Samstag, 25.November 2017

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pottigaThüringen hat einen neuen Gedenkort für die Zwangsausgesiedelten. Möglich wurde das durch die Kommune Pottiga und diverse Spender. Am vergangenen Samstag, just vor dem Volkstrauertag 2017, wurde der Gedenkstein im Pottigaer Ortszentrum (Schulstraße 4) eingeweiht. An der Einweihung durch Bürgermeister Wolfgang Sell und in Gegenwart der Präsidentin des Bundes der Zwangsausgesiedelten Marie-Luise Tröbs und des Landrats Thomas Fügmann nahmen Vertreter fast aller Thüringer Grenzgedenkstätten, viele Gäste und einige Einwohner Pottigas teil.

Der Landesbeauftragte Christian Dietrich sagte in seiner Rede u.a.: "Liebe Pottigaer, Sie markieren mit diesem Stein einen Verlust: Mitbürger, die deportiert wurden und nicht mehr hier leben durften. Schulfreunde, Nachbarn, Kollegen, vielleicht auch Verwandtschaft. Liebe Pottigaer, mit diesem Stein markieren Sie aber auch eine Scham. Die Deportationen wurden nicht verhindert, konnten nicht verhindert werden und dann wurden sie verschwiegen oder so lange gutgeredet, bis der Verlust gar als Gewinn interpretiert wurde. Ich glaube, nur dort, wo der Schmerz über die Verluste und über die Folgen der SED-Politik zuglassen wird, kann es auch Heilung geben. Ohne diese Trauer werden wir nicht zueinander kommen können. In der Trauer öffnet sich das Herz. Da sind wir verwundet und verwundbar. Ja, Trauer ist eine Ohnmachtserfahrung. Aber die Unfähigkeit zu trauern ist gepaart mit der Unfähigkeit zur Freiheit. Dem zu entgehen, haben sie diesen Stein gesetzt. Ich gratuliere Pottiga! Lassen sich Zeit! Geben Sie sich Raum für Beides: Trauer und Freiheit." (Die vollständige Rede finden Sie hier)

Frau Dr. Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten, hielt im Anschluss einen Vortrag zu den Verantwortungsstrukturen und Vorgängen der Zwangsaussiedlungen in Pottiga 1952 und 1961. Außerdem wurde im vollbesetzten Saal der Film "Vertreibung 1961" (Hier abrufbar auf dem Youtube-Kanal der Point Alpha Stiftung) gezeigt.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können im Online-Diskussionsforum des Thüringer Landtags zum Gesetzentwurf der Landesregierung über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ mitdiskutieren und alle relevanten Parlaments-Dokumente einsehen. 

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ermöglicht die Ausweisung von Gebieten als „Nationales Naturmonument“, die aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“ und daher den gleichen Schutzbestimmungen wie ein Naturschutzgebiet unterliegen sollen.

Das Thüringer Gesetz für Natur und Landschaft (ThürNatG) enthält bisher keine Regelung zur Ausweisung eines Nationalen Naturmonuments. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung soll das Gebiet zwischen der Thüringer Landesgrenze und dem Kolonnenweg wegen seiner historischen und landeskundlichen Bedeutung als „Grünes Band Thüringen“ auf der Grundlage des BNatSchG unter besonderen Schutz gestellt werden. Die ehemalige innerdeutsche Grenze soll nicht nur als Teil der deutschen Geschichte, sondern auch als Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleiben.

Weitere Informationen finden Sie hier.  

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können im Online-Diskussionsforum des Thüringer Landtags (https://forum-landtag.thueringen.de/) zum Gesetzentwurf der Landesregierung über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ mitdiskutieren und alle relevanten Parlaments-Dokumente einsehen. 
 
Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ermöglicht die Ausweisung von Gebieten als „Nationales Naturmonument“, die aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“ und daher den gleichen Schutzbestimmungen wie ein Naturschutzgebiet unterliegen sollen.
 
Das Thüringer Gesetz für Natur und Landschaft (ThürNatG) enthält bisher keine Regelung zur Ausweisung eines Nationalen Naturmonuments. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung soll das Gebiet zwischen der Thüringer Landesgrenze und dem Kolonnenweg wegen seiner historischen und landeskundlichen Bedeutung als „Grünes Band Thüringen“ auf der Grundlage des BNatSchG unter besonderen Schutz gestellt werden. Die ehemalige innerdeutsche Grenze soll nicht nur als Teil der deutschen Geschichte, sondern auch als Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleiben.
 
Weitere Informationen gibt es unter: 
https://forum-landtag.thueringen.de/dokument/nationales-naturmonument-und-gruenes-band-thueringen

DDR-weit fanden 1952 und 1961 zwei große Aussiedlungsaktionen statt. Auch Pottigaer Einwohner waren hiervon betroffen. Das Dorf lag in der 500-Meter-Sperrzone an der innerdeutschen Grenze. Im Zusammenhang mit Grenzsicherungsmaßnahmen wurden am 6. Juni 1952 und am 3. Oktober 1961 vermeintlich politisch "unzuverlässige" Personen und ihre Familien ins Landesinnere umgesiedelt:
In Nacht-und-Nebel-Aktionen zwang man die Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen. Das Hab und Gut wurde innerhalb von Stunden auf LKW und Züge verladen und die Betroffenen für immer aus ihrer Heimat weggebracht. In den neuen Wohnorten fühlten sie sich fremd und waren mitunter sozialen Anfeindungen ausgesetzt.

Gedenkstein-Einweihung am 18. November 

Ein Gedenkstein in Pottiga erinnert nun an die Betroffenen und an die Ereignisse vor 65 und vor 56 Jahren. Am 18. November 2017 wird der Gedenkstein durch den Bürgermeister Pottigas, den Leiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth und den Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeweiht. Gäste sind die Point Alpha Stiftung, das Grenzlandmuseum Eichsfeld und das Zweiländermuseum Rodachtal. Mit der Veranstaltung soll zugleich auf die über 5000 Thüringer aufmerksam gemacht werden, die aus über 235 Grenzorten ausgesiedelt wurden.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier. Wir freuen uns auf Sie. 

Titel

Eine der größeren DDR-Samisdat-Zeitschriften, "Ostkreuz" (herausgegeben von György Dalos, Christian Dietrich, Peter Grimm, Siegfried Neher, Gerd Poppe, Wolfram Tschiche und Reinhard Weißhuhn) machte die Diktatur in Rumänien zum zentralen Thema von Heft 1 (Januar 1989).

Am kommenden Samstag, dem 11. November,  wird in der Erfurter Kleinen Synagoge (An der Stadtmünze 5) ab 10:00 Uhr eine Tagung zum Thema "Rumänien und Deutschland im Kommunismus" stattfinden. Bezugnehmend auf die erste Ausgabe von "Ostkreuz" werden im Besonderen Aktionen der DDR-Opposition gegen die Diktatur in Rumänien ein zentrales Thema der Tagung sein.
Am Vormittag spricht Dr. Georg Herbstritt (BStU) zunächst zu den Beziehungen zwischen den ostdeutschen und rumänischen Geheimdiensten Stasi und Securitate; der Landesbeauftragte Christian Dietrich referiert dann folgend über die DDR-Opposition und Aktionen gegen die Diktatur in Rumänien.

