden finden.

Die Deutsche Gesellschaft e. V. führt daher mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern unter dem Titel „Wir sind das Volk. – Wer ist das Volk?“ im Jahr 2016 fünf Regionalkonferenzen in den neuen Bundesländern durch. Weitere Informationen zu der Regionalkonferenz in Thüringen finden Sie hier. 

 

Ein Ort der Trauer für Mauertote ohne Grabstelle – Gedenktafel erinnert an heimlich eingeäscherte Grenzopfer des SED-Regimes

Anlässlich des 55. Jahrestages des Mauerbaus erinnert der Bezirk Treptow-Köpenick an ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte der Berliner Mauer: Was geschah mit den Toten, die erschossen wurden, ertrunken waren oder auf andere Weise an der Grenze bei Fluchtversuchen ums Leben kamen? Welche Rolle spielte dabei das alte Krematorium Baumschulenweg?

Die Vorgänge um Tote an der Berliner Mauer wurden jahrelang vom Ministerium für Staatssicherheit vertuscht. Die DDR wollte kein nationales und internationales Aufsehen erregen und Ansehen verlieren.

Zu der Verheimlichungsstrategie des SED-Regimes gehörte es auch, dass im Krematorium Baumschulenweg das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Regie für die Einäscherung und Beisetzung der Mauertoten übernahm. Das MfS hatte konkrete Vorgaben zur „Bearbeitung von Leichenvorgängen, soweit es sich um Vorkommnisse an der Staatsgrenze zu Westberlin“ handelte, wie es im typischen MfS-Deutsch hieß. Der Schießbefehl an der Grenze sollte verheimlicht werden. Mit MfS-Überwachung wurde die Einäscherung vorgenommen. Aus Namen der Mauertoten wurde „unbekannt“. Wo die Urne dann beigesetzt oder die Asche verstreut wurde, lässt sich nicht mehr in allen Fällen nachvollziehen.

„Diese Opfergruppe droht in Vergessenheit zu geraten. Angehörigen dieser Maueropfer fehlt ein Ort der Trauer. Sie haben keine Grabstelle. Mit dieser Gedenktafel wird dieser Trauerort geschaffen“, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel.

Einfuehrung Christian Dietrich Web

Erstmalig wurde am 21. Juli das Buch „Es gibt keinen Gott!“ Kirchen und Kommunismus. Eine Konfliktgeschichte in Thüringen vorgestellt. Die Buchvorstellung, an die sich eine Diskussionsrunde mit den drei Autoren Nadezhda Beljakova, Thomas Bremer und Katharina Kunter anschloss, fand im gut besuchten Erfurter Augustinerkloster statt. Zum ersten Mal seit 2012 kamen die Autoren zu dieser Veranstaltung persönlich zusammen und hatten hier die Gelegenheit, das neu erschienene Buch zu präsentieren. 

Beginnend mit der ersten kommunistischen Herrschaft in der Sowjetunion – mit der eine Christenverfolgung ungeahnten Ausmaßes einherging - zeichneten die Autoren den schwierigen Umgang kommunistischer Regime mit den Kirchen in Mittel- und Osteuropa im 20. Jahrhundert nach. Außerdem beleuchteten die Wissenschaftler die Rolle der Kirchen im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse seit den späten 1980er-Jahren sowie die aktuellen Herausforderungen.

Thomas Bremer Web

Im Fokus der Diskussion stand die Frage, welche Folgen die Einsetzung kommunistischer Regime für Kirche und Religion hatten. Wichtig war den Autoren dabei, Hauptlinien in der Entwicklung herauszustellen. So beschrieb Thomas Bremer, dass in vielen Ländern Mittel- und Ostmitteleuropas auf eine erste Phase massiver Verfolgung von Christen ein Wandel hin zu gemäßigter Suppression im Rahmen einer administrativen Ordnung zu verzeichnen war. Nadezhda Beljakova betonte dabei die besondere Herausforderung, 25 Jahre Forschungsstand zu der Thematik in dem Werk zusammengefasst zu haben. 

Panorama WebIm Europäischen Vergleich, konstatierte Katharina Kunter, lässt sich die besondere historische Aufarbeitung im Bezug auf die DDR-Geschichte feststellen. Zum Verhältnis von Staat und Kirche wurde hier deutlich gründlicher geforscht, als in anderen Ländern. Weiter erläuterte die Privatdozentin der Universität Karlsruhe, dass es unter den kommunistischen Regimen Europas mehrheitlich zu einer Zerstörung der öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung der Kirchen und folglich zu einer Zurückdrängung von Religion und Glauben in den privaten Raum kam. An die Buchvorstellung schloss sich eine lebendige Diskussionsrunde mit dem Publikum an. Weitere Informationen zu der Publikation und zu den Autoren finden Sie hier

Über diesen Link finden Sie auf Deutschlandradio Online eine ausführliche Buchbesprechung sowie ein Interview mit den Autoren.  

Ab 1. August 2016 können ehemalige deutsche Zwangsarbeiter einmalig eine Anerkennungsleistung in Höhe von 2.500 € beantragen. Zweck dieser einmaligen Sonderleistung ist die Anerkennung des schweren Schicksals von deutschen Staatsangehörigen und deutschen Volkszugehörigen, die als Zivilpersonen während und nach dem Zweiten Weltkrieg (1. September 1939 bis 1. April 1956) für eine ausländische Macht Zwangsarbeit leisten mussten. Der Antrag ist bis spätestens 31. Dezember 2017 (Ausschlussfrist) an das Bundesverwaltungsamt, Außenstelle Hamm, zu richten. 
Weitere Informationen zu den Antrags-, Anerkennungs- und Auszahlungsmodalitäten erhalten Sie hier auf der Webseite des Bund der Vertriebenen oder direkt über die Bekanntmachung der Richtlinie über eine Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter (ADZ-Anerkennungsrichtlinie) des Bundesministeriums des Innern vom 7. Juli 2016, abrufbar über diesen Link.

Historische Hintergründe zu rechtsradikalen Tendenzen in Ostdeutschland
Gastbeitrag von Christian Booß, Projektkoordinator beim BStU


Nur wenn es ganz dick kommt, wird das Thema Rechtsextremismus in Ostdeutschland auf die Agende gesetzt. „Ja, es stimmt: Sachsen hat ein Problem mit Rechtsextremismus, und es ist größer, als viele – ich sage es ehrlich: auch ich – wahrhaben wollten,“ musste der sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich Ende Februar 2016 einräumen. Nach flüchtlingsfeindlichen nötigenden Pöbeleien im sächsischen Clausnitz und einem Brandanschlag gegen ein Flüchtlingsheim in Bautzen, drohte Sachsen ein Shitstrom. Selbst die Wirtschaft war beunruhigt, dass Investoren verschrecket werden könnten. Der Regierungschef des Freistaates sah sich gezwungen, deutliche Worte zu finden. Andere aus seinem Umfeld taktierten lieber, stellten sich „vor die Sachsen“, wollen offenbar immer noch nicht wahrhaben, was sich schon seit Jahren abzeichnet.
Wenn man die Ereignisse aneinanderreiht, zeigt sich eine deutlich rechtsradikale Spur in der sächsischen Gesellschaft. Seien es neonazistische Kameradschaften, der Einzug der NPD in den Landtag, Ansätze zu einer rechtsradikalen Parallelkultur in der sächsischen Schweiz oder die rechtslastige Unkultur der Protestbewegung Pegida. Statistiken belegen ferner, dass sich die Zahl der ausländerfeindlichen Gewalt in den letzten Monaten verdoppelte, mehr als anderswo in Deutschland.
Es sind jedoch nicht nur heutige Gründe, die zur Verdrängung führten, sondern auch historische Chiffren, die im kollektiven Gedächtnis den Blick auf die Realität verstellten: das kulturvolle Dresden; Leipzig, die Heldenstadt des Jahres 1989; die Geschichte vom einstigen rote Sachsen. Aber gerade der Blick in die Geschichte zeigt, dass die sächsische Gesellschaft alles andere als politisch homogen war. Sicher, Leipzig ist die Wiege der deutschen Sozialdemokratie. Mehrfach stellten Sachsen die Sozialdemokraten in der Zwischenkriegszeit den Ministerpräsidenten. In urbanen Zentren wie Leipzig, Teilen von Dresden und Chemnitz hielten die Arbeiterparteien noch bis zum Machtantritt Hitlers rechnerisch eine Mehrheit. Ein wirkliches Bollwerk waren auch sie nicht, weil die KPD die SPD zunehmend als politischen Hauptfeind ansah. Doch die organisatorisch starke und mit einer Mischung aus Terror und modernen Wahlkampfmitteln kämpfende NSDAP fasste nach der Weltwirtschaftskrise sogar zunehmend in Arbeitermilieus Fuß. Bei den Juliwahlen 1932 wurde sie endgültig zur Massenpartei. Die Bedeutung des damaligen Erdrutsches wird erst wirklich deutlich, wenn man nicht Durchschnittsergebnisse, sondern Regionalergebnisse analysiert.

Im Jahr 2015 waren mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Sie flüchteten und flüchten vor Krieg, vor lang schwelenden sowie neu ausgebrochenen Konflikten und aus Angst vor Verfolgungen. Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen war noch nie so hoch wie heute und sie wird weiter steigen, wie der Halbjahresbericht des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) von 2015 zeigt. Flucht und Vertreibung werden durch die aktuellen Ereignisse auch den Deutschen gegenwärtig: Derzeit leben in Thüringen etwa 20.000 Flüchtlinge. Fern der Heimat suchen sie hier Schutz. 
vetriebeneKein neues Phänomen, schon früher gab es Flucht und Vertreibung nach Thüringen – in deutlich größeren Ausmaßen. Zwischen 1944/45 und 1950 nahm das Land hunderttausende Vertriebene aus Schlesien, dem Sudentenland, Pommern und Ostpreußen auf. Ende 1948 lebten bereits über 680.000 Vertriebene in Thüringen, was einen Anteil von 22 Prozent an der damaligen Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten waren gezwungen ihren Platz in der Fremde zu finden.


Schließlich setzte mit der Installierung und Etablierung eines diktatorischen Herrschaftssystems in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eine neuerliche Fluchtbewegung aus Thüringen ein. Bis zum Mauerbau im August 1961 waren knapp drei Millionen Menschen aus der SBZ und der DDR in den Westteil Deutschlands geflohen. Die stetig zur Abriegelung des sozialistischen Staates verstärkte innerdeutsche Grenze verhinderte auch nach 1961 nicht, dass über 600.000 Bürger das Land auf gefährlichen Wegen verließen. Die meisten Fluchtwilligen waren jung und resignierten angesichts der schwindenden Entfaltungsmöglichkeiten und der eingeschränkten Freiheit im SED-Staat. 
Gleichzeitig ergriff die noch junge DDR Grenzsicherungsmaßnahmen, die zu organisierten Vertreibungen in Thüringen führten und wiederum zahlreiche Menschen zur Flucht in den Westen trieb: 1952 und 1961 wurden aus über 230 thüringischen Ortschaften an der Grenze zu Bayern, Hessen und Niedersachsen mehrere Tausend Menschen in Nacht-und-Nebel-Aktionen zwangsausgesiedelt und an neue Wohnorte in Thüringen verbracht.
Das Jahresthema Flucht und Vertreibung greift die Geschichte(n) von Flucht und Vertreibung nach, in und aus Thüringen zwischen 1945 und 1989 auf. Die damaligen Ereignisse und ihre Auswirkungen bis heute sind oftmals vergessen oder von anderen Themen überlagert. Wir möchten Ihnen hier einen Einstieg in die dreigliedrige Thematik geben – mit Hinweisen und Kommentaren zu lesenswerter Fachliteratur, besuchenswerten Gedenkorten in Thüringen und wichtigen historischen Daten im Rahmen einer Kalenderübersicht. Lesen Sie hier weiter

Fragt man nach der Verantwortung für das Unrecht in einer Diktatur, liegt der Verweis auf die Machthaber und ihre Handlanger nahe. Im Falle der DDR wären das SED-Politbüro und die Staatssicherheit zu nennen. Eine solche Antwort greift jedoch zu kurz, da jedes Staats- und Gesellschaftssystem auf vielen Stützen basiert. In der „Diktatur des Proletariats“ beanspruchte die SED eine „führende Rolle“ und übte sie 40 Jahre lang aus. Insofern ist der Staatspartei tatsächlich die Hauptverantwortung für das von ihr errichtete und aufrechterhaltene System zuzuweisen. Die Frage nach weiteren Stützen der Diktatur rückt jedoch gesellschaftliche Akteure jenseits der SED und auch einzelne Personen in das Blickfeld. Diskussionen über institutionelle und individuelle Verantwortung können unangenehm sein, sind für eine konsequente Vergangenheitsbewältigung aber unerlässlich. In der neuen „Gerbergasse 18“ werden einige der zahlreichen Stützen der SED-Diktatur näher betrachtet: die Blockparteien anhand von Beispielen aus Stadt und Kreis Jena, die Zwangsarbeit politischer Häftlinge für Westbetriebe, die Kampfgruppen als Schutzmacht der „sozialistischen Errungenschaften“ und der „Kooperationsverband Wissenschaft“ in Freiberg als Pfeiler der Planwirtschaft im Staatssozialismus.

Weitere Themen in der neuen „Gerbergasse 18“ sind unter anderem die Entwicklung der militärischen Erinnerungskultur in der DDR, Technologieschieber aus der Schweiz, das Wirken der Staatssicherheit an der Technischen Hochschule Ilmenau und das Gedenken an den Jenaer Physikerball 1956.

Weitere Informationen zur "Gerbergasse 18" finden Sie hier. 

CoverDie Geschichte des Kommunismus ist eine Geschichte des steten Kampfes gegen Kirchen und Gläubige. Diese Konfliktgeschichte wurde jüngst wissenschaftlich aufgearbeitet; in der kommenden Woche erscheint in Deutschland das Buch "Es gibt keinen Gott!" worin die grundsätzlichen ideologischen Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten von Kirche und Kommunismus herausgearbeitet wurden. Beginnend mit der ersten kommunistischen Herrschaft in der Sowjetunion nach 1917 zeichnen die Autoren Nadezhda Beljakova, Thomas Bremer und Katharina Kunter dabei den schwierigen Umgang kommunistischer Regime mit den Kirchen in Mittel- und Osteuropa im 20. Jahrhundert nach. Abschließend beleuchteten die Wissenschaftler die Rolle der Kirchen in den Veränderungsprozessen seit den späten 1980er-Jahren sowie die aktuellen Herausforderungen. 

Am 21. Juli 2016 wird die Herder-Publikation erstmalig in Thüringen vorgestellt. Zu dieser Buchvorstellung, an die sich eine Diskussionsrunde mit den drei Autoren anschließt, lädt der Landesbeauftragte herzlich ein. Die Veranstaltung findet im Erfurter Augustinerkloster statt und beginnt um 18:00 Uhr.

1 Literaturtipp Lebensumwege Cover webDas Buch von Ira Spieker und Uta Bretschneider mit dem Titel Lebens(um)wege beschreibt sehr anschaulich die Geschichte von Flucht und Vertreibung nach Thüringen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzte. Im Mittelpunkt des Buches stehen die individuellen Erinnerungen und Erfahrungen der Vertriebenen. Neun Zeitzeugen, die als Kinder und Jugendliche ihre Heimat in Ostpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland verlassen mussten, kommen in Originalpassagen zu Wort. Gleichzeitig werden in den biographischen Skizzen die damaligen Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen deutlich. Sie berichten eindringlich unter anderem von ihren Erfahrungen während der Flucht vor der Roten Armee aus Schlesien, aber auch während der „organisierten Vertreibungen“ aus Ostböhmen. Ebenso erfährt der Leser von der Ankunft im Thüringischen, vom Neubeginn in Mengersgereuth-Hämmern, Lauscha, Roth und Römhild bei Hildburghausen, Dingsleben und weiteren Orten. Allgegenwärtig werden der Verlust der Heimat, die Not und der Hunger während der Flucht, aber auch die Chancen des Neubeginns. Das Buch entstand aus einem Forschungslehrprojekt im Bereich Volkskunde/ Kulturgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das im Sommersemester 2010 und im Wintersemester 2010/11 durchgeführt wurde. Die Studenten setzten sich mit der Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen zwischen Verlust und Neubeginn auseinander und führten Gespräche mit Zeitzeugen der Jahrgänge 1924 bis 1944. Diese lebensgeschichtlichen Interviews bildeten dann gemeinsam mit persönlichen Dokumenten und Fotografien der Zeitzeugen sowie mit Unterlagen aus den Archiven die Grundlage für die im Buch dargestellten Biographien. Eingeleitet wird der Band mit einer Analyse von Ira Spieker, die sich der historischen Deutung individueller Lebenserfahrungen widmet und einem Aufsatz von Uta Bretschneider, der sich mit dem Thema „Kindheit“ in der Nachkriegszeit und angesichts der Vertriebenenerfahrung auseinandersetzt. Des Weiteren finden sich im Buch „Infokästen“, die übergreifende Themen wie Unterkunft, Ankunft, Ernährung, Karrierewege usw. der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten darstellen.


Weitere Informationen zu der Publikation erhalten Sie bei der volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen.

Vortrag von Dr. Christian König zum Thema Flüchtlinge und Vertriebene und deren Rolle in der DDR-Aufbaugeneration am 23. Juni 2016 im Collegium Maius in Erfurt

Web 1662Im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe „Der Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung“ des Landesbeauftragten des Freistaates Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) präsentierte Dr. Christian König am 23. Juni 2016 in Erfurt ausgewählte Ergebnisse seiner Doktorarbeit. Der Historiker erforschte in seiner Qualifikationsschrift, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten innerhalb der DDR-Aufbaugeneration spielten. Genauer untersuchte König, jene Personengruppe mit Vertriebenenhintergrund, die zwischen 1925 und 1935 geboren war. Dabei erörterte er die zentrale Frage, inwiefern es diesen Menschen gelang, sich eine neue private und berufliche Existenz in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und DDR aufzubauen. Resümierend lässt sich festhalten, dass sich Flüchtlinge und Vertriebene in einem ausgeprägtem Spannungsfeld zwischen Ablehnung, Überwachung und Integration befanden. 

Im Jahr 1949 stellten Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten ein Viertel der Bevölkerung der SBZ – 4,3 Millionen Menschen. Der Historiker verdeutlichte in seinen einführenden Bemerkungen, dass hier vor allen Dingen Frauen und Kinder überrepräsentiert waren. Gerade die etwa 1,17 Millionen geflüchteten bzw. vertriebenen Kinder wurden ein bedeutender Teil der DDR-Aufbaugeneration. Zu integrativen Elementen wurden unter anderem Bildung und Arbeit, aber auch das soziale Netz von Familie, Bekannten und Freunden. Dennoch wanderten etwa 900.000 Flüchtlinge und Vertriebene bis zum Mauerbau 1961 in die Bundesrepublik Deutschland ab.

Web 1664Die in der SBZ und DDR verbliebenen Flüchtlinge und Vertriebenen gerieten schnell in den Blick der Polizeibehörden. Seit 1946 wurden deren Zusammenkünfte beobachtet, wie beispielsweise in den 1950er und 1960er Jahren die Treffen ehemaliger Sudetendeutscher im Hallenser und Leipziger Zoo. Nachdem 1950 das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Überwachung übernommen hatte, stellte diese allerdings fest, dass hier keine „organisierte negative Feindtätigkeit“ gegeben war. Vielmehr wurden nun auch verstärkt hauptamtliche Mitarbeiter unter den jungen Erwachsenen mit Vertriebenenhintergrund rekrutiert. Hierbei war der „Klassenstandpunkt“ entscheidend, wie Dr. König anhand zweier hochrangiger MfS-Mitarbeiter belegt, die in Schlesien geboren waren und in der DDR eine typische „Kaderkarriere“ machten. Am Ende seines Einblickes in die Thematik verwies der Referent auf einen bis 1990 bestehenden interessanten Dualismus: Einerseits blieben die Vertriebenen und Flüchtlinge Beobachtete des MfS, andererseits war ein Teil von ihnen Beobachtender. Diese und weitere Ergebnisse lassen sich unter anderem aus den MfS-Akten rekonstruieren. Die Fragen aus dem Publikum verdeutlichten abschließend das große Interesse am Thema „Flucht und Vertreibung nach Thüringen“. 

13428436 1778816879071914 9086589680779747272 nDas Kuratorium Deutsche Einheit verlieh Professor Dr. Richard Schröder am Sonntag, den 19. Juni 2016, den Point-Alpha-Preis für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit. Das Kuratorium würdigte den Theologen und Bürgerrechtler als hoch verdienten und aufrechten Patrioten, als wichtigen Akteur der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989 und als einen Wegbereiter des deutschen Einigungsprozesses im Jahre 1990.

Richard Schröder gehörte der im März 1990 frei gewählten Volkskammer an und bereitete als Vorsitzender der SPD-Fraktion die entscheidenden Schritte des Einigungsprozesses vor – die Verhandlungen zur Wirtschafts- und Sozialunion, die Möglichkeit des Beitritts der DDR zum Geltungsbereich der Bundesrepublik nach Art 23 Grundgesetz sowie die Aushandlung des Einigungsvertrags, der am 03. Oktober 1990 in Kraft trat. Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen a.D. und Präsidentin des Kuratoriums Deutsche Einheit, würdigte Richard Schröder als Impuls- und Ideengeber für die Einheit Deutschlands und Europas bis zum heutigen Tage. In vielen Verhandlungsfragen habe Schröder über alle Parteigrenzen hinweg Haltung bewahrt, so Lieberknecht.

13445270 1778816875738581 3606680734264631340 nDr. Wolfgang Clement, ehemaliger Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und Bundesminister a.D., erinnerte in seiner Laudatio an das Erfordernis einer Zweidrittelmehrheit in der DDR-Volkskammer für die Zustimmung zum Einigungsvertrag. Für diese Mehrheit und die Ergebnisse der Verhandlungen mit den westdeutschen Kollegen habe Richard Schröder als führender Vertreter der ostdeutschen Sozialdemokratie entscheidend beigetragen. Auch nach der Wiedervereinigung und bis in die Gegenwart sei Richard Schröder mit seinen Diskussionsbeiträgen und Veröffentlichungen ein Gewinn für Deutschland. „Sein umfassendes Wissen und seine Erfahrung in Ost und West, in Kirche, Wissenschaft und Politik machen ihn zu einem herausragenden Repräsentanten unseres gemeinsamen Deutschland“, so Clement.

In seiner Erwiderung (hier abrufbar) bewegten Prof. Dr. Richard Schröder die aktuellen Entwicklungen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Pegida-Bewegung und der Partei „Alternative für Deutschland“.

Die Aufarbeitung der Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland steht seit Jahren im öffentlichen Interesse. Für Wissenschaftler, Zeitzeugen und Interessierte hat das Deutsche Institut für Heimerziehungsforschung eine Internetseite entwickelt, die im Juni 2016 freigeschaltet wurde (Link). In den letzten Jahren ist vieles „ans Licht gekommen, von dem die meisten nie etwas wissen wollten und lange Zeit nicht für möglich gehalten haben. Diejenigen. um die es dabei vor allem ging - die ehemaligen Heimkinder - mussten erfahren, wie wenig auch in einer Demokratie für die Benachteiligten der Vergangenheit ermöglicht worden ist. Das Schicksal der Heimkinder, die in den Heimeinrichtungen des 20sten Jahrhunderts lebten, bildet den Gegenstand unseres Projektes. Der Namen Jahrhundertkind soll darauf deuten, dass sehr viele Kinder des letzten Jahrhunderts in Kinderheimen lebten und litten." (Autoren der Internetseite)
Unter uns leben ca. 500.000 Menschen, die in der DDR in Heimen waren.

Vortrag mit Dr. Christian König: Flüchtlinge und Vertriebene in der DDR-Aufbaugeneration

Plakat KoenigMehr als vier Millionen Menschen kamen nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches als sogenannte "Umsiedler" in die Sowjetische Besatzungszone.

Die Kriegsflüchtlinge aus Pommern, Ostpreußen und anderen Regionen östlich der Oder hatten in ihrer neuen Heimat oftmals mit Vorurteilen, Anfeindungen oder gar direkter Ablehnung seitens der ansässigen Bevölkerung zu kämpfen. Demgegenüber standen Chancen und Integrationsangebote - für jene, die bereit waren, sich für den Aufbau des Staatssozialismus einzusetzen.

Anhand exemplarischer Lebensgeschichten zeigt der Historiker Dr. Christian König im Rahmen seines Vortrags am 23. Juni 2016 im Erfurter Collegium Maius, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene für den SED-Staat und seinen Geheimdienst spielten. Dabei beschreibt Dr. König unter anderem auf Basis von MfS-Quellen, wie Menschen in dem Spannungsfeld zwischen Ablehnung, Überwachung und Integration versuchten, sich eine neue private und berufliche Existenz aufzubauen.

Wir freuen uns über Ihr Kommen.

Wann: 23.06.2016, 18:00 Uhr 
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

Der 17. Juni wird seit 62 Jahren als Gedenktag begangen. Bis zum Ende der Deutschen Teilung war er in der Bundesrepublik der Tag der „Deutschen Einheit“ – in den späten Jahren der Teilung eher ein freier Tag als ein Gedenktag.
Vielen war nur in Bruchstücken bekannt, was am 17. Juni in der DDR geschah und die meisten unterschätzten wohl, welche Dynamik in der unvollendeten Revolution lag.
Das war 1954 noch anders. Die erste Gedenkrede zum 17. Juni im Bundestag hielt Franz Böhm.
Er hatte während der Nazidiktatur in Jena gelebt, war Staatsanwalt und Professor, wurde aber wegen seiner Kritik an der Judenverfolgung in den Ruhestand versetzt.
Nach dem Krieg war er einer der Gründer der Bundesrepublik und hat ab 1952 die deutsche Delegation für die Wiedergutmachungsverhandlungen mit den jüdischen Weltverbänden und dem jungen Staat Israel geleitet. Er wusste, auch wenn Verbrechen nicht wieder gut zumachen sind, den Opfern müssen langfristig Hilfen zum Leben, für ein Leben nach der Katastrophe, geschaffen werden.
1954 sagte er über den 17. Juni:
„Es war der erste volkstümliche revolutionäre Massenaufstand unseres Jahrhunderts im Namen der Freiheit gegen den Terror.“
Er setzte die Streiks, Protestversammlungen, Gefangenenbefreiungen und Stürmung der Herrschaftssymbole an ca. 700 Orten in der DDR in Beziehung zur Sehnsucht nach Recht, Freiheit und Frieden.
Indirekt zitierte er so seine Schwiegermutter Ricarda Huch, die Alterspräsidentin der Beratenden Versammlung Thüringens. Sie schrieb unserem Freistaat 1946 ins Stammbuch:
„Es sei dem Lande Thüringen beschieden, dass niemals mehr im wechselnden Geschehen ihm diese Sterne untergehen: Das Recht, die Freiheit und der Frieden.“

Der 17. Juni hat in vielen Gemeinden Thüringens einen festen Platz als Tag der Erinnerung an den Volksaufstand im Jahre 1953. Die Massenproteste gegen die SED-Herrschaft kurz nach Gründung der DDR, gehören zu den wichtigsten Protestaktionen gegen die kommunistische Herrschaft im 20. Jahrhundert. Seit diesem Jahr ist der Tag in Thüringen ein Gedenktag für die Opfer des SED-Unrechts.
Der Landesbeauftragte nahm an folgenden Gedenkfeiern teil:

in Erfurt, an der Gedenkstätte in der Andreasstraße, um 10:00 Uhr (Rede)
in Teistungen im Grenzlandmuseum, um 15:00 Uhr
in Heilbad Heiligenstadt, Ortsumfahrung Westspange, um 18:00 Uhr zur Eröffnung des Gedenkorts "Westblick"
Am 19. Juni, Schifflersgrund, Gedenkstunde für die Opfer der SED-Diktatur, 14:30 Uhr

Der Thüringer Festakt 2016 fand am 17. Juni in Mühlhausen, Kornmarktkirche, statt.
An diesem Festakt nahmen auch 80 Schüler teil, die sich zuvor auf ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Jürgen Umbereit vorbereitet hatten. Die pädagogische Begleitung hatte Dr. Matthias Wanitschke.
Christian Carius sagte auf dem Festakt, dass sein Großvater am 17. Juni 1953 in Mühlhausen aktiv beteiligt war (MDR zum Festakt s.a. Thüringer Landtag)

Weitere Informationen zum Thema 17. Juni 1953 finden Sie hier. 

UnbenanntDie neuen Bundesländer haben ein signifikantes Problem mit Fremdenfeindlichkeit. Populistische Parteien und Organisationen erhalten dort im Vergleich zu den alten Bundesländern deutlich mehr Zuspruch und die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe ist höher.
Was sind die Ursachen für die fremdenfeindlichen Ressentiments, die in erster Linie in Ostdeutschland zum Tragen kommen? 

Ein in der Forschung häufig herangezogenes Erklärungsmuster ist die kollektive Erfahrung der geschlossenen Gesellschaft, die viele Menschen in der DDR geprägt hat. Für das gemeinsame Zusammenleben von DDR-Bürgern und Ausländern gab es so gut wie keine Beispiele. Weder fand ein intensiver Austausch mit den stationierten sowjetischen Truppen statt, noch ist die gesellschaftliche Isolation von Gastarbeitern, zum Beispiel aus Vietnam oder Mosambik, dazu geeignet gewesen, Toleranz und Weltoffenheit zu fördern. Die Tabuisierung von Neonazismus führte außerdem dazu, dass es zu keiner Auseinandersetzung mit tradierter und ausgeübter Fremdenfeindlichkeit kam.
Über 8.600 ausländerfeindliche, neonazistische und antisemitische Vorfälle wurden in der DDR dokumentiert. Trotz des verordneten Antifaschismus war im Bezirk Erfurt 1954 jeder 8. Genosse ein ehemaliges NSDAP-Mitglied.

Ist die ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit im Osten der Bundesrepublik damit tatsächlich als Erbe der DDR zu begreifen? Dieser zentralen Frage wird im Rahmen der Podiumsdiskussion nachgegangen. 

Podiumsdiskussion nebst Impulsvortrag zur Ursachenforschung von Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern mit:

o Prof. Dr. Heinrich Best, Soziologe, Universität Jena (Autor des Thüringen-Monitors)
o Prof. Dr. Frank Ettrich, Soziologe, Universität Erfurt
o Dr. Patrice G. Poutrus, Historiker, Universität Wien
o Konrad Weiß, Publizist, MdB a.D.

Wann: Mittwoch, 15.06.2016, 18:00Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Teilnahme nur per Anmeldung via E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 0361 / 37 71951.
Wir freuen uns über Ihr Kommen!

„Das „sozialistische Volks- und Heimatfest“ lud vom 9. bis 11. Juli 1976 mit einem attraktiven Kulturprogramm in die thüringische Kreisstadt Altenburg. Es sollte ein Unterhaltungsmarathon der Superlative werden und endete doch mit scharfen Dissonanzen,“ schreibt Dr. Michael Rauhut in den Blättern zur Landeskunde Thüringen.
Als Tramper, Kunden oder Gammler verunglimpft, provozierten auf jenem Fest rund 2.500 Jugendliche Staatsmacht und DDR-Diktatur. Es kam zu einem handfesten Eklat mit 103 Festnahmen und drei Haftstrafen.
Diesen Ereignissen wird in Altenburg in den kommenden Wochen mit verschiedenen Veranstaltungen gedacht. Am Freitag, den 03.06.2016 gibt es im Altenburger Weindepot Priem eine Lesung / Podiumsdikussion zum damaligen Kulturbetrieb, der Blues-und Rockszene und der damals so wichtigen kirchlichen Kulturarbeit. Dem schließt sich am Samstag ein Open Air-Konzert mit den DDR-Kult-Bluesern von Monokel an. Weitere Informationen zu dem Veranstaltungswochenende finden Sie hier.      

Zudem wird im Teehaus Altenburg eine Ausstellung eröffnet, die gut erhaltenes Foto- und Filmmaterial des „sozialistischen Volks- und Heimatfests" von 1976 zeigt. Die Eröffnung der Ausstellung findet im Rahmen der Museumsnacht in Altenburg am Sonnabend, 11. Juni 2016 um 18 Uhr statt. Anschließend wird die Ausstellung vom 12. – 19. Juni 2016 dort jeweils von 10 bis 17 Uhr weiterhin zu sehen sein. 

 

Der Thüringer Landtag hat im April diesen Jahres mit 84 von 85 Stimmen beschlossen, dass am 17. Juni der Opfer von SED-Unrecht gedacht wird. Im bundesdeutschen Gedenktagskalender wird der Tag seit 1954 in Erinnerung an den Volksaufstand begangen. In Thüringen gibt es dafür einige Orte, an denen jedes Jahr Gedenkfeiern stattfinden. Eine Auflistung dieser Gedenkorte finden Sie hier. Spätestens mit dem Beschluss des Thüringer Landtags wird der Tag als Symbol für die SED-Unrechtsherrschaft bis zu ihrem Ende im Jahre 1989 gedacht.
Siehe auch Brief des Landtagspräsidenten und Landesbeauftragten an alle Thüringer Bürgermeister vom Frühjahr 2015

Die DDR-Opposition nahm immer wieder Bezug auf den 17. Juni - die SED befürchtete bis zuletzt eine Wiederholung des "Tag X". Ein konkretes Beispiel gibt diesbezüglich der Thüringer Jürgen Unbereit:  

Die Bundesregierung will strafrechtlich verfolgte Homosexuelle rehabilitieren. Die Rehabilitierung durch die nationalsozialistische Justiz wurde bereits 2002 beschlossen. Die Gesetzesinitiative steht auf der Tagesordnung der Justizministerkonferenz am 1./2. Juni.
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte am 11. Mai 2016 dazu: "Die alten Urteile sind Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde." Die Urteile sollen aufgehoben werden. Neben der Rehabilitierung soll auch eine Entschädigung erfolgen. Hierfür ist das Modell eines Fonds im Gespräch.
Als Grundlage für die Rehabilitierung dient ein Rechtsgutachten, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundesregierung in Auftrag gab, die der Staatsrechtler Prof. Dr. Martin Burgi (München) erstellte.

Die Justizministerkonferenz wird sich auf der Sitzung am 1./2. Juni mit der Rehabilitierung von DDR-Heimeinweisungen beschäftigen. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass die Einweisung eines Kindes in ein Heim für Kinder oder Jugendliche, da die Eltern „des Betroffenen infolge ihrer Inhaftierung als Opfer politischer Verfolgung an der Ausübung der elterlichen Sorge gehindert waren“, nicht zwangsläufig als politische Verfolgung zu interpretieren sei (mehr dazu http://openjur.de/u/769571.html).
Zur Konkretisierung des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes für Kinder, deren Eltern wegen politischer Haft rehabilitiert wurden, werden die Justizminister von Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern einen Gesetzentwurf einbringen (https://www.thueringen.de/th4/tmmjv/aktuelles/medieninformationen/91230/).

Der Verein Gedenkstätte Amthordurchgang und der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur laden am Donnerstag, den 2. Juni 20016 um 18:00 Uhr zur Buchvorstellung „Der verratene Verräter. Wolfgang Schnur: Bürgerrechtsanwalt und Spitzenspitzel“ von Alexander Kobylinski in die Gedenkstätte Amthordurchgang ein.

Kaum ein Protagonist der Umbruchszeit 1989/90 polarisiert bis heute so wie Wolfgang Schnur. Als Anwalt arbeitet Schnur in der DDR als Vertrauensanwalt der Evangelischen Kirche für Oppositionelle. So vertrat er zahlreiche Bürgerrechtler, Wehrdienstverweigerer, sowie Dissidenten. Nicht wenige sehen den Mitbegründer und Vorsitzenden des Demokratischen Aufbruchs als kommenden Wahlsieger bei den Volkskammerwahlen im März 1990 und somit als künftigen DDR-Ministerpräsidenten. Kurz vor der Wahl wird jedoch bekannt, dass Schnur seit den 1960er Jahren für die Stasi als Inoffizieller Mitarbeiter tätig war. Der Entzug der Anwaltszulassung und diverse Verurteilungen folgen. Er starb am 16. Januar 2016. Kobylinski, einst selbst Mandat von Schnur, zeigt, wie Schnur mit viel Geduld, aber äußert zielstrebig vom MfS aufgebaut wurde. Ebenso beleuchtet er aber auch die folgenden Einbrüche in seiner Karriere nach Enttarnung seiner Stasivergangenheit.

Heute vor 25 Jahren verständigten sich die Bundestagsfraktionen von CDU, FDP und SPD darauf, dass die Stasiakten in der Bundesrepublik für die Opfer zugänglich gemacht werden. Es war eine weitreichende Entscheidung, die am 14. November 1991 durch den Deutschen Bundestag gesetzlich verankert wurde. Es wurde die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik geschaffen. Heute steht nicht die Öffnung der Akten aber die Zukunft der Behörde zur Debatte (Siehe Meldung vom 12. April).

Die Vorschläge der vom Bundestag eingesetzten Expertenkommission, das Minderheitenvotum und die eingeholten Expertisen von Dr. Hans Altendorf, Prof. Dr. Herbert Günther, Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Prof. Dr. Dr. Hansjürgen Garstka, Prof. Dr. Hansjörg Geiger, Dr. Susanne Olbertz, Prof. Dr. Johannes Weberling, Prof. Dr. Hermann Wentker, Dr. Helge Heidemeyer, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, Dr. Christoph Schneider, Regina Schild, Rüdiger Sielaff, Anne Drescher, Ulrike Poppe, der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des Bundesarchivs, die 
Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste zur Einrichtung eines Bundesbeauftragten für die Aufarbeitung/Bewältigung der Folgen kommunistischer Diktatur und eine Dokumentensammlung von Dr. Anna Kaminsky und Prof. Dr. Manfred Wilke sind auf der Seite des Bundestags zu finden (hier).

Im Kulturausschuss der Bundestags gab es am 27. April 2016 eine Anhörung (hier die Dokumentation).

Die Stellungnahmen vom 27. April 2016 von der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen Marianne Birthler, des Bundesvorsitzenden der UOKG, der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen in Sachsen-Anhalt, des Museums in der "Runden Ecke" Leipzig und des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung sind hier zu finden: Havemann-Gesellschaft

An gleicher Stelle sind auch vier von 52 Informationen des BStU an die Expertenkommission zu speziellen Themen (Reformbedarf, Außenstellen, Gelände Lichtenberg...) und eine Vielzahl weiterer Stellungnahmen zu finden: Havemann-Gesellschaft.

 

 

Flüchtlinge und Vertriebene in der DDR-Aufbaugeneration

Mehr als vier Millionen Menschen kamen nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches als sogenannte "Umsiedler" in die Sowjetische Besatzungszone.
Die Kriegsflüchtlinge aus Pommern, Ostpreußen und anderen Regionen östlich der Oder hatten in ihrer neuen Heimat oftmals mit Vorurteilen, Anfeindungen oder gar direkter Ablehnung seitens der ansässigen Bevölkerung zu kämpfen. Demgegenüber standen Chancen und Integrationsangebote - für jene, die bereit waren, sich für den Aufbau des Staatssozialismus einzusetzen.
Der Historiker Dr. Christian König zeigt im Rahmen seines Vortrags am 23. Juni im Erfurter Collegium Maius, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene für den SED-Staat hatten und beschreibt anhand konkreter Lebensgeschichten, wie Menschen in dem Spannungsfeld zwischen Ablehnung und Integration versuchten, sich eine neue private und berufliche Existenz aufzubauen.

Wann: Donnerstag, 23.06.2016, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt

Forschungsstand zu den Untersuchungen von Denis Bechmann bezüglich der Verhängung von politischen Strafurteilen gegenüber Thüringer Werwolfverdächtigen durch sowjetische Militärtribunale

Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 wurden in den Folgemonaten und –jahren viele Kriegsverbrecher bestraft, auch durch entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung. Allerdings wurden manche Personen als Begleiterscheinung etwa gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht schlichtweg denunziert und, ohne ein rechtsstaatliches Verfahren erhalten zu haben, verurteilt.
So auch im thüringischen Greußen geschehen: Bis Anfang 1946 kam es zur Verhaftung und Vernehmung von rund 70 meist jugendlichen Einwohnern - durch den sowjetischen Geheimdienst (NKWD), deutsche Polizeikräfte und einige KPD-Mitglieder, die nach dem Austausch der nationalsozialistischen Eliten in Schlüsselpositionen gerückt waren. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in der radikal-fanatischen nationalsozialistischen Freischärlerbewegung „Werwolf“, die noch nach Kriegsende aktiv war.

Entsprechend den Forschungen von Historiker Denis Bechmann hatten einige KPD-Mitglieder der Stadtverwaltung ganz bewusst eine konkrete Bedrohung durch angebliche Werwolf-Mitglieder in Greußen fingiert, um sich bei der vermeintlichen Aufklärungsarbeit profilieren zu können. Flugblätter der Werwolf-Organisation wurden gefälscht, Beweise manipuliert und Personen absichtlich einer Mitgliedschaft oder einer Kooperation bezichtigt.
Auf Basis dieses Forschungsstandes untersucht der Historiker derzeit die genaueren Hintergründe und Abläufe der Ereignisse. „Diese wurden bisher nur marginal behandelt und sind sehr widersprüchlich“, so Bechmann. Kein Zweifel besteht darin, dass es bei 41 dieser Personen zu politisch motivierten Verurteilungen durch sowjetische Militärtribunale kam. Kurt Hüllemann wurde zum Tode verurteilt und in Sondershausen hingerichtet – 50 Jahre später wurde er rehabilitiert.

Ein Fall von vielen: Bei circa 200 Thüringern ist der Sachstand ähnlich. Einer durch sowjetische Militärtribunale in der Nachkriegszeit vollstreckten Todesstrafe folgte in den 90er Jahre die Rehabilitierung.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird die Thematik am Mittwoch, 18. Mai 2016 um 18:00 Uhr im Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena aufgegriffen. Dort werden die Herausgeber der Studie „Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947)“, Dr. Klaus-Dieter Müller, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Mike Schmeitzner und Dr. Andreas Weigelt anhand ähnlicher Fälle die unterschiedlichen Facetten, Rollen und Bedeutungen der Todesurteile für die Besatzungspolitik in der SBZ diskutieren.

Die Veranstaltung im Überblick: 

· Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie: Dr. Klaus-Dieter Müller, PD Dr. Mike Schmeitzner, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Andreas Weigelt
· Wann: Mittwoch, 18. Mai 2016, 18:00 Uhr
· Wo: Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

 

EppleraErhard Eppler (* 1926) der sozialdemokratische Politiker und langjärige Vorsitzende der Grundwertekomission der SPD (1973-1992) erhielt am 9. Mai 2016 in Gotha den "Wilhelm Bock Preis". Namensgeber des Preises ist der Gothaer Sozialdemokrat und Alterspräsident des Deutschen Reichstages Wilhelm Bock (1846-1931).

Erhard Eppler hielt am 17. Juni 1989 im Deutschen Bundestag die Gedenkrede zum 17. Juni. Er fand damals eine Sprache für das mögliche Ende der SED-Herrschaft: "wenn das Eis des Kalten Krieges unter unser aller Füßen schmilzt, kann die DDR auf Dauer nur überleben, wenn sie eine Funktion erfüllt, die ihren eigenen Bürgern einleuchtet". Zur Entwicklung der poliotischen Lager in der Bundesrepublik stellte er fest, dass die Linke den Westen wiederentdeckt habe und die Konservativen endlich den Osten. Zusammenfassend sagte er kurz vor der Friedlichen Revolution: "Je souveräner deutsche Politik wird, desto weniger bedarf sie des souveränen Nationalstaats, um die Einheit der Deutschen darzustellen und zu festigen."