Im Anschluss an die Mittagspause rückt Helmuth Frauendorfer (Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen) die deutsche Minderheit und ihre Bedrohung durch den Geheimdienst unter Nicolae Ceaușescu in den Fokus. Schließlich wird Dr. Martin Jung (Jena/Trier) den Blick auf die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs richten: Welchen Weg ging Rumänien in der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur nach 1990?

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier

Zur Einstimmung auf die Veranstaltung veröffentlichen wir den Beitrag "Vierzig rumänische Jahre im Report" von Christian Dietrich aus der besagten Samisdat-Zeitschrift "Ostkreuz", Heft 1:  

Präsentation einer polnischen Samisdat-Ausgabe der Gedächtnisprotokolle von Jürgen Fuchs mit dem Politologen Dr. Ernest Kuczyński und dem Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius

Gedaechtnisprotokolle ZuschnittAm 8. November wird um 16:00 Uhr im Foyer des Thüringer Landtags die Jürgen-Fuchs-Stele durch eine authentische polnische Samisdat-Ausgabe von 1985 und dem deutsch-polnischen Tagungsband „Sagen, was ist!“ (2017) ergänzt. Anfang der Achtziger Jahre wurden die Gedächtnisprotokolle von Jürgen Fuchs in die polnische Sprache übertragen und dort mehrfach im Untergrund gedruckt.

Im Rahmen der Präsentation sprechen der Präsident des Thüringer Landtages, Christian Carius, der Landesbeauftragte, Christian Dietrich, sowie Dr. Ernest Kuczyński (Lodz).
Dr. Ernest Kuczyński ist ein bedeutender polnischer Politologe und Germanist. Er organisierte vor einem Jahr in Kooperation mit der Universität Wroclaw eine Tagung zur internationalen Rezeption von Jürgen Fuchs und ist Herausgeber des jüngst erschienenen Tagungsbandes.

Der Thüringer Schriftsteller Jürgen Fuchs war ein herausragender Kritiker der kommunistischen Zersetzungspolitik am Ende des 20. Jahrhunderts.

Foto FB

Buchvorstellung und Podiumsdiskussion zur internationalen Tagung „Jürgen Fuchs: Sagen was ist! Diktatur als grenzüberschreitende Erinnerungslandschaft“ am 8. November um 18:00 Uhr im Thüringer Landtag

Ende 2016 fand an der Universität Wrocław eine internationale Tagung zu Jürgen Fuchs statt, u.a. mit Unterstützung der Präsidenten des Sächsischen und Thüringischen Landtags, sowie der Landesbeauftragten von Sachsen und Thüringen. Im Zentrum stand die Rezeption der literarischen Werke von Jürgen Fuchs und seines Ansatzes der opferorientierten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostmitteleuropa. Ein besonderes Augenmerk der Tagung lag in der Rezeption von Leben und Werk des Jürgen Fuchs in Polen und Tschechien. Kürzlich ist der Tagungsband „Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik“ erschienen.

Am 8. November wird der Herausgeber der Publikation, Politologe und Germanist Dr. Ernest Kuczyński, im Thüringer Landtag die Forschungsergebnisse präsentieren. Zudem referiert Doris Liebermann, Autorin und Journalistin, über die Geschichte jenes Tonbandes, das die SED zum Anlass nahm, Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerulf Pannach zu inhaftieren und später aus der DDR abzuschieben. Die Tonband-Aufnahmen werden im Zuge der Veranstaltung zu hören sein.

Um Anmeldung wird gebeten, per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Am 4. November 1992 trat das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG) in Kraft. Es ist die Grundlage für die Rehabilitierung rechtsstaatswidriger Urteile der SED-Justiz. In Thüringen wurde dafür im Dezember 1992 in Hildburghausen das Landesamt für Rehabilitierung und Wiedergutmachung unter der Leitung von Michaela Ecker geschaffen. Inzwischen haben mehr als 215.000 Menschen eine Rehabilitierung auf Grundlage dieses Gesetzes gestellt. In Thüringen wurden bis Ende Oktober 2017 mit Bezug zum StrRehaG 29.850 Rehabilitierungen ausgesprochen. 2016 wurde an 4.900 Personen die besondere Zuwendung für Haftopfer (§ 17a StrRehaG), insgesamt 18.069.260,52 € gezahlt. Deutschlandweit wurden bis Ende vergangenen Jahres über 2 Milliarden € Anerkennungsleistungen nach § 17a StrRehaG ausgezahlt.

Es gehört zum gesetzlichen Auftrag der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen bzw. Aufarbeitung, die Betroffenen zu unterstützen. In dem letzten Vierteljahrhundert haben sie mit vielen der Betroffenen individuelle Wege der Rehabilitierung und öffentlichen Anerkennung gefunden. Dieser Weg ist gefährdet, da in den Unrechtsbereinigungsgesetzen als Antragsfrist der 31.12.2019 genannt wird. Noch immer haben viele Betroffene keine Anträge gestellt. Allein im Oktober 2017 wurden zwei ehemalige Haftopfer von uns beraten, die den Antrag auf Rehabilitierung erste jetzt stellten.
Die Landesbeauftragten, die Bundesstiftung Aufarbeitung und viele der Opferverbände plädieren für eine Entfristung der Unrechtsbereinigungsgesetze. Der Bundesrat hat am 3.11.2017 dazu beschlossen, die Frist um 10 Jahre zu verlängern und die Rehabilitierung von ehemaligen Kinderheimkindern, deren Eltern rehabilitiert wurden, zu erleichtern. Die Landesbeauftragten weisen außerdem darauf hin, dass der Wille des Gesetzgebers nur umzusetzen ist, wenn die Opferrente regelmäßig an die Inflationsrate angepasst und entsprechend erhöht wird. Das Gesetz wurde inzwischen achtzehnmal novelliert
(siehe dazu auch Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten der Jahre 2015 - 2016):

StraRehaGHaftopfer, die weniger als 180 Tage Haft erlitten, haben Anspruch auf eine Anerkennungsleistung durch die Häftlingshilfestiftung. Hier ist darauf zu achten, dass die Stiftung nicht unterfinanziert ist.

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen Roland Jahn brachte Erfurt als zukünftigen Standort des Thüringer Zentralarchivs der Stasiunterlagen (ca. 12 km Akten) ins Gespräch: „Zu beachten sind sowohl die symbolische Bedeutung als auch Erreichbarkeit und Anbindung an eine Wissenschaftslandschaft, das spricht eher für Erfurt.“ Die Landesregierung plädiert für eine "dezentralen, zivilgesellschaftlichen Aufarbeitungslandschaft" und möchte, dass das zukünftige Archiv sich darin einfügt. (Thüringer Allgemeine am 2. November 2017)

Am 26. Oktober findet um 18:00 Uhr in der Thüringer Landesvertretung beim Bund in Berlin ein Veranstaltungsabend zum Thema Fluchthelfer im geteilten Berlin statt; auf einen Impulsvortrag über die Fluchthelferszene im Berlin der 60er Jahre folgt ein Gespräch mit zwei Zeitzeugen, die seinerzeit als Tunnelbauer und Fluchthelfer aktiv waren.

Plakat Fluchthelfer Web

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 gruben couragierte Fluchtwillige und Fluchthelfer bis 1982 mindestens 39 Tunnel unter der Sektorengrenze hindurch – die meisten von West- nach Ost-Berlin. Damit ermöglichten sie mehr als 254 Menschen auf spektakuläre Weise die Flucht nach West-Berlin. Sie verhalfen den Flüchtlingen zu einem Leben in Freiheit, ermöglichten Familienzusammenführungen und bewahrten jene Menschen vor Verfolgung und politischer Haft.

Einer jener mutigen Tunnelbauer ist Klaus-Michael v. Keussler, der unter anderem am Bau des berühmten „Tunnel 57“ beteiligt war. Er wird im Rahmen der Veranstaltung über seine Intention, seine Erlebnisse und die Herausforderungen sprechen, die mit dem Bau von Fluchttunneln in Zusammenhang standen. „Für uns werden diese eindringlichen Augenblicke, in denen ein Mensch sich den letzten Ruck gibt und innerhalb von Minuten sein gesamtes Hab und Gut, aber auch die .... Freunde zurücklässt, um in die Freiheit zu gelangen, für immer unvergessen bleiben!", sagt v. Keussler rückblickend.

Daneben berichtet Dr. Günther Heinzel als Zeitzeuge über die langwierige und hürdenreiche Vorbereitung der riskanten Flucht seiner jetzigen Frau über den Checkpoint Charlie im Kofferraum eines alliierten Militärfahrzeugs. Eingeleitet wird der Abend durch den renommierten Historiker und Journalisten Sven Felix Kellerhoff, der einen allgemeinen Einführungsvortrag zur Entwicklung der Fluchthelferszene im geteilten Berlin geben wird.

Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung am 26. Oktober in die Thüringer Landesvertretung beim Bund in Berlin (Mohrenstraße 64) ein. An Vortrag und Podiumsdiskussion schließt sich ein Empfang an. Wir freuen uns auf Sie!

Hartumut Rosinger spricht über seine Vergangenheit bei der Stasi, über Verrat, Reue und Vergebung 

Unter dem Decknamen »Hans Kramer« lieferte Hartmut Rosinger der DDR-Staatssicherheit in den siebziger Jahren Spitzelberichte über seinen Freund aus der Evangelischen Studentengemeinde. Die Berichte trugen dazu bei, dass Peter Wulkau 1978 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.
Heute engagieren sich beide gemeinsam für die Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Für den Dokumentarfilm »Feindberührung« haben sie von ihren Erlebnissen erzählt. Regelmäßig tun sie dies auch vor Schüler- und Lehrergruppen. Dr. Matthias Wanitschke, Referent beim Landesbeauftragten, hat den einstigen »Täter« interviewt. Das Interview ist in der Herbst-Ausgabe des Vivat!-Magazins ab Seite 18 zu lesen und kann über diesen Link online aufgerufen werden. 

In stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. Psychiatrie kam es in der Vergangenheit zu Leid und Unrecht. Viele Menschen, die als Kinder oder Jugendliche dort lebten, leiden noch heute an den Folgen ungerechtfertigter Zwangsmaßnahmen, Strafen, Demütigungen oder unter finanziellen Einbußen, weil sie in den Einrichtungen gearbeitet haben, ohne dass dafür in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Um diese Menschen zu unterstützen, rufen der Bund, die Länder und die Kirchen die Stiftung Anerkennung und Hilfe ins Leben.
Qualifizierte Beraterinnen und Berater in den Anlauf- und Beratungsstellen unterstützen die Betroffenen persönlich bei der Schilderung und Bearbeitung der Erlebnisse und der Anmeldung zur Stiftung. Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten die Betroffenen eine Geldpauschale. Diese soll die Folgewirkungen des Erlebten abmildern und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation leisten. Betroffene, die während ihres Aufenthaltes in der Einrichtung in erheblichem Umfang gearbeitet haben, ohne dass die Einrichtung dafür Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat, können unter bestimmten Voraussetzungen eine einmalige Rentenersatzleistung erhalten. Eine Meldung für ein Beratungsgespräch in der Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung Anerkennung und Hilfe ist bis zum 31. Dezember 2019 möglich.
Ab 1. September 2017 haben Betroffene der Stiftung Anerkennung und Hilfe in Thüringen die Möglichkeit, sich für ein Beratungsgespräch sowie Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen in einer Anlauf- und Beratungsstelle anzumelden. Die Anlauf- und Beratungsstelle in Thüringen ist im Sozialministerium angesiedelt:

Ansprechpartner:
Manuel Schmidt (Leiter), Nadine Böttger (Beraterin), Thomas Bähr (Berater)

Tel.: 0361 / 573811-260
Fax: 0361 / 573811-820
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Telefonsprechzeiten: 
Dienstag: 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr
Donnerstag: 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Adresse: Werner-Seelenbinder-Straße  6, 99096 Erfurt

 

Tagung mit Vorträgen von Dr. Martin Jung, Dr. Georg Herbstritt, Helmuth Frauendorfer und Christian Dietrich

Am 11. November findet ab 10:00 Uhr in der Kleinen Synagoge in Erfurt (An der Stadtmünze 5) eine Tagung zum Thema "Rumänien und Deutschland im Kommunismus" statt. Wie eng waren die Beziehungen zwischen Stasi und Securitate? In welchem Fokus stand die deutsche Minderheit Rumäniens für den Geheimdienst unter Nicolae Ceaușescu? In welcher Form war die DDR-Opposition gegenüber der kommunistischen Diktatur in Rumänien aktiv? Und wie wurde der rumänische Widerstand in der DDR wahrgenommen? Diese und weitere Fragen werden im Rahmen der Rumänientagung von renommierten Rumänien-Experten diskutiert.

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Das Programm im Detail: 

Begrüßung
Foto WebseiteChristian Dietrich, Landesbeauftragter

„Beziehungen zwischen Staatssicherheit und Securitate“
Dr. Georg Herbstritt, BStU

„DDR-Opposition und Diktatur in Rumänien“
Christian Dietrich, Landesbeauftragter

Mittagspause

„Rumäniendeutsche und die Ceaușescu-Diktatur“
Helmuth Frauendorfer, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

„Die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Rumänien nach 1990“
Dr. Martin Jung, Trier

Schlusspodium
Christian Dietrich, Helmuth Frauendorfer, Dr. Georg Herbstritt, Dr. Martin Jung

Gerbergasse 84Im neuen Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ stehen diesmal Fragen zur Wirtschaftsgeschichte Ostdeutschlands im Mittelpunkt.

Wie vielfältig und kontrovers die Perspektiven bis heute ausfallen, zeigt die Bandbreite der Titelthemen. Zu Beginn verfolgt eine Spurensuche die statistische Karriere der DDR als „eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt“. Ausgangspunkt dafür ist die SED-Propagandaformel „Unter den ersten zehn“, die Mitte der 1960er Jahre verstärkt auftauchte und sogar von westlichen Korrespondenten übernommen wurde. In einem anderen Beitrag analysiert der Historiker Dietmar Remy, der bald eine umfangreiche Biografie über Wolfgang Biermann (1927–2001) veröffentlicht, das Wirken des umstrittenen Zeiss-Generaldirektors, der von 1975 bis Ende 1989 an der Spitze des Kombinats Carl Zeiss Jena stand. Weitere Beiträge untersuchen die ökonomische Bedeutung der Bausoldaten für das SED-Regime, die Wirtschaftsspionage in West-Berlin oder die Struktur des ostdeutschen Treuhandpersonals.