Iwan Lippold wurde 1899 in Langensalza geboren, lebte in Erfurt und führte als Inhaber die Firma Oskar Lippold Kohlen- Groß- und Kleinhändler und holzverarbeitender Betrieb. Außerdem war Lippold seit 1934 Mitglied der NSDAP.
Nach Kriegsende wurde er am 09.12.1945 in Erfurt festgenommen und am 15.12.1945 vom sowjetischen Militärtribunal der 22. Artilleriedivision in Erfurt zum Tode durch Erschießen verurteilt. Der Vorwurf lautete: Kriegsverbrechen, Beschäftigung von 20 polnischen und 15 sowjetischen Zwangsarbeitern und systematische physische Bestrafung und Misshandlung dieser Arbeiter für Verfehlungen. Die Vollstreckung des Urteils erfolgte am 03.01.1946.
Die Tochter von Iwan Lippold, Christel Barthels, zeichnet in ihren veröffentlichten Erinnerungen ein anderes Bild des Vaters: Er sei ein gutmütiger Mensch gewesen und von einem Dritten denunziert worden, der sich nach dessen Verhaftung prompt als neuer Geschäftsführer der Firma einsetzte. Nach der Verurteilung wurde die Familie zudem enteignet. 50 Jahre später - 1995 - hat die russische Hauptmilitärstaatsanwaltschaft das Urteil gegen Lippold aufgehoben und für unrechtmäßig erklärt.
Iwan Lippold ist einer von circa 200 Thüringern, die durch sowjetische Militärtribunale in der Nachkriegszeit zum Tode verurteilt – und schließlich posthum rehabilitiert wurden. Im Rahmen der Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie „Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947)“ soll anhand dieses und ähnlicher Fälle die Rolle und Bedeutung der Todesurteile für die Besatzungspolitik in der SBZ diskutiert werden.

· Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie: Dr. Klaus-Dieter Müller, PD Dr. Mike Schmeitzner, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Andreas Weigelt
· Wann: Mittwoch, 18. Mai 2016, 18:00 Uhr
· Wo: Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena

 

Die Postkontrolle der Staatssicherheit

GrafikZum Zeitpunkt seiner Auflösung waren 2.177 Stasi-Mitarbeiter in Berlin und den Bezirksstädten der DDR damit beschäftigt, täglich ca. 90.000 Briefe zu kontrollieren. Für die Arbeit der geheimpolizeilichen Postkontrolle gab es keine juristische Grundlage. Jene für die Postkontrolle zuständige Abteilung M bewegte sich im rechtsfreien Raum, war doch das Postgeheimnis in der DDR-Verfassung garantiert. Welche Arbeitsweisen, Methoden und Mittel hatte die Abteilung M? Welche Überwachungsarten gab es und welche Verfahren und Maschinen wurden eingesetzt, um den Briefverkehr in der DDR zu kontrollieren?

Diesen und weiteren Fragen wird der Forscher und Autor des Buches „Die Postkontrolle der Staatssicherheit – Aus der Sicht eines Zeitzeugen“, Peter Hellström, in seinem Vortrag am 12. Mai 2016 um 18:00 Uhr im Erfurter Collegium Maius nachgehen.

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) veranstaltet gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) die Vortragsreihe zum „Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung". Im Rahmen vielseitiger Vorträge wird anhand anschaulicher Beispiele die historische Bedeutung der Stasi-Akten herausgestellt.

Der Beschluss des deutschen Bundestages von 2007, ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin zu errichten, wurde vom Haushaltsausschuss des Bundestages gestoppt.
Die Deutschen Gesellschaft e.V. bedauert den Beschluss und lädt zur Debatte ein (hier).

EinheitsdenkmalDer ehemalige Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Florian Mausbach erklärt dazu:
"Das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der Berliner Schlossfreiheit ist weit mehr als ein Einheitsdenkmal. Es ist das Denkmal der friedlichen Bürgerrevolution von 1989. Es ist das Nationaldenkmal zur dauernden Erinnerung an die Vollendung eines langen historischen Weges über Abgründe hinweg, auf dem das Land und die Nation endlich ihre Grenzen und ihre Freiheit gefunden haben,  in einem von seinen europäischen Nachbarn anerkannten und respektierten friedlichen, freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat.
Das Datum der ersten freien Wahlen in der DDR  am 18. März 1990 erinnerte an den revolutionären März von 1848, als die demokratische Revolution in Deutschland ihren Höhepunkt am Berliner Schloss erlebte: vor den Märzgefallenen musste der König seinen Hut ziehen. In der sozialen und demokratischen Revolution von 1918 wurde das Berliner Schloss zum Symbol des Endes der Adelsherrschaft: der Trauerzug zur Beisetzung der Opfer der Novemberrevolution ging über die Schlossfreiheit. Am 4. November 1989 bewegte sich über die Schlossfreiheit der Marsch der friedlichen Revolution zum Alexanderplatz zu der größten Kundgebung, die die DDR je gesehen hatte.
Das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. verschwand 1949 von der Schlossfreiheit in Kisten mit kyrillischen Buchstaben. Heute erinnert der Sockel an ein Fundament der Bundesrepublik Deutschland, an die von Bismarck als „Revolutionär von oben“ (Friedrich Engels) bewirkte erste deutsche Einheit von 1871. Auf diesem Sockel die demokratische Freiheitsrevolution durch ein Bürgerdenkmal zu ehren und zu feiern, die 1989 die Einheit von unten bewirkte, gibt es etwas Sinnfälligeres? Gibt es etwas Notwendigeres in einer Zeit demokratischer und moralischer Verunsicherung?"

 

Der 20. Bundeskongress der Landesbeauftragten und der Bundesstiftung Aufarbeitung mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen tagte dieses Jahr vom 22. bis 24. April in Rostock zum Thema „Zwangsvereinigung. Der Zusammenschluss von SPD und KPD 1946 und das Parteiensystem in Ostmitteleuropa“.

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Dort machte die Historikerin Prof. Dr. Beatrix Bouvier deutlich, dass die Vereinigung von SPD und KPD vor 70 Jahren mit Recht als Zwangsvereinigung zu bezeichnen ist. Bouvier erläuterte weiter, dass angesichts der zahlreichen Verhaftungen von Parteimitgliedern durch die sowjetische Besatzungsmacht im Zuge der Zwangsvereinigung mehr als symbolischer Widerstand allerdings nicht möglich gewesen sei.

In der Erfahrung im Widerstand „gegen eine verhasste Diktatur … liegt viel Kraft und Selbstbewusstsein verborgen. Wir werden sie brauchen müssen, wenn wir wollen, dass unsere Gesellschaft den eingeschlagenen demokratischen Weg weitergeht“, betonte Stephan Hilsberg, Mitbegründer der 1989 entstandenen Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP). 

Der jährlich stattfindende Kongress ist die einzige Plattform, bei der Vertreter von mehr als 40 Aufarbeitungs- und Verfolgtenverbänden und Initiativen aus allen Bundesländern ihre Anliegen austauschen und Forderungen artikulieren. Von zentraler Bedeutung waren dabei die Appelle zur Entfristung der Ende 2019 auslaufenden Rehabilitierungsgesetze sowie Verbesserungen bei der Anerkennung von gesundheitlichen Folgeschäden von politischer Verfolgung. Lesen Sie hier mehr zum diesjährigen Bundeskongress. 

 

Bild Richard SchroederAm Sonntag, den 19. Juni 2016, wird das Kuratorium Deutsche Einheit e. V. den diesjährigen Point-Alpha-Preis an Professor Dr. Richard Schröder verleihen.
Der bekannte Theologe und Philosoph gehörte 1990 der einzigen frei gewählten Volkskammer an. Als Vorsitzender der SPD-Volkskammerfraktion hat sich Richard Schröder in den entscheidenden Monaten der Vorbereitung der deutschen Einheit vom 3. April bis zum 21. August 1990 über Parteigrenzen hinweg hohe Anerkennung und außerordentliche Wertschätzung erworben.

So bedurfte der Einigungsvertrag in der Volkskammer einer Zweidrittelmehrheit, für deren Erreichung Richard Schröder unverzichtbare Dienste leistete. Beim Wiederaufbau der neuen Länder und der Gestaltung der inneren Einheit Deutschlands war er über zwei Jahrzehnte ein engagierter und viel gefragter Begleiter und Ratgeber von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Als einer der profiliertesten intellektuellen Köpfe der deutschen Sozialdemokratie arbeitet Richard Schröder bis heute an zentralen gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart und Zukunft. In seinen vielbeachteten Veröffentlichungen scheut er sich dabei nicht, auch unpopuläre Positionen zu vertreten. Besondere Achtung hat er sich zudem als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung erworben.

das war die teilung titelIn Band Drei der Schriftenreihe Point Alpha beschreiben Diana Unkart und Klaus Hartwig Stoll ausfürhlich die Einrichtung und Ausweitung der Grenzanlagen zwischen BRD und DDR in der hessisch-thüringischen Rhön. Zur Erstellung der empfehlenswerten Publikation nutzten die Autoren ein breites Spektrum von Zeitzeugenberichten sowie teilweise noch nicht veröffentlichtes Bild- und Archivmaterial. Aus vielen einzelnen Geschichtsepisoden beiderseits der Grenze ist eine quellenorientierte zeitgeschichtliche Dokumentation entstanden, die ein Kaleidoskop "erzählter Geschichte" der Region zeichnet. Besonders interessant sind dabei MfS-Quellen, die die Vorbereitung von dortigen Zwangsaussiedlungen, etwa im Rahmen der Aktion "Ungeziefer" im Jahr 1952 betreffen. Hier wurden Betroffene in Listen erfasst, die auch die Begründungen für die geplante Zwangsaussiedlung beinhalteten. Deutlich wird anhand der Quellen: Schon geringste Abweichungen vom systemkonformen Verhalten reichten aus, um denunzierte Familien um Haus und Hof zu bringen. So lautet die Begründung zur Zwangsaussiedlung einer in der Region ansässigen Person, sie verhälte sich sehr zurückhaltend und wolle von der Partei nichts wissen. 
Weitere Informationen zu Publikation "Das war die Teilung - Grenzgeschichte und Grenzgeschichten aus der Rhön 1945-1990" finden Sie hier.

Nachdem mehrere Vertreter der Platform of European Memory and Conscience am Bundeskongress 2014 (Fulda/Point Alpha) auf Einladung des Landesbeauftragten teilnahmen, hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich die Geschäftsstelle in Prag besucht.

Prag

Dr. Neela Winkelmann (Managing Director der Platform of European Memory and Conscience) und Christian Dietrich. Im Hintergrund ein Foto von der Samtenen Revolution in Prag am 17.11.1989 ("Pravdy každému přejte!" deutsch: "Wünschet jedermann die Wahrheit!" - ein Zitat von Jan Hus. Darunter die Abkürzung für die Philosophische Fakultät der Prager Karlsuniversität.



Am 11. April hat der Stiftungsrat der Stiftung Point Alpha Ricarda Steinbach zur Nachfolgerin von Direktor Volker Bausch gewählt. Volker Bausch wird zum 15. Juli 2016 in den Ruhestand treten.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Professor Dr. Dr. Hans-Joachim Jentsch, würdigte in der Stiftungsratssitzung ausdrücklich Engagement und Verdienste des scheidenden Direktors, insbesondere beim Aufbau der Point Alpha Akademie. Er gratulierter Ricarda Steinbach zu ihrer Wahl und wünschte ihr „von Herzen viel Erfolg in der neuen Herausforderung rund um Point Alpha, eine Menge frischer Impulse und eine stets glückliche Hand vor allem im Umgang mit einer hochmotivierten Mitarbeiterschaft und den jährlich mehr als 100.000 Gästen." (PM der Stiftung Point Alpha)

Die „Mutter Courage von Thüringen“, Christina Schultheiß, ist tot. Sie starb am Sonnabend im Alter von 97 Jahren zu Hause in Pillingsdorf. Die Trauerfeier wird am 8. April um 14 Uhr in Tanna stattfinden.
"Christina Schultheiß war über die Grenzen Thüringens hinaus bekannt – als langjährige Präsidentin der Landessynode (1978 bis 1990), Mitglied der Synoden des Bundes der Evangelischen Kirchen der DDR und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands sowie Vorstandsmitglied in der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen der DDR. Sie trat für Toleranz, das Leben menschlicher Werte und das gemeinsame Lösen von Problemen ein. Im März 1978 hatte sie beim ersten Spitzengespräch zwischen Staat und Kirche unter Leitung des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker auf die vielen Ungerechtigkeiten gegenüber den Bürgern verwiesen. „Mutter Courage von Thüringen“ wurde sie auch deshalb genannt. Ihre Lebensleistung wurde bereits 1992 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens gewürdigt. Sie war die erste Persönlichkeit im Saale-Orla-Kreis, der diese höchste staatliche Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland verliehen wurde." Lesen Sie hier weiter auf Ostthüringer Zeitung Online. 

Erster Vortrag am 14. April über die Verstrickungen der SED-Zeitung "Das Volk" mit der Stasi  

Auch in diesem Jahr setzt der Landesbeauftragte seine Vortragsreihe im Erfurter Collegium Maius fort. In Kooperation mit der BStU-Außenstelle Erfurt wird anhand anschaulicher Vorträge der Quellenwert der Stasiakten für die zeitgeschichtliche Forschung herausgestellt. Am 14. April spricht Christiane Baumann über "Das Volk" und die Verstrickungen jener SED-Zeitung mit der Stasi. 

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Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Publizistin in der „Thüringer Allgemeinen“ eine zehnteilige Serie veröffentlicht, die sich mit der Geschichte der TA beschäftigte – im Besonderen ging es um den Vorläufer der größten Thüringer Zeitung, die in der DDR unter dem Namen „Das Volk“ in SED-Regie erschien. 

An Fällen und Geschichten, die ihr in den MfS-Akten begegneten, skizziert die Autorin jene journalistische Binnenwelt, in der Parteidisziplin die erste Tugend war und Meinungsfreiheit nichts galt.
In ihrem Vortrag beschreibt und analysiert sie ihre Recherche zum Thema Stasi ausführlicher.
Wie ist die Aktenlage? Was ist überliefert? Welche Strukturen zeichnen sich für die Erfurter SED-Presse ab? Welche Besonderheiten sind im Vergleich zu anderen Regionen der DDR auszumachen? Diesen und weiteren Fragen wird Christiane Baumann am 14. April 2016 um 18:00 Uhr im Erfurter Collegium Maius nachgehen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung und den Folgeterminen der Reihe finden Sie hier unter Veranstaltungen. 

Ab sofort können alle Interessierten über den Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung des Thüringer Archivgesetzes (Drucksache 6/1713) hier im Onlineforum des Thüringer Landtages diskutieren. Die Drucksache und weitere Dokumente können in der Parlamentsdokumentation eingesehen werden.
Das Thüringer Archivgesetz regelt die Organisation und Tätigkeit der staatlichen Archive und deren Benutzung. Das Gesetz verpflichtet darüber hinaus zum Schutz des Archivguts vor Vernichtung und Zersplitterung sowie zur Bereitstellung der öffentlichen Nutzung der gegenwärtig bestehenden Staatsarchive in den Thüringer Residenzstädten. Das „Reformkonzept 2020" der Regierungskommission zur Reform der Thüringer Landesverwaltung sieht nunmehr die Bildung eines Landesarchivs vor. Diese Zusammenlegung der einzelnen Archive erfordert eine Novellierung des Thüringer Archivgesetzes. Zur Umsetzung des Reformkonzepts sollen die bereits bestehenden selbständigen sechs Staatsarchive zu einer Behörde vereint werden. Das betrifft das Hauptstaatsarchiv in Weimar sowie die Staatsarchive in Altenburg, Greiz, Gotha, Meiningen und Rudolstadt. Die Online-Diskussion läuft bis zum 29. April 2016.

Seit 17. März 2016 erinnert eine Tafel am Eingang zum Hörsaal 1 der Physikalisch-Astronomische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Max-Wien-Platz 1) an das „Fanal für die Freiheit weit über Jena hinaus“ von 1956. Es war der Physikerball 1956 in der Mensa, der zu einem zentralen Ereignis des studentischen Widerstands gegen die Sowjetisierung Mitteleuropas und der SED-Herrschaft wurde. In kabarettistischen Szenen wurde auf die brutale Niederschlagung des ungarischen Aufstands und die erste Kritik am Stalin-Kult in der Sowjetunion reagiert.

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Zwei Jahre später mußten viele Akteure des Physikerballs und Mitglieder der Widerstandsgruppe „Eisenberger Kreis" dafür einen hohen Preis zahlen: Sie wurden exmatrikuliert, wurden inhaftiert oder mußten fliehen. Gestiftet wurde die Tafel durch das Thüringer Innenministerium als Teil der Straße der Menschenrechte und Demokratie.

Herr Herrmann, Herr Dr. Steudel, Herr Professor Hofmann, Herr Dr. Träger und Frau Rohmann (v.l.n.r.) vor der Stele am Eingang zum Hörsaal 1 (Foto: Jan Bernert).

Das Ende der Stasiunterlagenbehörde wird vorbereitet. Die vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission hat wichtige Elemente ihrer Vorschläge mit dem Kulturausschuss des Bundestages beraten. Die Vorschläge der Expertenkommission werden am 12. April 2016 dem Präsidenten des Bundestags übergeben. Zukünftig werden die Akten Teil des Bundesarchivs ohne dass die Archivstandorte geändert werden. Die Forschungsabteilung wird verselbständigt.
Noch nicht geklärt ist das Profil des Opfer- oder Aufarbeitungsbeauftragten, der von verschiedenen Opferverbänden gefordert wird (siehe hierzu das Interview mit dem Vorsitzenden der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. Dieter Dombrowski).
Bei der Aufgabenbestimmung gibt es noch keine Klarheit. Einerseits hat die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seit 1998 wichtige Bundesaufgaben übertragen bekommen und fördert zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung Bildungsarbeit und in Kooperation mit den Landeszentralen für politische Bildung und den Landesbeauftragten Bildungsarbeit. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, plädiert ausdrücklich für eine Trägervielfalt. Auf der anderen Seite sind fast alle sozialen und kulturellen Fragen Länderangelegenheit. Im Bereich der SED-Diktatur-Folgen sind dafür in den ostdeutschen Ländern Landesbeauftragten eingesetzt worden. Sie sind für Anliegen der Bürger und Verbände Ansprechpartner und haben ein Beratungsnetzwerk entwickelt. Auf dem Verbändetreffen der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. am 13. März 2016 hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärt, dass ein Opferbeaufragter beim Bundestag – also ein Opferanwalt – offensichtlich für viele Gewaltopfer der SED-Herrschaft eine Ermutigung ist. Ein Bundesbeauftragter ist aber schwer mit Gesetzen zu vereinbaren ist, deren Ausführung Ländersache ist.

Siehe auch Zukunft der BStU beim Internetauftritt des Bundesbeauftragten, die Dokumentation der Havemann-Gesellschaft, Pressemeldungen der Union der Opferverbände (UOKG) und aus den Medien

Die Beratungsinitiative SED-Unrecht stellt ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2015 vor. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2015 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Viele Betroffene wenden sich in schon laufenden Verfahren an uns mit der Bitte um Hilfe bei der Beschaffung von Inhaftierungsnachweisen, Renten- oder Gehaltsunterlagen oder bitten um Unterstützung beim Schriftwechsel mit den entsprechenden Behörden. Die erforderlichen Recherchen und das sich anschließende Aktenstudium und die Aktenauswertung sind sehr aufwändig und zeitintensiv. Allgemein ist weiter festzustellen, dass sich die Antragszahlen auf Rehabilitierung in allen Bereichen verringern, die einzelnen Rehabilitierungsfälle sich allerdings wesentlich komplizierter gestalten und die BeraterInnen aufgrund der langen Recherche- und Bearbeitungszeiten über einen langen Zeitraum die Arbeitsbeziehung zum Betroffenen zu gestalten haben.

Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-Unrecht für das Jahr 2015 finden Sie hier. 

 

Der Thüringer Landesbeauftragte Christian Dietrich eröffnete am vergangenen Freitag die Tagung „Suhl – Was bleibt zum Erinnern?“, die gleichermaßen interessierte Bürger, Wissenschaftler, aber auch Vertreter der Stadt und deren Partnerstädte Würzburg und Bègles zusammenbrachte, um die vergangene, aber auch künftige Entwicklung von Suhl zu diskutieren. Der Fokus der Beiträge, die die Architektur-, Vernetzungs-, Sozial-und Wirtschafts- sowie Revolutionsgeschichte in den Blick nahmen, lag dennoch erkennbar auf der DDR-Vergangenheit: Suhl wurde 1952 Bezirksstadt und in der Folge fand ein immenser Ausbau statt: Ein neues Stadtzentrum und Wohngebiete in Plattenbauweise entstanden, auch die Bevölkerungszahl der Stadt wuchs bis in die 1980er Jahre auf das Doppelte an. Suhl etablierte sich als Verwaltungszentrum im Bezirk.

Die Tagung startete am späten Freitagnachmittag mit einem Rundgang durch das Gelände der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung in der Hölderlinstraße 1. Hier informierte Sascha Münzel (BStU, Außenstelle Suhl) über die Staatssicherheit vor Ort und führte die Teilnehmer auch in das Dienstzimmer des letzten Leiters der Bezirksverwaltung Gerhard Lange. Es folgte die offizielle Eröffnung der Tagung durch den Landesbeauftragten sowie der Vortrag von Dr. Peter Wurschi (Stiftung Ettersberg, Weimar) zum Thema „Suhl – ein schwieriges Erbe“. Anschließend hatte der Film „Der Aufbruch“ Premiere. In dem Dokumentarfilm der Filmemacher Reinhold Tielbörger, Ullrich Willier und Thorsten Heinze schildern Zeitzeugen die Ereignisse der Friedlichen Revolution 1989/90 in Suhl. Über 100 Bürger sahen die Dokumentation und diskutieren bei Brezeln und Getränken bis etwa 21.30 Uhr ihre Erfahrungen.

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Am Samstag wurden etwa 50-60 Interessierte zu den verschiedenen Themenbereichen gezählt. Auf der abschließenden Podiumsdiskussion mit Roland Jahn (Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR), Kristina Casper (Leiterin der Außenstelle Suhl des Landesbeauftragten), Dr. Ulrike Schulz (Wirtschaftshistorikerin, Florenz/Berlin), Klaus Lambrecht (Vize-Bürgermeister, Suhl), Reinhold Tielbörger (Filmemacher, Suhl) und PD Dr. Jörg Ganzenmüller (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg, Weimar) wurde dann die Zukunft Suhls angesprochen: Obwohl die Stadt eine interessante Geschichte habe – nicht nur in der jüngeren Vergangenheit –, fehle es bisher an einem gemeinsamen Konzept und an politischem Willen, das historische Erbe aufzuarbeiten und ansprechend zu präsentieren. Möglicherweise wird eine von Dr. Ulrike Schulz am Ende der Podiumsdiskussion angeregte Arbeitsgruppe zukunftweisende Ideen mit der Stadt Suhl entwickeln.


Organisiert wurde die Tagung von der Stiftung Ettersberg in Weimar und den Außenstellen Suhl des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Stadt Suhl, die Rhön-Sparkasse und die Landeszentrale für politische Bildung

 

Seit Ende der DDR sind die Medikamentenprüfungen, die bundesdeutsche Pharmaunternehmen in der DDR durchführen ließen, ein öffentliches Thema.

Die Bundesregierung will das zweite Gesetz über finanzielle Hilfen für Doping-Opfer auf den Weg bringen; bis zum Sommer soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sein. Laut Bundesinnenministerium sollen hierfür insgesamt 10,5 Millionen Euro vom Bund zur Verfügung gestellt werden. "Der neue Fond für die Dopingopfer ist eine lange erwartete Geste der Bundesrepublik gegenüber den Dopingopfern. Zu bedauern ist, dass die Sportverbände sich daran nicht beteiligen", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. 

Die Antragsverfahren sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2016 beim Bundesverwaltungsgericht eingeleitet werden. Bereits jetzt können Betroffene per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Fragen an das Bundesverwaltungsgericht stellen. 

Weitere Stimmen zu dem Gesetzgebungsverfahren - u.a. von der Vorsitzenden des Doping-Opfer-Hilfe e.V., Ines Geipel - lesen Sie hier auf Handelsblatt online.  

Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Francois Mitterand während der Schlacht um Frankreich bei Verdun - dort wurde der spätere französische Staatspräsident durch einen Granatsplitter verletzt und geriet am 18. Juni 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er wurde im Stammlager IX C in Rudolstadt-Schaala interniert. Von dort gelang ihm schließlich nach mehreren Versuchen am 5. März 1941 die Flucht - im Dezember 1941 erreichte er über Süddeutschland schließlich den unbesetzten Teil Frankreichs.

40 Jahre später, am 5. März 1981, trat der damalige Präsidentschaftskandidat eine Reise in seine Vergangenheit an. Schon Monate zuvor hatte er mit Willy Brandt das Projekt geplant, seinen Fluchtweg nachreisen zu wollen. 

Von Frankfurt am Main aus reiste Mitterand über die Grenzübergangsstelle Herleshausen in die DDR ein und fuhr – in diesem Abschnitt der Reise noch ohne Brandt – nach Rudolstadt. Die Möglichkeit das Gebäude des ehemaligen Stammlagers zu besuchen, das sechs Kilometer von der thüringischen Stadt entfernt lag, wurde ihm jedoch seitens der DDR-Behörden verwehrt. Offizielle Begründung: Es handelte sich um ein Handelsdepot der NVA. Am Mittag des 5. März. trafen sich schließlich Mitterand und Brandt auf der Transitstrecke am Hermsdorfer Kreuz und setzten – dann gemeinsam – die Reise Richtung Süddeutschland fort. Der Besuch Rudolstadts erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit, westdeutschen Zeitungskorrespondenten war hierfür die Einreise in die DDR verwehrt worden. 

Wenngleich diese Reise von Mitterand durch Deutschland im Nachgang häufig als PR-Aktion hinsichtlich der anstehenden Präsidentschaftswahl bezeichnet wurden, war es dennoch ein wichtiger Prozess zur Aufarbeitung seiner persönlichen Fluchtgeschichte.

Weitere Artikel zum Thema Flucht und Vertreibung finden Sie hier unter Jahresthema.

Der Bericht der Landesregierung zum Stand und der Weiterentwicklung der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen für den Zeitraum März 2015 bis Februar 2016 ist nunmehr online verfügbar. Das Dokument ist über diesen Link abrufbar. 

trauerIn der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es heute über den am 26. Februar überraschend verstorbenen Journalisten: „Föller machte sich als Publizist vor allem um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte verdient und zeichnete insbesondere den Einfluss der SED und der Stasi auf den Journalismus nach. Seine aufwendigen Recherchen zu ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi, die nach der Wiedervereinigung zunächst unerkannt blieben und zum Beispiel beim Mitteldeutschen Rundfunk unterschlüpften, aber nicht nur dort, waren wegweisend. Mit seinem Artikel „Genosse Alzheimer“, der in dieser Zeitung erschien, löste Föller eine Debatte über das Erbe der Stasi bei den ehemaligen SED-Bezirkszeitungen in den neuen Bundesländern aus.“
„Hans-Joachim Föller hat in aufklärerischer Intention die Rechtfertigungskonstruktionen von Verantwortungsträgern der SED-Diktatur durchleuchtet. Er löste damit oft heftige Kontroversen und damit einhergehend wertvolle Erkenntnisprozesse aus. Er fehlt uns", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich.

In Gedenken an den für die Aufarbeitung der SED-Diktatur wichtigen Historiker und Journalisten stellt die Geschichtswerkstatt Jena e.V. seinen ersten und letzten Artikel in der „Gerbergasse 18“ frei zur Verfügung. Die Artikel sind über diesen Link abrufbar. 

Derzeit befasst sich der Thüringer Landtag mit dem Vorschlag der Landesregierung, den 17. Juni zum Gedenktag zu machen. Eine Initiative die spät kommt, aber immerhin kommt - noch am 2. Oktober 2015 hatte der Thüringer Landtag mit den Stimmen der Regierungskoalition den 8. Mai als singulären Gedenktag in das Thüringer Feiertagsgesetz eingefügt - und sich damit gegen den 17. Juni entschieden. Nach wie vor sind einzelne Abgeordnete der derzeitigen Regierungskoalition gegen die Einrichtung dieses Gedenktages.
Bereits seit über einem Jahr fordert der Präsidend des Thüringer Landtages, den 17. Juni als Gedenktag für die Opfer der kommunistischen Diktatur und zur Erinnerung an den Widerstand gegen die SED-Diktatur zu begehen; seither unterstützt die Behörde diese Initiative. Der Landesbeauftragte freut sich, dass dieser wichtige Schritt für die Thüringer Erinnerungskultur - letztlich nur durch die Unterstützung der CDU - mit höchster Wahrscheinlichkeit trotzdem gegangen wird. 

Schon vor 1989 beschäftigte sich der Bürgerrechtler Konrad Weiß mit Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR - und sieht klare Kontinuitäten und Zusammenhänge zwischen damals und heute. Lesen Sie das interessante Interview zu todgeschwiegenem und nach der Wiedervereinigung nicht aufgearbeiteten und wirksam bekämpften Neo-Nazismus in Ost-Deutschland. 
Der Landesbeauftragte wird die Thematik im Rahmen einer Podiumsdiskussion aufgreifen und zur Diskussion bringen, ob und inwiefern tatsächlich eine Kausalität zwischen SED-Diktatur, dortiger Sozialisation und der heutigen Gesellschaft in Ost-Deutschland im Kontext fremdenfeindlicher und rassistischer Ressentiments besteht.

Weitere Informationen folgen in Kürze. 

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Mit der Enthüllung von drei Schautafeln im Traditionskabinett des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen fand das mit der Schule durchgeführte Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten nunmehr seinen würdigen Abschluss. In Anwesenheit der Zeitzeugen Fritz Richter, Norbert Sommer und Helmut Schlotter wurden heute die Tafeln, worauf die Widerstands-Geschichte der damals verfolgten Sondershäuser Schüler erläutert wird, feierlich eingeweiht.
Auf dem Foto zu sehen (v.l.n.r.): Schulleiter Ingo Woythe, die Zeitzeugen Helmut Schlotter, Norbert Sommer und Fritz Richter, Referent Dr. Matthias Wanitschke, der Landesbeauftragte Chrsitian Dietrich sowie Geschichtslehrer Michael Scharschuch.
Im Jahr 1950 protestierten etwa 20 Schüler der Geschwister-Scholl-Oberschule und weitere Jugendliche mit Flugblatt-Aktionen gegen den Stalinismus, die SED-Diktatur und die zunehmende Unfreiheit in der DDR. Ihren Unmut über die bestehenden Verhältnisse artikulierten sie gewaltfrei mit Losungen wie „Freiheit der Ostzone“ oder „Feindschaft dem Stalinismus!“. Sie folgten hierbei dem Vorbild der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Scholl, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ebenfalls Flugblätter verteilt hatten.

Der Stiftungsrat der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hat Dr. Gundula Bavendamm einstimmig zur neuen Stiftungsdirektorin gewählt.
Als Historikerin und Kulturmanagerin verfügt Dr. Bavendamm über einen breiten Erfahrungsschatz. Ihre Expertise brachte sie bereits u.a. in den Wissenschaftlichen Beirat des Vereins „Unsere Geschichte – Gedächtnis der Nation“ ein, der von Prof. Dr. Guido Knopp und Hans-Ulrich Jörges initiiert wurde. Als Kuratorin hat sie in den vergangenen 15 Jahren in vielen deutschen Städten Ausstellungen konzipiert und aufgebaut. Seit 2010 leitet sie das AlliiertenMuseum in Berlin.
Dr. Bavendamm stellt sich nun der Aufgabe, das geltende Stiftungskonzept sowie eine geplante Dauerausstellung umzusetzen und so entsprechend des gesetzgeberischen Auftrages dieses Thema in der Mitte unserer Gesellschaft endlich auch sichtbar werden zu lassen. 
Dr. Bavendamms Aufgabe ist es, mit konstruktiver Unterstützung durch einen neu zu besetzenden wissenschaftlichen Beraterkreis die darzustellenden Schicksale von Flucht und Vertreibung der deutschen Zivilbevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrem historischen Kontext museal darzustellen und medial in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.

LStUWappen cmykGemäß Stasi-Unterlagen-Gesetz und entsprechender Ländergesetze sind die Landesbeauftragten nicht für die Verwaltung der Stasi-Akten zuständig, sondern seit über 20 Jahren für länderspezifische Belange im Umgang mit den Akten und für die psycho-soziale Bürgerberatung zu Fragen, Problemen und Konflikten, die sich aus SED-Unrecht und insbesondere der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit ergeben. Diese Aufgabe – nach der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes auf Länderebene angesiedelt – ist auf lange Sicht weiter notwendig.
Um den Opfern der SED-Diktatur gerecht werden zu können, sehen die Landes-beauftragten in einigen Bereichen der Rehabilitierung die Notwendigkeit gesetzlicher Änderungen:

1. Reform des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes (StrRehaG)

1.1 Opferrente
Die Besondere Zuwendung für Haftopfer nach § 17a StrRehaG hat für einen großen Teil der ehemaligen politischen Häftlinge der SED-Diktatur eine finanzielle Erleichterung gebracht. Damit das so bleibt, muss die Opferrente regelmäßig an die Inflations-rate angepasst und entsprechend erhöht werden. Für die Haftopfer, die weniger als 180 Tage Haft erlitten, ist darauf zu achten, dass die Häftlingshilfestiftung genügend Haushaltsmittel zur Verfügung hat, um diese Verfolgten weiterhin wirksam unterstützen zu können.
1.2 Politische Verfolgung von Angehörigen politischer Häftlinge
Die juristische Beurteilung der Verbringung von Kindern politisch verfolgter Eltern in staatliche Kinderheime ist umstritten. Mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH 4 StR 525/13) vom 25.03.2015 bedarf es einer Präzisierung in dem Fall, dass die Eltern eines Kindes aus politischen Gründen in Haft kamen, so dass das Kind in ein Heim verbracht wurde. Die Landesbeauftragten gehen davon aus, dass diese Entscheidung zur Heimeinweisung in jedem Fall als Verfolgung zu bewerten ist. In diesem Sinne sollte § 2 Absatz 1 Satz 2 geändert werden.

„Das „sozialistische Volks- und Heimatfest“ lud vom 9. bis 11. Juli 1976 mit einem attraktiven Kulturprogramm in die thüringische Kreisstadt Altenburg. Es sollte ein Unterhaltungsmarathon der Superlative werden und endete doch mit scharfen Dissonanzen,“ schreibt Dr. Michael Rauhut in den Blättern zur Landeskunde Thüringen. Der Jazzklub Altenburg e.V. will den 40. Jahrestag der Ereignisse zum Anlass nehmen, an die damaligen Geschehnisse zu erinnern und die Folgen für das DDR-Kulturleben unter die Lupe zu nehmen.

Für die Ausgestaltung einer kleinen Ausstellung sucht der Jazzclub Bilder, Filme und Erinnerungsberichte, die die damaligen Geschehnisse dokumentieren. Alle Materialien werden sorgsam digitalisiert und schnellstmöglich zurückgegeben. Der Jazzclub Altenburg ist telefonisch unter 0176 21816128 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bzw. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar und freut sich über die Mithilfe von Zeitzeugen. 

Fritz Richter und Norbert Sommer kannten sich bereits aus Ihrer Schulzeit an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen - und teilten die gleiche politische Meinung: Schon Ende der 40er Jahre waren beide unzufrieden bezüglich der Verhältnisse in der SBZ. Daran änderte sich auch nichts nach Gründung der DDR; im Gegenteil, sie fühlten sich unfrei und waren entschlossen, gegen die aufkeimende SED-Diktatur im Sinne der Geschwister Scholl zu protestieren. So führten Richter und Sommer schließlich 1950 gemeinsam mit ca. 20 weiteren Schülern der Geschwister-Scholl-Oberschule sowie anderen Jugendlichen politische Flugblatt-Aktionen in Sondershausen aus, um Ihren Unmut Ausdruck zu verleihen.
Mit Losungen wie "Freiheit der Ostzone" oder "Feindschaft dem Stalinismus!" sollte die Zivilcourage in Sondershausen belebt und die Bevölkerung zum Nachdenken animiert werden. Hier zu sehen ist ein typisches Flugblatt aus den 50er Jahren. Ein Ähnliches hatte die Widerstandsgruppe um Norbert Sommer und Fritz Richter im Frühjahr 1950 in Sondershausen verteilt:

Flugblatt

 

 

Durch den Verrat eines Spitzels, der in Westberlin im Ostbüro der CDU tätig war, kam das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) schließlich auch dieser Widerstands-Gruppe aus Sondershausen auf die Spur. Nach Vernehmungen eines Gruppen-Mitglieds Anfang September 1952 wurden die Studenten Sommer und Richter in Jena am 10.09.1952 verhaftet und in die MfS-Untersuchungshaftanstalt nach Erfurt überführt.

IMG 0746 webLügenpresse, staatsgelenkte Medien oder Systempresse: dies sind die Bezeichnungen, derer sich die rechtspopulistischen Demonstranten in verschiedenen Städten Deutschlands seit geraumer Zeit bedienen. Während Leipziger LEGIDA-Demonstrationen erklingt sogar die Melodie des „Schwarzen Kanal“. Dieser fragwürdige Rückgriff auf diktaturgeprägte Begriffe und Erscheinungen erfordert den Blick zu werfen, auf das, was einst staatsgelenkte Presse in Deutschland war. Mit seiner virtuellen Ausstellung „Rotstift. Medienmacht, Zensur und Öffentlichkeit in der DDR.“ ebnet das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. den Weg zum Verständnis historischer Realitäten. Die Präsentation zeigt die Entstehung und Entwicklung der Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit  in der Sowjetischen  Besatzungszone bzw. DDR im Zeitraum 1945 bis 1990. Die Internetpräsenz verknüpft allgemein verständliche Texte, historische Fotos, originale Zitate, vertiefende Dokumente, schnell erfassbare Grafiken sowie Audio- und Videoelemente zu einem anschaulichen Blick hinter die historischen Kulissen. Verschiedene Zeitzeugen berichten über ihre persönlichen Erfahrungen, die mit dem SED-Medienmonopol und der Zensur gemacht haben.

Über diesen Link kommen Sie zur Ausstellung „Rotstift. Medienmacht, Zensur und Öffentlichkeit in der DDR.“

WIchtige Dokumente der SED-Bezirksleitung Suhl aus den Jahren 1952-1989 sind ab sofort im Archivportal auf thueringen.de verfügbar. Laut dem Leiter des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen, Norbert Moczarski, bietet das Online-Findbuch Interessierten Informationen über den Inhalt von knapp 6.000 Akteneinheiten der SED. Diese umfassen Berichte, Sitzungsprotokolle oder andere interne Unterlagen der BV Suhl. Das Online-Findbuch gibt jedoch nicht den eigentlichen Inhalt der Dokumente wieder - es dient zur Recherche bezüglich des Umfangs und generellen Inhalts. Die eigentlichen Akten sind im Thüringer Staatsarchiv im Meininger Schloss Elisabethenburg zu finden. 
Über diesen Link gelangen Sie zum Findbuch. 

Auch 2016 ruft Thüringens Landtagspräsident Christian Carius Schülerinnen und Schüler mit dem Geschichtswettbewerb dazu auf, historische Begebenheiten im eigenen Lebensumfeld zu ergründen und sich damit auseinanderzusetzen. Der diesjährige Wettbewerb steht unter dem Motto „Spurensuche“. Die Teilnehmer sollen nach Hinweisen verschwundener oder vergessener Orte in ihrer Region suchen. „So können sie sich mit der Geschichte ihrer Heimat vertraut machen und sie dadurch besser kennenlernen. Manche Straßennamen, oder vergilbte Firmenschilder fielen auf dem täglichen Schulweg bisher vielleicht nicht auf. Setzen sich die Teilnehmer jedoch bewusst mit ihrem Umfeld auseinander, machen sie bei der Recherche Entdeckungen, an denen sie bisher sprichwörtlich vorbeigelaufen sind. Auf diese Weise werden den Schülerinnen und Schülern geschichtliche Zusammenhänge vor Ort bewusst. So bekommen sie das Gefühl Teil einer historischen Entwicklung zu sein“, sagte der Landtagspräsident.

Rund 300 Fachleute aus den Bereichen Geschichte, Politik und Pädagogik kamen am letzten Januarwochenende zur Neunten Geschichtsmesse in Suhl zusammen, um über politische Bildung, Aufarbeitung und Forschung zu debattieren. Auch der Landesbeauftragte war dort mit Mitarbeitern aus Erfurt und der Außenstelle in Suhl vertreten. Zentrales Thema der Messe im Suhler Ringberg-Hotel  stellte die Untersuchung der Parallelgesellschaften in BRD und DDR mit ihren asymmetrischen Verflechtungen dar.
Eppelmann Ramelow WebMit großer Spannung wurde das abschließende Streitgespräch zwischen Rainer Eppelmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, und Ministerpräsident Bodo Ramelow, DIE LINKE, erwartet. Hier sollten die Aufarbeitungsaktivitäten unter der neuen Landesregierung  evaluiert und Akzente für die Zukunft gesetzt werden.  
Im Laufe des Gesprächs erlangten beide Diskutanten Konsens darüber, dass nicht nur die Opfer der SED-Diktatur aktiver Teil des Aufarbeitungsprozesses sein sollten. Vielmehr müssten sich auch die Täter des SED-Regimes der Debatte stellen, um so in einem tatsächlichen Dialog geschehenes Unrecht aufzuarbeiten. MP Ramelow will auch im kommenden Jahr wieder ein Gespräch mit Eppelmann zur Aufarbeitung in Thüringen führen.

Bewerbungsbild 09 15 WebDas Team des Landesbeauftragten hat sich um eine neue Kollegin vergrößert. Anke Geier unterstützt unsere Außenstelle in Suhl ab sofort als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Die promovierte Historikerin lebt in Suhl und Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt hat sie nicht nur studiert (Neuere und Neueste Geschichte, Sächsische Landesgeschichte, Geologie), sondern auch erste berufliche Erfahrungen bei der BStU und im Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden gesammelt. Ihr Interesse an der Zeitgeschichte wurde vor allem durch den Inhaber des damaligen Lehrstuhls für Zeitgeschichte, Professor Klaus-Dietmar Henke, befördert. Bei ihm schrieb sie auch ihre Magisterarbeit, in der sie der Frage nachgeht, inwiefern der nationalsozialistische Staat zwangsläufig die Bedingungen jugendlicher Nonkonformität selbst hervorbrachte. 

Nach dem Studienabschluss im Jahr 2007 folgte ein Ergänzungsstudium an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, bevor Frau Geier zwischen 2009 und 2012 am Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte der Technischen Universität Bergakademie Freiberg arbeitete. Hier begann sie ihre Doktorarbeit zur Verflechtung der Freiberger Hochschule in die Planwirtschaft der SBZ und DDR zu schreiben, die schließlich 2015 erfolgreich verteidigt wurde. Von 2012 bis 2014 lehrte sie am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Philipps-Universität Marburg vor allem DDR-Geschichte, aber auch Historische Hilfswissenschaften. Zudem arbeitete sie als Besucherreferentin im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden und befasste sich mit Familiengeschichtsforschung. Ihr historisches Interesse gilt generell der Geschichte der SBZ und DDR sowie dem Nationalsozialismus und speziell der Wirtschafts- und Alltagsgeschichte.