Doch auch die zusätzlichen Texte im Heft zur Zeitgeschichte bieten neue Einsichten. Etwa eine Darstellung über die wenig bekannte Gruppe der Auskunftspersonen (AKP), die abseits der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) ein dichtes Informanten-Netz in den Wohngebieten bildeten. Der „Weiße Kreis“ war im Sommer 1983 eine lose Gruppe von Ausreisewilligen, die friedlich und zumeist weiß gekleidet auf dem Platz der Kosmonauten (heute Eichplatz) demonstrierten. Heidelore Rutz war mit ihrer Familie dabei und wurde inhaftiert. Sie schildert in einem persönlichen Bericht ihren langen Weg in die Freiheit. Ein Artikel zu den Erinnerungen von Opfern politischer Gewalt, ein Nachruf auf die verstorbene DDR-Fußballlegende Manfred Kaiser sowie eine Betrachtung zum Phänomen „DDR-Alltags-Museen“ runden das Heft ab.

Die neue Ausgabe 3/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 84) ist ab sofort im Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Am 2. Oktober ist Wolfgang Mayer nach längerer Krankheit verstorben.

Wolfgang Mayer besetzte am 9. September 1988 die Dänische Botschaft in Ostberlin zusammen mit weiteren Ausreisewilligen. Der dänische Botschafter verständigte die DDR-Regierung, die in der darauffolgenden Nacht in das Botschaftsgelände eindrangen und die Botschaftsbesetzer inhaftierten. Die dreizehn Erwachsenen wurden einen halben Tag lang verhört, die fünf Kinder in ein Heim verbracht. Später wurden die Flüchtlinge zu mehrjährigen Gefängnisstrafen „auf Bewährung“ verurteilt und durften am 22. März 1989 ausreisen.

Wolfgang Mayer nahm seinen Wohnsitz in Cochem an der Mosel und verarbeitete seine Erfahrungen mit der Ausreise in den beiden Büchern „Dänen von Sinnen“ (1990) und „Die mit dem Storch zogen“ (1992). Er studierte Politikwissenschaft und promovierte zur Rechtslage und DDR-Praxis gegenüber Ausreisewilligen („Flucht und Ausreise“, publiziert 2002).

Zuvor hatte er von 1970 bis 1975 Pädagogik an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg studiert. Anschließend war er bis 1986 in Ilmenau und Hildburghausen als Lehrer für Mathematik und Polytechnik angestellt. Am 10. März 1987 stellte Wolfgang Mayer zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern einen Ausreiseantrag. Er wurde daraufhin fristlos entlassen. Nach längerem Kampf wurde er 2002 in Thüringen wieder in den Thüringer Schuldienst eingestellt. 2007 begründete er das Internetforum „Flucht und Ausreise“.

"Ich habe ihn als einen aufmerksamen Zeitgenossen und streitbaren Demokraten und Erwachsenenbildner kennengelernt", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. Er wird uns fehlen. 
Die Trauerfeier findet am Samstag, den 14.10.2017 um 13:30 Uhr in der Trauerhalle des Großen Friedhofs in der Leonhardtstraße in Greiz / Thüringen statt.

fuchs einband 300dpiEnde 2016 fand an der Universität Wrocław/Breslau eine internationale Tagung zu Jürgen Fuchs mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung und der Landtage bzw. Landesbeauftragten von Sachsen und Thüringen statt. Im Zentrum stand die Rezeption der literarischen Werke von Jürgen Fuchs und seines Ansatzes der opferorientierten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostmitteleuropa.
Inzwischen ist der von Ernest Kuzcynski (Łódź/Lodz) herausgegebene Tagungsband „Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik“ erschienen. Ein besonderes Augenmerk der Tagung lag in der Rezeption von Leben und Werk des Jürgen Fuchs in Polen und Tschechien. Im polnischen Samisdat waren seine Texte schon während des Kriegsrechts 1985 erschienen. Sein Einsatz für die Öffnung der Akten der Geheimpolizei fand jedoch unter den Demokraten Polens nicht die nötige Unterstützung.
In einer Münchner Rezension (Volker Strebel) der Publikation heißt es: „Dass ausgerechnet die Nachfolgepartei der SED das Monopol auf ostdeutsche Befindlichkeiten für sich in Anspruch nimmt, … ist in weiterer Fingerzeig“ für die Dringlichkeit der Lektüre von Jürgen Fuchs.
Am 8. November wird der Politologe und Germanist Dr. Ernest Kuzcynski im Thüringer Landtag mit einigen Autoren des Bandes die Forschungsergebnisse präsentieren. Dabei wird es auch um die Geschichte des Tonbandes gehen, das die SED zum Anlass nahm, um Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerulf Pannach zu inhaftieren und später aus der DDR abzuschieben.

Ausschnitt Fluchthelfer Web

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 gruben couragierte Fluchthelfer mindestens 39 Tunnel unter der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin hindurch. Damit ermöglichten sie mehr als 254 Menschen auf spektakuläre Weise die Flucht nach West-Berlin. Sie verhalfen den Flüchtlingen zu einem Leben in Freiheit, ermöglichten Familienzusammenführungen und bewahrten jene Menschen vor Verfolgung und politischer Haft.

Einer jener mutigen Tunnelbauer war Klaus-Michael v. Keussler. Er wird im Rahmen der Veranstaltung "Fluchthelfer im geteilten Berlin" über seine Intention, seine Erlebnisse und die Herausforderungen sprechen, die mit dem Bau von Fluchttunneln in Zusammenhang standen.
Daneben berichtet Dr. Günther Heinzel als Zeitzeuge über die Vorbereitung der riskanten Flucht seiner jetzigen Frau über den Checkpoint Charlie im Kofferraum eines alliierten Militärfahrzeugs.

Eingeleitet wird der Abend durch den renommierten Historiker und Journalisten Sven Felix Kellerhoff, der einen allgemeinen Einführungsvortrag zur Entwicklung der Fluchthelferszene im geteilten Berlin geben wird.

Die Veranstaltung findet am 26. Oktober 2017 um 18:00 Uhr in der Thüringer Landesvertretung in Berlin statt. Wir freuen uns auf Sie! 