Wir freuen uns über die profunde Verstärkung des Teams und heißen Frau Geier in der Behörde herzlich willkommen. 

Der Schweriner Landtag beschloss mit großer Mehrheit, das systematische Doping von Sportlern in den drei ehemaligen Nordbezirken der DDR wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Dafür sollen zwei Promotionsstipendien mit insgesamt 150.000 € vergeben werden. Anlaufstelle für Doping-Opfer wird die Behörde zur Aufarbeitung von Stasiunterlagen (Link). Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sprach von "tausendfacher Körperverletzung und massenhaften Betrug". Silke Gajek (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte: "Wer das Staatsdoping der DDR verharmlost, untergräbt auch die heutige Dopingprävention." (Ostsee-Zeitung, 29.01.2016).
Beschluss in der Schweriner Landtagsdatenbank als pdf-Dokument

Am 27. Januar sollte im Thüringer Landtag über ein Gesetz entschieden werden, wonach Landtagsabgeordnete, die für die Stasi willentlich und wissentlich tätig waren, zukünftig nicht mehr als parlamentsunwürdig gelten sollen. Der Landesbauftragte sprach sich nicht nur gegen diese Gesetzesänderung aus, sondern forderte vielmehr eine Ausweitung der Unwürdigkeitsprüfung auf frühere hauptamtliche Parteisekretäre von SED und Blockparteien. Einen Kommentar von Gerlinde Sommer zur Diskussion finden Sie hier auf Thüringische Landeszeitung Online. 

Da die Koaltion sich letzlich in der Abschaffung der Bewertung "parlamentsunwürdig" nicht einigen konnte, stimmte der Landtag einstimmig gegen die Gesetzesänderung (Kommentar Elmar Otto in der TLZ)

Antwort auf Fragekatalog

 

Am 23. Januar 2016 tagte der Bund der Zwangsausgesiedelten (BdZ) in Erfurt. Die Präsidentin des BdZ, Marie-Luise Tröbs, fordert für die Betroffenen und Hinterbliebenen weitere Entschädigungen. Ministerpräsident Bodo Ramelow strebt dafür eine Bundesratsinitiative an (DIE WELT 22.01.2016).

Auf der Mitgliederversammlung wurde das Präsidium des Bundes neu gewählt: Marie-Luise Tröbs (Präsidentin), Theodor Müller (Vizepräsident).

Der Thüringer Ministerpräsident hatte sich am 2. Oktober 2015 mit der Präsidentin und weiteren Vertretern des BdZ getroffen und kurz darauf im Plenum des Thüringer Landtags Folgendes gesagt: "Ich habe heute Morgen mit unserer Staatssekretärin, Frau Dr. Winter, den Bund der Zwangsausgesiedelten hier im Landtag getroffen und eine sehr intensive Besprechung gehabt mit dem Bund der Zwangsausgesiedelten über die Fragen nicht nur der politischen Bewertung, ich glaube, da sind wir uns einig, das was den Menschen in der Aktion 'Kornblume' und in der Aktion 'Ungeziefer' angetan wurde, war schlimmste Menschenrechtsverletzung. (Beifall CDU, DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und es ist eine Menschenrechtsverletzung, die bis heute fortwirkt. Daran beißt die Maus keinen Faden ab. Wer das rechtfertigt, wer da drüberschwurbelt, der wird den Menschen nicht gerecht. Deswegen hat es heute Morgen eine intensive Beratung gegeben. Der Bund der Zwangsausgesiedelten sagt, sie fühlen sich seit 25 Jahren nicht ordentlich und nicht gerecht begleitet. Das sagen sie an die Adresse aller Akteure. Deswegen sage ich das überhaupt nicht parteipolitisch, sondern sage, wir müssen uns daran messen lassen. Die Entschädigungsverfahren bei den Zwangsausgesiedelten sind bis heute nicht ordentlich geregelt, sondern man hat ihnen die Häuser noch mal weggerechnet – in einer Art und Weise, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte –, dass man sagt, man hat 1997 einen Bescheid gegeben und 2004 sollen sie Geld bekommen. Dann stellen sie fest, sie sollen das Haus noch mal bezahlen, denn sie hätten ja zu DDR-Zeiten schon Geld dafür bekommen. Das ist ein unglaublicher Vorgang.

Fuchs 1„Eigentlich wollte ich nur Gedichte schreiben über die Liebe, über die Natur. Wichtigeres drängte sich vor“, sagte Jürgen Fuchs einst, 2009 wiedergegeben in Udo Scheers Schrift "Gegen die Feigheit" im Rheinischen Merkur. Wichtigeres drängte sich vor; der Schriftsteller und Bürgerrechtler wollte die DDR von innen heraus reformieren. Er wurde deswegen aus der SED ausgeschlossen, vom Studium relegiert, 1976 inhaftiert und nach fast einem Jahr Stasi-Haft ohne Prozess in die Bundesrepublik abgeschoben. Hier konnten seine Gedicht- und Protokollbänden schließlich erscheinen. Und von hier aus unterstützte er die DDR-Opposition.

Nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements lautet die Adresse des Thüringer Landtags und seiner Fraktionen – auch die der Linken, die sich anfangs weigerte, den neuen Straßennamen zu verwenden - „Jürgen-Fuchs-Straße“. 2002 wurde diese nach dem 1999 verstorbenen Schriftsteller benannt.

Auf seinem Grabstein in Berlin stehen die Worte „Ich schweige nicht!“; sie beschreiben trefflich den Charakter des mutigen Bürgerrechtlers, der sich gegen Diktatur und Repression wehrte. Am 19. Dezember wäre Fuchs 65 Jahre alt geworden; dem tragenden Vertreter der DDR-Opposition wurde am 19. Januar 2016 im Thüringer Landtag im Rahmen eines Festaktes gedacht.  

Zu der Gedenkfeier mit Lesungen, Podiumsdiskussion und Musik von Stephan Krawczyk hatten der Landesbeauftragte Christian Dietrich gemeinsam mit dem Landtagspräsidenten Christian Carius eingeladen. Unter den Gästen waren 

 

Festakt Fuchs Web 1       Festakt Fuchs Web 2 

Festakt Fuchs Web 3 

So gestaltete sich das Programm zu Ehren von Jürgen Fuchs: 

Begrüßung:
Christian Carius (Landtagspräsident)
Christian Dietrich (Landesbeauftragter)

Ansprache:
Udo Scheer (Schriftsteller)

Lesung:
Hans-Jürgen Döring (ehem. Vizepräsident des Thüringer Landtags)

Podiumsdiskussion:
Hans-Jürgen Döring (ehem. Vizepräsident des Thüringer Landtags)
Doris Liebermann (Publizistin)
Siegfried Reiprich (Geschäftsführer der Sächsischen Gedenkstättenstiftung, Vorstand Plattform des Europäischen Gedenkens und Gewissens)
Udo Scheer (Schriftsteller)
Moderation: Dr. Katja Wildermuth (Leiterin der Redaktion „Geschichte und Gesellschaft“, MDR Fernsehen)

Musikalische Umrahmung:
Stephan Krawczyk (Liedermacher und Schriftsteller)

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Fotocredits: Denis Apel, CC BY-SA 3.0, Jürgen Fuchs ein Tag nach Haftentlassung in West-Berlin, 27. August 1977,Quelle Wikipedia

Quellen-Zeitzeugen-Projekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sondershausen

"Angst vor der Stasi, Revolution, Wiedervereinigung. Woran sich die Erlebnis-Generation einfach erinnert, ist für Schüler „graue Theorie“. Ihre Erfahrungswelt wird geprägt durch das offene Gesellschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland, während ihre Eltern und Großeltern in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, in der eine unabwählbare Partei den Staat okkupierte, um ein geschlossenes Gesellschaftssystem zu errichten", sagt Dr. Matthias Wanitschke, Referent für politische Bildung und Schülerarbeit beim Landesbeauftragten. 

Weniger "graue Theorie" und mehr anschauliche Vermittlung der Funktionsweise der SED-Dikatur versucht der Landesbeauftragte im Rahmen seiner Bildungsarbeit zu leisten. Um dem Rechnung zu tragen, bietet die Behörde Bildungsprojekte an, die sich aus Quellenstudium von MfS-Akten und anschließender Zeitzeugenbefragung zusammensetzen.

Genauer beschreibt Dr. Wanitschke: "In der Auseinandersetzung mit den administrativen Texten, v.a. MfS-Akten, lernen die Schüler den funktionalen Blick eines Herrschaftsorgans auf die ehemaligen DDR-Bürger kennen. Durch die anschließende Zeitzeugenbefragung können die Schüler die Primärquellen kritisch hinterfragen und erhalten beispielhaft einen Eindruck von den Lebensumständen ihrer Groß-Eltern-Generation. Dieses Herantasten an die unbekannte Vergangenheit intendiert die kritische Anfrage der Heranwachsenden an ihre Groß-Eltern zu deren Lebensalltag in einem geschlossenen Gesellschaftssystem."

Über drei Tage findet diese Woche das Quellen-Zeitzeugen-Projekt mit Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen statt. Wie das konkret in der Praxis aussieht, lesen Sie in dem Artikel "Sondershäuser Jugendliche forschen zur Vergangenheit ihrer Schule" auf Thüringer Allgemeine Online.

Film mit anschließendem Podiumsgespräch

mielke

Erich Mielke – sein Name steht für die Staatssicherheit in der DDR und ihr jahrzehntelanges geheimpolizeiliches Wirken. Als überzeugter Parteisoldat, ausgestattet mit umfassender Macht, lenkte er den Überwachungsapparat der Stasi.

"Erich Mielke – Meister der Angst" basiert auf Recherchen von Stasi- und BND-Unterlagen sowie auf historischem Film- und Archivmaterial. Im Fokus des Dokudramas steht der Mensch Erich Mielke: seine Motivation, seine Überzeugung, sein Antrieb – aber auch seine Paranoia, sein Scheitern und seine Ängste.

Im Anschluss an die Filmvorführung stehen Jens Becker (Regisseur) und Prof. Dr. Daniela Münkel (BStU) dem Publikum für Fragen zur Verfügung.

Weitere Informationen finden Sie unter dem Menüpunkt Veranstaltungen. 

Im Jahr 2015 wurden 62.544 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gestellt. Insgesamt sind damit seit Bestehen der Behörde mehr als 3,1 Millionen Anträge von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen.
Im Bereich der Akteneinsicht für Forschung und Medien erreichten die Behörde 1.351 Anträge (2014: 1.407). So waren Unterlagen zur Friedlichen Revolution, zur Opposition und zum Mauerfall auch im vorigen Jahr besonders nachgefragt. Auch der Einfluss des Staatssicherheitsdienstes auf Jugendliche stand im Blickfeld der Forscher.

Die Antragszahlen für das Jahr 2015 nach Kategorien aufgeschlüsselt:
62.544 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht (inklusive Wiederholungsanträge, Anträge auf Decknamenentschlüsselung und Kopienanträge); Gesamt: 3.112.878
1.351 Anträge auf Akteneinsicht für Forschung und Medien; Gesamt: 31.807
13.344 Ersuchen zu Überprüfungszwecken (Regierungsmitglieder, Ab-geordnete, öffentlicher Dienst u. a.), Sicherheitsüberprüfungen und Rentenangelegenheiten; Gesamt: 3.397.402
4.766 Ersuchen zu Rehabilitierung, Wiedergutmachung und Strafverfolgung; Gesamt: 501.661

Auch die Zahlen für Thüringen aus 2015 zeigen, dass im Freistaat weiterhin ein großes Bedürfnis nach persönlicher Aufarbeitung vorliegt: 

Gesamt Erfurt Gera Suhl 

10.117   4.954  2.175 |2.988

davon

Gesamt Erfurt Gera Suhl 

5.750 | 2.918 1.315 1.517   Erstanträge    

3.047 1.536 614 897   Wiederholungsanträge   

1.138 425 209 504   Decknamenanträge          

182 | 75 37 70   Kopienanträge                  

Seit 1990 sind in Thüringen insgesamt 510.091 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht eingegangen, davon in Erfurt 242.516, in Gera 136.690 und in Suhl 130.885.

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Der Landesbeauftragte und Team wünschen frohe Weihnachten, beschauliche Feiertage und einen guten Rutsch in's neue Jahr!

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotocredits: Sylvester Schnagl, CC BY-SA 2.0 DE

Weihnachten

Das aktuelle Heft der "Gerbergasse 18" widmet sich der Sprache in der Diktatur. Im Editorial schreibt Redakteur Stefan Walter:


Liebe Leserinnen und Leser,
am 21. April 1986 endete der XI. Parteitag der SED. Rund 2500 Delegierte hatten in den Tagen zuvor den Vortrag Erich Honeckers, eine Ansprache von Michail Gorbatschow und viele weitere Tagesordnungspunkte zur Kenntnis genommen. Selbstverständlich fand dieses parteioffizielle Großereignis reichlichsten Niederschlag in der DDR-Presse. Im SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ (ND) fand sich beispielsweise bereits am 10. Januar 1985 die Schlagzeile „Bauern mit hohen Zielen zum XI. Parteitag der SED“. Es war eine Berichterstattung, die während des Parteitages ihren absoluten Höhepunkt erreichen sollte.

Allein der Abdruck des sogenannten Berichtes von Erich Honecker (genauer: „Bericht des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands an den XI. Parteitag der SED“) im ND vom 18. April 1986 nahm mehr als sechs Zeitungsseiten in Anspruch. Die redaktionelle Einfügung am Schluss soll hier in voller Länge wiedergegeben werden: „(Minutenlanger stürmischer Beifall. Die Delegierten und Gäste erheben sich von den Plätzen. Hochrufe auf die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, ihr Zentralkomitee und das Politbüro. In den stürmischen Beifall hinein Sprechchöre: ‚Unser Generalsekretär – er lebe hoch!‘, ‚Es lebe die Einheit von Partei und Volk!‘ Hurra- und Hochrufe auf die Deutsche Demokratische Republik, auf die Partei der Arbeiterklasse, das Zentralkomitee und seinen Generalsekretär Erich Honecker)“.

Diese kurze Episode gibt ein beredtes Zeugnis über Propaganda und Sprache in der DDR."

Inhaltsverzeichnis

„Eigentlich wollte ich nur Gedichte schreiben über die Liebe, über die Natur. Wichtigeres drängte sich vor“, sagte Jürgen Fuchs einst, 2009 wiedergegeben in Udo Scheers Schrift "Gegen die Feigheit" im Rheinischen Merkur. Wichtigeres drängte sich vor; der Schriftsteller und Bürgerrechtler wollte die DDR von innen heraus reformieren. Er wurde deswegen aus der SED ausgeschlossen, vom Studium relegiert, 1976 inhaftiert und nach fast einem Jahr Stasi-Haft ohne Prozess in die Bundesrepublik abgeschoben. Hier konnten seine Gedicht- und Protokollbänden schließlich erscheinen. Und von hier aus unterstützte er die DDR-Opposition.

„Für mich gehörten seine Reader, hintersinnig als ‚Dialog‘ bezeichnet, zur wichtigsten Lektüre in den Jahren 1985 bis 1988. Und wenn wir etwas druckten, dann geschah es mit Umdruckmaschinen, die Roland Jahn und er in die DDR geschmuggelt hatten“, erinnert sich der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich.
Nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements lautet die Adresse des Thüringer Landtags und seiner Fraktionen – auch die der Linken, die sich anfangs weigerte, den neuen Straßennamen zu verwenden - „Jürgen-Fuchs-Straße“. 2002 wurde diese nach dem 1999 verstorbenen Schriftsteller benannt.

Auf seinem Grabstein in Berlin stehen die Worte „Ich schweige nicht!“; sie beschreiben trefflich den Charakter des mutigen Bürgerrechtlers, der sich gegen Diktatur und Repression wehrte. Am 19. Dezember wäre Fuchs 65 Jahre alt geworden; dem tragenden Vertreter der DDR-Opposition wurde an seinem Geburtstag im Rahmen einer Gedenkfeier gedacht:

Gedenkfeier an der Jürgen-Fuchs-Stele im Foyer des Thüringer Landtags
Rede des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich
Rede des Geschäftsführers der Sächsischen Gedenkstättenstiftung Siegfried Reiprich


Gedenkfeier am 19.12.2015 Foto S.Laux

Wenn ich nur lachen könnte
und im Zirkus wäre
und nicht allein auf dem Weg in die Zelle
dort steht ein junger dicker Mensch
mit Lederstiefeln und Reithosen
dort an der Ecke
mit kleinen zugewachsenen Augen
steht und sagt: „Beeilnse sich“
wenn ich nur lachen könnte
an solchen Ecken
nach solchen Gesprächen
vor solchen Stiefeln. (Jürgen Fuchs, Gedächtnisprotokolle 16.2.)

Hans-Jürgen Döring, 1990-2014 Mitglied des Thüringer Landtags und Vorsitzender des Thüringer Schriftstellerverbandes, schreibt zu dem Text von Jürgen Fuchs: 

"Als Jürgen Fuchs am 16. Februar 1977 mit 23 Jahren den nebenstehenden Text im Stasi-Knast Berlin-Hohenschönhausen mit dem Finger auf die Tischplatte schrieb, hatte er 89 Tage Untersuchungshaft hinter sich gebracht. In stundenlangen Verhören mit psychischen Tricks unter Druck gesetzt, wollten ihn die Vernehmer zermürben, ihn zwingen, sich selbst zu belasten, seine Freunde zu verraten.
Doch Jürgen Fuchs boykottierte alle Versuche, ihn zu Aussagen zu bewegen. Mehr noch, er war fest entschlossen, die Methoden und Zermürbungstaktiken der Verhörspezialisten zu analysieren und sie ins Wort zu bringen. Aus seinem im Gedächtnis aufbewahrten Hafttagebuch entstanden die 'Vernehmungsprotokolle', ein Geflecht verschiedener Darstellungsstränge, darunter auch durch Taktstriche rhythmisierte Textstücke, wie hier vorgestellt.
Anschaulich erhellt dieser Text die innere Verfassung des Dichters. Die Sehnsucht nach Leichtigkeit und Unbeschwertheit wird konfrontiert mit der Wirklichkeit des Eingeschlossenseins. Auch wenn die Sprache unauffällig ist, fühlt man das Vibrieren unter der Oberfläche, erkennt man den doppelten Boden.
Ich lese diesen Text auch als Vermächtnis, dass wir die 'humane Orientierung' durchhalten und die Vergangenheit nicht mit Schweigen zudecken. Damit ein Mensch, der einzig seine Würde verteidigt, nie wieder stehen muss 'vor solchen Stiefeln'."

Der Trägerverein des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ (ThürAZ) hat einen neuen Vorstand. Die Mitglieder des Künstler für Andere e. V. wählten am Freitag, den 11.12.2015 vier ehrenamtliche Vorstandsmitglieder für die kommenden zwei Jahre. Mit Andreas Ilse als Vorstandsvorsitzendem und Rayk Einax als Vize-Vorsitzendem wurde die Vereinsspitze wiedergewählt. Neu besetzt wird die Position des Schatzmeisters mit Manuel Leppert. Ebenfalls neu in den Vorstand gewählt wurde Petra Grund als erste Beisitzerin.
Andreas Ilse, der hauptamtlich als Regionalbetreuer für den Bundesfreiwilligendienst in Ostthüringen beim Bundesamt für Familie angestellt ist, dankte den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Thomas Grund, Markus Bleeke und Dr. Jörg Ganzenmüller für ihre engagierte Mitarbeit: „Im Rückblick auf die letzten zwei Jahre haben wir viel für das ThürAZ erreicht.“
Auf den jetzigen Vorstand warten neue Aufgaben, unter anderem die Suche nach größeren Räumlichkeiten. Die inhaltliche Ausrichtung des Archivs wird hingegen beibehalten. Schwerpunkt der Sammlung sind weiterhin Dokumente zu Zivilcourage, Opposition und Widerstand in der DDR. Diese stellt das ThürAZ Archivnutzern zur Verfügung. Bildungsangebote wie Archiveinführungen und Quellenworkshops vermitteln darüber hinaus die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte der Materialien.

Bereits im Jahr 2010 konnten im Deutsch-Deutschen Museum und der Gedenkstätte Mödlareuth mehr als 80.000 Besucher registriert werden, was den bisherigen Rekord darstellte. Das ungebrochene Interesse an der neueren deutschen Geschichte, sowie die unerwartet hohe Resonanz auf die ZDF-Serie „Tannbach“ führten im Jahr 2015 zu einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen auf 85.000 Gäste. Mit „Tannbach“ wurde das thüringisch-bayrische Dorf, das bis Ende 1989 durch den eisernen Zaun geteilt war, deutschlandweit bekannt. An einigen Stellen hatte das DDR-Grenzregime seinerzeit den West- und Ostteil des Dorfes mit Mauersegmenten voneinander getrennt, weswegen Mödlareuth auch als „Little Berlin“ bezeichnet wurde. 

Nicht zuletzt wegen der großen Popularität des Grenzmuseums wird dieses in den kommenden Jahren mit 4,4 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt gefördert. Mehr dazu finden Sie auf Ostthüringer Zeitung Online. 

Vortrag von Dr. Matthias Wanitschke zum Quellen-Zeitzeugen-Projekt des ThLA in der Bildungsarbeit

Akten sw rot1Die DDR selbst ist Vergangenheit. Offen bleibt jedoch die Bewältigung des Erlebten durch die Opfer der SED-Diktatur. Offen bleibt auch, wie junge Menschen und zukünftige Generationen die einstige Realität der DDR wahrnehmen.

Das Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten versucht, die einstige Realität in der DDR für Jugendliche besonders erlebbar zu machen: Schülern werden konkrete Fälle politischer Verfolgung in der DDR nicht nur anhand von MfS-Akten geschildert, sondern auch durch Gespräche mit Zeitzeugen – sie verdeutlichen eindrucksvoll Lebensumstände und Repression in der DDR. In der Auseinandersetzung mit den Akten des MfS einerseits und den persönlichen Schilderung der Situation und ihrer Folgen andererseits ergibt sich so ein umfassender Eindruck erlebter Geschichte.

Dr. Matthias Wanitschke, Referent für politische Bildung und Schülerarbeit beim ThLA, spricht am 8. Dezember im Erfurter Collegium Maius über das Projekt, seine Erfahrungen in der Bildungsarbeit und die Wahrnehmung der DDR bei Jugendlichen. 

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

Wann: Dienstag, 08.12.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat beschlossen, dass für die Entschädigung ehemaliger deutscher Zwangsarbeiter in den kommenden Jahren insgesamt 50 Mio. € bereitgestellt werden sollen (2016: 20 Mio. €, Verpflichtungsermächtigung für 2017 und 2018: jeweils 15 Mio. €). Personen, die als Zivilpersonen aufgrund ihrer deutschen Staats- und Volkszugehörigkeit durch fremde Staatsgewalt während des Zweiten Weltkriegs und danach zur Zwangsarbeit herangezogen wurden, soll ohne Anerkennung einer Rechtspflicht / eines Rechtsgrundes als humanitäre Geste ein symbolischer finanzieller Anerkennungsbetrag gewährt werden. Einzelheiten regelt das Bundesinnenministerium in einer Richtlinie, die der Zustimmung des Haushaltsausschusses bedarf.

Die Platform of European Memory and Conscience ist ein Bildungsprojekt der Europäischen Union. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation zwischen staatlichen Institutionen und Organisationen aus EU-Ländern in der Forschung, Dokumentation, Sensibilisierung und Aufklärung über die Verbrechen totalitärer (insbesondere kommunistischer und faschistischer) Regime.

Deutsche Mitgliedsorganisationen sind die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die Hannah-Arendt-Gesellschaft zur Förderung der Geisteswissenschaften und Kultur e. V., die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.

Weitere Informationen zu dem Bildungsprojekt im Allgemeinen und den neu gewählten Vorstandsmitgliedern finden Sie hier. 

Der Vorsitzende des Geschichtsverbunds Thüringen und des ThLA-Beirats, Horst Dornieden, hat heute gemeinsam mit dem scheidenden Geschäftsführer des Grenzlandmuseums Eichsfeld, Paul Schneegans, anlässlich des Tages des Ehrenamtes das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue erhalten. Der Landesbeauftragte gratuliert sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.

Die Rede des Bundespräsidenten zur Verleihung finden Sie hier auf bundespräsident.de 

Bundesarchiv Bild 1Am Morgen des 4. Dezember 1989 besetzte ein Kreis couragierter Menschen, darunter die Erfurter Künstlerin Gabriele Stötzer, die Stasi-Bezirksverwaltung in Erfurt. Damit wurde in der heutigen Landeshauptstadt die erste Stasi-Zentrale der ehemaligen DDR besetzt - und unter die Kontrolle der Bürger gebracht. Sie stoppten maßgeblich die Vernichtung der MfS-Akten, die Auflösung des DDR-Geheimdienstes war eingeleitet. Noch am selben Tag folgten andere Städte, wie Leipzig, Suhl oder Rostock, dem Erfurter Beispiel. 


Jenem historischen Jahrestag wird in Erfurt mit diesen Veranstaltungen gedacht:

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Vortrag und Gespräch
Das Ende der Stasi in Erfurt

Der Vortrag schildert, wie die Leiter der Kreis- und Bezirksämter im Herbst 1989 bei Demonstrationen und Besetzungen der Stasi-Dienststellen vorzugehen hatten. Berichte und Arbeitsanweisungen zeigen den damaligen "Verteidigungszustand" der Stasi auf dem Petersberg. Anschließend erzählt der Film "Zivilcourage" von fünf Frauen, die am 4. Dezember 1989 die Staatssicherheit herausforderten, um der Vernichtung von Stasiakten in der Bezirksverwaltung ein Ende zu setzen.

Wann: 4. Dezember 2015, 15:00 Uhr 
Wo: BStU, Außenstelle Erfurt, Petersberg Haus 19, 99084 Erfurt

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Gedenkfeier 
Besetzung der Staatssicherheit 

Ab 18:00 Uhr findet das feierliche Gedenken an die Besetzung vor der Polizeidirektion (Andreasstraße 38) statt. 

Wann: 4. Dezember 2015, 18:00 Uhr
Wo: Vor der Polizeidirektion, Andreasstraße 38, 99084 Erfurt

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Diskussionsrunde
Besetzung der Staatssicherheit und Tag für Zivilcourage

Ab 19:00 Uhr geht es in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße weiter. Hier finden die Finissage zur Ausstellung „Briefe von der waffenlosen Front“ sowie eine Diskussionsrunde mit Schülerinnen und Schülern und Zeitzeugen statt. Die Gedenkstätte wird das Buch zur Dauerausstellung sowie das neue Filmprojekt „Nieder mit Hitler“, über fünf Erfurter Schüler im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, vorstellen. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V. Der Eintritt ist frei.

Wann: 4. Dezember 2015, 19:00 Uhr 
Wo: Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt

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Das Foto zeigt die Erstürmung der Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße vom 15. Januar 1990. Fotocredits: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-013, CC BY-SA 3.0 DE

Am 26. und 27. November fand in der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin die Konferenz "Antisemitismus in der DDR und die Folgen" statt. Im Rahmen der hochkarätigen Panels wurde über die Ausprägungen von Juden- bzw. Israelfeindlichkeit in der DDR und deren bis heute reichenden Folgen in Ostdeutschland debattiert.
Im Kern stand der Befund, dass sich Antisemitismus in der DDR in erster Linie in Form von Antizionismus und damit einhergehend durch eine offene israelfeindliche bzw. palästinafreundliche Propaganda und Politik der SED äußerte.
Im Zuge der "antifaschistischen" Staatsdoktrin entzog sich die DDR der moralischen Schuldfrage zum Nationalsozialismus und negierte als "Neues Deutschland" auch in juristischer Hinsicht die Rechtsnachfolge des "Dritten Reichs". Auch deshalb wurden Forderungen von Juden nach Wiedergutmachung bzw. Rückerstattung von enteignetem jüdischen Vermögen - nach staatlicher Lesart die "Verschiebung deutschen Volksvermögens" zugunsten "zionistischer Monopolkapitalisten" - abgelehnt. In diesem Zusammenhang sprach Dr. Thomas Haury, der den einleitenden Vortrag hielt, von einem antizionistisch verkleidetem "sekundären Antisemitismus".
Schließlich waren antisemitische Ressentiments unter breiten Teilen der Bevölkerung anzutreffen, die Beseitigung und Schändung jüdischer Friedhöfe war im angeblich "antifaschistischen" Deutschland auch kein Einzelfall.
Auf den Fotos zu sehen sind Dr. Thomas Haury, Dr. Klaus Holz, Dr. Jan Gerber und Dr. Olaf Glöckner, die gemeinsam das erste Podium bildeten:
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Der Jenenser Theologe, Lehrer und Literat Klaus-Peter Hertzsch verstarb in der Nacht zum 26. November in Jena. In den 1960er Jahren war er in Jena Studentenpfarrer, später Leiter der Geschäftsstelle der evangelischen Studentengemeinden in der DDR und 1969 bis 1995 Professor für Praktische Theologie. Als Synodaler arbeitete über Jahre im Kirchenparlament der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Thüringen mit. Seine "biblischen Balladen" nach fünf Geschichten aus dem Alten Testament waren ostdeutsches evangelisches Bildungsgut.

"Ich bin mit Klaus-Peter Hertzsch aufgewachsen. Nicht nur als Nachbar, sondern auch mit seinen Texten. Die Kinderkantate 'Wie schön war die Stadt Ninive' durfte ich mehrfach mit aufführen und habe ich noch im Ohr. Diese Geschichte von Jona, der der Stadt Ninive das Gericht predigen soll und dann die Umkehr der Stadt erlebt und an der Barmherzighkeit Gottes verzweifelt, hat mich schon als Kind bewegt. Der Professor, der Max Frisch für Hörer aller Fakultäten auslegte, sprach am 16. April 1981 auf dem Friedhof die Worte zum Tod von Matthias Domaschk. 1982 erlebte ich, wie er versuchte, Demonstranten der Jenaer Friedensbewegung vor dem Polizei Abtransport in der Nähe der Jenenser Stadtkirche zu bewahren. Er war ein Ermutiger, der seiner Kirche immer wieder klar machte, dass sie unterwegs ist. Heute singen die Gemeinden mit seinen Worten 'Vertraut den neuen Wegen' (Evangelisches Gesangbuch)." (Christian Dietrich) 

Trauergottesdienst am 11. Dezember, 11:00 Uhr, Jena, St. Michael (Stadtkirche)           

Nachruf der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Ulrike Greim zu Klaus-Peter Hertzsch  auf mdr

Vegangenen Samstag wählte der Landessportbund Thüringen den Präsidenten für die kommende Amtsperiode - mit einem Ergebnis, dass den Willen zu Reformen nur zaghaft erkennen lässt. Denn alter und neuer Präsident des LSB ist Peter Gösel. Gösel tritt damit seine nunmehr achte Amtszeit an und steht bis zum Jahr 2018 an der Spitze des LSB. Erstmals seit 21 Jahren gab es bei der Wahl in Bad Blankenburg einen Gegenkandidaten - auf den Reformer Dirk Eisenberg fielen allerdings nur knapp 29 Prozent der Stimmen. Eisenberg hatte sich klar gegen SED-Altkader Peter Gösel positioniert und die bisherige Spitze des LSB auch hinsichtlich des mangelnden Aufarbeitungswillens zur Stasi- und Dopinghistorie kritisiert .
"Dass Kritik im Freistaat nur leise anklingt, liegt auch an der Einschüchterung der ehemaligen SED-Genossen", schreibt in diesem Zusammenhang Thomas Purschke in einem ausführlichen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bzw. auf faz.net.
Aus Sicht von Oliver Fritsch stand der Sieger ohnehin schon fest, der Journalist gibt auf Zeit Online eine Analyse zum Sport in Thüringen, "Wo die DDR noch Wahlen gewinnt".  

Seit 2000 werden im Rahmen des "Thüringen-Monitor" Stimmungen und Einstellungen der Thüringer repräsentativ erhoben. Die Langzeitstudie, die im Auftrag der Landesregierung durch die Uni Jena jährlich durchgeführt wird, ist kommende Woche Dienstag Thema im Kabinett; dann werden die Ergebnisse ausführlich vorgestellt. 
Der Thüringer Allgmeinen lagen bereits Fakten der noch unveröffentlichten Studie vor: So etwa, dass mittlerweile deutlich mehr Thüringer im Vergleich früheren Jahren die DDR als Unrechtsstaat bewerten; 61% der Befragten stimmten dieser Aussage zu, im Jahr 2014 waren es 54%. Trotz dieses zunehmend kritischen Blicks auf die SED-Diktatur bleibt die persönliche Einstellung zur DDR im Allgemeinen bei der Mehrheit der Befragten eine andere. 

Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen des "Thüringenmonitors" auf Thüringer Allgemeine Online und Ostthüringer Zeitung Online

Ostbeauftragte Gleicke ruft zur Teilnahme auf

Das Deutsche Institut für Heimerziehungsforschung (DIH) untersucht gegenwärtig im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, die Rolle der Arbeit in den Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe. Damit wird in wissenschaftlicher Weise dem Hinweis von ehemaligen Heimkindern nachgegangen, wonach es zum Teil erhebliche Arbeitsverpflichtungen vor allem in den Jugendwerkhöfen der DDR gegeben habe. Im Rahmen der Studie wird unter anderem eine Befragung ehemaliger DDR-Heimkinder durchgeführt.

Hierzu erklärt die Ostbeauftragte und Parlamentarische Staatssekretärin Iris Gleicke: "Die Aufarbeitung der Situation der Heimkinder in der DDR ist in den letzten Jahren weit vorangekommen. Dies hat maßgeblich dazu beigetragen zu verstehen, welches Leid vielen ehemaligen Heimkindern widerfahren ist. Es gibt allerdings noch ungeklärte Aspekte, die Fragen offen lassen. Derartige blinde Flecken der Aufarbeitung sind für die Betroffenen eine große Belastung." Gleicke ruft die ehemaligen DDR-Heimkinder, die als Jugendliche in den Heimen bzw. Jugendwerkhöfen arbeiten mussten, zur Beteiligung auf: "Ich möchte Sie herzlich darum bitten, sich an dieser Befragung zu beteiligen, auch wenn das im Einzelfall gewiss schmerzliche Erinnerungen weckt. Nur mit Ihrer Unterstützung können wir einen einigermaßen vollständigen Überblick über die Rolle der Arbeit in solchen Einrichtungen gewinnen. Mein Ziel ist es, dass auch dieses Kapitel der Geschichte der Heimkinder in der DDR aufgearbeitet werden kann." Gleicke betonte, die Nennung des Namens sei freiwillig, der Fragebogen könne auch anonym ausgefüllt werden.

Der Fragebogen des DIH kann über diesen Link ausgefüllt werden. Die Ergebnisse der Studie sollen bis Sommer 2016 vorliegen und Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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In ihrem gestrigen Vortrag im Erfurter Collegium Maius erläuterte Gabriele Stötzer die Wirkungsmechanismen der Staatssicherheit anhand einzelner Schicksale aus der Erfurter Kunst- und Kulturszene der 60er bis 80er Jahre. Diejenigen, die Kunstformen außerhalb der staatlich organisierten Bahnen schufen, gerieten schnell ins Visier der Staatssicherheit. Individuelle Kunstaktionen betrachtete die DDR-Geheimpolizei als staatsfeindliche und andere gegen die staatliche Sicherheit und Ordnung gerichtete Handlungen. Insofern verwundert es nicht, dass die Künstlerin, die sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur in diesem spezifischen Bereich widmet, von mindestens 30 Operativen Personenkontrollen und Operativen Vorgängen innerhalb der Erfurter Kunstszene in jenem Zeitraum berichtet.

IMG 0338 Web 2Resümierend hielt Gabriele Stötzer fest: "Kunst war in einer Diktatur wie dieser Vergangenen ein gesellschaftliches Ereignis, die Dinge im Detail wahrzunehmen und zu begreifen - in der rinnenden fremden Zeit die eigene Zeit zu leben. Kunst war sozial, ein menschlicher Akt - die Stasi war nicht sozial, gab keinen Mut, Freude, Hoffnung. Inzwischen ist diese Diktatur beendet, die DDR ist tot. Und mit dem Ende der DDR 1989 ging das dunkle Netz des Kalten Krieges zu Ende, wurde eine unendliche Anspannung schizophrener Gegenüberstellung in Europa gebrochen, die den letzen Teil des gerade vergangenen Jahrhunderts bestimmte. Aber noch heute spuken Gerüchte und Feindbilder im Gebiet der ehemaligen DDR - die inszeniert wurden, um Angst zu erzeugen."

Die von der Thüringer Landesregierung begleitete Untersuchung der Todesumstände des am 2. Februar 1977 in seinem Unterkunftsraum in der Grenzkompanie Erbenhausen mit einem Kopfdurchschuss leblos aufgefundenen DDR-Grenzsoldaten Hans-Jürgen Neuber hat zu einem ersten wichtigen Ergebnis geführt: Aus rechtsmedizinischer Sicht stellt der mit der rechtsmedizinischen Untersuchung beauftragte Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts der Charité Berlin, Prof. Dr. Tsokos, abschließend fest, dass sich die Befunde des Kopfschusses bei dem DDR-Grenzsoldaten Neuber mit einem Suizid in Einklang bringen lassen. Lesen Sie mehr dazu auf der Internetseite der Thüringer Staatskanzlei. 

Unter dem Titel "Zivilcourage würdigen" wurde von einem internationalem Team für elf postkommunistischen europäischen Staaten die rechtiche Lage der Opfer kommunistischer Repression analysiert und Vorschläge zur Verbesserung ihrer Situation erarbeitet. Eine Zusammenfassung dieser Studie ist auf der Seite der Gedenkstätte Berlin-Höhenschönhausen zu finden. Link zur Publikation

Die 600seitige Studie wurde von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in Kooperation mit dem Okkupationsmuseum Lettlands (Latvijas Okupācijas muzejs), dem Institut für die Untersuchung kommunistischer Verbrechen und die Erinnerung an das Rumänische Exil (IICCMER) und des europäischen Bildungswerks "Platform of European Memory and Conscience" (Prag) erarbeitet.

Vortrag von Gabriele Stötzer zur Überwachung von Kunst und Kultur in Erfurt in den 60iger bis 80iger Jahren

Akten sw rot1Gabriele Stötzer führt in eine spannende Welt der Künstler, die Kunst auch als Freiraum für Lebensentwürfe in der DDR gebrauchten. Diejenigen, die Kunstformen außerhalb der staatlich organisierten Bahnen schufen, gerieten allerdings schnell ins Visier der Staatssicherheit. Ihre individuellen Kunstaktionen betrachtete die DDR-Geheimpolizei als „staatsfeindliche und andere gegen die staatliche Sicherheit und Ordnung gerichtete Handlungen“.
Künstler, die es schließlich mit der Stasi zu tun bekamen, wurden in ein Rondell der Verführung und Grenzüberschreitung geführt, dem sie ihre eigene kreative Kraft am Schaffen entgegensetzten - oder aber zerbrachen. Anhand einzelner Schicksale setzt sich ein komplexes Bild der Methoden des DDR-Geheimdienstes zusammen, diese Gruppen zu kriminalisieren, strafrechtliche Verfolgungen auszulösen und zu zersetzen. Den langen Arm der Stasi in der Erfurter Kunst- und Kulturszene beschreibt Gabriele Stötzer am 16. November im Collegium Maius. Die Künstlerin war seinerzeit ebenfalls im Visier der Stasi und politisch inhaftiert.

Wann: Montag, 16.11.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über Ihr Kommen. 

Nach der Auflösung der gefürchteten und verhassten Geheimpolizei der DDR vor 25 Jahren, treten ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) vor die Kamera, um erstmals in einer TV-Dokumentation Reue zu bekunden und ihren Respekt vor den Opfern auszudrücken. Die zentrale Frage der Dokumentation lautet, wie die Stasi-Leute mit ihrer Schuld umgehen, sehen sie sich als aktive Täter oder nur als ausführende Befehlsempfänger? Daneben wird auch von ihrem Leben nach der DDR erzählt, von einem schwierigen Neuanfang und der oft langwierigen Integration in die bundesdeutsche Gesellschaft.

Die ARD-Dokumentation "Was wurde aus der Stasi?" ist hier in der ARD-Mediathek abrufbar. 

Das 14. Internationale Symposium der Stiftung Ettersberg, das gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen veranstaltet wird, findet heute und morgen in Weimar statt. 70 Jahre nach Beginn des ersten Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher wollen wir zum 14. Internationalen Symposium der Stiftung Ettersberg »Recht und Gerechtigkeit – Die strafrechtliche Aufarbeitung von Diktaturen in Europa« fragen: Welche Bedeutung hat Recht bei der Aufarbeitung von Diktaturen? Was können juristische Verfahren überhaupt leisten? Welche Instrumentarien stehen dem Rechtsstaat für eine strafrechtliche Aufarbeitung seiner diktatorischen Vergangenheit zur Verfügung? Und welche gesellschaftlichen Erwartungen werden dabei an die Rechtsprechung gerichtet? Das Symposium beleuchtet zum einen die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen in beiden deutschen Staaten sowie die Aufarbeitung von DDR-Unrecht nach der Wiedervereinigung. Zum anderen nehmen wir die juristische Verfolgung von Diktaturverbrechen in Ostmittel-, Süd- und Südosteuropa in den Blick und diskutieren über die Praxis strafrechtlicher Aufarbeitungsbemühungen. Damit wollen wir die Diskussion über die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen strafrechtlicher Diktaturaufarbeitung in Europa befördern.

Heute Abend zeigt der WDR eine Reportage zum Thema Doping im DDR-Sport. Auch vor minderjährigen Sportlerinnen und Sportlern machte es keinen Halt. Die Athleten bekamen nicht nur die üblichen Dopingpräparate. Sie mussten auch ohne ihr Wissen für Versuche mit Medikamenten herhalten, die nicht für den menschlichen Gebrauch freigegeben waren. Flankiert wurde das System von zum Teil brutalen weiteren sportmedizinischen Anwendungen. Das Ganze ohne Rücksicht auf gesundheitliche Folgen und Verluste. 

Den Film von Andrea Schültke und Thomas Purschke können Sie hier in der WDR-Mediathek abrufen

Bis heute läuft Debatte um den künftigen Umgang mit Doping-Opfern - zuletzt am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Lesen Sie hier mehr zu dem dortigen Streitgespräch zwischen Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe, und Stephan Abel, Vizepräsident beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). zwischen Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe, und Stephan Abel, Vizepräsident beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). 

Christoph Kleemann ist verstorben. Er wurde in Meißen geboren und kam als Theologiestuden 1962 nach Rostock. Hier war er ab 1976 Studentenpfarrer und entwickelte eine Schule der Mündigkeit.

In der Revoution engagiert und dann erster Oberbürgermeister, der diesen Titel verdiente, hat er sich in die Geschichte Rostocks eingeschrieben und als Außenstellenleiter der Stasiunterlagenbehörde wichtige Aufbauarbeit für die Demokratisierung Rostocks aber auch Deutschlands geleistet. In diesem Jahr erschien sein Roman Hans im Glück oder Die Reise in den Westen. Er verbindet mit poetischer Leichtigkeit aktuelle Stimmungen und historische Reflexionen.