Erinnerung an das Schaffen des gebürtigen Jenensers

Lutz Rathenow feiert heute seinen 65. Geburtstag. Er ist ein Revolutionär, der das Florett des Humors beherrscht und Raum schafft für die nötigen Verunsicherungen in der deutschen Erinnerungslandschaft. Thüringen hat ihm viel zu verdanken.
Er wurde 1952 in Jena geboren und kehrte nach dem Grundwehrdienst als Grenzsoldat in seine Heimatstadt zurück, um Geschichte und Deutsch auf Lehramt zu studieren. Zugleich gründete er im Herbst 1973 den Jenenser Arbeitskreis Literatur und Lyrik, zu dem auch Udo Scheer und Siegfried Reiprich gehörten. Lutz Rathenows Freude an Sprache und Hintersinn brachte ihn schnell mit SED-kritischen Autoren und Liedermachern zusammen. Nach fast zwei Jahren wurde der Arbeitskreis verboten. Jürgen Fuchs, ein wichtiger Freund, wurde zur gleichen Zeit exmatrikuliert und floh aus Jena. Rathenow schloss sich dem Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann an. Daraufhin wurde er inhaftiert und exmatrikuliert. Mit Hilfe seiner Frau fand er 1977 in Ostberlin eine neue Wirkungsmöglichkeit und wurde freischaffender Autor und Förderer vieler Autoren, die in der DDR nicht veröffentlichen konnten.
1980 wurde er von der Staatssicherheit inhaftiert, doch nach internationalen Protesten wieder freigelassen. Er veröffentlichte Essays, Gedichte und Dramen in der Bundesrepublik und war einer der klugen Kommentatoren zum Ende der SED-Diktatur. In der Initiative für Frieden und Menschenrechte arbeitete er auch mit dem Landesbeauftragten Christian Dietrich zusammen. Sein Oeuvre ist kaum zu überblicken, reich an gezielten Irritationen. Zuletzt vor allem Gedichte, Kinderbücher und Kolumnen, auch in Thüringer Tageszeitungen.

Lutz Rathenow ist seit 2011 Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen. In seinem jüngsten Band „Gedichte zum Größerwerden. Der Elefant auf dem Trampolin“ hat er Erfahrungen und Sprachlogik gemischt. Auf dem Weg „zum Größerwerden“ gehört es auch, sich der eigenen Bedürftigkeit anzunehmen. Der Text dazu bekam die Überschrift „Empörung“ und der Illustrator Egbert Herfurth setzte ihn in Beziehung zum Amt des Autors: Empörung Ein Mensch schleicht rennt läuft um ein Haus, er will nur eins – möglichst rasch hinein hinein. Und ist er drin, will er nur noch: heraus heraus. Ich bin wirklich ein Opfer, sagt der Mann, schrecklich, dass ich ohne Luft nicht atmen kann. Verflixte Erde, die mich sonst nicht leben lässt. Und die Schwerkraft hält mich zudem fest. Was brauch ich zum Leben? Wird es mir gegeben? Kann ich es mir nehmen?

Vielen hat Lutz Rathenow bei diesen Fragen geholfen. Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag Lutz Rathenow!

Akten zu den Zwangsaussiedlungen im Bezirk Suhl benutzerfreundlich auffindbar

Das Findbuch zu den Akten der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Suhl (BdVP Suhl) kann seit Kurzem über das Archivportal Thüringen (www.archive-in-thueringen.de) online eingesehen werden. Im Bestand der BdVP Suhl finden sich unter anderen Akten zu den Zwangsaussiedlungen, die 1952 und 1961 in den Grenzkreisen stattfanden. Betroffen von den Aussiedlungsmaßnahmen waren im Bezirk Suhl die Kreise Hildburghausen, Meiningen, Bad Salzungen, Sonneberg und Neuhaus am Rennweg: Aus etwa 100 Ortschaften wurde ins Landesinnere zwangsausgesiedelt. Einige Orte sind dann im Zuge der weiteren Grenzsicherung geschleift worden, zum Beispiel Billmuthausen im heutigen Landkreis Hildburghausen. Der Bestand der BdVP Suhl eröffnet, nach seiner teilweisen Neuerschließung und technischen Neubearbeitung durch das Staatsarchiv Meinungen und das Hauptstaatsarchiv Weimar, den Forschern interessante Einblicke. In den Abteilungen Chef der BdVP Suhl, Operativstab und Pass- und Meldewesen sind aussagekräftige Dokumente zu erwarten. Entsprechend dem Online-Findbuch sind zahlreiche Unterlagen zur „Aktion Blümchen“ – der Deckname der Aussiedlungsaktion 1961 im Bezirk Suhl – in der Abteilung Operativstab enthalten.

Hier sind beispielsweise Quellen auffindbar, die die detaillierte Planung im Vorfeld dokumentieren, aber auch Informationen der Begleitoffiziere, Lagemeldungen während der Durchführung und Einzelberichte über die Aussiedlungen enthalten. In den Akten der Abteilung Pass- und Meldewesen finden sich zudem Namensverzeichnisse der Zwangsausgesiedelten aus den Kreisen Meiningen, Sonneberg und Hildburghausen, die zwischen dem 5. und 7. Juni 1952 in der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ umgesiedelt wurden. Des Weiteren umfasst der Bereich Pass- und Meldewesen auch drei Unterlagenbände, die die Namen und die Gründe der Aussiedlung im Jahr 1961 enthalten. (Siehe Bild. Das abgebildete Dokument veranschaulicht die perfide Begründung zur Aussiedlung der Familie Bernoth und die 1961 an der Zwangsaussiedlung beteiligten Institutionen Staatssicherheit, Volkspolizeikreisamt, Grenzpolizei und als Vorsitzender der Kreiseinsatzleitung (KEL), der 1. Sekretär der SED im Kreis. Die in der Quelle erwähnte Familie Bernoth hat dieses Dokument dem Staatsarchiv Meiningen zur Nutzung freigegeben. An dieser Stelle möchten wir der Familie Bernoth und dem Staatsarchiv Meiningen danken, das vertrauliche Dokument abbilden zu dürfen.) 

Da Akten personenbezogene Angaben aufweisen, können diese erst nach Erlöschen der Schutzfrist von 90 Jahren nach der Geburt bzw. 10 Jahren nach dem Tod der Person eingesehen werden. Eine Aufhebung dieser Schutzfrist kann im Rahmen eines Schutzfristenverkürzungsverfahrens im Archiv beantragt werden. Für die weitere Erforschung der Zwangsaussiedlungen in Thüringen stellt die benutzerfreundliche Aufarbeitung des Bestandes BdVP Suhl einen wichtigen Schritt dar. Für ein ausgewogenes Bild der damaligen Ereignisse empfiehlt es sich zudem mit Zeitzeugen zu sprechen und weitere schriftliche Überlieferungen in den Staats- und Kreisarchiven zu sichten.

"Auf dem Weg zur Zivilgesellschaft“

Plakat WebEnde der 1980er Jahre ächzt die DDR. Die Führungsriege ist alt, die sozialistische Utopie verbraucht und die Hoffnung vieler auf eine glückliche Zukunft dahin. Zugleich engagieren sich einige Menschen in kleinen Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen, um ihre Zukunft mitzugestalten. Vor dreißig Jahren, im November 1987, stürmt die Staatssicherheit die Umweltbibliothek in der Zionskirche und die Arbeit dieser Gruppen wird auf einmal für die Öffentlichkeit wahrnehmbar.
Vor vierzig Jahren wurde mit der Charta 77 in der ČSSR bereits ein Grundstein für die ost(mittel)-europäische Demokratieentwicklung gelegt. An die Menschen, die sich im letzten Jahrzehnt der DDR für eine ostdeutsche Zivilgesellschaft einsetzten, will der Thüringer Geschichtsverbund erinnern. Zusammen mit den Referenten und Besuchern wollen wir uns über den Sinn oder Unsinn, die Freude und auch Last von gesellschaftlichem Engagement, damals wie heute, austauschen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch - das Bürgerfest findet am 10. September 2017 zwischen 15:00 Uhr - 21:00 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt statt. 