Das Wachregiment „Feliks E. Dzierzynski“ des MfS kann jetzt online gehört werden

Mit dem Findmittel zu den Tonaufnahmen des MfS-Wachregiments sind in der Online-Recherche auf der Plattform ARGUS erstmals auch Tonaufnahmen eingebunden worden. Das Wachregiment mit zuletzt ca. 11.000 Angehörigen war seit 1951 verantwortlich für den militärisch-operativen Wach- und Sicherungsdienst sowie den Personen- und Objektschutz von staatlichen Objekten und Einrichtungen. Das Findmittel umfasst den Zeitraum von 1965 bis 1988.
Die Mehrzahl der überlieferten Tondokumente ist als Digitalisat online direkt abrufbar. Einen Schwerpunkt dieser Ton-Überlieferung bilden die Tonbänder des Funkstudios Adlershof, das die Soldaten des Regimentes mit einem eigenen Programm informieren und unterhalten sollte. Außerdem sind Tonbänder zur Arbeitsorganisation sowie zur Öffentlichkeitsarbeit im Wachregiment überliefert. So ist ein Einblick in den Alltag des Dienstbetriebs mit Originalaufnahmen möglich. Für jede einzelne Tonaufnahme ist unter dem Punkt „Weitere Informationen“ eine Übersicht der inhaltlich markantesten Stellen zu finden.

Hier finden Sie den Link zu den Tonaufnahmen.

Für die politische Bildungsarbeit mit Flüchtlingen stellt die Bundesstifung Aufarbeitung der SED-Diktatur die Jahresausstellung "Auf dem Weg zur deutschen Einheit" auch auf Arabisch zur Verfügung.

„Die Ausstellung ermöglicht es kommunalen und ehrenamtlichen Betreuern, ein Bildungsangebot in der Muttersprache vieler Flüchtlinge anzubieten, damit diese sich mit einem Teil der deutschen Geschichte vertraut machen können“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky. „Wir wissen, dass vielerorts zuerst für die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge gesorgt werden muss. Dennoch kann die Ausstellung schon jetzt als ein erstes Informationsangebot dienen und zugleich der Langeweile in den Notunterkünften entgegenwirken“, sagte Anna Kaminsky.

Die gemeinsame Schau der Bundesstiftung Aufarbeitung und des Auswärtigen Amtes spannt einen historischen Bogen, der von der friedlichen Revolution des Jahres 1989 bis in die Gegenwart reicht. Die arabische Ausstellungsfassung umfasst 20 DIN A1 Plakate, die mit geringem organisatorischem Aufwand vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften präsentiert werden können. Zudem kann die Ausstellung für lokale Kultureinrichtungen und Initiativen der Anstoß sein, Veranstaltungsangebote zu entwickeln, bei denen die örtliche Bevölkerung und Flüchtlinge zusammenkommen.

Ab sofort und nur bis zum 8. November kann die Ausstellung gegen eine Schutzgebühr von 30 Euro (inkl. Versandkosten im Inland) bestellt werden:

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wzde-arabisch

Mein ostdeutscher Zwilling – eine deutsch-deutsche Familienfeier

25 Jahre Wiedervereinigung – doch wie weit sind wir wirklich vereint? Das Doku-Theaterprojekt „Mein ostdeutscher Zwilling“ untersucht diese Frage mit der Zwillingsmethode: Menschen aus dem Osten und dem Westen der Republik nehmen miteinander Verbindung auf, weil sie ein gemeinsames Geburtsdatum haben. Ergebnis dieses Austausches ist ein vielstimmiges Bühnenstück über die geteilte deutsche Geschichte und den gemeinsamen Umgang damit.

OstdeutscherZwilling 1Beim dem Doku-Theaterprojekt von Hilde Schneider und Heinke Hartmann begegnen sich ost- und westdeutsche Zeitzeugen und tauschen ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus der Zeit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung aus. Menschen zwischen 35 und 70 aus Konstanz und Umgebung haben sich zum Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung auf die Suche nach einem „Zwilling“ in den Neuen Bundesländern gemacht, sprich: einem Menschen, der am gleichen Tag geboren wurde
„Sechs Zwillingspaare haben sich gefunden und seit Herbst 2014 miteinander kommuniziert: bei moderierten Treffen und Proben in Konstanz, telefonisch, per E-Mail, Facebook, in Briefen und Interviews“, beschreibt Heinke Hartmann die Vorarbeiten. Aus dem Material hat Hilde Schneider ein Stück geschrieben. „Auch nach 25 Jahren Wiedervereinigung steht noch viel Trennendes und Unausgesprochenes zwischen den Menschen. Eigentlich besteht großer Redebedarf, aber das Redebedürfnis ist eher gering“, findet Schneider. „ Die Zwillingsmetapher steht für Gleichwertigkeit, sie soll zu einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe anregen. Dafür ist die Bühne ein guter Ort“, sagt Schneider. Weitere Informationen zu dem Theaterprojekt finden Sie hier. 

 
Hintergrundgespräch mit den Regisseurinnen

Mit zehn Laiendarstellern erarbeiten Hilde Schneider und Heinke Hartmann ein Stück zum 25-jährigen Jubiläum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Ein Gespräch über eine einfache Idee, ein kompliziertes Casting und überraschende Erkenntnisse.

Der Vizepräsident des Brandenburger Landtages, Dieter Dombrowski (CDU), wurde zum Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft gewählt.

Dieter Dombrowski, selbst in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert, hat sich wegweisend für das Menschenrechtszentrum Cottbus eingesetzt. Er war Stellvertretender Vorsitzender der Enquetekommission zur Aufarbeitung und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur im Land Brandenburg und hat wesentliche Anteile an der im Sommer diesen Jahres zur Unterstützung von Brandenburger politischen Opfern der SED-Diktatur geschaffenen Härtefallfond. 

Die Stiftung Friedliche Revolution organisierte ein zweiteiliges Seminar für Jugendliche aus der Ukraine und und aus Deutschland zur Aufarbeitung von Diktaturgeschichte. Am 7. Oktober war die Gruppe auf Einladung des Landesbeauftreagten in Erfurt und bekam einen Einblick in die deutsche Rehabilitierungspolitik und verschiedene Formen der Aufarbeitung. Die Gruppe hatte sich am 6. Oktober ein Leipzig an einem öffentlichen Forum zur Arbeit des Sächischen Verfassungsschutzes im Umgang mit Feinden der Demokratie beteiligt. 

Ausschnitt

Teilnehmer des Zweiteiligen Seminars mit Gesine Oltmanns (Stiftung Friedliche Revolution), Dorothea Marx (MdL) und Christian Dietrich (ThLA) 

In Erfurter Landtag gab die Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses Dorothea Marx dan einen sehr informativen Einblick in die Arbeit und das Wirken des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Gruppe die Gedenkstätte Topf&Söhne.In einer interaktiven Spurensuche und ausführlichen Führung konnten die Möglichkeiten einer Aufklärung im Zusammenwirken von Wirtschaft und Diktatur erarbeitet werden.

Dr. Sachse Arnold Vaatz

Dr. Christian Sachse und Arnold Vaatz (MdB) am historischen Ort - ehemals Maxhütte Unterwellenborn, heute Sitz des Vereins "Gaszentrale Unterwellenborn e.V."

Am 18. September 2015 war die Jugendzwangsarbeit in der DDR Thema eines Forums in Ichtershausen. Bis 2013 gab es in Ichtershausen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters eine Haftanstalt, die in der DDR als Jugendhaus bzw. Jugendstrafvollzugsanstalt genutzt wurde. Die Veranstaltung fand in Kooperation des Landesbeauftragten für Aufarbeitung mit der Kirchgemeinde Ichtershausen in der Klosterkirche statt. Wie jeden Freitag, fand 18:00 Uhr in der Kirche eine Andachten Gemeinschaft von statt.

Bei der Begrüßung erklärte Pfarrer Ehrlichmann, dass wer zu DDR-Zeiten die Apsis des Chorraums betrat, „mit beiden Beinen im Gefängnis“ stand. Die Nähe der Kirche bestätigten die ehemaligen Häftlinge, die zu diesem Abend nach Ichtershausen kamen. Der Landesbeauftrage, Christian Dietrich, verwies bei seiner Einführung auf den sowjetischen Verfassungsartikels „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ (Verfassung 1936, Artikel 12: „Die Arbeit ist in der UdSSR Pflicht und Ehrensache jedes arbeitsfähigen Staatsbürgers nach dem Grundsatz: ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.’“). Auch in der DDR beruhte die SED-Herrschaft auf Arbeit als Zwangsmittel. Auch Jugendliche waren davon betroffen. Davon zeugt die Errichtung von Jugendwerkhöfen an den Orten, wo es an Arbeitskräften mangelte.

Anhand von Statistiken und Gesetzestexten zeigte Dr. Christian Sachse, welchen Platz die DDR-Zwangsarbeit in der deutschen Geschichte und innerhalb der DDR-Volkswirtschaft einnahm. Dazu stellte er die Statistik der Inhaftierungen. In der DDR waren bezogen auf die Bevölkerung mindestens dreimal so viel Menschen inhaftiert, wie in der Bundesrepublik. Die Statistik zur Verteilung der Berufsunfälle - soweit sie überhaupt Teil der Statistik wurde – zeigte die signifikante Gesundheitsgefährdung durch Zwangsarbeit.

9783954624386 dKaum ein Protagonist der Umbruchszeit 1989/90 polarisiert bis heute so wie Wolfgang Schnur. Als Anwalt arbeitet Schnur (geb. 1944) in der DDR als Rechtsbeistand für Bürgerrechtler und Wehrdienstverweigerer. Nicht wenige sehen den Mitbegründer und Vorsitzenden des Demokratischen Aufbruchs als kommenden Wahlsieger bei den Volkskammerwahlen im März 1990 und damit als künftigen DDR-Ministerpräsidenten. Doch kurz vor der Wahl wird bekannt, dass Schnur seit den 1960er Jahren für die Stasi tätig war. Es beginnt ein rasanter Absturz, der mit dem Entzug der Anwalts- zulassung 1993 und diversen Verurteilungen endet.

Alexander Kobylinski, einst selbst Mandant von Schnur, folgt dessen Lebenslauf von der Jugend im Nachkriegsdeutschland, der Ausbildung zum Rechtsanwalt, seiner Anwerbung durch das MfS und der Tätigkeit als Spitzel bis zur Enttarnung 1990.
Kobylinski zeigt, wie Schnur mit viel Geduld, aber äußerst zielstrebig vom MfS aufgebaut wurde und schließlich zu einer wichtigen Person in der Bürgerbewegung wurde. Und er lässt die »Einbrüche« in Schnurs Karriere erst richtig verstehen.

Eine einführende Rezension des Buches von Sozialwissenschaftler Gerold Hildebrand lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Gerbergasse 18 und als Leseprobe über diesen Link.

Wann: 19. Oktober 2015, 18.00 – 20.00 Uhr
Wo: Stadtratssaal,Stadtverwaltung Eisenach, Markt 22, 99817 Eisenach (Ein- und Ausgang über Badergasse)

Das Programm:

Grußwort: Dieter Suck (1. Ehrenamtlicher Beigeordneter)
Einleitung: Christian Dietrich (Landesbeauftragter)
Buchvorstellung: Alexander Kobylinski (Autor)
Moderation: Stephan Schack (Trainer und Berater für Demokratiepädagogik)

 

Bis heute hält sich die Verschwörungstheorie, dass das für AIDS verantwortliche HI-Virus ursprünglich in den USA als biologischer Kampfstoff entwickelt wurde – nicht ohne Grund: Mit einer hierzu groß angelegten Desinformationskampagne sollten die USA Ende der 80er Jahre international in Verruf gebracht werden. Anhand der Untersuchung von geheimpolizeilichen Quellen in Berlin und Sofia durch Dr. Douglas Selvage (Projektleiter beim BStU) wird deutlich: Großen Anteil an der Verbreitung dieses Gerüchts hatten der ehemalige sowjetische Geheimdienst KGB und die Stasi.

So sorgte der ostdeutsche Geheimdienst etwa für die Verbreitung der Thesen einer diesbezüglichen „wissenschaftlichen Studie“ ostdeutscher Forscher im westlichen Ausland – mit Erfolg. Es kam in der Bundesrepublik sogar zur Produktion und Ausstrahlung von TV-Dokumentationen, die diese Thesen aufgriffen. In der Folge entstand ein Zyklus von Falschinformationen, der sich bis weit über das Ende des Kalten Krieges hinaus hielt. Diese und weitere Forschungsergebnisse zur „AIDS-Verschwörung“ präsentiert Dr. Selvage am 14. Oktober im Erfurter Collegium Maius.

Von welcher Brisanz das Thema bis heute ist, zeigt ein erneuter Rechtsstreit um die Publikation zu der Thematik von Douglas Selvage und Christopher Nehring. Lesen Sie die Details dazu hier auf Welt online. 

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltet gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) die Vortragsreihe zum „Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung". Im Rahmen vielseitiger Vorträge wird anhand anschaulicher Beispiele die historische Bedeutung der Stasi-Akten herausgestellt.

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

Wann: Mittwoch, 14.10.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

 

Das Foto zeigt HI-Viren, die sich vor dem Verlassen der Immunzelle an der Membran einer Makrophage sammeln.
(CC BY 2.5)

Während der Thüringer Landtag tagte und den 8. Mai als singulären Gedenktag in das Thüringer Feiertagsgesetz einfügte (mehr dazu hier), beschloss der Deutsche Bundestag am 2. Oktober weitere Schritte zur deutschen Einheit. Über längere Zeit haben eine Initiativgruppe, die Union der Opferverbände der Kommunistischen Gewaltherrschaft und Einzelpersonen ein Denkmalprojekt entwickelt und sind vor einem Jahr an den Bundestag herangetreten (mehr dazu auf der Seite der Initiative). In der Bundestagsentschließung zu „25 Jahre Deutsche Einheit“ heißt es nun: „In Deutschland gibt es jedoch trotz umfangreicher konzeptioneller Vorarbeit seitens der Opferverbände bislang noch kein zentrales Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Zusammen mit dem deutschlandweit begangenen Gedenktag am 17. Juni, wäre dies ein wichtiger Teil einer Erinnerungskultur an die SED-Diktatur, der sich zugleich in die Gedenkstättenkonzeption des Bundes einordnen muss.“ Trotz aller Hürden, die eine Denkmalinitiative nehmen muss, will der Deutsche Bundestag bis 2017 solch eine „Initiative für ein Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft an einem zentralen Ort in Berlin auf den Weg bringen“.

Weg der Hoffnung

Bis dahin wird Thüringen Heimat des größten Denkmals für die SED-Opfer sein: Der „Weg der Hoffnung“ überlebensgroßen Figuren entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf mehr als 1 km Länge (Siehe Bild rechts - Teil der Gednekstätte Point Alpha).

Cover GG18 H76Vor einem Vierteljahrhundert, am 3. Oktober 1990, trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland bei – damit vollzog sich die deutsche Wiedervereinigung. Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ will sich anlässlich dieses Jubiläums weniger mit den konkreten Ereignissen vor 25 Jahren beschäftigen, sondern ihren Blick vielmehr auf unterschiedliche Bilder von Deutschland richten. Im Rahmen des Titelthemas geht es um Vielfalt in der Einheit, das sogenannte Zonenrandgebiet, real anzuschauenden Sozialismus und schließlich um die Rezeption des Juristen Hans Litten im geteilten Deutschland. Weitere Beiträge im Heft beschäftigen sich unter anderem mit der Städtepartnerschaft zwischen Jena und Erlangen, der Rolle des US-Musikers Dean Reed für die SED-Kulturpolitik sowie mit Stasi-Verstrickungen ehemaliger DDR-Schiedsrichter. Die neue „Gerbergasse 18“ ist ab sofort im Jenaer Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich. Weitere Informationen finden Sie hier. 

Um Bilder von Deutschland geht es auch in der neuen Zeitzeugendokumentation der Geschichtswerkstatt Jena. Unter dem Titel „Friedliche Revolution und Deutsche Einheit in Jena 1989/90. Skizzen einer Bilanz“ ziehen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nach 25 Jahren Wiedervereinigung ihre persönliche Bilanz über das Leben im vereinten Deutschland. Die öffentliche Präsentation der Zeitzeugendokumentation findet am Donnerstag, 15. Oktober 2015, um 18:00 Uhr im Kino „Schillerhof“ (Helmboldstraße 1 in Jena-Ost) statt. Der Eintritt ist frei, aufgrund des begrenzten Platzkontingentes ist jedoch eine vorherige telefonische Reservierung beim Kino unter 03641-523653 erforderlich.

Einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der DDR-Bürgerrechtsbewegung, Christoph Wonneberger, erhielt am 30. September 2015 den mit 10.000 € dotierten Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage der Stadt Wiesbaden. Der evangelische Pfarrer im Ruhestand war seinerzeit Initiator der Friedensgebete in der DDR. Maßgeblich hatte Wonneberger den Menschen in der Leipziger Nikolaikirche mit seinen Predigten Hoffnung gegeben und einen gewaltfreien Protest gefordert. Ungeachtet der Bedrohung durch die Stasi haben er und seine Mitarbeiter dabei rund 30.000 Flugblätter gedruckt und verbreitet. 
Der Landesbeauftragte hat zu der festlichen Verleihung des Preises für Zivilcourage eine Laudatio gehalten, die das Wirken und die Rolle Wonnebergers im Zuge der Friedlichen Revolution nachzeichnen. Den Text der Festrede und einen ausführlichen Bericht zu der Preisverleihung finden Sie hier.  

 

Am 3. Oktober 2015 jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 25. Mal – Anlass für ein großes Bürgerfest, das vom 2. bis zum 4. Oktober in Frankfurt am Main stattfindet. Dort ist der Landesbauftragte mit einem Informationstisch auf dem Liebfrauenberg im Frankfurter Stadtzentrum zu finden. 

Dort präsentiert sich auch die Informationstour „25 Jahre Freiheit und Einheit“. Die „Deutschlandreise“ ist seit März bundesweit unterwegs. Ausschnitte aus Originalfilmen erinnern an wichtige Ereignisse der vergangenen 70 Jahre und zeigen Beispiele für die Entwicklung der neuen Bundesländer in den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung.

Besucherinnen und Besucher können sich auf dem Liebfrauenbergplatz über die Zeitgeschichte und politische Themen informieren. Dort präsentieren sich wichtige Einrichtungen der historisch-politischen Bildung, verschiedene Gedenkstätten und Erinnerungsprojekte unter dem Motto „Geschichte erinnern, Grenzen überwinden“. Ein Besuch zeigt die Facetten der lebendigen Erinnerungskultur in Deutschland und regt an, sich intensiv mit unserer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und für Freiheit und Demokratie aktiv einzutreten.

Wir freuen uns über Ihren Besuch!  Weitere Informationen zum Bürgerfest finden Sie hier. 

Mit Robert Sommer erhält die Beratungsinitiative SED-Unrecht einen neuen tatkräftigen Mitarbeiter. Ab sofort wird der Saalfelder das Team der Initiative bei der Beratung von Opfern politischer Verfolgung der ehemaligen SED-Diktatur unterstützen. Zuvor hatte der 36-Jährige sieben Jahre in Sachsen bei der Familienhilfe gearbeitet. 

Logo SED BI Web 2013Aufgabe der Beratungsinitiative SED-Unrecht ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern des Freistaats Thüringen die Möglichkeit zu geben, sich wohnortnah zu den Rehabilitierungsmöglichkeiten und die daran geknüpften Unterstützungs- und Ausgleichsleistungen zu informieren.Damit unterstützt die Initiative den Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in seinem gesetzlichen Auftrag. Robert Sommer wird jeden ersten und dritten Montag im Monat zwischen 9.00 und 16.00 Uhr in der Beratungsstelle in Saalfeld zur Verfügung stehen. Nähere Informationen finden Sie hier. 

Arte zeigt am 22. September um 20:15 eine Dokumentation zum Thema Wiedervereinigung und deren unmittelbare wirtschaftliche Folgen. In dem Film "Wem gehört der Osten?" geht es um ausländische Investoren, die Treuhand und Profiteure wie Verlierer der umfassenden Privatisierung des DDR-Volkseigentums. Weitere Informationen zu der Dokumentation finden Sie hier. 

 

Soziale Ausgleichsleistungen nach dem Beruflichen Rehabilitierungsgesetz (BerRehaG) erhalten jene Opfer der SED-Diktatur, die eine Rehabilitierung nach § 1 BerRehaG haben und deren berufliche Verfolgungszeit bis zum 2. Oktober 1990 festgestellt ist oder deren festgestellte berufliche Verfolgungszeit mehr als drei Jahre beträgt und die in ihrer wirtschaftlichen Lage besonders beeinträchtigt sind.

Ein Berechtigter erhält derzeit die soziale Ausgleichsleistung auf Antrag vom zuständigen Sozialamt. Der Landesbeauftragte empfiehlt im Zuge der geplanten Verwaltungsreform, die Auszahlung dieser Ausgleichsleistung in die Zuständigkeit der Thüringer Rehabilitierungsbehörde, sprich dem Thüringer Landesverwaltungsamt, zu geben, in deren Zuständigkeit bereits die Auszahlung der besonderen Zuwendung für Haftopfer liegt. Opfer müssten sich dann nicht mehr als Sozialhilfeempfänger verstehen. Das Land erstattet über die Rehabilitierungsbehörde den Landkreisen und kreisfreien Städten die ausgereichten Leistungen, die zu 60 % vom Bund und zu 40 % vom Land getragen werden.