Nach jüngster Studie des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an innerdeutscher Landgrenze ums Leben

Mit dem Bau der Berliner am 13. August 1961 wurde das letzte Schlupfloch in den Westen geschlossen. Nach jüngsten Forschungen des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an der innerdeutschen Landgrenze (ohne die Todesopfer an der Berliner Mauer) bis 1989 ums Leben. Die Leiterin des Berliner Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, geht aktuell von insgesamt 1899 Todesopfern des Grenzregimes aus.
Nicht zuletzt wegen des stetigen Ausbaus der Sicherungsanlagen an der deutsch-deutschen Grenze versuchten Menschen auch außerhalb der DDR, den „Eisernen Vorhang“ zu überqueren. Allein an der Grenze der CSSR verloren mehr als 770 Menschen auf der Flucht ihr Leben, unter ihnen mindestens 17 Personen aus der DDR.

„Der 13. August 1961 ist ein Schlüsseldatum der europäischen Geschichte und Anlass jenen zu danken, die Menschen aus der DDR gerettet haben, die die Grenze durchlässiger machten und letztlich einrissen“, sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. „Es ist aber auch ein Tag der Trauer. Nicht nur die Toten sind unvergessen, auch die erzwungenen Beziehungsabbrüche. Schuld und Verrat gerade innerhalb der Familien wirken ist bis heute“, fügt Dietrich hinzu.

Faktisch war der SED-Staat nach dem Bau der Berliner Mauer ein Gefängnis. Der Versuch einer Flucht aus der DDR, sowie dessen Vorbereitung oder Nichtanzeige konnten bestraft werden. Mit dem verschärften Passgesetz von 1957 wurde jede nichtgenehmigte Ausreise aus der DDR strafrechtlich verfolgt. Das Strafmaß konnte seit 1979 bis zu acht Jahren Haft betragen. Verurteilt wurde auch, wer Fluchtvorbereitungen - selbst innerhalb der eigenen Familie - nicht angezeigt hatte. Über 60.000 Menschen erhielten als DDR-Flüchtlinge und Fluchthelfer Haftstrafen. Zudem wurden Kinder und Jugendliche in diesem Zusammenhang in geschlossene Jugendeinrichtungen eingewiesen.

Jenen Opfern des DDR-Grenzregimes wird am 13. August in Thüringen im Rahmen von mehreren Veranstaltungen gedacht, etwa in Form eines Gottesdienstes und der Kranzniederlegung in Eisenach oder einer Gedenkstunde im Grenzmuseum Schifflersgrund. Im Menschenrechtszentrum Cottbus wurde zum 50. Jahrestag des Mauerbaus vor sechs Jahren die Gedenkaktion "1 Ziegel für 1 Maueropfer" begonnen. Am Sonntag wird diese Gedenkmauer nunmehr eingeweiht.

Der Landesbeauftragte gratuliert dem wichtigen Aufarbeiter der SED-Diktatur herzlich zum Geburtstag.

Auerbachs Vita steht ganz im Zeichen des Widerstands gegen Diktatur und Unrecht. 1965 verweigerte er den Militärdienst und widerstand den Anwerbeversuchen der Staatssicherheit. 1971 wurde Auerbach Stadtjugendwart der evangelischen Kirche in Jena und prägte die Junge Gemeinde Stadtmitte und deren Offene Arbeit nachhaltig (Mehr dazu hier auf jugendoppostion.de. Diesbezüglich auch lesenswert ist die Publikation "Jugend zwischen Kirche und Staat: Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970-1989" von Henning Pitzsch, Köln / Weimar 2005).

Nachdem er Ende 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert und Unterschriftensammlungen organisiert hatte, wurde er inhaftiert (sein Haftbefehl ist hier in der BStU-Mediathek einsehbar) und Anfang September 1977 nach zehn monatiger Untersuchungshaft gegen seinen Willen mit einigen Freunden nach West-Berlin abgeschoben und ausgebürgert. Von West-Berlin aus unterstütze er gemeinsam mit Jürgen Fuchs, Roland Jahn und anderen die Oppositionsbewegung in der DDR. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen beteiligte sich Auerbach schließlich an der Besetzung der MfS-Bezirksverwaltung in Gera. Maßgeblich engagierte er sich dann im Fortgang an der Aufarbeitung der SED-Diktatur; so war der gebürtige Leipziger bis zu seinem Ruhestand 2009 leitender Mitarbeiter des BStU. Er publizierte u.a. zu den Planungen der SED gegen die Opposition im Ausnahmezustand ("Vorbereitungen auf den Tag X. Die geplanten Isolierungslager des MfS"), zum Terroreinsatz in der Bundesrepublik ("Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front“) und zur Geschichte des Widerstands gegen die SED in Thüringen.

Wir danken Thomas Auerbach für seinen Mut in den Zeiten der Diktatur und für die Klarheit in den Jahren der Demokratisierung und wünschen ihm Kraft für den Alltag, Nähe der Freunde und Gottes Segen für die Zukunft.

Todesstrafe ZuschnittVor 30 Jahren, am 17. Juli 1987, wurde in der DDR die Todesstrafe aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Es war ein notwendiger Schritt, damit Staats- und Parteichef Erich Honecker in die Bundesrepublik reisen konnte. Wie so oft, entschied der Staatsrat auf Empfehlung des SED-Politbüros, die Volkskammer wurde erst danach gefragt.

Der Friedensarbeitskreis Naumburg (u.a. mit Michael Kleim und Christian Dietrich) forderte bereits seit Ende 1986 die Abschaffung der Todesstrafe. Der Landesbeauftragte wurde dafür als Sympathisant der NS-Kriegsverbrecher denunziert; dabei war er ein Sympathisant der DDR-Flüchtlinge, auf die geschossen wurde.

Die Forderung wurden seinerzeit über ein Flugblatt publik gemacht; in einem aktuellen Artikel von Michael Kleim hier auf meinanzeiger.de lesen Sie mehr zu den Hintergründen der Protestaktion. 