Im § 24 Abs. 2 BerRehaG sind für die Gewährung der Ausgleichsleistungen nach § 8 BerRehaG „die örtlichen Träger der Sozialhilfe (§ 3 Abs. 2 …SGB XII)“ bestimmt. Inwieweit und in welcher Form dem Land durch § 3 Abs. 2 SGB XII Handlungsspielräume in der Aufgabenzuteilung gegeben sind, wird zuvor zu prüfen sein. Wörtlich heißt es in der Gesetzespassage: „Örtliche Träger der Sozialhilfe sind die kreisfreien Städte und die Kreise, soweit nicht nach Landesrecht etwas anderes bestimmt wird. Bei der Bestimmung durch Landesrecht ist zu gewährleisten, dass die zukünftigen örtlichen Träger mit der Übertragung dieser Aufgaben einverstanden sind, nach ihrer Leistungsfähigkeit zur Erfüllung der Aufgaben nach diesem Buch geeignet sind und dass die Erfüllung dieser Aufgaben in dem gesamten Kreisgebiet sichergestellt ist.“ 

In Würdigung der Leistungsberechtigten und im Interesse einer Verwaltungsvereinfachung sollte die Auszahlung zukünftig durch das Thüringer Landesverwaltungsamt erfolgen.

Akten sw rot1Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltet gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) eine Vortragsreihe zum „Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung". Im Rahmen vielseitiger Vorträge wird anhand anschaulicher Beispiele die historische Bedeutung der Stasi-Akten herausgestellt.
Am kommenden Mittwoch hält Dr. Torsten Müller einen Vortrag zum Thema: „Stasi im Dorf. Die geheimpolizeiliche Überwachung einer Eichsfeld-Gemeinde im Sperrgebiet“

Das Eichsfeld beherbergte die größte katholische Glaubensgemeinschaft innerhalb der DDR. Katholiken, Priester, Ordenshäuser und andere kirchliche Einrichtungen waren hier überdurchschnittlich stark vertreten. Die mehrheitlich katholische Prägung der Region und die unmittelbare Nähe zum Grenzgebiet der DDR rückten das Eichsfeld in das Visier des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
In Mackenrode, einem Ort mit heute 350 Einwohnern, baute die Stasi ein eigenes Netz an inoffiziellen Mitarbeitern (IM) auf. Der Historiker Dr. Torsten Müller zeigt am Beispiel dieses katholischen Dorfes, wie das MfS das Spitzel-System im Eichsfeld auf- und ausbaute. Dabei erläutert er die Herkunft und Anwerbung der inoffiziellen Mitarbeiter und beleuchtet, welche Auswirkungen die Dauerüberwachung auf die Gemeindebevölkerung hatte.

Wann: Mittwoch, 16.09.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über Ihr Kommen!

Wo liegen die Unterschiede zwischen Arbeitspflicht im Freiheitsentzug im heutigen Rechtsstaat und im Strafvollzug der ehemaligen DDR?bv halle abt VII sach 830 s 52 A Quellenangabe Web
Um diese Frage zu beantworten, ist es nötig, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der damaligen und heutigen Häftlinge zu beleuchten. Eine neue Studie der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, belegt nun an neuen Dokumenten, dass Häftlingen in der DDR genau diejenigen Arbeitsbedingungen zugemutet wurden, die die zivilen Arbeiter nicht in Kauf zu nehmen bereit waren. Anders als heute waren körperlich schwere Arbeit, Sonderschichten und ein hohes Unfallrisiko die Regel. Seit Anfang der 1970er Jahre war die Zwangsarbeit von Häftlingen dabei Teil der DDR-Planwirtschaft. 

Der Politikwissenschaftler Dr. Christian Sachse wird an zwei authentischen Orten in Ichtershausen und Unterwellenborn die Grundzüge der Zwangsarbeit im DDR-Strafvollzug beleuchten. Dabei werden die Zeitzeugen Klaus Gold, Ralf Weber und Arnold Vaatz von Ihren persönlichen Erfahrungen als ehemalige Häftlinge berichten.

Programm 18. September:
„Zwangsarbeit in den Jugendhaftanstalten (Jugendhäusern) der DDR“

Begrüßung: Christian Dietrich
Vortrag: Dr. Christian Sachse – „Arbeits- und Lebensbedingungen in den Jugendhäusern der DDR“
Gespräch mit dem Zeitzeugen Ralf Weber

Wo: Ichtershausen – Klosterkirche; Klosterstr. 1, 99334 Ichtershausen
Wann: 18.09.15, 18:30 – 20:00 Uhr


Programm 19. September:
„Zwangsarbeit im Haftarbeitslager Unterwellenborn“

Begrüßung: Christian Dietrich
Vortrag: Dr. Christian Sachse – „Das System der Zwangsarbeit im Strafvollzug der DDR“
Gespräch mit dem Zeitzeugen Arnold Vaatz, MdB

Wo: Unterwellenborn – Gasmaschinenzentrale; Bergweg 1, 07333 Unterwellenborn
Wann: 19.09.15, 15:00 – 16:30 Uhr

Der Eintritt ist frei.
Wir freuen uns über Ihr Kommen!

 

Häftlinge produzierten auch häufig Waren für Unternehmen aus Westdeutschland - ob nun Ikea, Quelle oder Aldi, die Liste der Abnehmer war lang. Erstmalig geht eines dieser Unternehmen einen Schritt in Richtung Wiedergutmachung - so schlägt Galeria Kaufhof nunmehr vor, einen freiwilligen Fonds einzurichten, der zur Aufarbeitung der DDR-Zwangsarbeit genutzt werden soll. Lesen Sie mehr dazu auf Spiegel Online und Bayerischer Rundfunk Online.  

 

Beim Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle eines Sachbearbeiters / einer Sachbearbeiterin unbefristet zu besetzen. Der Dienstort ist die Außenstelle des Landesbeauftragten in Suhl. Das Aufgabengebiet umfasst primär die Durchführung von Recherchen, insbesondere im Archiv des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) als auch in anderen relevanten Archiven, sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung der Ergebnisse dieser Recherchen. Gleichrangig gehört zum Aufgabenbereich die (Erwachsenen-)Bildung durch eigene Vorträge und Publikationen. 
Hier finden Sie weitere Details zum Aufgaben- und Anforderungsprofil sowie zu den Bewerbungsmodalitäten. 

„Die Berliner Mauer hat die Menschen in Deutschland 28 Jahre lang getrennt und die politische Spaltung in Europa zementiert. Beton, Stacheldraht und Selbstschussanlagen standen fast drei Jahrzehnte im Mittelpunkt des Kalten Krieges. Er trennte die Welt politisch in Ost und West. Die Mauer sperrte die Menschen in der DDR ein und machte sie zu Sklaven einer kommunistischen Diktatur. Daran müssen wir uns stets erinnern.“ Das erklärte der Landtagspräsident Christian Carius in Erfurt anlässlich des Jahrestages des Berliner Mauerbaus, der sich heute zum 54-mal jährt.
Bis heute ist die tatsächliche Zahl der Mauer- bzw. Grenztoten nicht exakt geklärt. Fest steht, mindestens 138 Menschen kamen allein an der Berliner Mauer ums Leben - die Zahl der Grenztoten an der innerdeutschen Grenze insgesamt liegt deutlich höher. Historiker arbeiten in diesem Zusammenhang an einem Totenbuch, das 2017 vorgelegt werden soll.  
Eine ausführliche Chronik zum Bau der Berliner Mauer, umfangreiches Bild- und Filmmaterial sowie zahlreiche Biografien von Opfern des SED-Grenzregimes finden Sie hier. 

MediaguideAb sofort bietet der Mediaguide der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt seinen Besuchern den Schritt aus der Gedenkstätte hinaus an »Orte der Friedlichen Revolution in Erfurt«. Der Untertitel dieses neuartigen Stadtrundgangs lautet: »Vom ersten Friedensgebet bis zur ersten Stasi-Besetzung«. Der mediale Rundgang führt zu allen wichtigen Orten der Friedlichen Revolution in Erfurt. Dabei erzählen verschiedene damalige Akteure an zehn Stationen selbst, wie sie 1989 gegen die SED-Diktatur in den Kirchen, der Offenen Arbeit oder auch auf dem Domplatz demonstrierten. Ein spannender und einmaliger Rundgang durch die Geschichte Erfurt. Weitere Informationen zur Gedenkstätte und dem neuen Stadtrundgang finden Sie hier. 

Der historische Reiseführer "Thüringen 1949 - 1990" von Martin Morgner folgt den Spuren, die 40 Jahre "real existierender Sozialismus" in den drei ehemaligen DDR-Bezirken Erfurt, Gera und Suhl hinterlassen haben. Dabei fördert Morgner Erstaunliches zu Tage: zeittypische Bauten und spannende Biographien genauso wie bedeutende Ereignisse eines untergegangenen Gesellschaftssystems. 
Mit dieser Publikation kann man in Wort und Bild entdecken, was von vier Jahrzenhneten Sozialismus in der DDR in Thüringen geblieben ist - aber auch, an welchen Orten heute an verschiedene Aspekte der Geschichte erinnert wird. 
Weitere Informationen zu dem Buch finden Sie auf mitteldeutscher verlag online

Als Grenzgebiet der DDR kam der Stadt und dem Kreis Nordhausen eine enorme wirtschaftliche und strategische Bedeutung zu. Diese spiegelte sich auch in der personellen Ausstattung und Tätigkeit der MfS-Kreisdienststelle
Nordhausen wider. 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter waren vor allem zur Überwachung wichtiger Industriebetriebe und zur Sicherung des 36 Kilometer langen Grenzabschnittes im Südharz eingesetzt. Im Kreis Nordhausen gab es rund 300 Inoffizielle Mitarbeiter (IM), sie trafen sich mit ihren Führungsoffizieren in rund 30 konspirativen Wohnungen, unter anderem um Spitzelberichte zu Protokoll zu geben oder neue Anweisungen einzuholen.
Die BStU-Forscherin Dr. Hanna Labrenz-Weiß zeigt in ihrem Vortrag, wie die SEDHerrschaft in Nordhausen funktionierte, welche Rolle der Staatssicherheit dabei auf lokaler Ebene zukam und welche Mechanismen der Disziplinierung konkret angewendet wurden. Rund 1.500 MfS-Akten zum Kreis Nordhausen wertete die Forscherin dazu aus.
Dr. Labrenz-Weiß war in den 1980er Jahren als Kurierin für die erste freie Gewerkschaft Solidarnosc zwischen Polen und West-Berlin tätig. Sie wurde noch von Joachim Gauck persönlich in die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen eingestellt.

Wann: Mittwoch, 22.07.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

 

Weiterführende Literatur, worin die MfS-Kreisdienststellen in Thüringen behandelt werden: 

Herz, Andrea: Stasi-Kreisdienststellen in Thüringen. Ein kurzer Überblick; 1998
Müller-Enbergs, Helmut: Die Kreisdienststelle Greiz und ihr inoffizielles Netz; 2010
Müller-Enbergs, Helmut: Die Kreisdienststelle Eisenach und ihr inoffizielles Netz; 2010 

 

Die Ausgabe 02/2015 der "Gerbergasse 18" ist ab sofort erhältlich. In der neuen Ausgabe finden sich zahlreiche Artikel rund um die Thematik „Flucht und Ankunft“, so beispielweise über die Kontrollfunktionen staatlicher Grenzen, die DDR-Zwangsaussiedlungen, aber auch die Jenaer Gerichtsmedizin im Dienste der Staatssicherheit bei der Verschleierung von Todesfällen an der innerdeutschen Grenze.
Weitere Themen im Heft sind unter anderem der Zeiss-Prozess 1953, der gescheiterte Antifaschismus der SED und das komplizierte Dasein als „Depeche Mode“-Fan in der DDR. Die aktuelle politische Lage in Thüringen gerät in den Blick, wenn in einem weiteren Beitrag die historische Entwicklung des „linken Experimentierfeldes Thüringen“ beschrieben wird. Anlässlich der Gründung der Geschichtswerkstatt Jena vor 20 Jahren findet sich darüber hinaus ein Artikel über den Werdegang und künftige Herausforderungen des Vereins im Heft.
Das Inhaltsverzeichnis ist hier abrufbar, zudem können Sie das Heft über das Kontaktformular bestellen. Im Jenaer Buchhandel ist die neue Ausgabe ab sofort erhältlich.

Eine neue Untersuchtung zeigt: Unterhalb der Ebene der Inoffiziellen Mitarbeiter vergrößerte die Stasi mit den Auskunftspersonen ihren Apparat und sammelte Informationen und Auskünfte. Das Kapitel über die sogenannten Auskunftspersonen der Staatssicherheit in der DDR ist weitgehend unbekannt – und wurde jetzt erneut durch den Berliner Politologen Helmut Müller-Enbergs am Beispiel des thüringischen Saalfeld untersucht. Lesen Sie dazu weiter auf Ostthüringer Zeitung Online. 

Die volständigen Ergebnisse der Studie finden Sie hier auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung. 

Anno Hecker, Ressortleiter der Sportredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, äußert in dem heute in der FAZ erschienenen Artikel "Wo bleibt die Wende" klare Forderungen an den Landessportbund Thüringen und fragt: "Wo bleibt der Wechsel, wo bleibt, nach 25 Jahren Floskeln, die Wende in der Spitzensportorganisation?". Hintergrund des Artikels ist die am vergangenen Mittwoch durchgeführte Podiumsdiskussion zum Thema "Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen 25 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft", zu der der Landesbeauftragte auch explizit die Spitzen des Landessportbundes Thüringen eingeladen hatte - doch sowohl LSB-Präsident Gösel, als auch Hauptgeschäftsführer Beilschmidt sind aus unterschiedlichen Gründen der Veranstaltung fern geblieben. Lesen Sie mehr zu den Hintergründen auf FAZ online. 

Sie gestaltete den Wandel der Kirchengemeinde in der Neustadt – öffnete die Kirche für andere religiöse Gruppen und rief Projekte ins Leben, mit denen finanziell schwache Menschen in das Gemeindeleben inkludiert wurde. Nun wurde die engagierte Pfarrerin von Propst Dr. Klaus-Volker Schütz in einem feierlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Die erste Pfarrstelle hatte sie in Ost-Thüringen in Nöbdeniz inne: „Zu meiner Gemeinde gehörten damals sechs Dörfer mit drei Kirchen. Ich besaß weder ein Auto und zu Beginn noch nicht einmal ein Fahrrad. Da musste ich alles zu Fuß ablaufen – heutzutage unvorstellbar“, erinnert sie sich. Doch nicht nur diese Bedingungen machten ihr das Leben schwer. Da die Pfarrerin der oppositionellen Bewegung angehörte, wurden die Repressionen gegen sie stärker. Immer wieder machte ihr die Stasi das Leben schwer und mindestens einmal pro Woche wurde sie zum Verhör gebeten. Um diesem Druck zu entfliehen, stimmte Ellmenreich schließlich 1980 einer Umsiedlung in den Westen zu. So trat sie ihre erste West-Stelle im Frankfurter Frauengefängnis an. Danach war Ellmenreich 13 Jahre lang als Gemeindepfarrerin in Frankfurt-Nied tätig.

Nach der Wende ging sie wieder zurück nach Thüringen, um dort den Todesfall von Matthias Domaschk, dem bekannten Vertreter der DDR-Bürgerrechtsbewegung, der in Stasi U-Haft ums Leben kam, aufzuklären. Domaschk war lange Zeit ihr Lebensgefährte und Vater ihrer Tochter. Sechs Jahre lang arbeitete sie in der Stasi-Unterlagenbehörde und bereitete die Akten für Forschungsarbeiten und Anfragen auf.

 

Lesen Sie mehr zum verdienstvollen Leben von Renate Ellmenreich auf metropolnews.info.

Erfahren Sie mehr auf allgemeine-zeitung.de zur Tätigkeit von Renate Ellemenreich als Zeitzeuge und ihre Bildungsarbeit mit Schülern.

Im Zuge der heutigen Podiumsdiskussion zum Thema "Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen 25 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft", zu der der Landesbaeauftragte eingeladen hatte, fand der Vize-Präsident des Landessportbundes Thüringen, Dirk Eisenberg, klare Worte. Welche Rolle die Führung des LSB bezüglich des Themas Aufarbeitung und Doping im DDR-Sport spielt - oder eben nicht spielt - erläuterte Eisenberg im Rahmen der Diskussionsrunde. 

Lesen Sie auf mdr online mehr zur Position von Eisenberg, auch in Bezug auf die Personalia Peter Gösel (Präsident des LSB) und Rolf Beilschmidt (Hauptgeschäftsführer des LSB).

Ausführlich berichtet auch die Thüringer Landeszeitung zur Podiumsdiskussion und Dirk Eisenberg.

Lesen Sie hier einen umfassenden Artikel von Thomas Purschke zur Causa Rolf Beilsschmidt, erschienen in der Gerbergasse 18, Ausgabe 1 / 2015. 

Bereits im November vergangenen Jahres trafen sich der LSB, Autoren der Studie und Dopingopfer in der Sendung Fakt ist..! und bezogen klare Positionen. Sehen Sie den Beitrag hier in der mdr-Mediathek. 

 

Die geplante Präsentation der Thüringer Sportstudie „Zwischen Erfolgs- und Diktaturgeschichte. Perspektiven der Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen“ durch die Herausgeber (Dr. Jutta Braun, Michael Barsuhn) und Auftraggeber (Bundesstiftung Aufarbeitung, Thüringer Sportministerium, Landessportbund und der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) zum 1. Juli in der vereinbarten Form findet nicht statt. Die Studie ist inzwischen im Buchhandel.
Stattdessen findet ein Podium zum Thema „Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen 25 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft“ statt. Der Landesbeauftragte hat nach wie vor ein Interesse daran, alle an der Studie Beteiligten an einen Tisch bringen.
Thüringen ist statistisch gesehen das Sportland Nummer Eins unter den ostdeutschen Ländern. Und es sind immer wieder Thüringer Athletinnen und Athleten, von denen wichtige Impulse zur Aufarbeitung des DDR-Staatssports ausgingen und weiterhin ausgehen.
Den Autoren der Studie ist es zu danken, dass sie das kontroverse Feld mit Quellen und neuen Fragehorizonten erschlossen und trotz der institutionellen Veränderung ihres Forschungsverbundes am Thema blieben. Der Abschluss der Studie wurde durch das Auffinden weiterer Stasi-Akten zum jetzigen Hauptgeschäftsführer des LSB, Rolf Beilschmidt, verzögert. In der Vorbereitung der Präsentation der Studie waren sich die Beteiligten allerdings einig, darauf zu achten, dass die Rezeption der Studie nicht auf diesen Aspekt reduziert wird.
Bei der Transformierung des DDR-Staatssports in einen demokratischen Vereins- und Verbandssport waren nicht nur die personalpolitischen Auseinandersetzungen um Trainer und Sportfunktionäre wichtig, die sich der Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben, sondern auch deren aktive Beteiligung an Körperverletzungen durch Doping. Dazu gehört auch die Frage: Welchen Platz haben die Opfer heute im Thüringer Sport?

Zu dieser und weiteren Fragen zum Thema „Aufarbeitung des DDR-Sports“ werden auf dem Podium sitzen:


Brigitte Berendonk - in Thüringen geborene ehemalige Leichtathletin, eine der engagiertesten Antidoping-Stimmen Deutschlands und Autorin des 1991 veröffentlichten Buches "Dopingdokumente: Von der Forschung zum Betrug"
Werner Franke - Zellbiologe, renommiertester Antidoping-Forscher Deutschlands und Vorkämpfer der Verfolgung von Doping als Körperverletzung, Träger der Antidoping-Preises des DOH 2014
Ines Geipel - Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe, Schriftstellerin und Hochschulprofessorin
Henner Misersky - ehemaliger Jenaer Leichtathlet und erfolgreicher Skilanglauftrainer, unermüdlichster Aufklärer der DDR-Sportvergangenheit in Thüringen

Moderation: Anno Hecker (FAZ)

Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung beim Landesbeauftragten bis zum 01.07.2015, 9:00 Uhr unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! möglich.

Wann: Mittwoch, 1. Juli 2015, 11:00 Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Raum F 125, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Politische Todesurteile an zwei Weimarer Bürgern jähren sich zum 60ten Mal 

Am 29. Juni 1955 wurden in Dresden zwei Weimarer mit dem Fallbeil enthauptet. Der 32-jährige Lehrer und stellvertretende Schulleiter der Pestalozzischule Gerhard Benkowitz und der 30-jährige Sachbearbeiter für Statistik beim Rat der Stadt Weimar Hans-Dietrich Kogel waren Opfer eines Schauprozesses geworden. Ihre Verhaftung und die ihrer Ehefrauen Erika Benkowitz und Christa Kogel lag noch nicht einmal drei Monate zurück.

Noch heute erinnern sich ältere Weimarer an die damals verbreiteten Meldungen, Gerhard Benkowitz hätte u. a. die das Ilmtal überspannende „Sechs-Bogen-Brücke“ sprengen und dabei Hunderte von Menschenleben aufs Spiel setzen wollen. Doch dies stimmte nicht, er hatte keine praktischen Vorbereitungen hierzu getroffen. Der SED diente diese Behauptung zur Dämonisierung von Gegnern ihrer Politik und als Rechtfertigung der gefällten Urteile.

Den Opfern und deren Familien wird am kommenden Sonntag, dem 28. Juni im Gottesdienst um 17:00 Uhr in der Weimarer Johanneskirche gedacht. 

 

Lesen Sie hier mehr zu den beiden Thüringer Schauprozessen. 

Hier finden Sie als Hintergrundlektüre zur Thematik einen Vortrag sowie einen Essay des Historikers Roger Engelmann:

Vortrag "Abschreckung und Propaganda - Todesurteile in DDR-Schauprozessen der Fünfzigerjahre“

Essay "Blutjustiz als politisches Lehrstück - Todesurteile in DDR-Schauprozessen der Fünfziger Jahre"Todesurteile in DDR-Schauprozessen der Fünfziger Jahre"

 

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
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Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

Freiheit Einheit

25 Jahre Freiheit und Einheit Deutschlands
Neues Internetangebot der Bundes-regierung zu Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung:

www.freiheit-und-einheit.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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