Vor 25 Jahren wurde eine akribisch erarbeitete Liste der fast 5.000 Hallenser inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit veröffentlicht. Die Dekonspirierten wehrten sich, doch nach acht Jahren Rechtstreit bekamen die Aufklärer recht: Veröffentlichungen zur Stasimitarbeit können nicht mit dem Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz verhindert werden. Außerdem stellten die Bundesverfassungsrichter fest: "Die Feststellung des Bundesgerichtshofs, die Liste habe zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit praktisch nichts beitragen können, hält verfassungsrechtlicher Prüfung ebenfalls nicht stand. Der Bundesgerichtshof hat insoweit die Suggestivkraft, die mit der Veröffentlichung der Liste verbunden war, nicht hinreichend berücksichtigt: Die Liste vermittelt aufgrund ihrer Länge einen nachhaltigen Eindruck von der massiven Durchdringung der Gesellschaft der DDR durch das MfS, verliert sich wegen der konkreten Angaben, insbesondere der Namensnennungen, aber nicht in der Abstraktheit bloßer Zahlen. Die fehlende Spezifizierung der Tätigkeit der in der Liste Aufgeführten, die für den Bundesgerichtshof gerade Anlass war, die Auslegung der Liste im Hinblick auf die Klägerin als rechtswidrig anzusehen, verdeutlichte, dass der potentielle Zugriff des MfS auf Informationen weit reichte und vielfältig war. Die Liste war damit aus Sicht des Beschwerdeführers ein geeignetes Mittel, die Realität des breit gefächerten Informantensystems - so, wie er es sah - vor Augen zu führen." (Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 23. Februar 2000)

Mehr zu jenem in dieser Form einmaligen Fall in einem kurzen Video hier auf Spiegel Online und einem aktuellen Artikel auf Mitteldeutsche Zeitung Online.
Ausführlich beschäftigt sich auch eine Publikation der Landesbeauftragten von Sachsen-Anhalt dazu: Der Titel "Darf man das? Die Veröffentlichung von Stasi-Listen in Halle an der Saale im Sommer 1992 und die Folgen." ist zugleich Dokumentation und Auseinandersetzung mit der Thematik und beinhaltet Beiträge von Steffen Reichert und Peter Raue sowie den ungekürzten Text des Bundesverfassungsgerichts.

Gerbergasse18 Heftcover 83Wie wichtig sind Gedenktage und historische Jubiläen für unsere Erinnerungskultur? Mit der sogenannten Oktoberrevolution vor hundert Jahren haben wir es besonders schwer. Weder die zeitliche Begrenzung auf die Ereignisse im Oktober 1917 noch die Einordnung als Revolution oder die verkürzte Deutung als Ursprung des Weltkommunismus sind hinreichend. Obwohl die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ zum ideologischen Kern des DDR-Geschichtsunterrichts gehörte, blieben oft nur Schlagworte hängen. Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ fragt deshalb nach Folgen und Wirkungen des „Roten Oktober“.

Das Heft 83 bietet aber noch viele weitere spannende Beiträge, etwa zum Tabuthema Prostitution in der DDR, den Vertreibungen in Thüringen durch Kreisverweise zwischen 1945 und 1951, der Jazzszene in Jena der 1980er Jahre oder den Herausforderungen der Geschichtsvermittlung durch innovative Spieleformate (digital und analog). Eine Charakterskizze des Autors Dietmar Ebert stellt den Juristen und Vater der Thüringer Landesverfassung Eduard Rosenthal (1853–1826) prägnant und facettenreich vor. Das biografische Porträt des Ehrenbürgers Rosenthal schildert dessen vielfältiges und weitsichtiges Wirken in der Stadt Jena und darüber hinaus, wobei seine Bedeutung und Ausstrahlungskraft bis heute kaum bekannt sind. Seit 2007 besteht mit der Villa Rosenthal, unterhalb des Westbahnhofs gelegen, ein eindrucksvoller Veranstaltungs- und Erinnerungsort, zugleich eine Würdigung des engagierten Ehepaars Clara und Eduard Rosenthal. Weitere Informationen zur "Gerbergasse 18" finden Sie hier

TdTAuch in diesem Jahr sind wir am Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag (17. Juni, 10:00 - 17:00 Uhr) mit einem Stand vertreten. Dort gibt es die Möglichkeit, an einem Quiz zur DDR-Geschichte teilzunehmen. Wer sich auskennt, kann tolle Preise zu gewinnen. Daneben haben wir ein breites Programm rund um das Thema DDR, SED-Unrecht und Aufarbeitung: 

FIlmvorstellungen in Raum F 002: 

11.00 Uhr:
„Der 17. Juni in Jena. Skizzen eines Aufstandes.“ (2014)
Eine filmische Zeitzeugendokumentation von Torsten Eckold und Daniel Börner. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Daniel Börner.

12.30 Uhr:
„Vertreibung 1961“ (2017)
Ein Film von Peter Grimm und Eckardt Reichl über die Zwangsaussiedlungsaktionen in der DDR. Eine Spurensuche.

13.30 Uhr:
„Kaputt“ (2016)
Kurzfilm von Alexander Lahl und Volker Schlecht über das zentrale Frauengefängnis der DDR. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Zeitzeugin und Künstlerin Gabriele Stötzer.

14.00 Uhr:
„Die letzten Zeugen des Gulag“ (2014)
Ein Film von Dean Cáceres und Lars Henze, der sich auf Spurensuche nach den letzten Überlebenden der stalinistischen Arbeitslager begibt. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Dr. Dean Cáceres. 

Podiumsdiskussion im Plenarsaal

15.30 - 17.00 Uhr:
"Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017"

Am Gedenktag der Opfer des SED-Unrechts werden Vertreter aller Landtagsfraktionen über Erwartungen und Ziele eins solchen Gedenktages debattieren. Außerdem soll es um die fehlende Würdigung bestimmter Opfer der SED-Diktatur und Perspektiven der Aufarbeitung in Thüringen gehen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung, ob die Frage "Was bzw. wer beschädigt die Würde des Parlaments?" ein Mittel der Diktaturaufarbeitung ist.Grundsätzlich soll dabei der Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017 beleuchtet werden.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich übernimmt die Moderation der Podiumsteilnehmer, bestehend aus Herbert Wirkner (CDU), Mike Huster (DIE LINKE), Birgit Pelke (SPD), Corinna Herold (AfD) und Dirk Adams (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).

Ausstellungen: 

10.00 - 17.00 Uhr, Funktionsgebäude EG: 
"Flucht und Ausreise" 

10.00 - 17.00 Uhr,  Außengelände vor dem Verwaltungshochaus:
"Aufbruch nach Europa"

Der Journalist und Publizist Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke wird am 15. Juni für sein Lebenswerk mit dem Aufarbeitungspreis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgezeichnet, der 2017 erstmals verliehen wird. „Wie kaum ein anderer hat sich Karl Wilhelm Fricke vor und nach 1989 mit der Repression in der DDR auseinandergesetzt, seine sachlichen und faktenreichen Analysen als Autor und jahrelanger Redakteur des Deutschlandfunks sind bis heute von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky.

Karl Wilhelm Fricke zählt außerdem zu den bekanntesten Entführungsopfern des Kalten Kriegs. Weil seine Veröffentlichungen über Verfolgung und Repression in der DDR den kommunistischen Machthabern gefährlich wurden, stellte ihm die Staatssicherheit am 1. April 1955 in West-Berlin eine Falle und verschleppte ihn in die DDR. In einem Geheimprozess wurde Fricke zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Einzelhaft verbüßen musste.

Ermöglicht wurde der Aufarbeitungspreis durch eine Spende des Publizisten und ehemaligen Fluchthelfers Dr. Burkhart Veigel an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Preis würdigt das herausragende Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage im vereinten Deutschland und in Europa. Verliehen wird die Auszeichnung durch Bundespräsident a. D. Horst Köhler, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann hält die Laudatio.

Mit der Wahl des Datums der Preisverleihung erinnert die Bundesstiftung Aufarbeitung zugleich an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, als über eine Million Menschen ihren Protest gegen die kommunistische Herrschaft in der gesamten DDR auf die Straße trugen und das Ende der SED-Herrschaft, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderten.

Schon früh machte die Thüringer Regierungskoalition klar, dass sie die Bewertung von Abgeordneten als "parlamentsunwürdig" kritisiert. Die Debatte nimmt derzeit neue Fahrt auf, laut dieses aktuellen Artikels auf MDR online soll etwa der ehemalige IM "Kaiser", Frank Kuschel, nicht mehr als "parlamentsunwürdig" erklärt werden. Erneut besprochen wird auch der Fall Herbert Wirkner hier auf Thüringische Landeszeitung online. Wirkner wurde seinerzeit von der Stasi zur Gewinnung als Spitzel umworben.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärte gegenüber dem Thüringer Landtag bezüglich der Debatte u.a.: "Die Streichung des Begriffs 'parlamentsunwürdig' ist nur zu erklären als eine Resignation aufgrund der Differenz zwischen der Bewertung und dem faktischen Vollzug der Bewertung. Es wäre jedoch eine Selbstbeschränkung des Parlamentes, deshalb zugleich die Bewertung zu streichen. In der FORSA-Umfrage der Brandenburgischen Enquetekommission zur Aufarbeitung war eine deutliche Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Stasibelastung und Mandat sich ausschließen. Unter denen, die angaben, DIE LINKEN zu wählen, waren es jedoch lediglich 50%. Während das Werturteil 'parlamentsunwürdig' von der Regierungskoalition abgelehnt wird, hat die Koalition zugleich die 'Regierungsunwürdigkeit' von Menschen, die offiziell oder inoffiziell für die Staatssicherheit gearbeitet haben bestätigt. Die Koalition hat dies sogar verschärft, in dem auch 'Menschen, die leugnen, dass die DDR kein Rechtsstaat war' keine Regierungsverantwortung übernehmen dürfen. Es bleibt dabei, wenn eine Belastung eines Mandatsträger festgestellt wird, sind die bzw. der Abgeordnete und ihre bzw. seine Partei in der moralischen Verpflichtung zu handeln." (Siehe dazu diesen Artikel aus Januar 2016)
Nachtrag 02.06.2017: Interview im Deutschlandfunk (Henry Bernhard) mit Frank Kuschel, Uwe Höhn, Astrid Rothe-Beinlich, Herbert Wirkner unter Wendehälse: Wie Thüringens Parlament mit Stasi-Spitzeln umgeht

Anlässlich der befreienden Ausreise von Reiner Kunze aus der DDR vor 40 Jahren wurde am 26. April im Thüringer Landtag Oppositioneller im SED-Regime gedacht, Fluchtgeschichten erzählt und die zurückgewonnene Heimat gefeiert. Reiner Kunze liest aus seinem Werk. Wir haben die Veranstaltung in Bild und Ton begleitet:

Geboren 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge lebte der Schriftsteller von 1962 bis 1977 in Greiz/Thüringen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings trat Kunze aus der SED aus. Mit dem Prosawerk "Die wunderbaren Jahren" (erschienen 1976 in Frankfurt/Main) beschrieb er die Bedrohung der Individualität junger Menschen in der DDR. Kunze wird zum Staatsfeind erklärt und aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Das kam einem Berufsverbot gleich. Familie Kunze stellte aufgrund dieser Entwicklung einen Ausreiseantrag und konnte vor 40 Jahren die DDR verlassen.
Unter dem Titel "Deckname Lyrik" veröffentlichte Kunze 1990 unmittelbar nach den Stasibesetzungen Auszüge aus den Akten der Staatssicherheit, die dokumentieren, wie perfide das SED-Regime den Schriftsteller und seine Freunde verfolgt hatten.

IMG 2087 Zuschnitt WebHeute hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich den Tätigkeitsbericht der Jahre 2015 und 2016 im Thüringer Landtag an den Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius, übergeben und im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeit der Behörde in den vergangenen zwei Jahren informiert. 

Der Tätigkeitsfokus des Landesbeauftragten lag wie in den Jahren zuvor in der Beratung. Christian Dietrich ging zentral auf folgende Fragen ein: Wie hat sich die Beratungssituation ehemaliger politisch Verfolgter entwickelt? Wie entwickelt sich die Rechtslage der Betroffenen?
Der Landesbeauftragte dazu:  „Die Zeitzeugen der frühen Jahre der DDR werden weniger. Jetzt werden die Leiden der späteren DDR-Generationen in den Beratungen präsenter. Der Gesetzgeber hat die Rehabilitierungen bis Ende 2019 befristet. Ein Schlussstrich ist unserem Land unwürdig. In Thüringen leben statistisch gesehen besonders viele Opfer der SED-Herrschaft. Entsprechend hoch sind die Entschädigungsleistungen und Hilfen, die ausgezahlt werden. Allein für die Opferrente in Thüringen wurde im vergangenen Jahr über 18 Millionen € gezahlt. Der Bedarf nach Beratung, Aufklärung und Hilfe ist groß. In der letzten Zeit wurde die Würdigung derer, die wegen ihrer Religion in der DDR verfolgt wurden, zur Herausforderung für den Freistaat.“

IMG 2098 Zuschnitt WebIm Zuge der Pressekonferenz erläuterte der Landesbeauftragte auch die eigene Bildungsarbeit in Kooperation mit Bildungsträgern und in eigener Verantwortung. Im Berichtszeitraum hat die Behörde über 70 Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Buchlesungen sowie 60 Veranstaltungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt. 
Auch auf die erfolgreiche Nutzung der Neuen Medien im Berichtszeitraum verwies Dietrich. Mit über 700 Posts zu Veranstaltungen, aktuellen Debatten und historisch relevanten Diskursen zeigt die Webseite des ThLA eine hohe Dynamik und einen erheblichen Informationsmehrwert für die Zielgruppe. Der Landesbeauftragte beteiligt sich an der politischen Bildung in Thüringen maßgeblich über die neuen Medien. Eine besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang eine interaktive Karte, die von Zwangsaussiedlungen betroffene Orte anzeigt und Hinweise auf die Gedenkkultur liefert. Die Karte ist in die Webseite des Landesbeauftragten eingebettet. Nahezu 22.000 Personen haben diese bereits aufgerufen. Ebenso verzeichnet die Facebook-Seite des Landesbeauftragten ein stetiges Wachstum, mittlerweile gefällt über 400 Personen die Seite des Landesbeauftragten auf Facebook. Über einen neu eingerichteten YouTube-Kanal sollen noch mehr interessierte Menschen erreicht werden: Zukünftig werden die Veranstaltungen des Landesbeauftragten auch durch Videoaufnahmen begleitet. 

Den Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten finden Sie hier. 

Zugleich hat der Landesbeauftragte den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-UNRECHT für das Jahr 2016 veröffentlicht. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2016 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Die Beratungsinitiative arbeitet im Auftrag des Landesbeauftragten und unterstützt die Behörde in oben genannten Tätigkeitsfeld. Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinititative können Sie hier einsehen. 

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

Der Landesbeauftragte auf Facebook:

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Beratungsangebote

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Bundesstiftung Aufarbeitung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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